Scheffler | Kalte Motive | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Scheffler Kalte Motive

Verbrechen des Grauens
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-7183-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Verbrechen des Grauens

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

ISBN: 978-3-7693-7183-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Morde geschehen aus ganz verschiedenen Motiven. Dabei kann die mörderische Gefahr an ungewöhnlichen und schaurigen Orten lauern. Doch auch an ganz alltäglichen Plätzen werden dramatische oder blutige Verbrechen verübt, die oft mit einer unerwarteten Wendung ans Tageslicht kommen. Diese Geschichten werden Ihnen eine Gänsehaut bescheren, Sie vielleicht gruseln lassen oder Ihnen ein Schmunzeln entlocken.

"Ethel Scheffler ist eine waschechte Leipzigerin. Nach dem Abitur und der Lehre zur Finanzkauffrau schloss sich das Studium der Finanzwirtschaft in Gotha an. Seit 2006 schreibt sie und hat sich dabei dem Krimi-Genre gewidmet. Es erschienen zahlreiche Krimikurzgeschichten, ein Sachbuch über wahre Kriminalfälle und kürzlich ihr erster Kriminalroman 'Gestohlenes Leben'. Doch sie kann nicht nur kriminell. Sie schrieb Geschichten über die liebenswerten Eigenschaften der Sachsen, außerdem Horrorgeschichten, die in Wien und Berlin spielen. Zum Schreiben braucht sie immer einen guten Kaffee und viel Schokolade."

Scheffler Kalte Motive jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Tödliches Fieber
Triumphierend blickte Corinna auf Ingolf. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Jetzt hatte sie es geschafft! Bequem im Sessel sitzend, griff sie nach dem Heide Kurier auf dem Couchtisch, überflog die Schlagzeilen und schaute immer wieder zu ihrem Mann. »Ja mein Guter«, sprach Corinna kaum hörbar. »Das hättest du wohl nicht gedacht.« Passend, dass ihn gerade jetzt die Grippe erwischt hatte. Er gab schon eine jämmerliche Figur ab. Die Augen wirkten eingefallen, die Haare klebten an seiner Stirn und die fahle Blässe ließ die schwarzen Bartstoppeln überdeutlich sichtbar werden. Wie sehr hatte sie damals seine athletische Figur bewundert. Von seinen Bewegungen waren die Kraft und Geschmeidigkeit eines Panthers ausgegangen. Selbst nachdem er das Fußballspielen aufgegeben hatte, zog sein wohlgeformter Oberkörper so manchen Frauenblick auf sich. Ingolf war groß, stark und sein schwarzes, leicht welliges Haar täuschte viele über sein wahres Alter hinweg. Er genoss dies sichtlich. Jedem Rockzipfel gierte er hinterher. Gut darüber konnte sie hinwegsehen. Aber oft löste ein zurückgworfener Blick sein Jagdfieber aus. Corinna erinnerte sich gern an den Beginn ihrer Beziehung, als er nur Augen für sie hatte und sie im Mittelpunkt stand. Er hatte sie damals während eines Forums an der Leipziger Universität angesprochen. Da sie das Projekt leitete, stellte er eine Frage nach der anderen zu den Vorsorgeprogrammen für gesunde Menschen. Dabei überhörte er, dass sie eigentlich nur die Werbefirma vertrat, die solche Events ausgestaltete und deren reibungslosen Ablauf überwachte. Corinna hatte Ingolfs beharrliche Art gefallen. Er schien so anders zu sein, als ihre bisherigen Freunde und ließ sich schnell von seinem Charme einfangen. Er hatte sie Tag und Nacht umgarnt und bekniet, mit ihm nach Bad Düben zu ziehen. ‘Lass uns das ganze Jahr da wohnen und arbeiten, wo andere hinfahren, um die Kur oder den Urlaub zu verbringen. ’ Corinna hob den Kopf und sah durch das Fenster. Sie liebte diesen Blick über die gelb strahlenden Rapsfelder bis hin zum Roten Ufer. Ihre Dübener Rocky Mountains nannte sie stolz die zerklüfteten Uferfelsen an der Mulde. Es hätte alles so schön sein können. Im Freundeskreis galten sie als das Traumpaar. Sie führten sehr erfolgreich seine Arztpraxis nahe dem Paradeplatz. Ingolf war als Allgemeinmediziner sehr beliebt und Corinna arbeite als Organisationstalent an der Rezeption. Aber sie kümmerte sich auch sonst um alles andere, was die Praxis betraf. Nur Corinnas Mutter hatte Ingolf von Anfang an nicht gemocht. Seine übertriebene charmante Art empfand sie als aufgesetzt und unehrlich. Sie riet ihrer gut betuchten Tochter zur Vorsicht. Ingolf hatte Corinna schon recht kurz nach ihrem Kennenlernen um finanzielle Unterstützung für den Kauf von Geräten für die Praxis gebeten. Wie aber hätte sie ihrem Traummann diesen Wunsch abschlagen können? Sie schlug auch die Bedenken ihrer Freundin Birgit in den Wind, die den großen Altersunterschied der beiden kritisch sah. Corinna war zehn Jahre älter. Spielte das heutzutage wirklich noch eine Rolle, wenn man sich liebte? Und er tat ihr gut. Selbst ihre Asthmaanfälle gingen stark zurück. Störrisch wie Corinna sein konnte, nahm sie Ingolfs Heiratsantrag schon ein halbes Jahr später an. Trotzig präsentierte sie allen voller Stolz den goldenen Ring an ihrer Hand. Alles schien in bester Ordnung zu sein. Doch kurz nach der Hochzeit zogen erste Gewitterwolken am gelobten Ehehimmel auf. Eine Annett Walther verursachte Blitz und Donner. Ingolf musste sie bei einer der ärztlichen Weiterbildungen kennengelernt heben. Sie tauchte erstaunlich oft in der Praxis auf. Aufmerksam wurde Corinna erst, als Ingolf dieser Annett Walther bei den kleinsten Wehwehchen, entgegen seiner Gewohnheit, lange Krankschreibungen verordnete. Merkwürdigerweise stieg auch in dieser Zeit die Anzahl seiner Hausbesuche drastisch an. Corinna sehr froh, dass Annett Walther diesen Seitensprung selbst beendet hatte. Na gut, Corinnas Anruf bei Annetts Ehemann hatte bestimmt etwas dazu beigetragen. Sie nannte dem Gehörnten die Zeit eines dringend anstehenden Hausbesuches ihres Mannes bei dessen Frau. Als Ingolf dann mit einem blauen Auge nach Hause kam, gab sie ihm »mitfühlend« einen Eisbeutel gegen sein immer größer werdendes Hämatom. Als Ausrede war ihm nichts Besseres eingefallen, als dass er in einem Café gegen einen Kleiderständer gelaufen sei. Corinna faltete für einen Moment die Zeitung zusammen und stand auf. Scheinbar fürsorglich legte sie die heruntergerutschte Wolldecke über Ingolfs geschwächten Körper und fragte sich dabei, warum er damals aus der Sache mit Annett Walther nicht klug geworden war. Corinna erinnerte sich, dass schon kurz nach jener Affäre eine Ulrike Schnapper seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Als die junge Blondine in der Praxis um einen Termin gebeten hatte, war sie wirklich krank gewesen: Sie hatte Herzrhythmusstörungen. Nach der Untersuchung begleitete Ingolf die Patientin an die Rezeption. Da beobachtete Corinna, wie Frau Schnapper Ingolf mit ihren braunen Augen an klimperte. Es folgten nervige Anrufe, in denen sie bat, direkt zu Ingolf durchgestellt zu werden, weil es ihr angeblich wieder einmal so schlecht ging. Corinna ahnte, wohin das alles führen würde. Einmal hatte sie kurzerhand die rote Mithörtaste gedrückt. In der Annahme, sie hätte an der Anmeldung mit Patienten zu tun, verabredeten sich beide für den Nachmittag. Kaum war das Gespräch beendet, erschien Ingolf an der Rezeption. Corinna tat so, als käme sie gerade aus dem Labor. Nach der Sprechstunde bedauerte Ingolf scheinheilig, dass er noch außerplanmäßige Hausbesuche zu erledigen habe. Nun war ihr alles klar. Diese Masche kannte sie von Ingolf schon. Wieso wusste Frau Schnapper eigentlich nicht, dass bei verliebten Menschen ganz besonders Herzrhythmusstörungen auftreten konnten? Und sollten diese bei einer solchen Vorbelastung, wie sie Frau Schnapper hatte, nicht ganz vermieden werden? Als wenige Tage später ein Pharmaberater ein neues Herzmedikament vorstellte, erhielt Ingolfs Geliebte natürlich als eine der ersten Patientinnen diese Medizin aus dem Bestand unverkäuflicher Muster. Dass Ingolf bei dem intensiven Blickkontakt bei der Verabschiedung ganz vergessen hatte, ihr die genaue Medikation zu erklären, war schließlich nicht Corinnas Versäumnis. Als Ulrike Schnapper mit seidigem Glanz in den Augen und den neuen Herztropfen in der Hand an der Rezeption nach der genauen Dosierung fragte, empfahl Corinna ihr 20 Tropfen dreimal täglich. Fünf Tropfen zu viel pro Einnahme. Corinna musste in ihrer Eifersucht völlig ausgeblendet haben, dass die unpräzise Mengenangabe für ein so krankes Herz mörderisch sein konnte. Die Rivalin hatte dies gleich nach der ersten Einnahme gespürt. Corinna sah wieder zu Ingolf. Jetzt lag er da, wie ein Bündel Elend in der Wolldecke. Die Beine leicht angewinkelt, war er mit seinen 1,95 m dennoch viel zu groß für das kleine Sofa. Ständig musste sie damit rechnen, dass er bei der kleinsten Bewegung herunterrollen könnte. Obwohl: Welche Bewegung? Seit Stunden lag er regungslos da. Nur einmal hob Ingolf leicht den Arm. Wahrscheinlich wollte ihr »Liebling« etwas trinken. Doch sie reagierte nicht. In Gedanken versunken, schlürfte Corinna genüsslich den vor ihren stehenden Apfelsaft. Ihre Augen formten sich zu schmalen Schlitzen, als sie an den Streit mit Ingolf vor wenigen Wochen zurückdachte. Den Anlass für ihren Wutausbruch hatte sie längst vergessen. Ganz energisch hatte sie ihm jedoch klargemacht, dass sie seine ständigen Affären nicht mehr dulden würde. Es stünde schließlich einiges auf dem Spiel, hatte sie ihm zu guter Letzt mit viel Kraft an den Kopf geworfen, denn ein Asthmaanfall ließ sie nach Luft ringen. Es war seine samtweiche Stimme, die sie erneut beruhigte und die Beteuerung, dass er nur sie liebe. Verblendet vor Liebe hoffte sie tatsächlich, dass es Ingolf von jetzt an ehrlich mit ihr meinen würde. Wie sehr freute sich Corinna, als er zu ihrer Entlastung noch eine Arzthelferin einstellte, denn die Abrechnungen zum Monatsende wurden immer umfangreicher. Endlich wieder mehr Zeit füreinander? Das Glücksgefühl währte nicht lange. Nun musste sie mit ansehen, wie Ingolf ständig die Nähe der um Jahre jüngeren Arzthelferin Nora suchte. Wann immer es möglich war, berührte er wie zufällig ihre Hand oder blickte ihr bei der Übergabe von Patientenakten tief in die Augen. Oft stand Ingolf ganz nah hinter ihr, wenn sie ein Röntgenbild zur Auswertung an den Lichtkasten klemmte. Doch nicht genug damit. Zudem nörgelte er ständig an ihr herum. Nichts konnte sie ihm mehr recht machen. Und wann hatte er das letzte Mal mit ihr geschlafen? Ständig zog er sich in seine Werkstatt neben der Garage zurück und schweißte zu seinem Vergnügen aus Schrott und Blechteilen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.