E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: HarperCollins
Schier Vier Pfoten im Sommerwind
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7499-5003-4
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-7499-5003-4
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die perfekte Sommerlektüre - nicht nur für Hundefans
Aus eigener Kraft haben die drei Freundinnen Hannah, Caroline und Ella ein Cateringunternehmen gegründet. Schon nach kurzer Zeit können sie riesige Erfolge verbuchen. Die Köstlichkeiten der Foodsisters sind einmalig, das muss auch Jörn zugeben. Doch bei der Aussicht zusammen mit Ella die Jubiläumsfeier der Lichterhavener Feuerwehr zu organisieren, ist er schon jetzt genervt. Wie soll er, der ruhige und besonnene Fischer, mit der quirligen Partyqueen ein Team bilden? Aber als Ella sich um den Bearded Collie ihrer Großmutter kümmern muss, ist sie heillos überfordert und Jörn lernt Ella plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen ...
Seit Petra Schier 2003 ihr Fernstudium in Geschichte und Literatur abschloss, arbeitet sie als freie Autorin. Neben ihren zauberhaften Liebesromanen mit Hund schreibt sie auch historische Romane. Sie lebt heute mit ihrem Mann und einem deutschen Schäferhund in einem kleinen Ort in der Eifel.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
»Moin, Holger.« Mit Schwung öffnete Jörn Paulsen die Türen des kleinen Kühltransporters mit dem Aufdruck:
Paulsen & Paulsen
Leckerer Fisch und mehr
Gleichzeitig hob er die Hand, um seinem Kollegen und Stellvertreter auf dem familieneigenen Krabbenkutter Paulsen 1 grüßend zuzuwinken. Danach zog Jörn einen Stapel Kunststoffkisten aus dem Inneren des Transporters und trug sie die wenigen Schritte bis zum Anlegeplatz des Kutters.
Inzwischen war Holger, ein kräftiger dunkelhaariger Mann Ende dreißig, von Bord gekommen und übernahm die Kisten, um sie gleich darauf dem Matrosen und Lehrling Christian weiterzureichen. »Moin, Jörn. Alles senkrecht unterm Bambusröckchen? War ja ein ganz schöner Regen gestern Abend. Greta hatte schon Angst, dass unser Garten weggeschwemmt wird.«
»Zwölf Liter innerhalb einer halben Stunde.« Jörn trug bereits die nächsten Kisten heran, in denen während der Fangfahrt später die gekochten Krabben im Kühlraum des Kutters transportiert werden würden. »Ich wollte schon die Feuerwehrtruppe in Alarmbereitschaft setzen. Aber das Unwetter war so schnell wieder weg, wie es gekommen ist. Zum Glück sind keine Keller vollgelaufen, und die Bäche haben die Wassermassen auch verkraftet.« Prüfend blickte er zum nun strahlend blauen Himmel hinauf und nickte zufrieden. »Hoffen wir, dass es heute so bleibt. Ein bisschen Sonne tut dem Geschäft gut.«
»Dem Geschäft mit den Touristen allemal.« Holger reichte weitere Kisten zu Christian hinüber. »Den Krabben ist es ziemlich egal, ob es regnet oder die Sonne scheint.«
Jörn nickte grinsend. »Die Touristen sind es aber, die uns im Zweifelsfall über Wasser halten. Auch wenn wir zuletzt gute Fangraten hatten, weiß man doch nie, wohin die Reise geht. Jetzt, da die Urlaubssaison anläuft, steigen die Preise für Krabben und Fisch auch wieder, aber ohne unsere beiden alten Schätzchen stünden wir nicht so gut da.«
»Weiß ich doch, weiß ich doch.« Gutmütig, aber doch mit einem Anflug von Grimm grinste nun auch Holger. »Die Fischerei durchlebt harte Zeiten. Nützt aber nix, wir müssen gleich los. Waren das alle Kisten?«
»Ja.« Energisch schloss Jörn die Türen des Transporters wieder. »Ich muss auch gleich los. Die erste Tour mit der Fischerin beginnt in einer knappen halben Stunde.«
»Dann bis später.« Holger ging wieder an Bord. »Wir machen jetzt gleich die Leinen los.«
»Ja, bis später.« Noch einmal hob Jörn zum Gruß die Hand und klemmte sich gleich darauf hinter das Steuer des Transporters, um ihn in die kleine Lagerhalle der Firma Paulsen & Paulsen neben der Werft westlich vom Hafen zu fahren. Danach musste er sich beeilen, damit er die Fischerin, einen restaurierten Fischkutter aus dem Jahr 1852, pünktlich erreichte.
Jörn war Fischer in siebter Generation – zumindest offiziell. Vermutlich reichte die Geschichte dieses Berufs in seiner Familie aber noch deutlich weiter in die Vergangenheit zurück. Hinweise darauf gab es zumindest im Lichterhavener Stadtarchiv, wo er vor Jahren einmal Ahnenforschung betrieben und herausgefunden hatte, dass die Paulsens bereits im frühen 14. Jahrhundert namentlich erwähnt wurden. Nach und nach hatte er eine fast vollständige Ahnenreihe zusammenstellen können.
Die Fischerei lag ihm also im Blut, das, wie sein Vater und Großvater oft scherzhaft betonten, zu mindestens fünfzig Prozent aus Nordseewasser bestand. Dies galt für fast die gesamte Sippe der Paulsens, die bis auf wenige Ausnahmen alle irgendwie in der Firma Paulsen & Paulsen tätig war, sei es auf den beiden Kuttern, von denen einer für den Fischfang, der andere für den Krabbenfang genutzt wurde, auf den beiden alten, liebevoll restaurierten Schiffen, mit denen Touristenfahrten angeboten wurden, oder im familieneigenen Fischfachgeschäft in der Lichterhavener Hauptstraße. In Letzterem schwang federführend Jörns Mutter Inette das Zepter, unterstützt von ihrer Nichte Nelly und diversen weiteren Verwandten, die im Wechsel entweder im Laden oder auf den Kuttern aushalfen.
Anfangs, gleich nach seiner Ausbildung zum Fischwirt der Küstenfischerei und danach zum Kapitän, war Jörn ausschließlich tagaus, tagein mit der Paulsen 1 auf Krabbenfang gegangen. Nach einigen Jahren, in denen die wirtschaftliche Situation der Fischer schwieriger geworden war, hatte er zuerst seinem Vater, dann der gesamten Familie den Vorschlag gemacht, die beiden alten Fischkutter, die bereits seit ihrem Bau Mitte des 19. Jahrhunderts in Familienbesitz waren, restaurieren zu lassen, um sie dem Lichterhavener Tourismus zur Verfügung zu stellen. Auch wenn die Investition immens gewesen war, hatten alle Familienmitglieder zugestimmt. Jetzt, mit zweiunddreißig, hatte er diesen Geschäftszweig so gut wie vollständig übernommen, und er fuhr auch regelmäßig selbst als Kapitän mit einem der beiden historischen Kutter, meistens der Fischerin, Horden von Lichterhaven-Touristen hinaus auf die Nordsee, um ihnen die Schönheit des Wattenmeers, sowie seiner Artenvielfalt, die ökologische Fischerei und natürlich die örtlichen Attraktionen wie das Vogelschutzgebiet und die Seehundbänke näherzubringen.
Alle zwei bis drei Wochen ging er jedoch auch immer noch auf Fangfahrt mit der Paulsen 1 und wechselte sich mit Holger ab, der dann wiederum die Touristenfahrten übernahm.
In der Lagerhalle schlüpfte Jörn rasch in seine Kapitänsmontur, die passend zu dem uralten Kutter auf das 19. Jahrhundert getrimmt war, und nahm sich die obligatorische Kapitänsmütze der Fischerin. Heute war er ein bisschen spät dran, weil er am frühen Morgen noch alle Unterlagen für die am Abend anberaumte gemeinsame Sitzung von Vertretern des Stadtrats und dem Vorstand des Kameradschaftsvereins der freiwilligen Feuerwehr vorbereitet hatte. Als Wehrführer war er gleichzeitig Vorsitzender des Vereins, und das bedeutete eine Menge Arbeit. Besonders in diesem Jahr türmten sich geradezu Berge von Aufgaben vor ihm und seiner Truppe, weil das hundertfünfzigjährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Lichterhaven anstand und gleichzeitig mit dem großen Stadtfest Mitte Juli gefeiert werden würde.
Nach einem sportlichen Sprint erreichte er die Fischerin aber noch rechtzeitig, setzte die Kapitänsmütze auf, bevor er an Bord ging, und machte seinen gewohnheitsmäßigen Rundgang über das Deck, um überall nach dem Rechten zu sehen, bevor er das Steuerhaus betrat.
Am Kai tummelten sich bereits rund zwanzig Männer, Frauen und Kinder, die darauf warteten, dass Enno, der erste Matrose der Fischerin, sie an Bord ließ.
Jörn sah sich auch im Steuerhaus eingehend um, verließ es dann aber noch einmal, um nach seinem Lieblingsfahrgast Ausschau zu halten. Als die zwanzigjährige Ilka, seine heutige zweite Matrosin, aus der Kombüse heraufkam, hielt er sie kurz auf. »Ist Carlotta noch nicht da?«
Ilka schüttelte den Kopf, sodass ihr blonder Pferdeschwanz fröhlich hin und her wippte. »Nein, ich habe sie noch nicht gesehen. Wollte sie heute wieder mitfahren? Zusammen mit Barnabas?«
»Na klar, heute ist Dienstag.« Jörn lachte. »In der Hinsicht ist sie ein Gewohnheitstier. Am Sonntagnachmittag habe ich sie drüben an der Eisdiele Eisträume getroffen, und sie meinte noch, dass sich hoffentlich das Wetter bald bessert, damit uns nicht die Fahrgäste ausbleiben. Ihr selbst hat der Regen ja nie etwas ausgemacht.«
»Stimmt.« Ilka lachte ebenfalls. »Die alte Dame ist wirklich alles andere als aus Zucker. Und fit wie ein Turnschuh. Ich bewundere so was ja und hoffe, dass ich mit siebenundachtzig auch noch so fidel rumhüpfen werde.«
»Achtundachtzig.« Jörn ließ seinen Blick noch einmal über den Kai wandern. »Am Sonntag hatte sie Geburtstag.«
»Oh, dann muss ich ihr unbedingt noch gratulieren!« Ilka setzte sich eine Schirmmütze mit dem Logo der Fischerin auf und zog ihren Zopf durch den Riemen. »Jetzt muss ich aber weitermachen. Enno winkt schon. Er will die Leute an Bord lassen.«
Jörn trat einen Schritt zur Seite, um Ilka vorbeizulassen. Er musste ebenfalls zurück ins Steuerhaus, weil die Rundfahrt in wenigen Minuten beginnen würde. Nach wie vor war von Carlotta Jensen und ihrem jungen Bearded Collie Barnabas nichts zu sehen. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise war sie immer schon mindestens eine halbe Stunde vor Beginn der Fahrt da, um ein bisschen an Bord zu helfen. Aber vielleicht war ihr auch einfach etwas dazwischengekommen. So etwas kam schon mal vor, wenn auch selten. Normalerweise fuhr sie jeden Dienstag und jeden zweiten Freitag auf der Fischerin mit.
Da Enno inzwischen die ersten Fahrgäste an Bord ließ, riss sich Jörn von seinen Überlegungen los. Er trat neben den Eingang des Steuerhauses und grüßte hier und da mit dem obligatorischen »Moin, Moin«, das er absichtlich und fast schon übertrieben im Lichterhavener Platt betonte. Normalerweise sprach er lieber Hochdeutsch, doch die Touristen erwarteten natürlich so viel Authentizität und Lokalkolorit wie nur möglich.
Als alle Gäste schließlich an Bord waren und einen Sitzplatz auf den extra eingebauten Bänken an Deck gefunden hatten, ließ Jörn den Dieselmotor an und wartete, bis Enno und Ilka die Leinen gelöst hatten. Ruhig lenkte er den alten Kutter durch das Hafenbecken und genoss dabei das Gefühl von Zufriedenheit und Freiheit, das ihn stets ergriff, wenn er hinaus auf seine geliebte Nordsee fuhr.
Erst als sie das Hafenbecken...




