Schmid | Zentolia. Glasglanz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

Reihe: digi:tales

Schmid Zentolia. Glasglanz


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-401-84053-6
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

Reihe: digi:tales

ISBN: 978-3-401-84053-6
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



***In einer Welt ohne Sonnenlicht ist Liebe der einzige Weg aus der Dunkelheit*** Fauna lebt in Zentolia - eine Stadt erbaut aus Stein und Metall, umgeben von hohen Mauern. Draußen lauern nichts als Tod und Verdammnis. Drinnen sorgen Ordnungsstifter für eine strenge Überwachung der Stadtbezirke. Das Leben in Zentolia ist hart. Und die Herrscherin Szempra verzeiht keine Fehler. Daher ist Fauna extrem vorsichtig, lässt außer ihrem besten Freund Ronan und ihrer Mutter niemanden an sich heran. Als plötzlich beide spurlos verschwinden, ist sie gezwungen, bei der Suche die Hilfe eines zwielichtigen Fremden anzunehmen. Aber warum kennt Sander sich an den dunkelsten Ecken Zentolias so gut aus? Und was will er wirklich von ihr? Schon bald begreift Fauna, dass sie erneut bestohlen wird. Die Beute? ? Ihr Herz. Obwohl ihr das anfangs gar nicht passt, bleibt Sander hartnäckig. Er stellt sich als besonders geschickter (und noch dazu verdammt gutaussehender) Dieb heraus. Doch kann sie ihm wirklich trauen?

Tamara Schmid wurde 1991 in Oberbayern geboren. Sie liebt die Berge, Mittelaltermärkte und Regentage. Wo die Realität an ihre Grenzen kommt, erschafft sie durchs Schreiben fantastische Welten voller Magie und Abenteuer. Kreativen Austausch findet die Autorin in einer Münchner Schreibgruppe. 2018 gewann sie mit ihrem Debütroman 'Zentolia. Glasglanz' den Romantasy Schreibwettbewerb von digi:tales und Sweek. Foto © Patricia Schwarz
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Autoren/Hrsg.


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Ronan begleitet mich noch durch die Norm, damit ich nicht allein im Dunkeln gehen muss, und dann verabschieden wir uns am Grenzübergang zur Güte. Die Ordnungsstifter schauen Ronan nach, als er sich von uns entfernt.

Ihre Augen kann ich nicht sehen, weil sie hinter getönten Brillengläsern verborgen sind. Absurd, wenn man bedenkt, dass gerade Nacht ist und außerdem in Zentolia die Sonne nie scheint. Der rostrote Helm verbirgt ihre Haare und sogar ihre Hände stecken in Handschuhen. Mit dieser Uniform sehen sie irgendwie alle gleich aus.

Würde ich jetzt in die Norm oder die Rotte gehen, würden sie wahrscheinlich nur einen kurzen Blick auf mich werfen und mich durchwinken. Wenn man allerdings in die Güte, den Bezirk der höchsten Schicht möchte, fallen die Kontrollen strenger aus. Neben ihren roten Uniformen kommt mir das Grau meiner Kleidung schäbig vor.

Niemand interessiert sich für die winzige Ausbuchtung, die sich vage durch mein Oberteil abzeichnet.

Als ich in unsere Gasse einbiege, sehe ich schon von Weitem Licht im Wohnzimmer. Mirja ist zu Hause.

»Fauna, mein Schatz«, begrüßt sie mich drinnen.

»Hey«, sage ich leise. »Wie war die Arbeit?«

»Anstrengend. Szempra hat uns einige Extrarouten aufgetragen wegen morgen.«

Morgen? »Ah, das hatte ich ganz vergessen! Die Gründungsfeier! Ich sollte wirklich schlafen gehen, sonst halte ich den Tag morgen nicht durch.«

Am Abend des Gründungstags findet immer eine kleine Parade nach der Ansprache der Regentin statt. Das ist dann einer der seltenen Gelegenheiten, bei denen wir Szempra zu Gesicht bekommen.

Wie konnte ich das nur vergessen?

»Wo bist du eigentlich so spät noch gewesen?« Mirja geht ins Wohnzimmer, ich folge ihr. Mir fällt auf, dass ihr Blick kurz die Schatulle streift. Wahrscheinlich prüft sie, ob sie noch genauso dasteht, wie immer.

»Im mit Ronan. Was trinken.«

Fragend zieht sie eine Augenbraue hoch.

»Nicht so wichtig. Oh, und er hat mir etwas geschenkt.« Ich ziehe vorsichtig an der Kette um meinen Hals und zeige ihr den Stein.

Ihre Augen werden groß. »Ein Bergkristall?«

»Woher weißt du das?«

Sie muss sich davon losreißen. »Was? Ich … ich habe irgendwann schon einmal davon gehört.« Ein zaghaftes Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht, während sie nachdenklich den Schlüssel an ihrer Kette in den Fingern dreht. Obwohl er kaum größer als eine Büroklammer ist, sehe ich die goldenen Verschnörkelungen am hinteren Teil. Ich habe ihn schon so oft angesehen, dass ich ihn mit geschlossenen Augen beschreiben kann. Am auffälligsten ist das Loch, das umrandet ist wie ein Strudel und durch das die Halskette gefädelt ist.

»Ach so.«

»Denk bitte an unsere Verabredung morgen, ja?«

»Natürlich, so wie jedes Jahr.«

Wir lächeln uns an und sie gibt mir noch einen Kuss auf den Scheitel, bevor sie sich abwendet. »Schlaf gut.«

»Du auch.«

»Und den Anhänger solltest du besser versteckt halten.«

»Ich weiß.« Es wundert mich, dass sie mir überhaupt erlaubt, ihn zu tragen. Aber als sie es nicht verbietet, bin ich froh, dass das Thema durch ist.

Ich gehe noch schnell ins Bad und dann in mein Zimmer. In Endlosschleife erlebe ich das Gespräch mit Ronan von vorhin.

Nach gefühlten Stunden, die ich mich unruhig im Bett herumwälze, schlafe ich irgendwann endlich ein.

Die Wohnungstür fällt laut ins Schloss, ich schrecke hoch. Mirja ist schon auf dem Weg zur Arbeit. Ein Blick aus meinem Fenster verrät mir, dass es noch sehr früh ist. Ich schaue auf die Uhr. Der Weckruf für die Frühschicht wird erst in einer Stunde ertönen. Trotzdem stehe ich auf. Wie erschlagen schleppe ich mich ins Badezimmer.

Ich wasche mich – das kalte Wasser in meinem Gesicht ist eine wahre Wohltat - binde meine Haare zusammen und gehe zurück in mein Zimmer, um mich anzuziehen.

Das schwarze Arbeitshemd konnte ich noch nie leiden. Es kratzt wie verrückt und dafür ist es noch nicht einmal besonders schön. Wie immer trage ich dazu meinen kupfernen Gürtel um die Taille. Bei der Wahl meiner Hose lasse ich mir länger Zeit als gewöhnlich. Schließlich entscheide ich mich für eine eng anliegende, die so verwaschen ist, dass sie verschiedene Grautöne hat. Ich mag das Muster.

Neben der Tür schlüpfe ich in meine Stiefel und hänge mir

meine große dunkelgraue Arbeitstasche um. Es ist ein farbloser Tag. Wie immer.

Ich muss zum Kurier, um meine Route abzuholen. Auf dem Weg lasse ich mir mehr Zeit als üblich, denn so früh bin ich selten dran.

Zum heutigen Anlass, dem einundsechzigsten Gründungstag Zentolias, hängen vor allen Türen und Fenstern bereits Szempras Windspiele. Unterschiedlich große aus Kupfer baumeln daran und erzeugen ein metallisches Klirren, wenn sie aneinanderschlagen.

Sie sind frisch poliert und schaffen es dadurch sogar, schwache Lichtreflexionen auf Häuser und Straßen zu werfen.

Ob Mirja daran gedacht hat, unseres vors Fenster zu hängen? Ich muss später unbedingt nachsehen, bevor die Stifter misstrauisch werden.

Überall wird geputzt, gekehrt und poliert.

Als ich schließlich den Rand der Güte erreiche, halten mich die Stifter auf. Alles muss sicher sein, wenn Szempra durch die Stadt kommt, deswegen registrieren sie mich kurz in ihrer Kartei.

Als ich durch bin, gehen gerade die Lichter in der Norm an, um die Frühschicht anzukündigen.

Sehr gut! Jetzt komme ich doch noch zu spät. Ich habe länger getrödelt als gedacht. Meine Tasche fest an mich gepresst renne ich los und weiche flink allem aus, was mir in den Weg gerät. Menschen, Mülltonnen und Pfützen aus noch flüssigem Metall. Ich nehme jede Abkürzung, die mir einfällt und laufe einmal beinahe gegen eine Leiter, auf der gerade jemand steht, um ein Windspiel aufzuhängen.

Die Schichtleitung wird mir den Kopf abreißen! Das ist in diesem Quartal nun schon das dritte oder vierte Mal! Nicht, dass ich mitzählen würde …

Als ich über eine Brücke laufe, sehe ich das runde Kuriergebäude. Eine gigantische Kugel thront auf dem flachen Dach. Darin eine viel zu große, mich verspottende Uhr. Die Zeiger bewegen sich erbarmungslos weiter.

»Grüne Seuche!« Das ist mein neuer Rekord. Ob ich darauf stolz sein kann, weiß ich noch nicht.

Endlich schlüpfe ich durch die Tür und renne Dismas, meinem Ausbilder, direkt in die Arme. Sein muffiger Geruch lässt mich zurückprallen. In Gedanken nenne ich ihn , weil er immer spricht, als würde er sie sich zuhalten.

Obwohl ich das Laufen gewohnt bin, halte ich mir keuchend die Seite. Sicher sind dieses verfluchte Bernsteingetränk und der Schlafmangel daran schuld! Für eine Bodenbotin im letzten Jahr mache ich bestimmt einen tollen Eindruck.

»Und?«, fragt er mit seiner nasalen Stimme. »Welche Ausrede hast du diesmal?« Mit verschränkten Armen mustert er mich voller Verachtung. Er ist vielleicht ein paar Jahre älter als Ronan. So Mitte Zwanzig. Seine Haare scheinen noch nie einen Kamm gesehen zu haben und seine Augen sondieren stets unruhig die Umgebung. Ob sie einen Kamm suchen? Ich habe Mühe, mir ein Kichern zu verkneifen.

»Ich -«

»Ach, weißt du was? Ich will’s gar nicht hören. Mach endlich deine Arbeit!« Er reicht mir meinen Routenplan und wendet sich ab.

Meine Erleichterung darüber, ohne Strafe davon gekommen zu sein, löst sich in Luft auf, als ich die eingezeichnete schwarze Linie in der Stadtkarte verfolge.

Sie führt mich an den Rand der Norm. Direkt angrenzend zur Rotte. Aus Frustration zerknülle ich den Plan, bereue es aber im selben Moment. »So weit am Rand? Er schickt mich an die Grenze zur …« Ich unterdrücke einen Schwall Flüche und streiche meinen Plan wieder glatt.

Darf er mich überhaupt dahin schicken, obwohl ich noch in der Ausbildung bin? Wahrscheinlich muss er das irgendwann sogar. Dismas bewegt sich in einer Grauzone, denn der Rand der Norm ist noch lange nicht die Rotte.

Sich zu beschweren hätte keinen Sinn, also mache ich mich auf den Weg. In die Norm gelange ich ohne Probleme, immerhin komme ich aus der Güte und trage zudem mein Bodenboten-Abzeichen. Es ist rund, wie das Kuriergebäude selbst, und ein prangt in der Mitte.

Als ich eine Stelle nahe der Rottegrenze erreiche, lehne ich mich erstmal an eine Hauswand und studiere schlecht gelaunt meine Route. Von hier habe ich einen guten Blick. Ich sehe den großen Torbogen, durch den man in die Unterschicht gelangt. Der in die Mauer eingelassene Durchgang ist riesig und dunkel und kommt mir bedrohlich vor.

Die Bezirke werden durch ringförmig angelegte Mauern getrennt, die alle gerade so hoch sind, dass man nicht darüber klettern kann. Oben drauf befindet sich zur Sicherheit noch eine Menge Stacheldraht.

Pro Ring gibt es acht Grenzübergänge. An diesem hier stehen sechs Stifter. Vier von ihnen kontrollieren die Leute, die in die Norm wollen, die anderen zwei sind dafür zuständig, diejenigen zu erfassen, die in die Rotte gehen. Das Statement ist klar: Wer in die bessere Schicht will, muss sich auf stärkere Kontrollen gefasst machen.

Die breite Straße, durch die später auch die Parade ziehen wird, trennt mich noch vom Übergang zur Rotte. Und diesen Sicherheitsabstand halte ich bewusst ein.

Nach ein paar Minuten habe ich mir die Route eingeprägt und verstaue das Blatt in meiner Tasche.

Der Riemen drückt wirklich sehr angenehm in meine Schulter.

Meine Laune ist im Keller.

Ich zwinge mich, gelassen am Grenzübergang vorbeizugehen. Am Gründungstag dürfen Rotter ihren Ring...



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