Schneidt | Befreiung vom Schleier | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Schneidt Befreiung vom Schleier

Wie ich mich von meinem türkischen Freund und aus der islamischen Parallelwelt lösen konnte
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86415-461-4
Verlag: mvg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie ich mich von meinem türkischen Freund und aus der islamischen Parallelwelt lösen konnte

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-86415-461-4
Verlag: mvg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In ihrem Buch Gefangen in Deutschland schilderte Katja Schneidt, wie sie sich von ihrem gewalttätigen türkischen Freund trennte und den Sprung in ein neues Leben wagte. Aber wie fängt man bei null an? Katja Schneidt erzählt, wie sie es geschafft hat, trotz massiver Drohungen und Angst vor der Rache ihres Exfreundes, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie dokumentiert, wie sie sich nach Jahren der Unterdrückung und Freiheitsberaubung eine neue Zukunft schafft, alte Freunde zurückgewinnt und neue findet und wie sie juristisch gegen ihren Exfreund vorgeht. Belohnt wird ihr Kampf damit, dass sie wieder Vertrauen in sich und andere Menschen gewinnt und zudem den Partner fürs Leben findet.

Katja Schneidt macht allen Frauen Mut, sich nach einer Beziehung voller Gewalt und Unterdrückung eine neue, selbstbestimmte Existenz aufzubauen. Katja Schneidt lebt in der Nähe von Frankfurt am Main. Sie wurde bekannt durch diverse Auftritte im TV, u.a. in ihrer Dokumentation Gefangen in Deutschland.
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2. Kapitel

Unerwartete Begegnungen


Obwohl Sigrid wirklich bezaubernd war und alles tat, damit ich mich bei ihr wohlfühlte, erfasste mich nach knapp vier Wochen großes Heimweh nach meiner Familie. Ich war mir zwar der Gefahr bewusst, die nach wie vor für mich durch Mahmud bestand, aber ich hielt es nicht länger aus und packte meine schicken neuen Sachen in meine Reisetasche, um mich schnurstracks auf den Heimweg zu machen.

Da ich Angst hatte, dass meine Mutter mich überreden würde, noch bei Sigrid zu bleiben, erzählte ich ihr nichts von meinem Plan. Was ein Fehler war, wie sich schnell herausstellte … Natürlich überzeugte ich mich davon, dass Mahmuds Auto nicht in der Nähe des Hauses meiner Mutter stand, bevor ich in unserer Hofeinfahrt parkte.

Ich besaß zwar keinen eigenen Haustürschlüssel mehr, aber für Notfälle hatte meine Mutter immer einen Schlüssel unter dem Blumenkasten deponiert, der auf unserer Küchenfensterbank stand. So unauffällig wie möglich nahm ich den Schlüssel an mich und öffnete leise die Haustür.

Von dort führte ein kleiner Flur direkt ins Wohnzimmer. Auf Zehenspitzen ging ich zum Wohnzimmer, aus dem ich Stimmengemurmel vernahm. Schlagartig packte mich gute Laune. Ich freute mich so sehr, meine Familie wiederzusehen.

Mit einem breiten Lächeln im Gesicht riss ich die Wohnzimmertür auf und wollte eben ein fröhliches »Überraschung« in den Raum schmettern, als mir die Worte im Hals stecken blieben.

Ich blickte geradewegs in die tiefschwarzen Augen von Mahmud.

Er hatte es sich auf dem Sofa meiner Mutter gemütlich gemacht und führte gerade die Kaffeetasse zum Mund. Als er mich sah, musste er sich mindestens genauso erschrocken haben wie ich mich bei seinem Anblick. Denn er ließ die Tasse zu Boden fallen und sprang hektisch von seinem Platz auf.

Ich erwartete, dass er auf mich zustürzen und mir eine Ohrfeige verpassen würde und hob instinktiv schützend die Arme vors Gesicht. Auch meine Mutter war erschrocken aufgesprungen. Die Panik in ihrem Gesicht ließ erkennen, dass sie mit der Situation völlig überfordert war.

Meine Befürchtung erwies sich aber zunächst als unbegründet. Mahmud war so erleichtert, mich nach fast einem Monat endlich wiederzusehen, dass er mich fest in seine Arme schloss und mein Gesicht mit Küssen bedeckte. In mir sträubte sich jedoch alles dagegen. Ich erstarrte zu einer Salzsäule und zugleich wurde ich von einem inneren Beben erfasst, dessen Stärke mich selbst überraschte.

Natürlich blieb meine Reaktion Mahmud nicht verborgen und abrupt ließ er von mir ab. Sofort verdunkelte sich sein Blick und sein Gesicht bekam diesen bedrohlichen Ausdruck, wie ich ihn nur allzu gut kannte. Zu oft hatte ich ihn so schon gesehen.

Bevor die Angst in mir die Oberhand gewinnen konnte, besann ich mich auf meine neu gewonnene Stärke und straffte meine Schultern.

»Mahmud, bitte lass das«, presste ich zwischen meinen zusammengekniffenen Lippen hervor. »Wir sind kein Paar mehr und ich möchte nicht mehr, dass du mich anfasst«, wagte ich noch zu sagen. In der Luft lag eine Spannung, die man knistern hören konnte. Für einen Moment sah es so aus, als ob es Mahmud machen würde wie immer: sich mit Gewalt nehmen, was man ihm freiwillig nicht geben wollte. Dann besann er sich aber wohl eines Besseren und setzte ein gequältes Grinsen auf.

Fast lässig hob er beide Hände. »Okay, okay. Ich sehe schon, du brauchst anscheinend noch etwas Zeit«, versuchte er den Verständnisvollen zu spielen.

»Nein! Zeit ist es nicht, was ich brauche«, erstickte ich seine Hoffnung sofort. »Ich will nie wieder mit einem Mann zusammen sein, der meine Persönlichkeit nicht respektiert, mich schlägt und misshandelt und mich behandelt, als ob ich sein Eigentum wäre«, machte ich ihm unmissverständlich klar.

Mahmuds Augen begannen gefährlich zu flackern, doch plötzlich drehte er sich um und stürmte mit großen Schritten aus dem Haus. Die Haustür flog mit einem lauten Knall hinter ihm ins Schloss. Meine Mutter und ich zuckten beide zusammen, bevor wir uns in die Arme fielen. Ich spürte, dass sie ebenfalls am ganzen Körper zitterte.

Nachdem wir uns beide etwas beruhigt hatten, war uns sofort klar, dass ich unter keinen Umständen hierbleiben konnte. Ich telefonierte mit einem Onkel, der etwa 100 Kilometer von meinem Elternhaus entfernt wohnte.

Er hatte erst vor Kurzem zum zweiten Mal geheiratet und war mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in eine neue Wohnung gezogen. Mahmud und er hatten sich nie kennengelernt. Ich schilderte ihm kurz die Situation und nach wenigen Sätzen war er einverstanden und ich konnte zu ihm kommen.

Allerdings wollte ich erst am nächsten Tag zu ihm fahren. Zum einen war ich froh, wieder bei meiner Familie zu sein, und zum anderen hatte ich für den Abend geplant, noch einen Freund aus meiner Schulzeit zu besuchen.

Dass dies ebenfalls keine gute Idee war, würde ich später am Abend noch erfahren müssen. Zunächst aber schien alles in bester Ordnung.

Meine Mutter kochte spontan mein Leibgericht, gefüllten Weißkrautkopf mit Kartoffelpüree, und auch mein Bruder Ralf gesellte sich später zu uns. Natürlich sparte er nicht mit Vorwürfen, als wir ihm erzählten, was am Nachmittag vorgefallen war, aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr auch er sich freute, mich zu sehen.

Die Idee, dass ich erst einmal bei unserem Onkel unterkommen würde, gefiel ihm. Nachdem wir gegessen hatten, saßen wir noch eine Weile beisammen, bevor ich mich auf den Weg zu meinem ehemaligen Schulfreund machte.

Zur Sicherheit begleitete mich mein Bruder noch zu meinem Auto und versprach mir, so lange wach zu bleiben, bis ich wieder zu Hause sein würde. Gut gelaunt fuhr ich los. Mein Freund wohnte etwas abseits in einem kleinen Dorf. Der Weg dorthin führte überwiegend durch dichtes Waldgebiet.

Längst hatte die Dämmerung eingesetzt, und als ich den Wald erreichte, wurde es dort mit einem Mal noch um einiges dunkler. Ich schaltete die Scheinwerfer ein und konzentrierte mich auf die Straße, die in ständig wechselnden Kurven verlief. Mir schoss gerade durch den Kopf, dass ich hier im Winter ungern langfahren wollte, als mir im Rückspiegel ein Auto auffiel, das mich offensichtlich verfolgte.

Erst beim zweiten Hinsehen erkannte ich, dass es sich bei meinem Verfolger um Mahmud handelte. Dies war unschwer an dem ortsfremden Autokennzeichen zu erkennen.

Schlagartig brach mir der kalte Schweiß aus allen Poren und ich hatte Mühe, mein Auto weiterhin sicher auf der Straße zu halten. Die Landstraße verschwamm vor meinen Augen, und erst als ich mir mit der Hand fahrig durchs Gesicht wischte, spürte ich die Tränen, die mir herunterliefen und meine Sicht behinderten.

Es waren jedoch Tränen des Zorns! Ich empfand eine unbändige Wut auf Mahmud, dass er die Frechheit besaß, mir hinterherzuspionieren, dass er mich einfach nicht freiließ. Er wusste doch genau, dass ich geradezu panische Angst vor ihm hatte. Wahrscheinlich wollte er diese Macht über mich keinesfalls verlieren, sondern auskosten.

Ohne zu überlegen, trat ich das Gaspedal durch. Ich wusste, dass dies auf der kurvenreichen Strecke riskant war, aber mir blieb keine andere Wahl. Die Angst, dass er mich jeden Moment überholen und auf der schmalen Straße zum Anhalten nötigen könnte, um mich dann zu zwingen, zu ihm ins Auto zu steigen, war zu mächtig. Lieber würde ich mich totfahren. Dass ich mit meinem Verhalten auch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr brachte, daran dachte ich in dieser Situation gar nicht.

Die Bäume schienen nur so an mir vorbeizufliegen. Ich betete zu Gott, dass nicht plötzlich ein Reh oder ein Wildschwein vor mein Auto laufen würde. In dieser Gegend war das nach Anbruch der Dämmerung gar nicht so selten.

Ich hatte nur eine einzige Chance: Mahmud kannte sich hier absolut nicht aus. Wenn es mir gelingen würde, einen ordentlichen Vorsprung herauszufahren, um dann von ihm unbemerkt in einer Abzweigung zu verschwinden, könnte das meine Rettung sein. Sollte es ihm gelingen, mich zu stoppen, würde er mich auf jeden Fall in seine Gewalt bringen. So viel war sicher!

Ein erneuter Blick in den Rückspiegel verriet mir, dass meine Taktik aufgehen könnte. Der Abstand zwischen uns hatte sich auf ungefähr 200 Meter vergrößert.

Ich wusste, dass nach circa zwei Kilometern eine Anhöhe kommen würde, auf die dann kurz darauf eine Abzweigung folgte. Es musste mir gelingen, diese Anhöhe ein gutes Stück vor Mahmud zu passieren, da ihm dann der Blick auf mein Auto für einen Moment verwehrt sein würde. Beflügelt von dieser Vorstellung, beschleunigte ich nochmals um 20 km/h.

Kurze Zeit später konnte ich befreit aufatmen. So wie es aussah, hatte ich es tatsächlich geschafft, Mahmud abzuhängen.

Ich war gleich nach der Abzweigung in einen Waldweg hineingefahren, obwohl dies natürlich auch nicht ohne Risiko war, da ich für den Fall, dass Mahmud mich doch gesehen hätte und mir hinterhergefahren wäre, dort mit dem Auto nicht mehr hinausgekommen wäre, ich hätte dann zu Fuß fliehen müssen. Allein bei dieser Vorstellung lief mir eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Eine Flucht durch ein mir unbekanntes Waldgebiet in mittlerweile fast vollständiger Dunkelheit schien mir absolut nicht erstrebenswert.

Ich blieb noch eine gute Viertelstunde in meinem Versteck, bevor ich mein Auto vorsichtig rückwärts aus dem Waldstück herausmanövrierte. Ich wollte ganz sicher sein, dass Mahmud auch wirklich fort...


Katja Schneidt macht allen Frauen Mut, sich nach einer Beziehung voller Gewalt und Unterdrückung eine neue, selbstbestimmte Existenz aufzubauen. Katja Schneidt lebt in der Nähe von Frankfurt am Main. Sie wurde bekannt durch diverse Auftritte im TV, u.a. in ihrer Dokumentation Gefangen in Deutschland.



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