Schlüter | Menschendämmerung II | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 402 Seiten

Schlüter Menschendämmerung II

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1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8187-2796-3
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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ISBN: 978-3-8187-2796-3
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Fünf große Objekte aus einer fremden Welt stürzen die Erde in Angst und Chaos. Dabei wollen die Ankömmlinge nur Gutes: Sie bringen Lösungen für die dringendsten Probleme auf dem Planeten. Als ihre menschlichen Botschafter nicht angehört werden, beschließen sie, selber in Kontakt mit den Regierungen der Erde zu treten. Doch die wenigsten sind bereit, die angebotene Hilfe anzunehmen. Die Machthaber im Hintergrund fürchten um Einfluss und Kontrolle. Mit Hilfe geschickter Manipulationen der Medien und der öffentlichen Meinung, schüren sie Angst vor den Fremden, die sich bis zur Eskalation steigert. Um die Wesen aus den Objekten von der Erde zu vertreiben und den selbstzerstörerischen Kurs der Menschheit beizubehalten, ist ihnen jedes Mittel recht.

Geboren in Hildesheim, Studium in Bonn, dann Zeitungs-Volontariat in Süddeutschland. Seit 20 Jahren als Hörfunk-Journalist in der Lüneburger Heide tätig, mit vielen Einblicken in die Kommunalpolitik, die ein Herzstück der Holger-Hammer-Krimis ist. Darüber hinaus Theater- und Hörspiel-Autor.
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Kapitel 1: Katerstimmung

Deutschland / Hamburg, Eppendorf

Den freundlichen Vormittag mit den kräftigen, wärmenden Sonnenstrahlen konnte Arne Fröhlich nicht genießen. Dafür war sein Leben in den letzten Tagen zu sehr auf den Kopf gestellt worden.

Zwei Wochen waren vergangen, seit der Landwirt aus dem Kreis Harburg auf einem seiner Felder ein gigantisch großes Objekt entdeckt hatte. Elliptisch, flach aus einem unbekannten, wahrscheinlich metallischen Material mit dem Durchmesser eines Fußballfeldes. Es hatte einfach so dort gestanden, aufgetaucht aus dem Nichts. Und es hatte Arne Fröhlich auf seltsame Art angezogen.

Ohne Angst hatte er sich auf das Objekt zubewegt, an dessen Boden sich eine Klappe geöffnet hatte. Und dann war er auch schon im Innern gewesen...

In diesem weißen, leeren Raum, ohne Formen und Konturen. Da waren diese... Leute. Sie sahen aus wie Menschen, bis auf ihre Augen, die nur eine flirrende, graue Kugel ohne Pupillen waren. Sie redeten in seiner Sprache und sie erzählten ihm die unglaublichsten Dinge. Über ihre Herkunft, die Ziele, die sie hatten und über den Planeten, auf dem er lebte und den die Menschen im Begriff waren zu zerstören.

Das Gefühl für Zeit hatte Arne Fröhlich während seines Aufenthalts im Innern des Objekts völlig verloren. Dann stand er wieder auf seinem Feld – eine Woche später. Genauso plötzlich, wie er von dort verschwunden war. Doch das Feld hatte sich verändert, war bevölkert von Soldaten und Personen in Schutzanzügen. Da waren Container und Zelte, ein richtiges kleines Dorf. Arne hatte erfahren, dass er nicht der einzige war, mit dem die Wesen gesprochen hatten. Fünf solcher Objekte waren zeitgleich aufgetaucht, in Deutschland, in Russland, in Amerika, in China und in Afrika. Und an jedem dieser Orte war ein Mensch verschwunden.

Jetzt waren sie zurück, nach einer Woche und erzählten die gleiche Geschichte. Arne war sicher, dass es eine wichtige Geschichte war, denn schließlich ging es darum, den Planeten mit Hilfe der Wesen zu retten. Doch niemand schien Interesse daran zu haben.

Arne wurde verunglimpft, seine Glaubwürdigkeit durch den Dreck gezogen und er wurde angefeindet. Er hasste die Wesen für das, was sie ihm angetan hatten und er wünschte sich, keiner der Menschen zu sein, denen die Aufgabe zukam, die Botschaften weiterzutragen. Er wollte zurück in sein altes Leben, zu seiner Frau Marion und seiner Tochter Hannah. Doch das Wiedersehen war nur von kurzer Dauer. Als er wutentbrannt auf das Feld gerannt war, um mit den Wesen abzurechnen, hatte ihn ein stechender Schmerz im Schädel umgeworfen. Dunkel erinnerte er sich, in eines der Lazarett-Zelte gebracht und untersucht worden zu sein. Saskia Gauers, die Einsatzleiterin, hatte versucht, ihn zu beruhigen, doch das schaffte sie nicht.

Panik hatte Arne Fröhlich erfasst. Er sah alles nur noch wie durch einen Schleier, hörte das Blut in seinen Ohren rauschen und die Bilder vor seinen Augen verschwammen. Dann hörte er Stimmen um sich herum und Saskia Gauers sprach von einem Krankenhaus. Danach hatte er das Bewusstsein verloren.

Er war wieder aufgewacht, in diesem Zimmer. Ein Arzt sagte, dass bereits Sonntag war. Einen Tag und zwei Nächte war er weg gewesen. Er sah Marion und Hannah, die bei ihm waren. Er lag im Universitätsklinikum, doch keiner wollte ihm sagen, weswegen. Sein Zustand hatte sich nur wenig gebessert. Noch immer lag über seinen Wahrnehmungen ein Schleier und er spürte den stechenden Schmerz in seinem Kopf.

Er war nicht lange wach geblieben. Es gab keine Träume und keine Erinnerungen.

Jetzt war er wieder da, wusste weder den Tag noch die Uhrzeit. Aber der Blick war wieder klar, das Rauschen hatte aufgehört und der Schmerz nachgelassen.

Arne Fröhlich fühlte eine tiefe Ruhe in sich, ohne zu wissen, woher sie kam. Sein Leben war aufregend und unerfreulich genug, seit seiner Entdeckung auf dem Acker. Der Beitrag im Fernsehen, wegen dem er am Freitag zum Feld gelaufen war, hatte ihn nicht nur bundesweit bekannt-, sondern auch zu einem unmöglichen Idioten gemacht. Dann dieser Aussetzer, die Ungewissheit seines Zustands...

Und doch fühlte er tiefen Gleichmut in sich, so als wüsste er genau, dass keines seiner Probleme eine Bedeutung hatte.

Er spürte die Sonne auf seinem Gesicht, empfand aber keine Freude. Das wäre angesichts seiner Situation zu viel verlangt. Er begnügte sich mit dieser Form der Erleichterung. Darüber, dass er sich im Moment wenigstens nicht unwohl fühlte.

Er hoffte, seine Familie zu sehen, als die Zimmertür geöffnet wurde. Doch stattdessen trat eine junge Frau in einem weißen Kittel, mit dichtem schwarzen Haar und südländischem Äußeren ein. Ihr Gesicht war schmal und freundlich.

„Guten Tag, Herr Fröhlich“, begrüßte sie ihn akzentfrei. „Wie geht es ihnen?“

Arne blinzelte und tastete auf dem ausklappbaren Rolltisch neben sich nach seiner runden, randlosen Brille.

„Ganz gut soweit...“, antwortete er unsicher.

Die Ärztin zog sich einen Stuhl heran.

„Mein Name ist Doktor Ebru Turan. Sicher haben sie eine Menge Fragen.“

Er nickte. „Bin ich immer noch im UKE?“

„Sind sie.“

„Und welcher Tag ist heute? Wie spät ist es? Und wo ist meine Familie?“

Die Ärztin lächelte. „Eins nach dem anderen, Herr Fröhlich. Also heute ist Montag, es ist kurz nach 11 Uhr und ihre Familie ist in der Kantine im Erdgeschoss. Ich werde sie holen, sobald wir hier fertig sind.“

„Und wann kann ich nach Hause?“

„Ich fürchte, das wird so bald nicht möglich sein.“

„Wieso? Was fehlt mir denn überhaupt? Was Schlimmes kann es doch gar nicht sein. Sonst würde ich doch an tausend Schläuchen hängen.“

Ebru Turan beugte sich ein Stück nach vorne und ein Schatten legte sich über ihr Gesicht. „Sie waren lange bewusstlos, Herr Fröhlich, und wir haben sie intensiv durchgecheckt. Mit verschiedenen Verfahren und haben manche Tests auch mehrmals gemacht...“

Er wurde ungeduldig. „Jetzt reden sie bitte nicht um den heißen Brei, Frau Doktor.“

Ihr Blick war fest und traurig, als sie ihm in die Augen sah.

„Sie haben einen Hirntumor, Herr Fröhlich.“

Sicher war er immer noch bewusstlos und träumte dieses Treffen nur. Bestimmt lag er noch in dem Lazarett-Zelt auf seinem Feld und es war Freitagabend.

Doch dann fühlte er ihre kühle Hand auf seinen Fingern. Und alles andere war auch real.

Arne schluckte und spürte die Trockenheit in seinem Hals. Er hatte gerade sein Todesurteil erhalten.

Er wollte etwas sagen, das schlimme Wort wiederholen. Doch nichts kam aus seinem Mund.

Ebru Turan senkte den Blick.

„Ich hätte ihnen gern eine andere Diagnose mitgeteilt, Herr Fröhlich. Aber ich fürchte, dass ein Irrtum ausgeschlossen ist.“

Seine Lippen zitterten, er kämpfte gegen die Tränen.

„Aber wieso?“, hörte er sich sagen. „Ich bin doch gerade 50 und war immer bei der Vorsorge. Die hätten doch was finden müssen...“

„Nicht notwendigerweise. So etwas kann sehr schnell gehen.“

„Aber als ich zurückgekommen bin, hat man mich doch auch untersucht. Die hätten es doch spätestens sehen müssen. So ein Tumor kommt doch nicht über Nacht.“

Die Ärztin hob die Schultern. „Für gewöhnlich nicht. Wir haben ehrlich gesagt auch keine Antwort darauf. Natürlich haben wir uns die Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen geben lassen, die nach ihrer Rückkehr durchgeführt wurden. Und sie haben recht: Da war noch kein Tumor zu erkennen. Was nicht heißt, dass er nicht schon da war. Vielleicht ist er nicht aufgefallen, weil niemand danach gesucht hat. Wir hingegen sind in den letzten Tagen alle Möglichkeiten durchgegangen, um zu einer Diagnose zu kommen. Nach ihrer Rückkehr waren erstmal andere Dinge wichtiger. Die Untersuchungen waren also eher oberflächlich, was ich nicht kritisieren möchte. Aber so ist es nun mal...“

„Und woher kommt der Tumor? Ist es, weil ich... weg war? War da irgendwas in dem Ding? Eine Strahlung oder so?“

Ebru Turan seufzte hilflos. „Ich würde ihnen so gerne all die Antworten geben, die sie sich wünschen, aber ich kann es nicht. Wir wissen nicht, woher der Tumor kommt, wann er entstand und wieso er so schnell gewachsen ist.“

Arnes Augen weiteten sich. „Schnell gewachsen? Was meinen sie damit. Sie können doch operieren, oder?“

„Ich fürchte nicht, Herr Fröhlich.“

Für einen Moment stand die Zeit still und Arne hatte das Gefühl, immer tiefer in diesem Alptraum zu versinken. Konnte er nicht einfach auf der Stelle aufwachen?

„Wollen sie mir sagen, dass ich... sterben werde?“

Die Ärztin wollte keine Antwort auf diese Frage geben. Sie fühlte mit ihrem Patienten, auch wenn sie es nicht wollte. Dieser Mann hatte soviel durchgemacht in den vergangenen zwei Wochen, dass sie ihm nicht noch die letzte Hoffnung rauben wollte. Doch sie wusste auch, dass es sinnlos war zu lügen, oder ihm etwas vorzumachen.

„Ich fürchte, das werden sie, Herr Fröhlich.“

„Aber es geht mir doch wieder gut.“

Die Ärztin seufzte. „Das ist normal. Wir konnten den Druck des Tumors minimieren. Außerdem sind sie immer noch sediert.“

Seine Kehle schnürte sich zu und er spürte, wie die Tränen in ihm aufstiegen. „Und... wann... ist es soweit?“

„Das lässt sich schwer sagen. Wir wissen kaum etwas über den Tumor. Vielleicht Wochen. Vielleicht weniger.“

Er drehte das Gesicht von ihr weg und sah wieder aus dem Fenster in die helle Sonne. Der Frühling kam, die Felder...



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