Scholl | Glauben im Zweifel | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Scholl Glauben im Zweifel

Der moderne Mensch und Gott
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-650-40168-7
Verlag: Lambert Schneider in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der moderne Mensch und Gott

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-650-40168-7
Verlag: Lambert Schneider in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gott und die Naturwissenschaften: Verträgt sich das überhaupt? Für viele Menschen ist die Antwort heutzutage eindeutig: Gott ist ein Relikt aus archaischer Zeit und in einer modernen Gesellschaft überflüssig. Im Gegensatz dazu steht die wachsende Sehnsucht nach etwas Höherem. Der Wunsch nach einem individualisierten Glauben, der nicht mehr an die starren Formen der Kirche gebunden ist, wird immer deutlicher.
Vor diesem Hintergrund wagt sich Norbert Scholl in seinem neuen Band an eine ›Aktualisierung‹ des Gottesbildes. Er legt anschaulich dar, wieso Gott sehr wohl mit den aktuellen Erkenntnissen der Naturwissenschaften kompatibel und der Glaube an ihn nicht irrational ist. Dabei entwickelt er eine zeitgemäße Vorstellung von Gott, die die alten Formeln und Symbole der Tradition überwindet und dem Beten wieder einen Sinn gibt.

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I.
Ansätze bei den
Naturwissenschaften


Der Urknall – hochexplosive Anfangssituation


„Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften, die man erwarten kann, wenn dahinter kein Plan, keine Absicht, kein Gut oder Böse steht, sondern nichts als blinde, erbarmungslose Gleichgültigkeit“, behauptet der britische Biologe

Der Kosmos – ein heilloses Chaos, ein universales Durcheinander? Der Mensch – „Zufallstreffer der Natur“2 in einem kosmischen Lottospiel? Ist der Schöpfergott mittels empirischer Analyse zu Fall gebracht? Ist die Sinnlosigkeit des Universums erwiesen?

Was war vor dem Urknall?


Wir leben in einem sich ständig ausdehnenden Universum, das sich aber nicht so ausdehnt wie ein Luftballon in einem geschlossenen Zimmer. Vielmehr expandieren Universum und Welt (Luftballon Zimmer) in Weise. Sie wachsen ins Unermessliche hinein. Das zwingt zu der Annahme, dass es auch einmal eine Zeit gegeben haben muss, zu der Luftballon und Zimmer gleichsam in einem gedachten „Punkt“ kondensiert waren. Irgendwann ist dieser „Nullpunkt“ explodiert. Wir nennen das „“: der Urknall. Wissenschaftler haben berechnet, dass dieses Ereignis vor etwa 13 bis 14 Milliarden Jahren stattgefunden hat. Sie bezeichnen diese Phase extrem rascher Expansion des Universums als „kosmologische Inflation“ und nehmen an, dass sie unmittelbar nach dem Urknall stattgefunden hat.

Zum Zeitpunkt des Urknalls muss alles, was heute existiert – von den kleinsten atomaren Elementarteilchen bis zu den entferntesten Galaxien, auch solchen, die wir mit unseren Teleskopen noch gar nicht entdeckt haben –, in diesem einen „Punkt“ zusammengepresst gewesen sein. In diesem „Punkt“ herrschte eine Energiedichte, die wir nur als unendlich bezeichnen können. Unvorstellbar – das schier unendliche Universum zusammengequetscht in einem „Punkt“! Diese Situation ist einmalig, einzigartig, singulär. Die Astrophysiker sprechen hier von „Anfangssingularität“. Oder einfach „Singularität“.

Aber damit nicht genug. Die Ur-Explosion erfolgte – so jedenfalls die gängige Annahme – nicht aus einer bereits vorhandenen, zu unermesslicher Dichte komprimierten Materie. Man darf sich den Urknall nicht so vorstellen wie die Explosion einer Bombe. Da explodiert etwas bereits Vorhandenes – Sprengstoff, Metallmantel und anderes. Beim Urknall gibt es aber keine bereits vorhandene Materie, vielmehr entstehen Materie, Raum und Zeit erst bei der Explosion. „Mit dieser Singularität begann die Existenz von Zeit und Raum; vor dieser Singularität existierte buchstäblich gar nichts. Wenn also das Universum mit einer solchen Singularität seinen Anfang nahm, dann hätten wir wahrhaftig eine Schöpfung ex nihilo (aus dem Nichts).“3 Die Explosion von etwas nicht Vorhandenem erscheint nun aber gänzlich undenkbar. Wie soll ein „Nichts“ explodieren können?

Darum vermuten andere Forscher, es wäre eher denkbar, dass der Urknall aus einer bereits existierenden, zu unendlicher Dichte komprimierten Materie entstanden sei. Es wäre dann also dem Urknall ein Universum vorausgegangen – vielleicht ähnlich dem unseren –, das irgendwann einmal in sich zusammengefallen ist. Doch damit verschiebt sich nur das Problem. Denn man muss sich sofort die Frage stellen: Wer oder was hat dieses „Vor-Universum“ in einem Punkt zusammengepresst? Und wie könnte dieses Universum entstanden sein? Ebenfalls aus einem Urknall? Und wie kam dieser zustande? „Ex nihilo“?

Oder muss ich mir das (zurzeit) sich ausdehnende Universum vielleicht als etwas vorstellen, das gleichsam im ewigen Wechsel ein- und ausatmet, sich ausdehnt und zusammenzieht, implodiert und explodiert? Ein pulsierendes „Ewig“-Universum? Wer oder was gibt ihm die Kraft dazu? Und wie ist das mit den Naturgesetzen (Gravitation, Lichtgeschwindigkeit, Thermodynamik und Ähnliches)? Gelten diese Gesetze eigentlich „überall, immer und ewig“? Fragen, die kein Physiker beantworten kann, weil wir einfach mit den uns zur Verfügung stehenden Instrumenten nicht über den Urknall hinausreichen. Weil wir nicht „hinter“ den Urknall blicken können.

Argumente aus dem kosmologischen Standardmodell


Zu dem skizzierten astrophysischen Befund und dem daraus entwickelten „kosmologischen Standardmodell“ hat in jüngster Zeit der amerikanische Religionsphilosoph folgende Überlegungen vorgelegt4. Sie lassen sich thesenartig so zusammenfassen:

1. Was einen zeitlichen Anfang hat, hat eine Ursache seiner Existenz.

2. Das Universum hat einen zeitlichen Anfang.

3. Also hat das Universum eine Ursache seiner Existenz.

4. Wenn das Universum eine Ursache seiner Existenz hat, muss diese „ganz anders“ sein als das existierende Universum. Sie darf dessen Eigenarten und Beschränktheiten nicht teilen. Sie darf selbst keinen Anfang haben.

5. Also gibt es eine Ursache mit diesen Eigenschaften.

hat diese Überlegungen aufgegriffen und bei einem Vortrag in der Katholischen Akademie Bayern sechs Aspekte vorgelegt, die für einen Argumentationsstrang im Hinblick auf den Urknall, für ein mögliches „Davor“ und für die Frage nach „Gott“ zu beachten sind5:

1. . Ein Argument für die Existenz Gottes muss an irgendwelchen Ausschnitten menschlicher Erfahrung anknüpfen; es sollte einen möglichst öffentlichen, für jedermann nachvollziehbaren Ausgangspunkt haben.

2. . Es geht hier nicht um einen eng begrenzten, rein astrophysischen oder mathematischen Argumentationsrahmen, sondern um allgemeine und selbstverständliche Überzeugungen, die über den Rahmen streng naturwissenschaftlichen Vorgehens hinausweisen. Denn „wir können niemals wissen, was sich am Anfang des Universums abgespielt hat. Unserer Erkenntnismöglichkeit sind Grenzen gesetzt. … Der eigentliche Anfang wird für uns immer ein Rätsel sein. Fragen nach dem Davor und dem Draußen sind naturwissenschaftlich sinnlos.“6

3. . Ein Weiterfragen über die letztmöglich empirisch fassbaren Erkenntnisse hinaus erscheint sinnlos. Man kann mit den zur Verfügung stehenden Messinstrumenten über den Urknall hinaus nichts empirisch Aufweisbares ermitteln. Ein ewiges Weiterfragen ist nutzlos.

4. . Argumente für die Existenz Gottes können darum nicht auf der empirisch fassbaren Objektebene liegen. Gott kann weder „gut“ noch „schlecht“, weder „groß“ noch „klein“ sein, wie wir das aus unserem menschlichen Erfahrungsbereich kennen. Wenn Gott Gott sein soll, dann muss er „anders“ sein. Und zwar „ganz anders“. Dann muss er völlig andere „Eigenschaften“ besitzen als die Objekte um uns herum. Aber irgendwie muss er doch wieder diese „Eigenschaften“ in sich tragen. Sonst könnte ein von ihm geschaffenes Universum nicht mit den Eigenschaften existieren, wie wir sie kennen.

5. . Jedes Argument für Gott kann nur auf ein einziges „Etwas“ zutreffen. Aus der Aussage „Für alles gibt es eine Ursache“ folgt nicht „Es gibt erste Ursache für alles“ – es könnte auch zwei oder mehr geben.

6. . Für einen Beweis ist erforderlich, dass die Prämissen jeglichem Zweifel enthoben sind. Logische Schlüssigkeit ist auch dann gegeben, wenn das Argument zwar logisch klar ist, aber die Schlüsse daraus nicht zwingend sind.7

wendet nun diese sechs Anforderungen an die Argumente für die Existenz Gottes auf die Überlegungen von an.

1. Unproblematisch erscheint die Erfüllung der Forderung eines empirischen Ausgangspunktes. Das Universum ist schon mit bloßem Auge erkennbar. Tiefere Einblicke liefern die modernen Teleskope und Satelliten.

2. Auch der weltanschauliche Rahmen ist gegeben. Es geht nicht darum, Erklärungslücken der Physik durch Berufung auf das Eingreifen Gottes zu stopfen. Es geht vielmehr um Überlegungen in einem Bereich, in dem die Physik nichts mehr sagen kann.

3. Auch die Forderung der Vermeidung eines unendlichen Erklärungsregresses wird plausibel erfüllt: Die innerweltlichen physikalischen Erklärungen finden am Uranfang des Universums ihr Ende. Es muss der Umstieg erfolgen auf eine andere Form der Erklärung. Es spricht auch nichts für eine Kette oder Mehrzahl von außerweltlichen Erklärungsfaktoren.

4. Die Forderung der Klärung von Eigenschaften Gottes werden bei klar herausgestellt und einleuchtend erfüllt (s.o. Punkt...



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