E-Book, Deutsch, 581 Seiten
Schluer Die Erben des Lichtervolks
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-384-30339-4
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Marionettenmacher, Teil 2 der Siedlerreihe
E-Book, Deutsch, 581 Seiten
ISBN: 978-3-384-30339-4
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabrina Schluer hat 1987 das Licht der Welt erblickt und ist im Sauerland aufgewachsen. Im bürgerlichen Leben ist sie Ergotherapeutin, die ihren Beruf liebt, Katzenmama einer sechsjährigen Fellnase und Teil einer liebevollen Familie. Schon in früher Jugend war klar, dass sie ein Buch schreiben wollte. Jedoch sollte es viele Jahre dauern, bis der Traum wahr wurde. Im September 2021 erschien ihr Debüt 'Die Erben des Lichtervolks - Siedler', welches sie nun in einer umfassend überarbeiteten Neuauflage "Die Erben des Lichtervolks - Verbrannte Erde" neu veröffentlicht. Weitere Titel der Science-Fantasy-Reihe: Die Erben des Lichtervolks - Der Marionettenmacher Voraussichtlich wird die Trilogie im September 2025 vollendet.
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Gerechter Zorn
BJ lag auf seinem Bett und starrte die mit Holzornamenten verzierte Zimmerdecke an. Wenn er an die letzten Monate zurückdachte, musste er sich jedes Mal schnell eine Ablenkung suchen, um nicht alles kurz und klein zu schlagen, was sich in seiner Reichweite befand. Eliza hatte sich von ihm distanziert, weil er grob und abweisend war, und dass sie ihm nun aus dem Weg ging war ihm eigentlich ganz recht. Wobei, wenn er ehrlich war, dann war eher es, der aus dem Weg ging. Genau genommen ging er aus dem Weg. Er konnte im Moment einfach niemanden um sich herum ertragen, der ihm, wie sein rührseliger Vater, damit in den Ohren lag, dass er auf andere Gedanken kommen und einfach mal reden müsste. Na klar, als ob das schon jemals irgendetwas gebracht hätte, über den ganzen auch noch zu reden, der in seinem verkorksten Leben abging.
Okay, los, sprechen wir darüber, dass all die Programmierungen, die Updates und die Forschungen umsonst gewesen waren, weil er sich ein Bein ausreißen und trotzdem nicht hätte aufspüren können. Reden wir darüber, dass der Boss ihnen verheimlicht hatte, dass und offenbar ein Aurenpaar waren und dass es nun keinen Weg aus dieser Scheiße gab, weil sie ihrer Bestimmung nicht folgen konnten. Dass Janosh nicht mehr mit Jason sprach geschah diesem, BJs Meinung nach, ganz recht. Ginge es nach ihm, säße der Boss längst in einer der kleinen widerlichen Zellen hier in Rooksville. Verdient hätte er es. Bisher hatte BJ nie wirklich an diesen ganzen Aurenkram geglaubt, doch er konnte nicht umhin, ihn zu glauben. Er einfach, dass es stimmte, dass und Joe vom Lichtervolk gewesen waren und dass es nur Jasons und vielleicht auch ein bisschen Janoshs, Schuld war, dass sie nun tot waren. Warum sprach eigentlich niemand ? Oder noch wichtiger: warum besprachen sie nicht, dass sie hier alle in einem riesigen Käfig saßen, aus dem sie wohl nicht mehr lebend herauskommen würden?
Zorn durchtränkte seinen Geist und er konnte nicht ruhig liegen bleiben. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete, wieder einmal, die MJ-Datei. Etwa zwei Wochen nach der Trauerfeier hatten Max und Ritch BJ dazu aufgefordert, sich alles aus der Schildkröte – der Sicherheitszentrale von Rooksville – zu nehmen, was nicht mehr dringend gebraucht wurde. BJ dufte nicht an den Tag denken, an dem dem windschiefen Gebäude, dessen innere Deckenstruktur an einen umgestülpten Schildkrötenpanzer erinnerte, seinen Namen gegeben hatte.
Die beiden angeblichen Sicherheitschefs hatten eine großangelegte Aufräumaktion geplant und fanden es zu schade, die ganzen noch funktionsfähigen Gerätschaften und Ausrüstungen einfach in den Müll zu werfen. Die beiden hatten sich überlegt, dass es BJ vielleicht guttat, sich wieder auf sein altes Zwölferprojekt zu konzentrieren, und ihm sogar eine kleine Labor-Grundausstattung zur Verfügung gestellt. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte sich BJs Denken grundlegend verändert und er misstraute den beiden , wie er sie in Anlehnung an ihren Arbeitsplatz inzwischen nannte. Er hatte selbst nicht verstanden, warum er ihnen nicht traute, doch das sollte sich schnell ändern.
Er hatte alles, was er brauchte, eingesammelt und sich sein neues in seinem Zimmer eingerichtet. Das war dann auch ungefähr der Zeitpunkt, ab dem man ihn praktisch nicht mehr außerhalb dieses Zimmers angetroffen hatte. Es war unwesentlich größer als sein Schuppen, das ursprüngliche Klohäuschen, welches in der in die Luft gegangenen Siedlung gestanden hatte. Und durch das ganze technische Equipment war es darin auch beinahe genauso warm. Es tat BJ auf einer unbewussten Ebene gut, sich in sein Nest zurückziehen zu können. Es war das bisschen Heimat, welches ihm noch geblieben war.
Seither hatte er seine ganze Aufmerksamkeit der Frage gewidmet, wie es zu diesem hatte kommen können. Und um der Sache auf den Grund zu gehen, hatte er an dem Tag der Tage, dem , begonnen. Auch jetzt noch fiel es ihm schwer zu glauben, dass Stecker anders funktionierten als die der anderen. Doch die Zahlen logen nicht. Es hatte wirklich keinen Weg gegeben, rechtzeitig zu warnen.
Ihm kam der Tag des Willkommensfestes in den Sinn. Damals hatte ein Problem mit Stecker gehabt. Eine Störfrequenz hatte das Mikrofon lahmgelegt. Zu dem Zeitpunkt war das BJ überhaupt nicht seltsam vorgekommen, obwohl so etwas noch nie vorher passiert war. Auch hatte er sich damals, als Joe ihm gesagt hatte, dass er nicht erreichen konnte, nicht weiter mit dem Problem befasst. Erst als ihn dazu gedrängt hatte, war er der Sache nachgegangen. Er knöpfte sich Daten noch einmal genauestens vor. Mittlerweile forderte sein Magen keine dringende Notentleerung mehr, wenn er sich mit Steckerdaten befasste. Aber schlecht wurde ihm immer noch. Die Besonderheiten Steckers, waren zum Verhängnis geworden. Man hatte versucht, ein Programm auf Stecker zu installieren, das es ermöglichen sollte, auf denselben zuzugreifen. Der Stecker jedoch hatte schlicht auf stur geschaltet, die Störfrequenz ausgelöst und das Programm somit an der Installation gehindert. BJ vermutete, dass man deswegen beschlossen hatte, aus dem Weg zu schaffen. Der Schutzmechanismus des Steckers hatte ebenso zur Folge gehabt, dass das Kommu, das Kommunikationsmodul, nicht funktionierte. Obwohl BJ dieses nicht Problem beheben konnte, hatte der Stecker das Programm blockiert. BJ fand keine zufriedenstellende Erklärung, kein passendes Wort für das, was dieser Stecker hatte. Als ob das Ding selbst denken konnte und seine Wirtin beschützt hätte. Seine, BJs, Manipulation hätte eigentlich nicht funktionieren dürfen; diese hatte der Stecker jedoch zugelassen.
BJ schloss die Dateien wieder, schaltete den Bildschirm aus und starrte in die matte Schwärze. Zwei Fragen drängten sich ihm immer wieder auf. Erstens: Zweitens:
Die erste Frage konnte er nicht beantworten, was er dem Aurending zuschrieb. Zwar konnte er die ganzen Daten nachverfolgen, sie ergaben jedoch keinen Sinn für ihn. Die zweite Frage allerdings schien durchaus lösbar zu sein. Denn: Wenn sie auf Stecker hatten zugreifen wollen, was war dann mit den übrigen Steckern? Mit denen der Siedler? Es musste andere Spuren, weitere Dateien oder Anhaltspunkte geben. Er schaltete den Bildschirm wieder ein und versuchte, sich in die Sicherheitsserver von Rooksville zu hacken. In seinem jugendlichen Leichtsinn glaubte er, es sollte nicht so schwer sein, sich Zugang zu verschaffen. Er war ja nicht auf den Kopf gefallen.
Eine Stunde später, und noch frustrierter als zuvor, kam er zu dem Schluss, dass er sich im Dorf umschauen musste. Vielleicht gab es externe Zugänge zu den Systemen? Das Sicherheitskraftfeld rund um Rooksville musste ja auch irgendwie gesteuert werden. Dieses Kraftfeld verbarg das Dorf und seine Bewohner vor ungewollten Blicken. Als die Siedler damals angekommen waren, wirkte das Dorf wie eine verlassene Ruinenstadt. Seine Suche nach einem Zugriffspunkt blieb jedoch ergebnislos. Es gab schlicht und einfach keine externen Zugänge. Das bedeutete, dass man das System nicht einmal im absoluten Notfall ausschalten konnte. BJ schaute sich auch die ganzen Rooks genauer an und stellte fest, dass die meisten nicht gerade gesund aussahen. Warum ihm das vorher nicht aufgefallen war, war ihm ein Rätsel. Zurück in seinem Klohäuschen setzte er sich wieder an seinen Rechner und beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen.
Es bedurfte beinahe eines Monats intensiver Forschungen und einiger nicht ganz ungefährlicher Hackerangriffe, da fand er schließlich die Antwort auf seine Frage. Dieses Dorf war kein Rebellendorf. Das war in Wirklichkeit ein großes Gefängnis, das die augenscheinlichen Rebellen nicht vor dem ÜSZ verbarg, sondern sie in Rooksville einsperrte. Man konnte weder innerhalb Rooksvilles auf das Kraftfeld zugreifen, noch gab es erkennbare Anschlussoptionen außerhalb des Dorfes. BJ hatte es eingehend überprüft und sich dafür eines Safetys zunutze gemacht.
Nachdem er diese vielen Informationen in erneuter, tagelanger und mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen, katalogisiert und größtenteils ausgewertet hatte, fand er heraus, dass das ganze System ausgerechnet von der Schildkröte aus am Laufen gehalten wurde. Max und Ritch hatten diesen Käfig nicht installiert, wie BJ mit grimmigem Missfallen klar wurde, sie waren nur so etwas wie die Hausmeister. Sie hielten lediglich ihr eigenes Gefängnis in Stand und schienen das auch zu wissen. Dass er wiederum es nun wusste, zerstörte BJs letzte Sympathien für die beiden insbesondere die für Max, nachhaltig.
Auf die Frage, sie es machten, konnte BJ allerdings beim besten Willen keine Antwort finden. Soweit er es im Vorfeld gelernt hatte, konnte man mit den Armbändern nicht auf die Sinne der Menschen zugreifen und somit auch keine entsprechenden Manipulationen durchführen, die Max’ und Ritchs Handeln vielleicht erklärt hätten. Und tatsächlich schien es so zu sein, dass die Armbänder eine Erfindung von Max waren, die er erst gemacht hatte, als er bereits zwei Jahre in Rooksville war. Das alles war äußerst verwirrend und wollte sich BJ einfach nicht...




