Schmidt | Die Gefangenen des Tartaros | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 364 Seiten

Schmidt Die Gefangenen des Tartaros


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7431-0895-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 364 Seiten

ISBN: 978-3-7431-0895-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In diesem Abenteuerroman sind die Götter der griechischen Antike real, wenn sich auch viele Ereignisse anders abgespielt haben, als sie überliefert wurden: Nach dem Krieg gegen die Olympier wurden die unterlegenen Titanen in die Unterwelt verbannt, wo sie ihren Hass auf die Sieger an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Krieg zwar entschieden ist, sich die Intrigen der Göttersippen jedoch mal mehr und mal weniger subtil fortsetzen. In diese Situation platzt die Wissenschaftlerin Tanja Förster. Zuerst vermag sie kaum zu glauben, was ihr da widerfahren ist, doch nach und nach erweitert Tanja ihr Weltbild. Dass zwei Angehörige unterschiedlicher Göttersippen ihr Herz an die schöne Sterbliche verlieren, gestaltet Tanjas Lage nicht unbedingt einfacher ...

Steffi Nicole Schmidt wurde 1978 in Leipzig geboren. Als Umweltschutztechnische Assistentin und Germanistin vereint sie zwei sehr unterschiedliche Hintergründe. Ihr bevorzugtes Genre sind Mythenbearbeitungen und -neuerzählungen.
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Niemandsland


Der Jäger keuchte. Es handelte sich um kein normales Keuchen, nicht das „hech, hech“ eines bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geforderten Mannes, sondern um den Protest eines zusätzlich noch über alle Maßen ärgerlichen Kerls, der seiner Frustration Ausdruck verleihen musste.

„Kch! Kch!“ presste der Jäger hervor. Das war sein Fehler.

Wenn man gegen eine Kampe antrat, brachte es nicht den geringsten Vorteil, das Monster wissen zu lassen, was man dabei fühlte. Kampen kamen in der Unterwelt des Tartaros in den verschiedensten Arten vor und ihnen allen war eines gemeinsam: Sie standen sehr weit oben in der Hierarchie der Raubtiere. Das mochte daran liegen, dass sie sich ebenso lüstern gebärdeten wie der durchschnittliche Olympier oder in ihrem Körperbau begründet sein.

Der Jäger befand sich in der unangenehmen Position, „seine“ Kampe aufs Genaueste studieren zu können. Die spezielle Art konnte mit einer harten Schuppenhaut aufwarten, die ihren Bärenkörper einhüllte. Und obwohl der Jäger gelehrt bekommen hatte, dass höhere Tiere sich auf der Jagd nicht mehr auf Gift verließen, schien diese Erkenntnis irgendwie an den Kampen vorbeigegangen zu sein. Sie waren so giftig wie Hera und sahen dabei so abscheulich aus wie alle Hekatoncheiren zusammen. Selbst der Speichel, welcher der Kampe aus dem Maul troff, vermochte einen normalen Krieger zu lähmen, die Bewegungen eines Olympiers zu verlangsamen oder aber einen Bauern sofort zu töten.

In der ewigen Finsternis des Tartaros ließen sich keine Farben ausmachen. Der Jäger stellte sich das Monster grau vor. Und das war sein zweiter Fehler. Tagträume waren hier unten ebenso tödlich wie Gefühle. Noch tödlicher war nur... nun ja, eine Kampe zum Beispiel.

Der Jäger trug keinen Schild bei sich. In der rechten Hand hielt er sein kurzes Schwert, mit dem linken Arm sorgte er für Balance bei allen seinen Manövern. Noch hatte seine Klinge die Rüstung des Monsters nicht berührt, geschweige denn durchdrungen. Aber sie hätte es gekonnt. Die Kampe befand sich in weniger als einer Armeslänge Entfernung von dem Jäger-

sie war zu nah. Viel zu nah!

Und hinter ihm eine solide Felswand...

Fallen und Pfeile, das war der Weg des Jägers. Sich der Auge in Auge zu stellen, machte sie zum und dann wurde aus der Jagd ein Kampf. Nicht, dass der Jäger nicht auch einen guten Krieger abgegeben hätte, darum ging es gar nicht. Aber ein Kampf war einfach nicht das, worauf er sich in dieser Nacht eingestellt hatte. Das Monster hatte ihn unvorbereitet erwischt, in ein Duell gezwungen, mit dem der Jäger nicht gerechnet hatte. Überrumpelt befand er sich trotz all seiner Kampfeskunst mehrere Sekunden lang im Nachteil. Sekunden aber glichen Jahrtausenden, wenn man die Zeit von innerhalb eines Zweikampfes aus betrachtete.

Hinzu kam der Zorn. Der Jäger fühlte sich in seiner Ehre beschnitten, nicht rechtzeitig bemerkt zu haben, was da auf ihn zukam. Er hatte versagt und musste nun die Konsequenzen seiner Unaufmerksamkeit tragen.

Wieder einmal nicht aufgepasst...

Wieder einmal seiner Umwelt ausgeliefert!

Der Jäger schien sein Leben lang dazu verdammt zu sein, immer nur zu reagieren. Das ließ die Wut in ihm kochen! Doch diese Wut verlieh der Klinge des Jägers nicht etwa zusätzliche Wucht. Ganz im Gegenteil ließ sie die Bewegungen seines Körpers fahrig und seinen Geist ein klein wenig langsamer werden, als der Jäger es normalerweise gewohnt war.

Zu sehr auf sich selbst fixiert, kassierte der Mann einen Treffer durch die Klauen seines Gegners. Viel mehr als Klauen und Schuppen nahm er ohnehin nicht von der Kreatur wahr. Ihr Bild entstand in seinem Kopf, nicht auf der Netzhaut. Das Hirn des Jägers musste die aus fünf Sinnen geschöpften Eindrucke verarbeiten, um zu einer Vorstellung seiner Umgebung zu gelangen. Auf der Oberfläche hätte diese leichte Verzögerung einen erheblichen Nachteil dargestellt, hier unten im Tartaros jedoch orientierten sich alle Lebewesen auf diese Weise. In einer größtenteils lichtlosen Umwelt mussten sich die Bewohner dieser Umwelt neue Überlebensstratgien einfallen lassen, die Eingeborenen wie auch die von der Erdoberfläche Zugewanderten. Jäger und Kampe waren einander ebenbürtig. Doch ein Kampf mit ausgeglichenen Chancen war das Letzte, was der Jäger riskieren wollte. So etwas schickte sich für Athleten in ihren Wettkämpfen, aber nicht auf dem Schlachtfeld und schon gar nicht auf der Jagd!

Die Kampe holte mit ihrer Tatze aus. Sie gab sich keine Mühe zu zielen. Anderthalbmal so hoch wie der Zweibeiner musste sie einfach nur durch die Luft wischen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendeinen Teil des Jägers zu treffen.

Dieser „sah“ den Angriff kommen. „Hah!“ brüllte er, damit das Monster auch ja mitbekam, in welcher Höhe sich sein Kopf befand. Einen Sekundenbruchteil später warf er sich zur Seite.

Doch die Kampe fiel nicht auf den Trick herein. Sie richtete ihre zweite Attacke nicht auf die Stelle, von der aus der Ruf erklungen war, sondern dorthin, wo ihr der Luftzug verraten hatte, dass ihre Beute sich tatsächlich befand. In blinder Panik hielt der Jäger mit seinem Schwert gegen. Es gelang ihm, die auf ihn zurasende Pranke zur Seite zu schlagen.

Die Kampe hatte einen leichten Kratzer erlitten, der Arm des Jägers hingegen schmerzte wie nach einer Prellung. Dem Mann war zum Heulen zumute, doch durfte er sich jetzt keinerlei Schwäche leisten. Er rappelte sich auf und stürmte vor, direkt auf die Kampe zu.

So nah an seiner Gegnerin bestand die Gefahr, von dieser liebevoll in die Arme genommen und zu Tode gequetscht zu werden. Der Jäger musste es darauf ankommen lassen.

Mit voller Wucht rammte er sein Schwert in den Leib des Monsters. Hier am Bauch war die Haut der Kampe wesentlich dünner. Dünner und von feinen Äderchen durchzogen. Doch floss in diesen Adern kein Blut, sondern Lebenssaft einer anderen Art. Kampen gehörten zu jenen Kreaturen aus uralter Zeit, die ihre Nachkommen bereits mit Milch versorgten, aber noch keine Euter besaßen, das den Jungen als Zapfhahn dienen konnte.

Der Jäger rammte seine Klinge in das weiche Gewebe hinein. Schon begann der Stahl der Waffe zu glühen. „Nein...“ flüsterte der Jäger. „Bitte nicht!“

Mit schier unmenschlicher Willenskraft gelang es dem Mann, seinen Stoß mitten in der Bewegung abzubrechen. Lediglich die Spitze seines Schwerts ritzte die Milchdrüsen der Kampe. Sofort, als der Jäger die Klinge zurückzog, erlosch das Glühen der Waffe.

Schon wollte der Jäger erleichtert aufatmen, als eine zähflüssige, säureartige Flüssigkeit seinen Kopf traf. Er beging nicht den Fehler, mit der Hand in den Schleim zu greifen, um ihn fortzuwischen. Stattdessen schüttelte er seinen Haarschopf, so heftig es ihm möglich war und sprang wieder zurück zur Felswand. Gänzlich unschädlich machen konnte er den Kampenspeichel auf diese Weise zwar nicht, doch die Gefahr war fürs erste minimiert, wenn schon nicht gebannt.

Erneut hieb die Kampe auf ihren Gegner ein. Und nun begriff der Jäger, was das Monster plante, weshalb es nicht sein Maul senkte und ihn einfach der Länge nach durchbiss: Er sollte lebendig gefangen werden. Offenbar wies dieses Exemplar nicht nur Milchdrüsen auf, sondern zog gerade einen Wurf Jungtiere groß, die dringend ein Jagdspielzeug benötigten.

„Nicht - mit - mir!“ presste der Jäger hervor.

Er stemmte seine Füße in den Boden, hielt seinen Körper so steif wie möglich und erwartete erneut die Pranke des Untieres. Sein Schwert packte er fest mit beiden Händen und rechte es nach oben. Wieder lies der Schlag ihn bis in die Knochen erzittern. Doch diesmal blieb es nicht bei einem Kratzer. Diesmal drang die Klinge des Jägers in die Handfläche des Monsters ein. Blut floss.

Begierig nahm die Blutrinne des Schwerts die Flüssigkeit auf. Krieger unter- und oberhalb der Erdoberfläche nannten diese unterhalb des Heftes verlaufende Rinne spaßeshalber so. In Wirklichkeit diente sie der Verbesserung der Balance und machte die Waffen leichter. Doch was das Schwert des Jägers anbetraf, durfte man den Spitznamen wörtlich nehmen. Aus diesem Grund war es keine gute Idee gewesen, vorhin auf die Milchdrüsen zu zielen. Wer vermochte schon vorauszusagen, was passiert wäre, hätte die magische Klinge Muttermilch anstatt von Blut eingesogen? Der Jäger war nicht bereit, das auch nur an einer zahmen Ziege oder einer der wertlosen Titanin auszuprobieren. Dafür war ihm seine Waffe zu kostbar.

Viel mehr Blut, als durch einen einfachen Schwertstreich hätte vergossen werden dürfen, floss in die Rinne. Doch um sein Schwert vollständig zu füllen, musste der Jäger es mehrere Sekunden lang gerade halten. In dieser Zeit hielt das Monster nicht still. Mit seiner zweiten, unverletzten Pranke, schlug es wieder zu, diesmal nicht, um zuzugreifen, sondern, um dem Zweibeiner die Klauen in den Rücken zu graben.

Der Jäger schrie...



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