Schmidt | Wo die Stille uns findet | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Schmidt Wo die Stille uns findet


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7116-0818-5
Verlag: novum Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

ISBN: 978-3-7116-0818-5
Verlag: novum Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine lebensverändernde Diagnose und eine Trennung: Annika will nur noch weg - raus aus dem alten Leben, auf andere Gedanken kommen. Also mietet sie, die nur die Nordseeinsel Borkum kennt, eine Wohnung weit weg vom Meer, in den österreichischen Alpen. Als sie jedoch ihren Vermieter Nico kennenlernt, beginnt ihr Entschluss, sich auf niemanden mehr einzulassen, zu wanken. Nico ist ebenfalls von Annika verzaubert. Doch auch er hat einen Schicksalsschlag zu verkraften. Sind beide bereit, wieder Vertrauen zu fassen und ihre Liebe zuzulassen? Kann Annika Nico ihr Geheimnis anvertrauen?

Katja Schmidt, geboren 1985 in Burg b. Magdeburg, zog Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer Familie nach Baden-Württemberg, wo sie zusammen mit ihrem Bruder behütet aufwuchs und eine Ausbildung zur Erzieherin absolvierte. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Gäufelden. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit ihrer Familie und ihrer Leidenschaft für das Schreiben und Lesen. Mit 'Wo die Stille uns findet' veröffentlicht sie nun ihr erstes Buch - ihr Herzensprojekt.
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Annika


„Ganz gleich, wie beschwerlich

das Gestern war, stets kannst du im Heute von

Neuem beginnen.“1

Das Rattern der Bodenbeläge. Ein kurzes Aufheulen der Automotoren, während sie den Steg langsam hinauftuckern. Die Lautstärke aufgrund der einfahrenden Autos. Das dumpfe Brummen des Schiffsmotors. Das Knirschen von schwerem Metall am Rumpf. Die Möwen kreischen ebenfalls hektisch über meinen Kopf. Der raue Seegang schlägt geruhsam-monoton gegen die Fähre. Abreisende Urlauber unterhalten sich rege über die letzten Wochen. Alle haben ihre Erlebnisse und Erinnerungen gemacht, die Borkum auf ewig ein Teil von ihnen werden lassen. Jeder würde gern kehrtmachen, um den Zauber und die Erholung der Insel länger genießen zu können. Mich außer Acht gelassen.

Hier am endlos wirkenden Wasser können so manche Gedanken frei werden. Getragen vom Wind lösen sie sich am Horizont auf. Auch ich sitze nur zu gern am Strand und erfreue mich an der unendlichen Weite. Der schmale Grat, wo Meer und Himmel aufeinandertreffen. Mit jeder Welle, die gegen die Küste trifft, begegne ich einer neuen Chance, dass meine Ängste und Sorgen weit weggetragen werden. Selbst in stürmischen Zeiten habe ich mich in Meeresnähe nie einsam oder unwohl gefühlt. Niemals, bis zum heutigen Tag. Seit 48 Stunden stelle ich mir immer wieder die gleichen Fragen: Warum? Annika, was erwartet dich nun im Leben, was geschieht mit deinen Zielen, Träumen und Wünschen? Ich bezweifle, dass meine eigenen Fußspuren sichtbar im Sand zurückbleiben werden. Reiche ich aus, so wie ich bin?, hämmert mir die Frage immer und immer wieder im Kopf hin und her.

Ein Klingeln läutet den Rückweg an. Die Inselbahn kehrt wieder um. Laut polternd fährt sie ins Zentrum zurück, um neue Passagiere für die Fähre abzuholen. All diese Geräusche, so vertraut, sind es, die mich im Moment so tief verletzen.

Ich muss hier dringend weg, so weit wie nur möglich, damit ich das Chaos im Kopf ordnen kann. Um Luft zu bekommen, sodass ich wieder frei atmen kann. Schlussendlich vielleicht auf dem Weg, mich selbst wieder zu finden.

Schon komisch, bisher war diese Insel 26 Jahre mein sicherer Hafen. Das Ein und Alles, was ich gebraucht habe. Auf ihr ließ sich alles finden. In den 30 km² hatte bis dato alles Platz. Ich, meine Familie, meine Arbeit, Freunde und meine große Liebe. Ich kenne gefühlt jede Möwe hier beim Namen und hatte nie das Gefühl, es fehlt etwas. Bis jetzt.

In meinen Adern steigt die Nervosität. Der Puls rast durch die Blutbahnen. Die Nerven beginnen zu flattern.

Borkum beherbergt so manche Geschichte erfolgreicher Seefahrer. Aber statt wie Störtebeker angstfrei die Last über Bord zu werfen und einem neuen, spannenden Abenteuer zu folgen, sitze ich auf der Fähre in Richtung Festland. Laufe weg vor allem und jedem. Plan? Diesen gibt es so nicht mehr. Nichts ist mehr so wie vorher. Die Konstante, das Alltägliche, ist verschwunden. Habe den Sinn des Lebens im Sand verloren. Und zurück bleibe nur ich. Allein und ohne jegliche Zukunftsfantasie. Vielleicht auch etwas, wofür ich zu Hause bekannt bin. Annika, das liebe Mädchen von nebenan. Ich war und bin immer zu lieb. Breche nie nennenswert aus. Behalte oft für mich, was ich denke und fühle, um andere nicht vor den Kopf zu stoßen. Schlage nicht über die Stränge. Mag es nach Möglichkeit konfliktlos, harmonisch und bin am liebsten Papas Mädchen. Okay, ich bin ein Einzelkind. Es ist sehr leicht, stolz auf mich zu sein, wenn es keine anderen Maßstäbe gibt. Aber seien wir ehrlich, ich habe mich nie sonderlich weit über die Reling gewagt. Musste ich bisher auch nicht. Mein Leben lief nach einem Muster ab. Ohne komplizierte Schwierigkeiten, die es zu bekämpfen galt.

Diese unkonventionelle Auszeit wird das Abenteuer meines Lebens. Eine Reise in die Ferne und am Ende hoffentlich auch ein Finden zu mir selbst. Borkum ist zu klein geworden, zu eng und vor allem zu hellhörig. Ich habe das Gefühl, erdrückt zu werden. Reingezwängt in Ansichten und Abläufe, die spürbar nicht mehr zu mir passen. Mein innerer Kern muss herausfinden, ob Annika gerade die beste Version von sich selbst ist. Wer bin ich, wer kann ich sein? Gibt es Entwicklungspotenzial? Und hoffentlich kann ich die Auszeit nutzen, damit die riesige Wut abklingen kann. Meine Enttäuschung ist kaum in Worte zu fassen. Deshalb flüchte ich an Land. Muss dringend Raum zwischen mich und die Insel bringen. Wobei Borkum dafür nichts kann, sondern lediglich die Menschen, die sich darauf befinden. Wobei Bewohner in Mehrzahl gesprochen stimmt auch nicht. Es ist nur einer, dem die volle Wut gilt. Ein einziger Mensch, der mich mit seinem Verhalten mehr als nur enttäuscht hat. Er ist für mich Geschichte, so viel steht jedenfalls fest. Sein feiges Verhalten könnte ich niemals verzeihen oder vergessen.

Mir kommt erst jetzt in den Sinn, dass ich keinen blassen Schimmer habe, wo es mich hin verschlägt. War viel zu selten auf dem Festland. Urlaube in Holland mal ausgenommen. Wir sind mit der Familie gerne in Meeresnähe geblieben. Bisher hatte ich auch nie das Gefühl, dass mir etwas fehlen würde. Das Gefühl, etwas zu verpassen, entstand intensiv erst in den letzten zwei Tagen. Doch jetzt ist alles anders.

Nun sitze ich auf der kalten, modrigen Holzbank und scrolle durch den Routenverlauf in meinem Handy. Das Ziel liegt 970 km entfernt, Fahrtzeit ohne Verzögerungen 11 h 30 min. Mein Vorhaben könnte man als geistige Umnachtung betiteln, aber die schlaflosen Nächte und die jüngsten Ereignisse haben nun mal Früchte getragen.

Weg, bloß weit fort von hier.

Kein Meer direkt in Sichtweite und hoffentlich ein nicht intakter Funkmast in den Bergen.

Ich will Ruhe, einfach Ruhe. In meinem Puls, in meinem Herz und in meinem Kopf.

Ich habe online ein modernes Bauernhaus mit entzückender Holzfassade angemietet. Dazu eine Aussicht, die ich nie zuvor gesehen habe.

Ok, manche solcher Bilder sind gefaked und schöner gefiltert. Aber das bergige Panorama an sich bleibt für mich einzigartig neu. Enorme Gebirge bis hoch in das Himmelszelt. Andere Farben, andere Menschen, ein unbekanntes Abenteuer, das mich hoffentlich von meinem eigenen Desaster ablenkt.

Eine energiegeladene Vorfreude auf das Bevorstehende durchflutet mich. Zaghaft schleicht sich ein Lächeln auf meine Lippen. Gewaltige Berge werden durch weiße Wolken auf den Beispielbildern umrahmt. Sie schlängeln sich federleicht um die Gipfel. Keine blaue Weite des Meeres direkt vor meiner Haustür. Keine kreischenden Möwen über mir, bei denen ich direkt Angst um mein Essen haben muss.

Bei meiner eigenwilligen Planungsvorbereitung habe ich bei Google Maps dennoch Bergseen gefunden, in denen sich die grauen Giganten atemberaubend schön spiegeln.

Eine phänomenale Aufnahme eines Sees, die einen sprachlos werden lässt. Grund für meine reservierte Unterkunft.

Ok, ohne Wasser werde ich offensichtlich nie so richtig klarkommen. Aber ich verbuche dies als erste Erkenntnis meiner Selbstfindungsreise.

Alle schweren Tore auf dem Schiff wurden geschlossen. Sirenen erklingen. Es gibt kein Zurück mehr. Motoren brummen auf Höchstleistung.

Der massive Schiffskoloss beginnt sich zu bewegen. Die Fähre legt langsam ab. Mein nachdenklicher Blick schweift über die See des heutigen Tages. Die Wasseroberfläche ruht in der Ferne. Nur winzige Wellen erreichen das Schiff. Der Motor wirbelt durchsetzungsstark Wassermassen auf. Das Blau wandelt sich in weiße Brecher. Und mir wird klar, dass meine Reise beginnt. Ein Trip so groß und bedeutend, dass ich beim Gedanken schwer schlucke. Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich schließe meine Augen und zwinge mich zum Durchatmen. Durch meine Ohren dröhnt das Blut meiner Adern. In meiner Brust wird es eng. Der Herzschlag wird langsamer. Meine Hände beginnen zu kribbeln. Werden schlagartig feucht.

Atmen, Annika, tief durchatmen.

Ich will eine Veränderung und muss diesen Trip hier unbedingt durchziehen. Auf keinen Fall drehe ich jetzt um. Startende Panikattacke hin oder her. Verschließe mich und ziehe mich wieder einmal ins Schneckenhaus zurück, noch bevor eine Öffnung stattfinden konnte.

Nein, atme, Annika. Du schaffst das. Mach dich nicht kleiner, als du bist. Wo ist der Glaube an dich selbst in den letzten Jahren abgeblieben? Wo ist dein Mut, der jegliche Hindernisse überqueren kann? Ich schiebe Gedanken ans Gestern, Heute und Morgen beiseite. Mein Körper fühlt sich an wie Blei, die Arme sind schwer und die Augen sicher noch angeschwollen. Auf abdunkelndes Basecap und Sonnenbrille habe ich heute Morgen trotzdem verzichtet.

Ehrlich gesagt, habe ich ebenso den Blick in den Spiegel weggelassen. Hätte er...



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