Schefer | Die Gräfin Ulfeld (Historischer Roman) | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 230 Seiten

Schefer Die Gräfin Ulfeld (Historischer Roman)

Die Vierundzwanzig Königskinder: Die lebenslange Einkerkerung der Frau eines dänischen Rebellen
1. Auflage 2016
ISBN: 978-80-268-5083-0
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Vierundzwanzig Königskinder: Die lebenslange Einkerkerung der Frau eines dänischen Rebellen

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

ISBN: 978-80-268-5083-0
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Die Gräfin Ulfeld (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Die Gräfin Ulfeld - Leonora Christina Ulfeldt (1621-1698) war eine Tochter des dänischen Königs Christian IV. und Gräfin von Schleswig-Holstein, die auch als Schriftstellerin Bekanntheit erlangte. Wegen ihrer angeblichen Beteiligung an Intrigen ihres Mannes Corfitz Ulfeldt war sie 22 Jahre als politische Gefangene inhaftiert. Leopold Schefer (1784-1862) war ein deutscher Dichter und Komponist, Pseudonym Pandira. Schefer war als Schriftsteller von den 1820er Jahren bis zur Jahrhundertmitte ein berühmter Autor. Aus dem Buch: 'Was ein König thut, ist Alles gut, das muß alle Welt annehmen, als die größte Ehre. Nur der Christina, der Munken und Hallunken, die wiederum Dich von dem Ehrenlager vertrieben, der hättest Du sollen die Augen auskratzen! Denn vor Einer, die keine Augen hat, drückt sie selbst ein Bauer zu, und deswegen kratze ich Dir sie noch aus. So hier zu sitzen! - Aber - wandte er sich an Corfitz - wie heiße Ich denn eigentlich in der Weltgeschichte? Wenn Einer den Andern zu Pathen bittet, so heißen sie Gevattern; wenn zwei Schwestern heirathen, so heißen sie Schwäger. Wie heißt den aber ein ehrlichen Bürger, der dem König sein Weib gibt - ich bitte Sie, wie heiß der, nämlich Ich! Ich bitte Sie!'

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Der verlaufene Sohn

Die Toten sind noch nicht ganz tot, so lange
Man ihrer denkt; bedauernswürdig aber
Und hilflos ist ihr sonderbares Volk,
Das nicht mehr lebend und noch nicht gestorben,
Fühllos gekränkt und freudelos gepriesen,
Das enge Grab selbst sicher nicht besitzt.

Die Ufer im großen Belt schimmerten frühlingsgrün, goldendämmernde Wolken ruhten wie Gestalten alter Götter am Himmel, und schienen hüben und drüben sich senkend wieder auf die Erde herabzusteigen in ihre alten seligen Inseln. Aber es war nur der neue Frühling. Stimmen schwirrten in den zerreißenden Nebeln über der glänzenden Fläche der See dahin und verklangen freudig und bang. Aber es waren nur wiederkehrende Störche und wilde Gänse. Nah an der Küste des schönen Eilandes von Dänemark, an Fühnen hin, schwamm leise rudernd eine graue fabelhaft große — gleichsam eine Götter-Ente. Aber ein Streiflicht aus den brechende Wolken versilbert die Nebeldüfte, zauberte Silberglanz auf die See, und entzauberte das märchenhaft schimmende Göttertier — und es war ein wettergraues Boot, und die beiden rötlichen Füße rechts und links waren erlene Ruder, und der bunte Hals waren günliche Mäntel, und der Köpf waren zwei Köpfe von zwei Männern, die in der Spitze des Bootes standen und in die schönen Inseln im schönen Frühling hineinschauten. Der jüngere Mann, von hoher Gestalt und schönen Zügen, schien von innerer Glut bewegt, ja erhitzt, mehr roth als gewöhnlich, und in seinem Blick lag Besorgnis und Bedenklichkeit; aber auch feines Lächeln schwebte um seinen vor Schlauheit geschlossenen Mund, und vor Hast und Mut wäre er gern umhergegangen in weiten Schritten, wenn ihn das Boot nicht beschränkt hätte. Der ältere Mann war kleiner, sah sehr wohlwollend und ruhig aus, schien aber eine ernste Angelegenheit nochmals im Sinne zu überfliegen, aber sicher und beruhigt, und er räusperte sich schon als wolle er eine Anrede halten.

Das Boot fuhr am Hafen von Nyborg vorüber, und nicht weit davon erschien erst ein Turm, eine Kirche, dann ein Schloß und ein reizend gelegenes Dorf.

— Das ist Windingen mit Ulfeldsholm, Herr Gesandte, sprach der jüngere Herr —

Sie sind also zu Hause, im Vaterlande, lieber Corfitz! und in dieser Stunde noch bei Vater und Mutter und sechzehn Geschwistern! Welch ein Wiedersehn nach so langen Jahren. “Ja wohl!” versetzte Corfitz von Ulfeld. “Wer sein Vaterland nicht liebt, und sei er noch so groß und berühmt, der ist ein verruchter Hund — und wer kein Vaterland hat, der ist ein armer, türkischer Hund! Also bedauern Sie mich: ich habe kein Vaterland!”

Daß Ihr Herz pocht, daß tausend Gedanken und Gefühle Sie jetzt ein wenig bedrängen, lieber Ulfeld, das glaube ich gern, weil Sie Ihren Vater lange Jahre nicht gesehen — aus Ungehorsam, weil Sie ihn aufgegeben; weil er Zweifeln konnte an eines Sohnes Herzen. Aber der Sohn kommt ja! Wir sind auf der Bühne, wir müssen gleich hinaus in die Scene! Sammeln Sie sich unter Ihrer Maske eines Soldaten. Wenn Sie in ihr Vaterhaus treten, wenn Sie den altgewordenen Vater sehen, die betagte, lebensmüdere Mutter und die sechzehn Geschwister, die alle mit den Augen an dem so eigen fremden Bekannten betteln werden, sich zu entdecken, Ihre beklommene Brust zu befreien, die Tränen hinter den Augen zu lösen, und Freude über Sie hervorzurufen und Jubel: „der Bruder — der liebste Bruder ist da! Jetzt dürfen wir wieder seinen Namen nennen: Corfitz ist da!“ Und dann langen sechs und dreißig Hände nach Ihnen. Welch ein Wiedersehn! Jeder Halbgeliebte, ja jeder Ganzgeliebte sollte sich aus Klugheit in Zwischenräumen auf einige Zeit von den Seinen trennen, um in das Brachfeld der Zwischenzeit die Liebe gleichsam neu auszusäen! Selbst der Gute täte wohl — zum Schein — einige Fehler zu begehen, daß ihm seine Lieben viel, recht viel verzeihen hätten!

— Ich möchte Sie beneiden, junger Mann! Doch damit Sie nicht glauben, ich rede blos wie ein kaiserlicher Gesandter, der ich bin, will ich auch die Wahrheit reden als Ihr Freund, der ich auch bin, und wozu Sie mich gemacht haben. Sie wissen, ich habe eine höchst wichtige Mission vom Kaiser an ihren Hof, und Ihr Herr Vater ist Reichskanzler. Ich würde mir also mein Geschäft bei ihm verderben, wenn ich ihm durch Ihre Nachhauseführung einen Possen spielte. Aber ich glaube, Ihm einen großen, sehr großen Gefallen dadurch zu erzeigen und er soll meinen, Dänemark rettenden Auftrag — nicht dankbar, nicht günstig sondern nur unbefangen betrachten, weil ich ihn bringe, der ihm Sie gebracht. Und wenn Sie wieder der Sohn sind, haben Sie Einfluß auf sein Herz, und werden nicht so undankbar sein, mich durch eine bei ihm unglückliche Mission unglücklich zu machen. Ist das aufrichtig? Und so aufrichtig ist auch das: Mit Ihnen, wie Sie geworden sind, und wie Sie jetzt sind: vielgewandt, wohlgebildet, lebenserfahren, land- und leutekundig, großdenkend, hochstrebend — nur etwas zu hoch — der Liebe und des Hasses fähig — nur etwas zu rachsüchtig, woran Sie untergehen könnten, selbst wenn sie ein König wären — den Ein König ist nicht alle Könige, und gilt, wie seine Münze, nicht gern über eine Stunde über die Grenze hinaus … mit allen diesen Sie gewiß hochbringenden Eigenschaften — wenn sie nicht zu hoch fahren — müssen Sie Ihren Herrn Vater und ihrem Vaterlande willkommen sein!

Jetzt weht der Wind Glockengeläut weit von den Thurm von Windingen ab in das Land und auf die See hinaus und der traurige Hall goß Menschenschmerz in den stillschönen göttlichen Frühling.

„Dem sei so!“ entgegnete Corfitz von Ulfeld. „Aber so meint’ ich mein Wort nicht. Das schöne Dänemark ist mein und meines Vaters Vaterland nicht. Und darum ist es nur ein Land, und wenn Sie mir eine Millionen Rosenobles gäben, so verkaufte ich es Ihnen oder einem Andern. Und warum nicht? Es ist und nur ein Lehn!

Wir sind nur hineingeliehen, hineingeboren, wie Kukuke in Grasemückennester, und kümmern uns eigentlich den Kukuk um die Dänischen Krähen, die hier auf den Inseln ihre Versammlungen halten; doch die dänischen Krähen möchten uns wieder die Augen aushacken: allen Paßbergern, Poisäikern, Schrammen, Bildern, Lindenauen, Brockenhusern, Walkendorfern und Ulfeldern, die bloß aus Eigennutz, um sich ein erkleckliches Schicksal zu machen, ihr Vaterland Baiern an den Nagel gehangen haben als eine bloße Erinnerungskarte, und mit dem frommen Christoph von Baiern nach Dänemark sich verwiesen haben. Ein König muß seines Volkes sein, wie das Haupt auf einem Menschen gewachsen sein muß; und ein Weisel muß im Bienenstocke jung geworden, nicht eine fremde Wespe oder gar eine Hornisse sein. So hat das glückliche Böhmen seien König, einen Böhmaken, der Böhmisch fühlt und denkt; und das glückliche Polen hat seinen eigenen Polaken zum König; aber die fremden Könige, auf Regentschaft gesandt sind ungeliebt, verhaßt, von kurzer Dauer und werden nicht glücklich; denn die Völker haben ein Herz, und jedes sein eignes. Weil er nicht einmal für Brot sorgte und das Volk Baumrinde essen mußte, hieß er, der Fremde aus Baiern, nur der Borkenkönig. Um sich Freunde zu machen, gab der fromme Christoph die schönsten Güter an unsre Bairischen Familien — und machte sich tausend Feinde. Er sammelte einen Schatz; und man glaubte, er werde damit fliehen, wie ein in der Türkei reichgewordener Kaufmann. Denn Schätze sammeln macht verdächtig. Der beste Schatz ist des Volkes Liebe und Zutrauen. Nun kam gar die evangelischen oder die vernünftige Religion nach Dänemark, — wir änderten; denn seit dem Ecebolius, der wie ein Ecce diabolus mit jedem Kaiser in Konstantiopel dessen Religion annahm, richten sich alle „Gefälligen um den Thron“ nach dem musterhaften Manne, — und nun können wir sogar unser altes Vaterland Baiern nur bemitleiden, wo der Fürst das Haupt der katholischen Ligue ist.

Darum wäre uns das Aeußerste zu verzeihen; wenn Sie von mir selbst einst das Wunderlichste hörten, so wäre es Ihnen erklärt. Jeder ist nur in seinem Vaterlande wahrhaft gehorsam. In der Fremde treibt es Jeder schlau, so hoch er kann. Ich habe 36,000 Thaler Schulden und bedarf meines Vaters Erbschaft gar sehr, und des Kanzlers Hülfe, um mich neu zu bestocken. Darum will ich meiner guten Mutter die Freude machen, mir zu verzeihen, daß sie so lange nur sechzehm Kinder gehabt.“

Das war auch aufrichtig! sprach der Gesandte. In dem Augenblicke fuhr ein Boot vorüber, darauf ein Sarg mit schwarzen Tüchern bedeckt erschien „Wohin?“ schrie Corfitz von Ulfeld hinüber.

Nach Querndrup. Scholl es zur Antwort.

Querndrup war seines Vaters liebster Aufenthalt; bestürzt frug er den mit frischem Winde Segelnden nach:„Wen fahrt ihr dadin?“

Den alten Jacob von Ulfeld; scholl es wieder; und Corfitz hörte in seiner plötzlichen Verwirrung noch das Wort: Es kommen noch mehr; noch achtzehn!

— Nehmt euch vor der Seeschlange in Acht! — —

Der Gesandte und Er schwiegen; jeder auf seine Weise niedergeschlagen und sahen sich dann an.

„Jacob heißt mein Vater, der Kanzler;“ sprach Corfitz leiser. „ Aber achtzehn kommen noch! Der schwarze Tod hat ja vor sieben Jahren hier gewüthet — und Wallenstein sengt und brennt und mordet ja vor Stralsund. Aber wie kommen diese beiden schwarzen erbärmlichen Schufte von Todten — verzeihen Sie, Herr Gesandte, — jetzt hieher? Ich bin in verlegener Stimmung.“

Da kämen Sie recht als alleiniger Erbe! versetzte der...



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