Schleich | Schleichwege durch München | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 128 Seiten

Schleich Schleichwege durch München


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7844-8541-6
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 128 Seiten

ISBN: 978-3-7844-8541-6
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der preisgekrönte Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich kann zufrieden auf eine 40-jährige Bühnen- und Bildschirmpräsenz zurückblicken. Und aktuell trifft er einmal in der Woche im »Münchner Merkur« und in der »tz«
den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Mit seinem legendären Münchner Grant und dem Schalk im Nacken findet sein geübter und kritischer Blick immer die Stelle, wo's kitzelt. Es geht um Geldgräber und Bausünden,
Geschmacksverirrungen und Bierpreiskurse, die bayrische Sprache, linksgrün woke Klimamüllkunst und vieles mehr, was München bewegt und belustigt!

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Da rührt sich was!

Genuss in vollen Zügen

Wartehäusl (08.03.25) Wenn ein Trambahnwartehäusl eine Genehmigungszeit von drei Jahren hat, was der Oberbürgermeister diese Woche beklagt, dann brauchen sich alle privaten Bauherren und -frauen, denen ihre Baugenehmigung zu lange dauert, nicht wundern.

Alles im Rahmen.

Man muss es verstehen: Drei Glaswände, sechs Sitzplätze und ein Abfallkorb, das muss man schon genau machen. Weil wenn das Wartehäusl erst einmal steht und was nicht stimmt, dann dauert es ja womöglich einen ganzen Tag, bis man es wieder abbaut.

Und mit einer Bushaltestelle kann man das sowieso nicht vergleichen.

Schließlich fährt die Tram auf Schienen, das Wartehäusl ist also streng genommen ein Bahnhof.

Statt zu granteln sollte man also froh sein, dass es in Harlaching nur drei Jahre und nicht wie am Hauptbahnhof 20 Jahre dauert, Ende offen.

Und was ist, wenn eines Tages statt der Trambahn die U-Bahn kommt? Hat doch erst jetzt wieder irgendwer gefordert.

Dann müsste das Tramhäusl durch ein U-Häusl ersetzt werden, so ein Projekt ist ja gar nicht mehr planbar.

Offiziell heißt das Wartehäusl übrigens „Wetterschutzhäuschen“. Klingt fast schon nach Alpenverein. Am Ende muss man in Zukunft dort Mitglied sein um das Wetterschutzhäuschen überhaupt nutzen zu dürfen!?

Wobei Schutzhütten des Alpenvereins in aller Regel vier Wände haben und einen Holzofen. Der würde in München schon am Veto der Grünen scheitern.

Es ist einfach kompliziert, weshalb „Wartehäusl“ vermutlich der Imperativ der Genehmigungsbehörde ist: „Warte Häusl!“

***

Brezen statt Zuverlässigkeit (16.11.24) Wenn Dein Zug nicht kommt, sich der Bahnchef dafür per Lautsprecherdurchsage entschuldigt und Dir Brezen verspricht, die dann aber auch nicht kommen, dann könnte es gut sein, dass Du mit der S-Bahn München unterwegs bist.

So geschehen diese Woche auf der S8.

Wer an der falschen Station vergeblich auf die S-Bahn gewartet hat, der hat auch vergeblich auf die Brezen-Bescherung gewartet.

Ich nehme mal an, dass der zuständige Brez’nsalzer der S-Bahn München einfach überlastet war.

„Eine kleine Aufmerksamkeit“ sollten die Brezen sein, für die zahlreichen Verspätungen auf dem Westast der S8. Nett gemeint, keine Frage. Aber welche Großbäckerei will die Bahn unter Vertrag nehmen, wenn dieses Beispiel Schule machen soll? Diese Brezenmengen bringt doch niemand her.

Und ganz ehrlich: für den wiederholt verpassten Facharzt-Termin oder das zu späte in-die-Arbeit-kommen ist EINE Breze nun wirklich ein allzu schwacher Trost.

Da muss ein abgestuftes System her. Bis 5 Minuten gar nix, bis 10 Minuten Breze, bis 15 Minuten Butterbreze (natürlich wahlweise vegan), bis 20 Minuten mit Weißwurst, bis 25 Minuten mit Senf und ab 30 Minuten mit Weißbier.

Dazu an jeder Station eine g’scheite Bahnhofsrestauration. Da werden manche gar nicht mehr wegwollen.

Und ein neuer Werbeslogan für die S-Bahn ergäbe sich daraus auch gleich noch:

„Bleib, wo Du bist. Die S-Bahn bringt dich hin!“

***

Schiefe Bahn (14.10.23) Wie sang einst Funny van Dannen? „Er landet mit dem Flugzeug und steigt ins Auto ein. Das muss der Bahnchef sein.“

Mal sehen, wie lange Katrin Habenschaden solchen Verlockungen in ihrem neuen Job bei der Bahn widerstehen kann.

Sie will ja mit dem Zug zwischen dem Wohnsitz München und Berlin pendeln. Da stellt sich natürlich schon die Frage, ob man einen leitenden Posten bei der Bahn überhaupt dauerhaft behalten kann, wenn man als Pendlerin ständig zu spät kommt, weil mal wieder der ICE ... und so weiter.

Zumal der Wechsel aus dem Amt hin zum hoch dotierten Posten in der Wirtschaft schon ziemlich geschmeidig gelaufen zu sein scheint. Ich sage mal: ein CSUler wenn’s gewagt hätte ...

Gut, sie sagt, sie wollte raus aus der Politik, weil sie als zweite Bürgermeisterin Münchens in den sozialen Medien Anfeindungen und Häme ausgesetzt gewesen ist.

Ein verständlicher Wechsel also. Das kann einem im Bahn-Management nämlich nicht passieren. Dort treffen die Anfeindungen und der Hass Schaffner und Lokführer, also jene, die am wenigsten dafürkönnen.

Und auch wenn der Witz naheliegt, muss man schon ehrlich zugeben, dass unsere bisherige zweite Bürgermeisterin mit ihrem Nachnamen wesentlich besser zur Bahn passt als zum prosperierenden München.

Habenschaden ist ja bei der Bahn quasi die Unternehmensbilanz.

Besser lassen sich Stellwerksstörung, Personalausfall, Triebfahrzeugbrand, Zugausfall, defekte Klimaanlage, geänderte Wagenreihung und Streckensperrung doch gar nicht zusammenfassen, als mit dem Wort Habenschaden.

***

Schmutz-ICE (14.06.25) Ja und ja. Es stimmt, das ewige Bahn-Bashing kommt einem langsam zu den Ohren raus und ja, die Bahn wurde vom Staat jahrzehntelang vernachlässigt und kaputtgespart. Und drittens ja, nicht für jede Bahnverspätung kann die Bahn was.

Aber: Einen der wenigen pünktlichen ICEs aus dem Verkehr zu ziehen, weil das Zugpersonal ihn für zu schmutzig befindet und die Reisenden dem Zugausfallchaos, das jeder kennt, der häufig Bahn fährt, zu überlassen, das ist so ein Hammer, dass er der Firma kreuzweise um die Ohren gehaut gehört!

Wer ans Ziel will, dem ist ja wohl ein schmutziger, fahrender Zug allemal lieber als der pünktlichste Stehzug.

Aber das ist ja genau der Punkt. Das Personal wollte ja gar nicht ans Ziel. Es hat ja auch keines im Sinne einer Reise. Es „genießt“ den Tag in vollen Zügen, um nach Schichtende wieder dort zu landen, wo es zu Beginn losgefahren ist.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, soll die Durchsage im nämlichen ICE gelautet haben. Klar. Heute setzen alle am liebsten Zeichen. Gegen Hass und Hetze, für queeres Leben, gegen Luftverschmutzung. Oft sind es vor allem Ausrufezeichen der eigenen Wichtigkeit. Da wollte das Zugpersonal im ICE 886 nicht hintanstehen und setzte ein Zeichen gegen die Zugverschmutzung.

Eine Firma, die solches Personal hat, braucht keine Feinde mehr. Zumal der größte Feind der Bahn, da ist man sich im Konzern ressortübergreifend einig, ja ohnehin der Fahrgast ist.

***

U-Bahn-Chaos (29.06.24) Was mir neulich ein Freund erzählte, fand ich so beachtlich, dass ich es unbedingt loswerden muss.

Auf dem Heimweg von der Arbeit begrüßte ihn gegen vier Uhr nachmittags im U-Bahnhof Harras auf der Anzeigetafel Richtung Innenstadt ein Hinweis: „nächste U6 in 45 Minuten“. Auf seine Nachfrage, ob das ein Defekt sei, erklärte ihm der mobile Mitarbeiter, es sei ein EM-Spiel und deswegen seien die Züge in Fröttmaning, wo sie auf die Fans nach Spielende warten würden.

Man kennt das aus fremden Ländern, vor allem solchen, die noch im Entwicklungsmodus sind: Touristen gehen vor.

Und wenn in München so ein EM-Spiel ist, wo Molwanien gegen die Hintere Walachei spielt, dann muss der Einheimische eben zu Fuß heimgehen.

Es gibt schließlich Touristenländer, da können sich die Einheimischen nicht mal den Einkauf im Supermarkt leisten, in dem sie für die Touristen arbeiten. Also, seien wir gefälligst zufrieden. Nach eigenem Bekunden tut die MVG eh, was sie kann oder anders gesagt, mehr kann sie eben nicht. Weniger schon. Das werden wir erleben, wenn diese EM vorbei ist und wieder Normalbetrieb herrscht. Dann kommt wieder die Zeit der Baustellen und Sonder- bzw. Nicht-Fahrpläne. Und langfristig, das haben wir ja vom Kämmerer kürzlich erfahren, muss eh eingespart werden.

Wie hat man einst in der DDR gesagt? „Wir bauen auf und reißen nieder, so ham wir Arbeit immer wieder.“ Ausgezeichnet.

***

Rolltreppen-Witz (05.11.22) Ich gehöre ja zu den Menschen, die Zug fahren. Das kann ganz wunderbar sein, allerdings beileibe nicht immer.

Als absoluter Tiefpunkt einer Bahnfahrt darf jedoch die Ankunft am Münchner Hauptbahnhof gelten.

Diese Woche war es einmal wieder soweit. Nach zehn Tagen Tour bin ich mit zwei großen Koffern am Hauptbahnhof oder besser gesagt dem, was davon übrig ist, angekommen.

Nachdem ja der eigentliche Haupt-Ausgang wegen eines eigentümlichen und überteuerten Bergwerkbaus bis zum Sankt Nimmerleinstag gesperrt ist, quält man sich in der Herde Richtung Arnulfstraße.

Dort ist – wie könnte es anders sein – die Rolltreppe kaputt. Willkommen in München. Also Schleppen. Als Bremser auf der ohnehin viel zu engen Treppe abwärts. Unten dann Gedränge zur U2. Dort – Überraschung – Rolltreppe kaputt und am Lift 20 Meter Kinderwagen-Schlange. Geschätzte Wartezeit 15 Minuten. Also Schleppen, wohlgemerkt auf der Rolltreppe abwärts, um dann im hässlichsten U-Bahnhof Deutschlands 10 Minuten auf die überfüllte U2 zu warten.

Irgendeine Form vom Mobilitätseinschränkung braucht da niemand zu haben. Das ist kein Nahverkehr, das ist Nahkampf.

Nachdem ein Abholen mit dem Auto am Hauptbahnhof seit der Monsterbaustelle mangels Haltemöglichkeiten komplett unmöglich geworden ist, stellt sich die Frage, ob es für die angestrebte Verkehrswende nicht einfach ausreichend wäre, im öffentlichen Raum maximales Chaos zu veranstalten, auf dass die Leute sagen, „da bleib ich lieber ganz daheim.“

München sollte sich dafür jedenfalls unbedingt als Modellstadt bewerben. Wir schaffen das auch ohne Klima-Kleber.

***

Rolltreppen-Ersatzteil...



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