E-Book, Deutsch, 386 Seiten
Schneider Spliff 85555: EBERSBERG
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95765-939-2
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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E-Book, Deutsch, 386 Seiten
ISBN: 978-3-95765-939-2
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gerhard Schneider wurde 1965 in Wien geboren, absolvierte dort das Gymnasium und schloss danach eine Ausbildung zum Nachrichtentechniker ebenfalls mit Abitur ab. Er arbeitet als Elektronik-Konstrukteur an der Entwicklung digitaler Sprachaufzeichnungssysteme. Seit 2013 widmet er sich in seiner Freizeit schriftstellerischen Tätigkeiten, zunächst in Form von Kurzgeschichten. Für die Science-Fiction-Story 'Robo- Write' wurde er 2016 für den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie 'Beste Kurzgeschichte' nominiert. Sein erster Roman 'Ebu Gogo' erschien 2016, ebenso wie der Ratgeber 'Die Drei- Schritte-Methode', eine Anleitung zur Raucherentwöhnung mithilfe der E-Zigarette. Der Autor lebt mit seiner Familie in Wien. Zu seinen Hobbys zählen neben Literatur auch noch Musik, Geschichte und Sport.
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Albertine Gaul: Bruchlandung
Das Licht flackerte und ein hoher Warnton schrillte durch das Raumschiff. Captain Johann »Joe« Fiedler hob den Kopf und kontrollierte seine Instrumente. Auf dem Monitor blinkte eine Warnung, immer schneller, bis der Captain genervt die Augen schloss.
»Falsch programmiert! Falsch programmiert«, schallte es durch den Raum und ließ den Captain an seiner Mission verzweifeln. Was war nur passiert?
Seitdem sie der Protonenstrahlung eines sterbenden Sterns ausgesetzt gewesen waren, spielte die Elektrik und Elektronik in diesem Raumschiff verrückt. Raketen und Antrieb ließen sich nicht mehr zünden, sie trudelten steuerlos durch den Raum. Auch der Funk war gestört und in der Bordküche gab es kein warmes Essen mehr. Techniker arbeiteten unermüdlich an dem Problem, bisher ohne Erfolg.
»Captain!« Der Lautsprecher knackte leise, trotzdem konnte Johann seinen Maschinisten deutlich verstehen.
»Ja«, antwortete er ihm über Funk. »Was gibt’s, John Bean?«
»Wir haben den Fehler in der Steuerung nun gefunden und reparieren ihn. Ich denke, in einer Stunde sind wir wieder flugtüchtig.« John gab sich optimistischer als er war und auch Johann hörte es an seiner Stimme.
»Großartig. Weiter so. Melden Sie sich, wenn die Reparatur beendet ist«, antwortete er ihm, dachte aber, dass sie hoffnungslos verloren waren.
»Mach ich. Ende.« Wieder knackte es und ein leiser Summton ertönte, der immer lauter wurde. Gluckernde Geräusche kamen hinzu und erinnerten Johann an einen Kaffeeautomaten.
»Captain, die Kaffeemaschine hat sich wieder in den Funk gehackt. Soll ich sie abschalten?«, fragte Leutnant Leonie Brich Falkner und deutete auf das Gerät neben der Tür.
»Ich bitte darum. – Ist der Schutzschild wieder aktiviert?«
»Ja, ist aktiv. Aber das Schiff hat Schlagseite. Keine Steuerung möglich«, meldetet der Leutnant und tippte hektisch auf die Steuerung vor ihm. »Mist! Es lässt sich nicht stabilisieren!«
»Planet voraus! Aufschlag in sechzig Sekunden!«, meldete die Computerstimme. Dann begann sie zu zählen. »Neunundfünfzig, achtundfünfzig …«
Erneut tönte »Falsch programmiert!« durch den Äther, gefolgt von »Computer sind doof«.
»Wir müssen doch was tun können«, brüllte Johann. »Ich hoffe, John bekommt den Antrieb hin. Das sieht übel aus.«
Das Schiff schwankte bedrohlich und ächzte, als es in das Gravitationsfeld des Planeten vor ihnen eintrat. Immer schneller raste das Schiff auf den Planeten zu. Johann sah eine weite Wasserfläche unter ihnen, die immer bedrohlicher näherkam. Krampfhaft in seinen Sitz gekrallt und mit Angstschweiß auf der Stirn, rief er schrill seiner Mannschaft zu: »Festhalten! Wir stürzen ab!«
Das große Raumschiff drehte sich leicht zur Seite, als es mit einem lauten Krachen auf der Wasseroberfläche aufschlug. Sein Sitz wurde herumgeschleudert und Johann knallte mit dem Kopf auf die Schaltung vor ihm. Dann spürte er nichts mehr als Schwärze. Nicht mal den Warnton, der jetzt ununterbrochen piepte, hörte er noch.
Als er wieder erwachte, schmeckte er Blut in seinem Mund und etwas Klebriges nahm ihm die Sicht. Er wischte es aus seinen Augen und entdeckte, dass es ebenfalls Blut war.
»Jim, Andie, Leonie, Louisa?« Vorsichtig sah er sich um. Die Beleuchtung funktionierte noch und enthüllte ein großes Durcheinander in der Kommandozentrale. Stühle waren aus der Verankerung gerissen, Körper lagen unter und auf den Schaltpulten. Johann hörte ein leises Stöhnen und sah Jim Walker, seinen ersten Offizier, der sich langsam aufrichtete.
»Geht es Ihnen gut, Jim?«
»Wo sind wir? Wir sind abgestürzt, richtig?«, fragte Jim und stand schwankend auf.
»Ja, haben Sie vorher die Koordinaten des Planeten ermitteln können?«
Jim rieb sich den Kopf. Eine große Platzwunde prangte in seinem dunklen Haarschopf und Blut sickerte bis in seine Uniform. »Ich denke schon. Sehe mal nach.« Er tippte einige Daten ein und auf dem Monitor vor ihm erschienen eine Reihe Zahlen.
»Mist! Das muss Beta Fox/JHFH-184 sein. Er liegt im Sternbild Wassermann und ist, nach meinen Berechnungen, einer der wenigen Wasserplaneten. Es wird schwierig werden, hier Material zur Reparatur zu finden.«
»Captain, wo sind wir?«, fragten nun auch die anderen Crewmitglieder, die aus ihrer Ohnmacht erwacht waren und sich von Einrichtungsgegenständen befreit hatten.
»Auf einem Wasserplaneten. Jim kann euch erklären, wo genau«, meinte Johann. »Ist jemand schwer verletzt? Ich muss Doktor Lügger anfunken. Er soll sich bereithalten. Andie, kümmern Sie sich um die restliche Mannschaft. Ich möchte wissen, ob es Tote gab und wer schwer verletzt ist.«
»Verstanden. Ich schicke sie direkt zum Doc«, antwortete Andrea »Andie« Loewe. »Oder Sanitäter werden sich um sie kümmern.« Mit einigen Klicks auf ihrem Computer konnte sie sehen, wer sich wo befand und wer dringend Hilfe benötigte. Nacheinander funkte sie die ganze Mannschaft an, insgesamt hundertzehn. Sechzig meldeten sich sofort und teilten mit, nur leicht verletzt zu sein.
»Captain, vierzig Crewmitglieder melden sich nicht und zehn nur eingeschränkt mit wirren Antworten. Ich schicke Sanitäter zu ihnen«, meldete Andie nach einem Augenblick.
»Machen Sie das. Ich muss wissen, wer lebt und wer nicht.« Johann wischte sich das restliche Blut aus dem Gesicht. Die Wunde am Kopf pochte und als er aufstehen wollte, übermannte ihn der Schwindel. Kraftlos sackte er wieder auf seinen Stuhl.
»Bleiben Sie sitzen, Captain«, meinte Andie. »Wir brauchen Sie noch. Ich rufe den Doc, er soll nach Ihnen sehen.«
»Nicht nötig«, antwortete Johann. »Er hat genug Patienten heute. Ich gehe zu ihm, wenn die Situation geklärt ist.«
»Vielleicht ist es dann zu spät, Captain«, schaltete sich Louisa Green ein, der zweite Offizier. »Wie Andie bereits sagte, wir brauchen Sie.«
»Sie sollten auch gehen«, antwortete ihr Johann und musterte die Uniform der jungen Frau, die blutgetränkt war.
»Das werde ich auch. – Noch geht es mir gut. Begleiten Sie mich?«
»Gleich! Andie, haben sie alles veranlasst? Wie viele Tote gibt es, wie viele Verletzte?« Stur hielt sich Johann an das Protokoll, das besagte, was er jetzt zu tun hatte. Vier Jahre auf der Akademie hatten ihm die Notfallregeln derart eingebläut, dass er fast wie ein Roboter funktionierte. Auch wenn seine Ausbildung schon Jahre her war.
»Die Sanitäter sind unterwegs. Sie kommen auch zu uns. Weitere Anweisungen?«
»Nein, das wäre alles. Ich denke, im Augenblick können wir nur die Lage checken und uns dann überlegen, wie wir hier wieder wegkommen.«
»Ja. Die Maschinisten sollen den Antrieb kontrollieren. John lebt noch und hat gemeldet, sich gleich darum zu kümmern«, antwortete Andie.
»Sehr gut.« Johann schloss müde die Augen. Die Verantwortung lastete schwer auf seinen Schultern. Viel schwerer als gedacht. Würden sie wieder von hier wegkommen?
»Gut. Dann muss ich wissen, was an dem Schiff zu Bruch gegangen ist. Und, was noch wichtiger ist, können wir es reparieren?« Johann straffte sich und erteilte entsprechende Anweisungen. Es nutzte nichts, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, wenn es den Hauch einer Chance gab, von hier zu entkommen.
»Sofort, Captain«, beeilte sich Andie zu sagen. Erneut tippte sie auf ihrer Tastatur herum und eine Grafik erschien vor ihm auf den Bildschirm.
»Antrieb defekt. Schutzhülle weitgehend heil, bis auf das Seitenheck. Schutzschilde deaktiviert, lassen sich nicht mehr hochfahren. Durch den Aufprall sind im Innern einige Gerätschaften zerstört worden. Ich denke, es wird dauern, sie zu reparieren«, sagte sie und tippte die einzelnen Bilder an.
Johann nickte, er hatte das ungute Gefühl, für immer auf diesem wasserreichen Planeten gestrandet zu sein. »Wie lange wird es wohl dauern«, fragte er, um überhaupt etwas zu sagen.
»Ich funke den Techniker an. John wird sich gleich melden, er kontrolliert noch immer den Antrieb«, meldete Louisa.
»Gut, gehen Sie in die Ambulanz und lassen Sie sich untersuchen«, bestimmte Johann. »Ich brauche eine fitte Crew.«
»Was ist mit Ihnen?«, fragte Louisa ihn.
Johann lächelte leicht. »Ich gehe, sobald Sie zurück sind. Das ist ein Befehl, verstanden. Gehen Sie und kommen Sie schnell wieder. Alle!«
Zögernd folgte seine Mannschaft seinen Anweisungen, auch Johann sehnte sich nach Schmerzmitteln, denn noch immer pochte die Wunde an seinem Kopf ununterbrochen. Aber er würde durchhalten, bis die anderen zurück waren. Erschöpft lehnte er sich in seinem Sessel zurück und schloss nur kurz die Augen. Bilder tauchten auf, Bilder von seiner Familie, an die er lange nicht mehr gedacht hatte. Seine Mutter, die ihm winkte und ihm zurief: »Das Essen ist gleich fertig. Geh dir die Hände waschen!« Dann sein Bruder, die Hoffnung seines Vaters, bis Leon mit neun Jahren an einer schweren Krankheit...




