Schneider-Ferber | Kaiser Heinrich II. und Kunigunde | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: kleine bayerische biografien

Schneider-Ferber Kaiser Heinrich II. und Kunigunde

Das heilige Paar
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7917-6225-8
Verlag: Friedrich Pustet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das heilige Paar

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: kleine bayerische biografien

ISBN: 978-3-7917-6225-8
Verlag: Friedrich Pustet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ihr Leben war reich an Höhen und Tiefen: Kaiser Heinrich II. (973-1024) und seine Gemahlin Kunigunde (975/985-1033) führten vor über 1000 Jahren einen einsamen, aber erfolgreichen Kampf um die Macht im Reich. Sie schafften das, was vorher noch keinem bayerischen Herzogspaar gelungen war: Sie stiegen zum Königtum auf und empfingen sogar 1014 in Rom die Kaiserkrone. Doch zu seiner großen Enttäuschung blieb das Paar kinderlos; mit ihm endete die Dynastie der Ottonen. Heinrich und Kunigunde wandten sich daher mit ganzer Leidenschaft der Kirche zu. Höhepunkt ihres Engagements war die Gründung des Bistums Bamberg mit dem ersten Dom. Das Paar wurde verehrt und geliebt und zuletzt in die Heiligkeit erhoben. Als Könige, Kaiser, Stifter und Heilige sind die beiden bis heute bekannt.

Karin Schneider-Ferber, M. A., geb. 1965, lebt als freie Autorin in Berlin. Sie schreibt u. a. für die Zeitschrift G/Geschichte; zahlreiche Publikationen zu historischen Themen.
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1Berufen zur Herrschaft: Heinrich und seine Ahnen


EINE STREITSÜCHTIGE FAMILIE: DAS HERRSCHERHAUS DER OTTONEN


Zum Herrschen fühlte sich Heinrich II. von Kindesbeinen an berufen, obwohl seiner Familie – einer Nebenlinie des ottonischen Herrscherhauses – stets das Quäntchen Glück gefehlt hatte, die begehrte Königs- und Kaiserkrone zu ergattern. Wie so häufig bei Familienzwisten ging es auch hier ums Erbe und um die Frage, wer das größte Stück vom Kuchen abbekam. Heinrich I. (reg. 919–936), der erste Vertreter der sächsischen Liudolfinger auf dem Königsthron, hatte die Gepflogenheit eingeführt, die Krone jeweils an den erstgeborenen Sohn weiterzugeben – sodass in der Vater-Sohn-Folge nacheinander Otto der Große (reg. 936–973), Otto II. (reg. 973–983) und Otto III. (reg. 983–1002) an die Macht kamen. Die jüngere Linie der neuen Königsdynastie, zurückgehend auf den jüngeren Bruder Ottos des Großen mit dem Leitnamen Heinrich, war dabei stets leer ausgegangen, was bei diesem Teil der Verwandtschaft für Verdruss und viel Erbitterung sorgte.

Schon Otto der Große hatte seine liebe Not mit dem rebellischen Bruder. Zweimal griff der sich benachteiligt wähnende Heinrich mit Gewalt nach der Königskrone und brachte Otto I. damit in echte Bedrängnis. Nur mit Mühe und Not konnte dieser dem bewaffneten Aufstand seines jugendlichen Widersachers Herr werden und in den Schlachten von Birten bei Xanten und Andernach 939 seine Krone retten. Wenig später sah er sich einem erneuten Mordkomplott seines jüngeren Bruders ausgesetzt, bevor dieser sich an Weihnachten 941 im Büßergewand in der Pfalz von Frankfurt endlich zu seinen Füßen warf.

Danach suchte und fand die gespaltene Familie einen Kompromiss: der rebellische Heinrich, verheiratet mit Judith, einer Tochter des Bayernherzogs Arnulf, bekam nach Freiwerden des Herzogtums Bayern durch den Tod von Judiths Onkel Berthold 948 dasselbe übertragen. Das war eine ordentliche Kompensation für die entgangene Königskrone, besaßen die Herzöge von Bayern doch traditionell eine starke Stellung und konnten in ihrem Herrschaftsbereich weitestgehend schalten und walten, wie ihnen beliebte. Mit Regensburg erhielt Heinrich zudem eine glanzvolle Metropole, die schon unter Karl dem Großen und dessen Nachfolgern große Bedeutung als Residenz und Zentralort königlicher Macht besessen hatte. Dort durfte er sich fühlen wie ein ungekrönter König. Zu diesem ansehnlichen bayerischen Besitz bekam Heinrich 950 noch die Oberhoheit über Böhmen und 952 die Markgrafschaften Verona, Friaul und Istrien übertragen. Damit war der Grundstein für eine stattliche, über die Alpen bis zur Adria ausgreifende Herrschaft gelegt. Beklagen konnte er sich eigentlich nicht. Doch das zügelte keineswegs die Ambitionen der ehrgeizigen »Heinriche« – ganz im Gegenteil.

Auch Heinrichs Sohn und Nachfolger Heinrich der Zänker (reg. 955–995), der Vater des späteren Kaisers Heinrich II., wollte sich nicht mit Bayern begnügen. Verheiratet mit der burgundischen Königstochter Gisela, fühlte er sich durchaus berufen, eine Königskrone zu tragen. Nach dem Thronwechsel von Otto dem Großen zu Otto II. verbündete er sich mit den Herzögen von Polen und Böhmen und probte den Aufstand. Allerdings wurde er noch 974 gefangengenommen und in Ingelheim festgesetzt. 976 gelang ihm die Flucht, doch scheiterte auch sein zweiter Versuch, eine Revolte anzuzetteln. Noch im selben Jahr musste Heinrich der Zänker an den Hof des Böhmenherzogs ausweichen, während Otto II. in seine bayerische Hauptstadt Regensburg einzog. Danach ereilte ihn die maximale Katastrophe: Otto II. entzog ihm das bayerische Herzogtum und vergab es in verkleinertem Zuschnitt neu an andere Gefolgsleute. Die Markgrafschaften Verona und Friaul wurden zusammen mit Kärnten gar zu einem gänzlich neugeschaffenen Herzogtum Kärnten zusammengefügt und vergeben. Heinrich der Zänker stand land- und machtlos völlig im Abseits. Von Böhmen aus setzte er alle Hebel in Bewegung, um seine Machtbasis zurückzuerobern. Schwere Kämpfe tobten. 978 unterlag er erneut Otto II., wurde durch ein kaiserliches Gericht verurteilt und in Utrecht bei Bischof Folkmar auf unbestimmte Zeit in Haft gegeben.

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Erst der frühe Tod Ottos II. 983 erlöste den Zänker aus diesem Unglück. Noch einmal setzte er alles auf eine Karte, als er den erst dreijährigen Otto III., der bereits zum König gesalbt war, mit Verweis auf seine Vormundschaftsrechte in seine Hand brachte, sich kurz darauf aber in Quedlinburg selbst zum König ausriefen ließ. Wiederum hatte er die Herzöge von Polen und Böhmen als Verbündete mit ins Boot geholt, ebenso den Obodritenfürsten Mitsui und König Lothar von Frankreich sowie etliche einheimische Große, denen die Herrschaft eines minderjährigen Königs zu unsicher erschien. Doch erneut zog er den Kürzeren, weil die Kaiserinnen Theophanu und Adelheid, Mutter und Großmutter Ottos III., im Bunde mit hochrangigen Bischöfen und Adligen unnachgiebig auf die Herausgabe des königlichen Kindes bestanden.

Die Metropole des bayerischen Herzogtums: Regensburg

Unbestrittener Mittelpunkt des bayerischen Herzogtums war die aus dem römischen Legionslager Castra Regina (gegründet 179 n. Chr.) hervorgegangene Donaustadt Regensburg. Schon im Frühmittelalter hatten die ersten, von den Frankenkönigen eingesetzten Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger den Schutz der festen Legionsmauern gesucht und den Ort zu ihrer Residenz gemacht. 739 vom Missionsbischof Bonifatius zum Bischofssitz erhoben, verlor Regensburg selbst nach der Entmachtung des Agilolfingerhauses durch Karl den Großen durch einen Hochverratsprozess gegen Tassilo III. 788 nicht seine Bedeutung. Es blieb ein gewichtiges Zentrum des ostfränkischen Reiches auch unter den letzten karolingischen Königen, die hier eigene Pfalzbauten unterhielten.

Regensburg wird in den Quellen als »urbs regia«, königliche Stadt, bezeichnet. Entsprechend fiel seine bauliche Verschönerung aus: Immer mehr repräsentative Steinbauten wuchsen in die Höhe. Es entstanden die von den Königen genutzten Pfalzgebäude am Alten Kornmarkt und bei St. Emmeram, die Alte Kapelle als Pfalzkapelle und das Damenstift Niedermünster, das als Grablege besonders stark mit dem Herzogshaus verbunden war.

Im Schutz der Mauern blühten ebenso Handel und Wirtschaft. Die günstig an der Donau sowie am Schnittpunkt mehrerer Königs- und Heerstraßen gelegene Stadt entwickelte sich allmählich zur Fernhandelsmetropole. Regensburger Kaufleute stießen nach Kiew und Russland vor, erreichten über Donau und Inn den Alpenraum und Italien. Die Anwesenheit jüdischer Fernhändler ist seit 981 belegt. Ein Händlerviertel mit Markt und ein rege besuchter Donauhafen entstanden. Der Bayernherzog Arnulf (reg. 907–937) umfasste das vor der Römermauer gelegene, lebendige neue Viertel mit seinen Wohn- und Stapelhäusern aus Holz um 920 mit einer großen Befestigungsanlage, um es vor Angriffen zu schützen.

Dass man sich in Regensburg am »Nabel der Macht« wähnte, bewiesen die vielen Stadthöfe, die hochrangige bayerische Bischöfe, Äbte und Adlige hier unterhielten, um Zugang zum Herzogshof zu bekommen.

Zentraler kirchlicher Mittelpunkt Regensburgs war der noch vor Mitte des 9. Jhs. neu errichtete karolingische Dom mit dem angrenzenden Bischofshof an der Porta Praetoria sowie der Taufkirche St. Johannes. Die Damenstifte Ober- und Niedermünster ergänzten das sakrale Ensemble.

In der Kirche von Niedermünster in unmittelbarer Nähe zur Herzogs- und Königspfalz fand Herzog Heinrich I. seine letzte Ruhe, sodass sich an diesem Ort das offizielle Gebetsgedenken an die ottonische Heinrichslinie konzentrierte. Heinrichs Witwe Judith trat in das Damenstift ein und übernahm dessen Leitung.

Vor den Toren der einstigen Römermauer entstand als zweites großes geistliches Zentrum das Benediktinerkloster St. Emmeram, das schon im 8. Jh. über dem Grab des als Märtyrer verehrten fränkischen Wanderbischofs Emmeram gegründet worden war. Kaiser Arnulf von Kärnten (reg. 887–899) hatte Emmeram zum Patron des ostfränkischen Reiches gemacht und seine Pfalz hierher verlegt, um dem Heiligen möglichst nahe zu sein.

Über ein Jahrtausend lang entfaltete das Kloster St. Emmeram seine geistige und kulturelle Strahlkraft auf vielen Gebieten: in der Theologie, Philosophie, Mathematik oder Kunst. Reorganisiert durch den Reformabt Ramwold erreichte es im 11. Jh. seine erste Blüte. In seinem Skriptorium entstanden...


Karin Schneider-Ferber, M. A., geb. 1965, lebt als freie Autorin in Berlin. Sie schreibt u. a. für die Zeitschrift G/Geschichte; zahlreiche Publikationen zu historischen Themen.



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