E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Scheffler Tikitonga
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-89835-518-6
Verlag: Quinto
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-89835-518-6
Verlag: Quinto
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Kind hatte Ursel Scheffler, die 1938 in Nürnberg geboren wurde, viele verschiedene Berufswünsche: Zunächst schienen ihr Detektiv oder Urwaldforscher attraktiv, später waren es Archäologin oder Diplomatin, weil damit weite Reisen rund um die Welt verbunden sind. Am Ende studierte Ursel Scheffler aber doch Sprachen und Literatur, denn schließlich hatten ihr Abenteuergeschichten schon immer gefallen. Als sie selbst Mutter wurde, begann sie, sich auch für Kinderbücher zu interessieren. Und sie fing an, selber zu schreiben. Mehr als 300 Titel sind inzwischen von ihr erschienen, darunter die bekannten Detektivgeschichten um 'Kommissar Kugelblitz'.
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4. Kapitel
… in dem Fiete dem Finchen Specht aus jedem Hafen der Welt eine Postkarte verspricht, die Tikitonga repariert wird, Bosse eine Schatzkarte findet und der Spuk auf der Tikitonga die Mannschaft ganz schön durcheinanderbringt.
Nach ihrer Ankunft in Portaloo schwingt sich Fiete sofort auf seinen Roller, um überall die Neuigkeiten von der Tikitonga und seiner bevorstehenden Weltreise zu erzählen. Zuerst flitzt er natürlich zu Finchen Specht ins Hotel Seepferd. Er muss ihr versprechen, dass er ihr von jedem Hafen in der Welt eine Postkarte schickt. Zum Abschied drückt ihm Finchen einen Kuss auf die Backe. Fiete wird ganz rosa um die Nase, denn er ist schon eine ganze Weile heimlich in Finchen verliebt. Dann hat es Fiete aber eilig, denn er muss möglichst viele Helfer zusammentrommeln, um die Tikitonga wieder in Schuss zu bringen.
„Viel Glück, Fiete! Und vergiss die Postkarten nicht!“, ruft Finchen ihm zum Abschied nach. Eine kleine Träne kullert über ihre Wange.
„Zappadappadu!“, jubelt Fiete ausgelassen, als er auf seinem Kickroller die Straßen entlangflitzt. Ja, er kennt viele Leute! Er weiß, wer geschickt und hilfsbereit ist. Schließlich hat er viele Jahre als Briefträger gearbeitet und kennt jedes Haus und jeden Handwerker in der Stadt.
Bald hört man es auf der Tikitonga hämmern und klopfen. Es wird geschrubbt und gepinselt. Es riecht nach Lack und frischer Farbe.
Nach ein paar Tagen ist Tante Ritas altes Hausboot nicht wiederzuerkennen.
Fiete Frosch malt zum Abschluss noch rings um das Schiff einen roten Rand unterhalb der Reling und Bosse schraubt das Namensschild fest, das Quassel Hase gemalt hat. Und malen kann das Langohr wirklich gut. Er durfte schon als Seehase immer die Schiffsschilder malen.
„Du wärst ein guter Osterhase geworden!“, schmunzelt Bosse.
Auch im Inneren des Schiffes sieht jetzt alles frisch und sauber aus. Die Betten sind gelüftet, geschüttelt und frisch bezogen. Die Küchenschränke sind gefüllt. Der Wassertank ist voll. Das zerbrochene Geschirr ist ersetzt.
Über Tante Ritas Schreibtisch hängt ein Bild, das in einer alten Reisekiste gelegen hat. Man sieht darauf Tante Rita mit einem Tiger im Dschungel. Hinter ihr steht eine Gestalt mit pechschwarzen Augen. Wer das wohl ist?
Das wird wohl Bosse hingehängt haben, denkt Quassel.
Das wird wohl Quassel hingehängt haben, denkt Bosse.
Das hat bestimmt Bosse oder Quassel hingehängt, denkt Fiete.
Die Klabautermaus beobachtet alles mit Zufriedenheit. Genauso hat sie es sich vorgestellt. Nur scheint Bosse keine Lust zu haben, auf eine richtig große Reise zu gehen. Er träumt davon, zwischen den Buchten und Inseln rings um Portaloo gemütlich herumzuschippern, seine Kochkünste auszuprobieren und faul in der Sonne zu liegen.
Nun, da muss ich wohl noch ein bisschen nachhelfen, überlegt die Maus. Der Trick mit dem Bild war schon ein kleiner Anfang. So etwas macht Abenteurer neugierig. Und dann schlüpft sie in die Schublade mit den alten Seekarten.
Gegen Abend räumt Bosse Tante Ritas Schreibtisch auf. Eine der Schubladen lässt sich nur schwer öffnen. Vorsichtig ruckelt Bosse daran und zieht sie schließlich heraus. Ah, eine der alten Seekarten hat sich dahinter verklemmt! Neugierig entfaltet er die etwas zerknüllte Karte. Sie ist zum Glück unversehrt. Es ist eine Seekarte von der Südsee, das erkennt der alte Seebär sofort! Als er die Schublade wieder hineinschieben will, wackelt ein Brett. Er schiebt es beiseite und entdeckt ein Geheimfach. In dem liegen drei Goldmünzen und ein silberner Schlüssel!
„Fiete, Quassel! Kommt schnell! Seht mal, was ich gefunden hab!“, ruft er aufgeregt und zeigt ihnen seinen Fund.
Quassel nimmt eine der Goldmünzen, beißt mit seinen Hasenzähnen drauf und sagt: „Donnerwetter! Die sind echt! Echt Gold.“
„Lass mal sehn“, sagt Fiete Frosch. Er untersucht die Münzen mit einer Lupe. „Das Ding ist nicht ohne, ein Kopf mit einer Krone!“
„Der Froschkönig vielleicht?“, kichert Quassel Hase.
„Wenn deine Augen so groß wären wie deine Klappe, dann könntest du lesen, was da steht“, sagt Fiete Frosch.
„Ein Froschmaul ist größer als ein Hasenmaul“, entgegnet Quassel Hase gekränkt. „Jedenfalls im Vergleich zur Körpergröße!“
Bosse überhört die Frotzelei der beiden, sieht durch die Lupe und liest:
„Kö-nig-reich Ton-ga. Wenn ich mich nicht täusche, dann ist Tonga eine der sogenannten Freundschaftsinseln. Irgendwo in der nördlichen Südsee.“
„Das ist ganz schön weit weg“, sagt Quassel.
„Sieh doch mal auf der Seekarte nach“, rät Fiete.
Gemeinsam breiten sie die alte Seekarte aus.
„Hier ist es!“, ruft Fiete aufgeregt. „Um die Insel Tonga ist ein roter Kringel gemalt!“
„Die Insel muss für Tante Rita wichtig gewesen sein“, überlegt Bosse. „Da steht: VGLPLAN. Was das wohl bedeutet?“ „Vogelplan?“, rätselt Quassel.
„Nein, das heißt sicher ‚vergleiche Plan‘. Bestimmt gibt es noch einen genaueren Plan von der Insel“, brummt Bosse.
„Vielleicht eine Schatzkarte?“, ruft der Hase aufgeregt. „Einen Schatz wollte ich schon immer mal finden.“
„Du Spinner!“, sagt Fiete. „Schatzkarten gibt es nur in Abenteuerbüchern.“
„Und wofür ist wohl der silberne Schlüssel?“, grübelt Bosse.
Quassel und Fiete begutachten das Fundstück.
„Der passt sicher zum Schloss einer Schatzkiste!“, sagt Quassel.
Fiete Frosch rollt mit den Augen. „Wenn Bosses Tante eine Schatzkiste oder den Plan für eine Schatzinsel besessen hätte, dann hätte die Tikitonga sicher nicht so schäbig ausgesehen.“
„Der Schlüssel war gut versteckt. Also ist er wichtig!“, kombiniert Bosse.
„Auja, eine Schatzsuche! Ich liebe Schatzsuchen. Wir müssen das Schloss finden, zu dem der Schlüssel passt!“, ruft Quassel begeistert.
„Erst wird gegessen!“, sagt Bosse. „Mein Magen knurrt wie ein hungriger Löwe.“
„Meiner auch“, sagt Fiete Frosch. „Mit leerem Magen kann man Abenteuer schwer ertragen!“
„Ab in die Küche!“, ruft Quassel und läuft voran.
„Das heißt auf dem Schiff ‚Kombüse‘“, verbessert ihn Fiete Frosch. „Das sollte ein ehemaliger Seehase wissen!“
„Ich hab eine Dose mit leckerer Hummerkrabbensuppe im Küchenschrank gefunden. Die wärmen wir uns jetzt!“, beendet Bosse die Diskussion.
Die Klabautermaus beobachtet, wie sich die drei schließlich an den Tisch in der Ecke setzen und ihre Hummerkrabbensuppe löffeln. Mhm, das riecht nicht schlecht. Gute Verpflegung ist auf einer langen Schiffsreise wichtig. Und es wird eine seeehr lange Schiffsreise werden, auf die sie die drei locken will.
„Nur gut, dass sie nicht ahnen, was ich alles mit ihnen vorhabe!“, murmelt die Klabautermaus. „Ich denke, ich kriege sie ganz gut in den Griff.“
Es ist eine Kunst, andere dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollten, und noch schwerer ist es, das so zu tun, dass sie hinterher glauben, dass sie es selbst gewollt haben. Ein schwerer Job! Die blaue Maus seufzt und holt sich unbemerkt ebenfalls ein Schälchen von der Suppe.
Wie gut, dass die drei sie nicht sehen können. Klabauter sind nur dann sichtbar, wenn sie gesehen werden wollen.
„Fiete hat von meinem Teller gegessen“, beschwert sich Quassel Hase. „Sein Löffel wackelt noch!“
„Umgekehrt ist es: Quassel hat von meinem Teller gegessen!“, ruft Fiete Frosch und haut auf den Tisch. Quassels Löffel fällt auf den Boden.
„Und jetzt hat er meinen Löffel runtergeworfen!“
„Stimmt gar nicht!“, protestiert der Frosch.
Das Salzfass rutscht vom Regal und fällt in den Suppentopf. Die Suppe spritzt in alle Richtungen.
„Komisch, es ist doch überhaupt kein Seegang“, wundert sich Bosse. „Wir liegen schließlich immer noch im Hafen!“
Als Quassel die Teller in die Küche bringt, stolpert er. Ein unsichtbarer Faden ist zwischen Tischbein und Stuhlbein gespannt. Die Teller fliegen in hohem Bogen durch die Gegend. Zum Glück sind es Plastikteller.
„Fiete hat mir ein Bein gestellt!“, behauptet Quassel.
„Stimmt gar nicht“, beteuert Fiete. „Quassel lügt!“
„Ein sportlicher Hase stolpert nicht wegen nichts“, sagt Quassel beleidigt. Jetzt schwebt ein Topfdeckel durch den Raum.
„Eine fliegende Untertasse!“, stammelt Quassel und wird blass.
„Höchstens ein fliegender Deckel“, sagt Fiete. „Ich glaube, hier spukt’s wirklich!“
„Oh, heiliger Klabautermann!“, ruft Bosse. „Das kann ja nur eines bedeuten …“
„Wir haben einen Klabauter an Bord?“, vollendet Fiete den Satz.
Bosse nickt. „Höchstwahrscheinlich. Wir müssen nett zu ihm sein! Also hört auf zu streiten und stellt ihm ein Tellerchen mit Suppe hin!“
„Ich fü-fü-fürcht mich“, stottert Quassel und zittert wie Espenlaub.
„Vor einem Klabauter muss man sich nicht fürchten. Im Gegenteil: Der bewacht und schützt ein Schiff“, erklärt Bosse. „Das sollte ein alter Seehase wissen!“
„Jiieep-jiieep!“, fiept die kleine blaue Maus zustimmend. „Ich bin Tiki die Klabautermaus und auf diesem Schiff zu Haus!“
Tiki ist zufrieden. Die Sache scheint sich genau so zu...




