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E-Book, Deutsch, 584 Seiten

Schmitt Reisen bildet

Geschichte und Kulturen der Länder des Mittelmeerraumes
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-9098-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geschichte und Kulturen der Länder des Mittelmeerraumes

E-Book, Deutsch, 584 Seiten

ISBN: 978-3-7504-9098-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das vorliegende Buch ist aus der Planung, Organisation und Durchführung von Studienreisen mit Gruppen in fast alle Länder des Mittelmeerraumes entstanden, die der Autor seit 1983 veranstaltet hat. Sein leitendes Interesse besteht im Aufweis großer geschichtlicher und kultureller Zusammenhänge, ohne deren Kenntnis viele Einzelheiten der Besichtigungs-programme nicht angemessen verstanden werden können. Diesem Aufweis dienen die Geschichtsüberblicke im Teil A und zentrale, oft länderübergreifende Einzelthemen aus Geschichte und Kultur im Teil B.

Der Autor (Jg. 1941) stammt aus dem Siegerland und studierte Ev. Theologie, Religions- und Biblische Altertumswissenschaft in Marburg, Bethel, Bonn, Münster, Wuppertal und Jerusalem. Nach dem Vikariat in Lüdenscheid, Soest und Hamm und der Promotion zum Dr. theol. in Münster war er bis 1979 als Wissenschaftlicher Assistent am Alttestamentlichen Seminar in Münster tätig, anschließend als Pfarrer in der Kirchengemeinde Hamm-Heessen und von 1989 bis 2005 als Direktor des Diakoniewerkes Ruhr in Witten, wo er zugleich die Aufgaben des Pfarrers der Anstaltskirchengemeinde und des Vorstehers der Diakoniegemeinschaft von Schwestern und Brüdern wahrnahm. Seit 2005 lebt er dort im tätigen Ruhestand.Vom Autor sind bereits früher im BoD-Verlag erschienen: Handbuch zu den Tempeln der Griechen, 2., verb. u. erw. Au., 2013 Wer mein Wort hat, der rede treu mein Wort. Predigten und Andachten zu Texten des Alten Testaments, 2014.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


A. I - Geschichtsüberblick Ägypten


Literatur:

Arnold, D.: Lexikon der ägyptischen Baukunst, 2000

Hornung, E.: Grundzüge der ägyptischen Geschichte, 19924

Kubisch, S.: Das Alte Ägypten. Von 4000 bis 30 v. Chr., 2017

Michalowski, K.: Ägypten. Kunst und Kultur, 19796

Rachet, G.: Lexikon des alten Ägypten, 1999

Schneider, T.: Lexikon der Pharaonen, 2002 (Die Zeitangaben im folgenden Überblick folgen diesem Werk)

Scholz, P. O.: Nubien. Geheimnisvolles Goldland der Ägypter, 2006

Semsek, H. G.: Ägypten und Sinai, DuMont Kunst-Reiseführer, 20113

Shaw, I./Nicholson, P. (Hrg.): Reclams Lexikon des alten Ägypten, 1998

Ca. 5500 – 3150 Prädynastische Zeit

Einblick in die Epoche des Übergangs nomadischer Stämme von Jägern und Sammlern zum sesshaften Leben mit Ackerbau und Viehzucht bieten einige archäologisch erforschte Orte in Ober- und Unterägypten und die nach ihnen benannten neolithischen Kulturen. Hauptcharakteristika dieser Kulturen sind ihre Dorfstruktur, die um ein Oberhaupt angeordnete Familie, Familieneigentum, Aufbau der Landwirtschaft und des Handwerks, Domestizierung von Haustieren (Rindern, Schafen, Ziegen, Schweinen, Hunden).

Die nach einem Ort im südwestlichen Nildelta in Unterägypten benannte ist ab ca. 4800 greifbar und wird auch (als erste) von der Fayum-A- und (als letzte) von der El-Omari-Kultur repräsentiert. Sie ist u. a. gekennzeichnet durch Hütten und Speicheranlagen, die über Bodenlöchern aus getrocknetem Schlamm, Holzpfählen und Schilfrohren errichtet und mit Schilfmatten bedeckt sind; Totenbegräbnisse im Dorf; erste plastische Darstellungen in Form menschlicher Statuetten und Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck aus Stein, Elfenbein und Knochen.

Eine weitere lokale Kultur im Deltabereich ist nach einem Ort südlich von Kairo benannt: die die sich zwischen ca. 3900 und 3400 über den gesamten Deltabereich bis zur Oase Fayum ausbreitet. Auffallend sind hier die Kontakte zum südlichen Bereich der Levante, die u. a. durch große Mengen an Keramik, Rohkupferbarren (aus dem Gebiet von Punon und Timna) und Kupfergeräten bezeugt sind (vor allem Grabfunde in Maadi und Mischat Abu Omar im östlichen Delta). Bemerkenswerterweise ist es, im Unterschied zum Bereich der Kulturen in Oberägypten, im Deltabereich nicht zu einer Angleichung der lokalen Kulturen gekommen (siehe dazu die Ausführungen von K. Laatsch und E. Lange in Antike Welt 1/2016, S. 8-10.11-16).

In Oberägypten bis nach Nubien ist die nach einer Region beim heutigen Sohag benannte ab ca. 4400 fassbar, zu der die im benachbarten Deir Tasa entdeckte (mit ihren reichen Grabfunden und Handelsaktivitäten mit den Nachbarn des Niltals) überleitet und die ganz Oberägypten bis nach Nubien umfasst. Ihre fein gearbeitete und schön dekorierte Keramik erreicht einen hohen Grad an Perfektion. Zahlreiche, teils rundplastische Statuetten von Menschen, Tieren und einer nackten Göttin aus Ton und Elfenbein sind Zeugnisse für die Anfänge der Plastik, Bestattungen von in Matten eingehüllten Rindern, Ziegen und Schafen für die Anfänge eines Tierkultes. Als erstes Metall wird Kupfer verarbeitet. Ein ausgeprägter Jenseitsglaube zeigt sich in reichen Grabbeigaben (Nahrung, Schmuck, Werkzeug und Gebrauchsgegenstände).

Gegen Ende des 5. Jt. geht die Badari-Kultur in den auf, die sich ihrerseits zur Leitkultur Oberägyptens entwickeln und als der direkte Vorläufer der 1. dynastischen Epoche der Pharaonenzeit angesehen werden. Diese Kulturen, benannt nach einem Dorf bei Koptos zwischen Theben und Dendera, das zu den größten prädynastischen Stätten in Ägypten zählt, werden nach ihren, insbesondere in zahlreichen Gräbern gefundenen Keramiktypen in drei Epochen unterteilt:

  • (ca. 4200-3600), auch Amra-Kultur genannt, zeigt dörfliche Gemeinschaften in enger Beziehung zu den benachbarten Oasen und zu Nubien.
  • (ca. 3600-3200), auch Gerza-Kultur, die über ihre lokalen Ursprünge hinaus bereits weite Verbreitung findet und durch intensive Handelsverbindungen auffällt, die über Kanaan, wo z. B. im frühbronzezeitlichen Jericho (um 3200) ägyptische Funde gemacht wurden, bis nach Anatolien und Mesopotamien reichen und durch Schiffsdarstellungen auf Keramikgefäßen bezeugt werden. Die Metallverarbeitung wird ausgebaut, auf dem Sinai beginnt die Ausbeutung der Türkis- und Kupfervorkommen (u. a. in Serabit el-Chadim); Keramik in großer Vielfalt wird auch als Handelsware hergestellt. Die Bestattungen zeigen durch ihre Grabgestaltung und Grabbeigaben eine deutliche soziale Differenzierung der Gesellschaft. Große prädynastische Nekropolen aus der Naqada-I- und -II-Zeit hat man in Hermonthis (heute: Armant zwischen Esna und Theben) gefunden.
  • (ca. 3200-3050), auch Semaina-Kultur oder protodynastische Zeit, ist teilweise schon identisch mit der Dynastie o in Abydos und stellt so den Übergang zur dynastischen Periode der Geschichte Altägyptens dar.

Ähnliche Entwicklungen in der Art der Siedlungen, Nekropolen und materiellen Kultur hat es in dieser Zeitspanne (Mitte 4. bis 2. Hälfte 3. Jt.) auch in Unternubien gegeben. Insbesondere die Funde in der Nekropole von Qustul weisen darauf hin, dass bereits zwischen 3500/400 und 3200/100 „das Nubien der Gruppe A... ein geeinter Staat, mit allen Anzeichen einer Zivilisation" (Regierung, Beamte, Religion, Schrift, Kultur) war (P. O. Scholz S. 45 [Zitat]).

In der Naqada-Zeit gibt es bereits einige lokale Fürstentümer, deren Eliten die politische Führung beanspruchen; dazu gehören u. a. Thinis/Abydos, Naqada/Ombos und Hierakonpolis. Im Lauf der Zeit wird Thinis (mit seiner großen Nekropole) von Hierakonpolis annektiert, das schließlich auch Naqada beherrscht. Hierakonpolis steigt so zur Hauptstadt und zum religiösen Zentrum Oberägyptens auf, seine Kultur dehnt sich bis nach Unterägypten ins Nildelta – mit Buto als Hauptstadt - aus, wo sie bis zum Ende des 4. Jt. die lokalen Kulturen assimiliert. Auch politisch kommt es zur Vereinigung der „beiden Länder": der „Weißen Krone" Oberägyptens und der „Roten Krone" Unterägyptens. Es ist unklar, ob diese politisch-kulturelle Entwicklung der Vereinigung auf dem Weg gewaltsamer Eroberung oder durch allmähliche Infiltration und Umgestaltung erfolgt ist.

Ca. 3150-2740 Vor Dynastie O und „Thinitenzeit" (1. – 2. Dynastie)

Die Epoche der 1. und 2. Dynastie wird nach This bzw. Thinis benannt, das östlich von Abydos, der großen Nekropole auf der westlichen Nilseite, liegt. Sie folgt in einem allmählichen Entwicklungsprozess auf die protodynastische Zeit der Dynastie, die sich ihrerseits aus der Naqada-III-Kultur entwickelt. In dieser Dynastie o vollzieht sich der Prozess der (Eroberung und) Vereinigung der „beiden Länder". Zwei im Hauptdepot des Tempels von Hierakonpolis gefundene Votivobjekte: der Keulenkopf des Königs „Skorpion II" und die Schminkpalette seines Nachfolgers, des Königs Narmer (identisch mit Menes?), haben in ihren Darstellungen dieses Geschehen zum Thema. Von nun an existiert Ägypten als ein einheitlicher Staat, und Narmer gilt als Reichseiniger. Von Thinis aus, der ersten Hauptstadt des geeinten Reichs, haben die Könige recht bald in Memphis eine Festung errichtet („Weiße Mauer") und in deren Bereich die Hauptstadt verlegt, wie die Begräbnisse der meisten Könige der 2. Dynastie in Saqqara, der Nekropole von Memphis, vermuten lassen. In dieser Zeit beginnt die Herausbildung der Staatsform Ägyptens und seiner sozialen und verwaltungsmäßigen Strukturen, der Kunst (erste Stelen und Königsstatuen), Kultur und ersten Handelskontakte nach Phönizien. Aus der Zeit des Aha (kurz nach 3000), Nachfolger Narmers, des Gründers der 1. Dynastie (ca. 3000-2850), sind Tributzahlungen von Beduinen aus der Libyschen Wüste bekannt. Auf einem Relief aus dem Wadi Halfa in Unternubien ist von einem Feldzug des Königs Djer aus der 1. Dynastie (um 2970, oder bereits eines Vorgängers?) nach Nubien die Rede. Aus der Regierungszeit seines Nachfolgers Wadj (um 2950) stammt die erste Nachricht über die Ausbeutung von Goldminen und Granitsteinbrüchen in Unternubien. Auf einem Gefäßsiegel aus Abydos wird möglicherweise auf eine militärische Aktion des Königs Peribsen aus der 2. Dynastie (ca, 2850-2740) in „Asien", d. h. im Gebiet nordöstlich von Ägypten, angespielt.

Bereits in die vordynastische Zeit fällt auch die Entstehung der Schrift. In der Königsnekropole Umm el-Qa'ab südwestlich von Abydos, wo seit dem frühen 4. Jtsd. über einen Zeitraum von mehr als 1000 Jahren einfache Dorfbewohner, hochgestellte Personen, Könige und Mitglieder ihres Hofstaats begraben wurden, ist 1988 ein großes Grab aus vordynastischer Zeit (das sog. Grab „U-j", um 3300) entdeckt worden. In ihm fanden sich mehr als 400 aus der Levante importierte...



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