E-Book, Deutsch, 198 Seiten
Schmidt Invasion der Springer
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7549-8842-8
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, 198 Seiten
ISBN: 978-3-7549-8842-8
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Angriff auf die Demokratie? Politische Destabilisierung? Machtübernahme? Der Klimawandel hat zu einem hohen Anstieg der Temperaturen in der afrikanischen Sahelzone geführt. Die Folgen: neue Flüchtlingswelle vor allem nach Deutschland. Anders als früher folgen die Flüchtlinge diesmal einem wohlorganisierten Plan und dringen als sogenannte 'Springer' ins Land, besetzen leer stehende Schulen, Verwaltungsgebäude und Fabrikhallen ... Wegen des Verdachts, dass diese Strategie auch in anderen Ländern der EU und den USA zur Gefahr werden könnte, wird der deutschstämmige Geheimdienstoffizier Colonel Hans Lauer von der amerikanischen NSA und westlichen Regierungen beauftragt, herauszufinden, ob es sich dabei nur - wie anfangs vermutet - um ein lukratives Geschäftsmodell von Schlepperbanden handelt, oder ob politische Interessen im Spiel sind, womöglich ein Komplott Russlands oder des wiedererstarkten IS zur Destabilisierung der NATO-Staaten. Die Lösung ist erschreckend und macht nachdenklich, denn sie zeigt erstmals die Möglichkeit der Manipulierbarkeit unserer staatlichen Ordnung ...
Peter Schmidt ist ein deutscher Schriftsteller und schrieb zahlreiche Romane im Genre des Politthrillers, Spionageromans, Detektivromans, Psychothrillers, SF-Thrillers und der Kriminalkomödie. Schmidt studierte an der Ruhr-Universität Bochum Literaturwissenschaften und Philosophie mit dem Schwerpunkt psychologische Grundlagentheorie. Zur Zeit des Ost-Westkonflikts bezeichnete die Kritik Schmidt als 'einzigen ernst zunehmenden Autor im Agenten-Genre' (Stern).
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Lagebesprechung „Heute haben wir einen unserer erfahrensten Experten der NSA eingeladen, um uns darüber aufzuklären, was an den Gerüchten – auch Indizien – wahr sein könnte, dass die neue Flüchtlingsstrategie auf einem Komplott gegnerischer Kräfte beruht“, begann General Paul Halsen aus dem US-Hauptquartier. Er bedeutete Lauer, ans Podium zu kommen. Der Besprechungsraum im unbewohnten Haus war das ehemalige Café einer insolventen Firma. Parkettböden, glatte, moderne Polstersessel in auffallenden Farben, gemütliche Holzbestuhlung mit kleinen Tischen, leicht abgedunkelt, die Fenstervorhänge sorgfältig geschlossen, als befürchte man bei der hier versammelten Prominenz, dass irgendein vorwitziges Kamerateam unversehens die Nase in den Raum stecken könnte. „Es scheint, dass die neue Flüchtlingswelle durch gezielte Manipulationen ausgelöst wurde, deren Urheber wir noch nicht kennen“, fuhr General Halsen fort. „Und zu welchem Zweck?“, fragte Pierre Morgue vom französischen Geheimdienst. „Es könnte sich um eine Kampagne zur Destabilisierung der NATO-Staaten handeln. Möglicherweise durch russische Geheimdienste. Oder auf Betreiben Chinas“, sagte General Halsen. „Halten Sie auch eine Beteiligung des wiedererstarkten IS für denkbar, nach seiner Zerschlagung in Syrien?“, fragte Winston Brown vom britischen Außenministerium. „Verdächtig sind alle, die ein plausibles Motiv haben.“ General Halsen winkte Lauer, fortzufahren. „Colonel Lauer hat sich als Oberst in den deutschen Streitkräften, als Mitarbeiter des britischen Secret Intelligence Service, MI6, dann in den USA als Spezialist für politische Komplotte einen Namen gemacht, wenn auch immer im Verborgenen, nie in der Öffentlichkeit – ganz, wie es sich in unserer Branche gehört“, fügte Halsen augenzwinkernd hinzu. „Bitte übernehmen Sie, Colonel …“ Die Zuhörerschaft klatschte höflich, aber verhalten Beifall. Lauer mochte diese Art von Lobhudelei nicht – wie er es überhaupt verabscheute, im Mittelpunkt zu stehen. Sein Ehrgeiz war nie gewesen, irgendeine Rolle in der Öffentlichkeit zu spielen. Er kannte seine Schwachstellen und wusste, wo er angreifbar war. Nicht nur wegen des militärischen Konflikts, den er vor langer Zeit als Oberst an einer NATO-Grenze ausgelöst hatte. Ein Fehler, an den er sich nur ungern erinnerte. Noch schwerer wog sein Vorgehen, als späterer Staatsanwalt einen Minister mit nicht ganz koscheren Beweisen zu Fall gebracht zu haben – am Ende dennoch zu Recht, nur wusste er das damals nicht. Aber eben nicht legal. Nach seiner Entlassung als Staatsanwalt war er wegen seiner britischen Mutter zunächst nach London gegangen, ins Hauptquartier des SIS gegenüber der City of Westminster, am sogenannten „Knie der Themse“. Und dann in die USA, wo ihn die NSA als erfolgreichen Analytiker schnell in ihren innersten Zirkel aufgenommen hatte. Entweder scherten sie sich dort einen feuchten Kehricht um die Fehler, die er gemacht hatte, oder sie ahnten nichts davon. Aber er konnte auch nicht gut vor das oberste Gremium treten und sich erkundigen, was man dort über seine Vergangenheit wusste. „Können Sie uns sagen, Colonel Lauer, welcher Art genau Ihre Hinweise oder Indizien sind, dass die neue Flüchtlingsstrategie auf einem Komplott gegnerischer Kräfte beruht, wie General Halsen erwähnt?“, fragte Queneau von der französischen Regierung. „Sicher, es gibt mehrere Hinweise“, sagte Lauer. „Ich bitte aber um Verständnis, dass ich momentan noch auf Einzelheiten verzichten muss – keine Details im laufenden Verfahren. Manche Informationen könnten den Gegner vorwarnen und zu noch größerer Vorsicht veranlassen.“ „Und in welche Richtung geht Ihr Verdacht? Vielleicht ähnlich der früheren politisch motivierten Manipulation Lukaschenkos, von Belarus aus Flüchtlinge über Polen nach Deutschland einzuschleusen?“ „Näherliegend ist wohl ein Eingreifen aus der Trollfabrik russischer Geheimdienste. Wie üblich nach dem Strohmann-Strohmann-Prinzip, um die wahren Hintermänner zu verschleiern. Das heißt, es werden Spuren in verschiedene Richtungen gelegt. Solche Aktionen brauchen Komplizen, die sowohl zur Flucht animieren wie auch Hilfestellung leisten. Eine Art von Hilfe besteht darin, dass Flüchtlinge Smartphones bekommen, mit denen sie sich untereinander abstimmen, immer das gleiche Modell.“ „Und welchen Typs – etwa der Marke Huawei?“ „Weil spekuliert wird, dass dieser chinesische Konzern unentdeckte Spionagebauteile verarbeiten könnte?“, fragte Lauer. „Nein, es ist ein No-Name-Produkt, speziell für Entwicklungsländer wie Afrika, zusammengebaut aus weltweit erhältlichen Komponenten, allerdings ebenfalls chinesischen Ursprungs.“ „Lassen sich solche Anrufe denn nicht orten und nachverfolgen?“ „Nur, wenn sie nicht über einen geheimen Server in der Sahelzone gehen. Ebenfalls nach dem Strohmann-Strohmann-Prinzip. Dabei wird jede einzelne Station oder Etappe sorgfältig verschlüsselt. Der NSA ist es bisher nicht gelungen, nachrichtentechnisch in ihr System einzudringen.“ „Was lediglich ein Euphemismus dafür ist, es einfach nicht knacken zu können?“, fragte Winston Brown vom britischen Außenministerium. „Wenn Sie so wollen, ja. Aber darüber hinaus werden auch ganz normale Telefone eingesetzt, die keine Schwierigkeiten bereiten.“ „Um Ihnen weitere Meldungen zu ersparen“, unterbrach General Halsen und hob ein DIN-A4-Blatt, „habe ich in dieser Liste alle Fragen gesammelt und werde sie der Reihe nach vortragen, sobald Colonel Lauer sie jeweils beantwortet hat – einverstanden, Hans?“ „Gern. Bitte fangen Sie an, General …“ „Erste Frage: Wieso werden die Flüchtlinge ‚Springer’ genannt?“ „Nicht wir haben ihnen diesen Namen gegeben, sondern die Flüchtlinge sich selbst, wie aus abgehörten Kommentaren hervorgeht.“ „Und wozu?“ „Weil sie jetzt strategischer vorgehen, anders als bei früheren Flüchtlingszügen. Sie überwinden Zäune und Absperrungen, klettern über Mauern, durchschwimmen Flüsse und Seen, arbeiten sich einzeln durch unsere Großstädte und schließen sich erst am Ziel zusammen. Anfangs kamen sie über unkontrollierte Grenzen. Später, nach Öffnung der Türkei, reagierte man in Griechenland mit strikter Absperrung und militärischer Gewalt. Daher entschlossen sich die Flüchtlinge der Sahelzone anders als etwa aus Afghanistan zu einer abweichenden Strategie – die der Springer in kleinen Gruppen und auf anderen Wegen. Wohl auch, um zu zeigen, dass sie anders sind als frühere Geflüchtete, und weil ihnen das als Aktivisten und Einzelkämpfer so etwas wie eine neue Art von Identität verleiht. Es sind fast immer junge Männer und sie agieren vor allem einzeln, weil sie so unauffälliger untertauchen können. Wenn sie überhaupt in Erscheinung treten, dann nicht, weil sie umgehend Asyl beantragen wollen, sondern vorrangig mit dem Ziel, einen neuen Stützpunkt zu besetzen. Der Ausdruck Springer taucht übrigens schon in einer der ersten Nachrichten auf, die wir abfangen konnten.“ „Zweite Frage auf meiner Liste“, fuhr General Halsen fort. „Warum wird auf diese sogenannten Springer geschossen? Früher wurden Flüchtlinge doch nur im Notfall mit Waffen attackiert, wieso also dieses rabiate, ja unmenschliche Vorgehen? – Colonel, Ihre Antwort?“ „Na ja, zunächst einmal sind es wohlgemerkt nur Gummikugeln. Mit irgendetwas muss man schließlich antworten, damit sich keine weiteren...




