Schenk | Waffen für den Süden | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 16, 269 Seiten

Reihe: Pferdesoldaten

Schenk Waffen für den Süden


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7541-9501-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 16, 269 Seiten

Reihe: Pferdesoldaten

ISBN: 978-3-7541-9501-7
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mark Dunhill und seine H'-Kompanie dienen im Indianergebiet und der Bürgerkrieg scheint fern. Doch dann erfährt man von einem als Siedlertreck getarnten Waffentransport der Konföderierten, denn die Union unbedingt abfangen will. Tatsächlich gelingt es Mark und seiner Kavallerieeinheit den Treck aufzuspüren, aber er bekommt es nicht nur mit hart gesottenen Südstaatlern unter Colonel Ronay zu tun, sondern auch noch mit kriegerischen Ute, die sich ebenfalls in den Besitz der Waffen bringen wollen.

Michael Schenk, Jahrgang 1955, schreibt Fantasy, Science Fiction, Horror und historische Romane. Er war Veranstalter des ersten Re-enactments zum nordamerikanischen Bürgerkrieg in Deutschland in Baumholder und Mitbegründer des ersten Dachverbandes der Re-enacment-Gruppen. Seine Militär-Western zeichnen sich durch ein ungewöhnliches Maß an Authentizität aus und bieten Spannung, weit jenseits der üblichen Klischees.
Schenk Waffen für den Süden jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1 Treck nach Süden


Pferdesoldaten 16

Waffen für den Süden

Military Western

von

Michael H. Schenk

© M. Schenk 2021

Hundert Meilen südlich der amerikanisch-kanadischen Grenze, fünfzig Meilen westlich Fort Benton, in der Nähe des Marias Passes über die Rocky Mountains.

Der Kolonne bestand aus einhundertsechsundzwanzig Wagen. Gespanne unterschiedlicher Bauart, doch die meisten waren die schweren Conestoga-Wagen und Prairie-Schooner, die so typisch für die vielen Siedlertrecks waren, die sich entlang der Trails bewegten. Dieser Zug war keineswegs ungewöhnlich groß, aber im Gegensatz zu den meisten fuhr er nicht von Osten nach Westen, sondern kam ursprünglich von Süden und hatte diesen nun wieder zum Ziel. Während fast alle Siedler erleichtert waren, wenn sie einer Abteilung der Unions-Kavallerie begegneten und, wenigstens vorübergehend, deren Schutz genossen, mieden diese die Nähe des Militärs aus gutem Grund.

Einhundertsechsundzwanzig Wagen, fünfhundertzwanzig Gespann- und Ersatztiere, dreihundert Rinder, vierhundertfünfzig Reitpferde, inklusive der Reservepferde, dazu dreihundertsiebzig Siedler, Männer und Frauen sowie zwölf Kinder, und eine Begleiteskorte von zweihundertfünfzig Reitern … Trotzdem war es kein außergewöhnlich großer Treck, denn viele Siedlergruppen schlossen sich auf der Reise zusammen, um drohenden Gefahren überstehen zu können.

Außergewöhnlich waren eher die straffe Haltung der Reiter und die ungewöhnliche Disziplin, die bei diesem Wagenzug herrschten. Dies hatte seinen besonderen Grund, denn in Wirklichkeit suchten diese Menschen kein neues Land. Ihre Heimat war Texas, im Süden der Konföderation der Südstaaten. Ihre Mission war es, diese mit Waffen zu versorgen.

Sie waren auf dem Rückweg.

Fast hundert Meilen hatten sie sich entlang des Saskatchewan River nach Kanada hinein bewegt, um sich dort mit dem großen Transport eines Lieferanten zu treffen. Viel Gold hatte den Besitzer gewechselt. Dann überschritt der Wagenzug wieder die Grenze in die USA und konnte bislang weitere hundert Meilen auf dem Boden der Union zurücklegen. Gute zwei Wochen hatten sie hierfür benötigt. Weitere 2.000 Meilen standen ihnen bis Texas bevor, immer auf der Hut vor feindlichen Indianern und den Truppen der Union. Dabei legten sie im Wesentlichen jenen Weg erneut zurück, den sie von Texas heraufgekommen waren. Zwar mieden sie die bekannten Trails, so gut es eben ging, doch die schwer beladenen Wagen benötigten passierbare Wege und so waren die Scouts beständig unterwegs, um nach Gefahren und dem Verlauf der täglichen Wegstrecke zu suchen.

Es stand nicht besonders gut um die Sache des Südens.

Die Übermacht der Unionstruppen und die enorme Kapazität des Nordens machten sich immer deutlicher bemerkbar. Die US-Navy blockierte die Häfen und Flüsse und die US-Army die Schienenstränge und Verkehrswege an Land. Noch gab es offene Routen, doch ihre Zahl nahm ab und in der Konföderation herrschte an vielen Dingen Mangel. Vor allem an guten Waffen. Zwar stellte man selber welche her, aber es handelte sich meist um minderwertige Nachbauten von Revolvern, Karabinern und Gewehren, wie sie der Feind verwendete. Das lag nicht an mangelndem handwerklichen Geschick und fehlendem Wissen, sondern an immer knapper werdenden Ressourcen.

Zwar waren europäische Länder, allen voran England, bereit, den Süden zu beliefern, doch viel zu viele Blockadebrecher wurden von Unionsschiffen aufgebracht oder versenkt. So versuchte die Konföderation auch zusätzliche Waffen in Mexiko zu erwerben und einer der zahlreichen Wagenzüge, die der Waffen- und Munitionsbeschaffung dienten, war eben jener Treck, der nun von Kanada wieder gen Süden fuhr.

Die Männer, Frauen und Kinder, die offiziell als Siedler unterwegs waren, erwiesen sich als wahre Patrioten, da sie die Beschwernis der Reise und deren Gefahren auf sich nahmen. Daran konnte auch die starke Eskorte nichts ändern, die aus einer Elitetruppe konföderierter Reiter bestand – dem ersten Regiment der Ronny´s Raiders von Colonel Niklas P. Ronay. Von den meisten seiner Männer wurde der Colonel „The Iron“, der „Eiserne“, genannt, eine Anerkennung seiner Zähigkeit. Etwas weniger respektvoll, doch kaum weniger anerkennend, klang da ihre Bezeichnung „Hard Backsides“, „Hartarsch“, die sich auf seine Ausdauer im Sattel bezog.

Niklas Peter Ronay war nun siebenunddreißig Jahre alt und sicher einer der erfahrensten Kavallerieführer des Südens. Bereits in jungen Jahren hatte er es zum Rittmeister in der Armee des preußischen Königs gebracht. Seine Sympathien für die Demokratiebewegung zwangen ihn jedoch, den Dienst zu quittieren und sein Glück, wie so viele andere, im Jahr 1849 in Nordamerika zu suchen. Im Jahr 1860 besaß er bereits eine der größten Longhorn-Ranches in ganz Texas und gebot über zweihundert Cowboys. Als er bei Ausbruch des Krieges sein eigenes Kavallerieregiment aufstellte, bildeten etliche dieser Männer den Kern der Truppe.

Ronay wirkte fast hager und seine stahlgrauen Augen konnten gleichermaßen kalt wie mitfühlend blicken. Ein besonderes Funkeln trat in sie, wenn er Monique ansah. Drei Jahre jünger als der Colonel, entstammte „die Lady“, wie sie von den Männern genannt wurde, einer Pariser Adelsfamilie. Sie gab Sicherheit und Privilegien auf und begleitete Niklas, gemeinsam mit ihrer treuen Zofe Madeleine, bereitwillig in die neue Zukunft, wobei sie sich als ebenso klug und ebenso zäh wie der Colonel erwies. Die rauen Jahre in Texas nahmen ihr nichts von ihrer natürlichen Schönheit und Anmut. Während Niklas im Bürgerkrieg gegen die Yankees kämpfte, focht Monique, gemeinsam mit der Rumpfmannschaft der Ranch, gegen Banditen, Comanchen und Apachen, und erwies sich dabei als ebenso treffsicher wie ihr Mann.

Bei diesem Treck kam es darauf an, bei einer möglichen Begegnung mit Unionstruppen glaubhaft zu machen, dass man eine harmlose Gruppe von Siedlern sei, die ihr Glück in einer neuen Heimat suche. So hatte Niklas P. Ronay, wenn auch eher widerwillig, zugestimmt, dass Monique und eine Reihe anderer Frauen, ja sogar Kinder, im Wagenzug mitfuhren.

Vor allem Letzteres erfüllte den Colonel und seine Raiders mit äußerstem Unbehagen. Keiner von ihnen schätzte es, Frauen und Kinder in solche Gefahr zu bringen, aber das Kriegsministerium in Richmond hatte deutlich gemacht, dass dies zur Tarnung erforderlich sei. Man lege aber Wert auf Freiwilligkeit. So mussten die Raiders akzeptieren, dass Frauen ihren Männern im Patriotismus nicht nachstanden und Niklas begriff wieder einmal, wie schwer es ihm fiel, gegen Moniques Argumente zu bestehen. Wenn sein heißes Blut auf Moniques kühle Argumentation traf, musste sich der hartgesottene Colonel immer wieder eingestehen, wie rasch er den Wünschen seiner Frau nachgab. In diesem Fall tröstete er sich damit, ihre Gesellschaft für viele Monate genießen zu können, was in Zeiten des Krieges nicht selbstverständlich war.

Schon der Weg hinauf nach Kanada beanspruchte die Wagen, aber das war nichts im Vergleich zu dem Rückweg, denn jetzt musste die Fuhrwerke nicht nur den „Hausstand“ der Siedler und die Vorräte transportieren, sondern zudem die versteckten Waffen. Diese Verstecke waren auch der Grund, warum man die Gespanne in Texas hatte fertigen müssen und keine Wagen aus Kanada verwenden konnte. Zwölf der Fahrzeuge waren so gekonnt umgebaut worden, dass ihre Hinterachse sogar Bestandteil eines Geschützes war, welches vom Wagenaufbau verborgen wurde.

Die Waffen waren kaum mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, allerdings vermochten viele Tropfen sogar ein Fass zu füllen. Nur dies hatte Colonel Ronay bewogen, den Auftrag des konföderierten Kriegsministeriums überhaupt anzunehmen.

Die Kolonne erstreckte sich über fast drei Meilen, was auch an den Herden der mitgeführten Rinder und Pferde lag. Die zweihundertfünfzig Kavalleristen von Ronnys Raiders flankierten den Wagenzug und bildeten Vorhut und Nachhut. Ein besonderes Augenmerk galt den Tieren, denn man bewegte sich durch Indianergebiet. Pferde stellten für alle Stämme eine große Verlockung dar und manche Rothaut verschmähte Rindfleisch nicht, wenn der Büffel rar wurde.

Colonel Niklas Peter Ronay trug, wie alle Angehörigen des Trecks, zivile Kleidung. Er und seine Männer mussten auf die auffälligen und feuerstarken LeMat-Revolver verzichten und sich mit Colt Navy und Colt Army begnügen. Einzelne LeMat mochten in Händen von Privatleuten sein, doch eine Yankee-Patrouille musste misstrauisch werden, wenn fast jeder Angehörige des Trecks über eine solche Waffe verfügte. Neben den üblichen Coltrevolvern gehörten Karabiner und Gewehre verschiedener Modelle zur Ausstattung von Begleitmannschaft und „Siedlern“. An Stelle der gewohnten Säbel trug man Messer und Ronay schätzte das Gewicht des schweren und von ihm selbst gefertigten Bowiemessers an seiner Hüfte. Für manchen der konföderierten Kavalleristen war es ein Trost, dass ihre Uniformen und Waffen in geschickt getarnten Verstecken mitgeführt wurden.

Der Colonel hatte sich von der Vorhut zurückfallen lassen und trabte nun gemächlich neben dem vorderen Wagen, neben dessen Gespannführer, wie hätte es auch anders sein können, seine Frau Monique auf dem Bock saß. Ebenso selbstverständlich war die...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.