Schefer | Der arme Dschem (Historischer Roman) | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 385 Seiten

Schefer Der arme Dschem (Historischer Roman)

Aus der Geschichte des Osmanischen Reiches
1. Auflage 2016
ISBN: 978-80-268-5080-9
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Aus der Geschichte des Osmanischen Reiches

E-Book, Deutsch, 385 Seiten

ISBN: 978-80-268-5080-9
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Der arme Dschem (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Leopold Schefer (1784-1862) war ein deutscher Dichter und Komponist. Er war als Schriftsteller von den 1820er Jahren bis zur Jahrhundertmitte ein berühmter Autor. Seine durch Länder- und Menschenkenntnis und bildhafte Erinnerungen authentischen Novellen und Romane fanden sich in vielen Taschenbüchern und Almanachen. Aus dem Buch: 'Hast Du gehört, ich bin im Kloster! im Kloster! Ich, das fröhliche Mädchen, das heitre, das muntre! der Schalk, wie Du mich nanntest, als ich bei Euch noch in Spanien lebte, und groß wuchs. O der schönen Tage auf Eurem Schlosse bei Mallaga! O der schönen sorglosen Kindbett, die noch gar nichts hoffte, nichts fürchtete, am wenigsten solch ein Geschick! Ach, das alles ist nun aus! Ich weiß nun, ich weiß, was hinter den Bergen mir lag! Ach, ich weiß, was die Sonnen mir in so nahen Tagen heraufführen sollten, die purpurnen Sonnen, die ich so ahndelos in dem Meere versinken, ertrinken sah. Doch die Sonne, sie brachte, sie brachte auch Ihn mir, auch Ihn!'

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Am zweiten Morgen

Ich mußte auch jetzt schlafen. Ein Bett ist der wundersamste Ort, der Schlaf das unstörbarste Dasein der Traum das innigste Leben, Ich brach ab bei dem Gipfel des Glücks, ich wollte Dir nicht gleich Wermuth auf Honig reichen, wie das Schicksal mir. O wie bald sind die längsten, heitern, wie unverwüstlichen Tage zu Ende — und es regnet! Wie rasch ist das Lächeln, das Schweigen des glücklichen Menschen aus, und das Weinen ist Not und die endlose Klage! Und wie sollte ich nicht bald das Ende meines Glückes finden, ich, die ich seinen Faden für eine Wolke geknüpft, an ein schönes Bild im See! Ja, der Unglückliche hat Freunde, aber sie werden an ihm, +++i ihm, mit ihm unglücklich; nicht durch ihn, denn sie wußten ja alles. Die Herzlosen ziehen sich von ihm zurück. die Seelenvollen schließen sich fest an ihn an — und vergehen! Ich habe meine glücklichen Stunden und Tage und Nächte und Wochen nicht gezählt! Dschem war nun mit recht als morgenländischer Dichter begeistert von meinem Besitz. Seine Briefe, seine Gedichte füllten mir bald die köstliche Mappe, Ich wohnte bei meinen Brüdern, und war ein Weib in meinem Kinderbett. Nur eifersüchtig war mein Gemahl im höchsten Grade — auf mein Gesicht! Ich mußte beständig den Schleier tragen.

„Das Gesicht ist das Weib!“ sagte er, das unterscheidet sie allein von allen andern Frauen. Das Gesicht muß das Weib allein behalten und keusch bewahren, sonst behält sie der Mann nicht allein. Die Keuschheit des Gesichtes ist die edelste Keuschheit. Ich zeige meine Schätze und Juwelen nicht jedem Thoren, und ihr Weiber füttert alle Gecke mit der Speise eurer Schönheit!“ — Da gab mein böser Bruder Roland dem Prinzen einige Feste im großen Hofe unseres Schlosses, wie ihm die Ritter schon auf Rhodus Turniere, Banquette und Jagden gegeben. Auch eine Reiherbeize sollte er halten. O, da hättest Du meinen armen Dschem zu Pferde sehen sollen! Mir schauderte hinter dem Schleier, mein Herz bebte mir im Leibe vor Freuden. O, Du hättest ihn sehen sollen zu Fuß, als Kämpfer entblößt: als Pehliwan! Meine Brüder und alle Ringer rang er leicht und fröhlich zu Boden. Er war schnellfüßig wie ein Hirsch. Eine große Keule, mit eisernen Ringen beschlagen, hob er mit seinem nackten markigen Arm, und hielt sie ausgestreckt grade dahin! Seine Begleiter erzählten, daß er die furchtbare Keule des starken Sultans Alaeddin, noch mit eisernen Ringen um Großes beschwert, eben so leicht geschwungen. Endlich kommen die Falkenjäger, den prächtigen Falken aus dem belgischen Dorfe Falkonswaart wird die Haube aufgesetzt. Dschem und die Ritter schwingen sich auf ihre Pferde, er blickt noch einmal zu mir empor, er wendet sich, die Hand auf dem Herzen — und er kam zu Nacht nicht wieder! Die folgende Nacht nicht wieder! Keine lange unendliche folgende Nacht! Mein böser Bruder Roland holte sein Gefolge ihm nach — hin nach Bourg neuf! hin in den fertigen Thurm! Das vertraute mir mein guter Bruder Armand. Nur Dschelalbeg mußte und durfte im Schlüsse bleiben, weil er hinlänglich krank war an der nicht türkischen, sondern christlichen Krankheit, der Gicht vom Wein! 5r hatte den Gebrauch „Gesundheit zu trinken+++ldquo; gelernt und zwar auf Andrer Gesundheit getrunken, doch nicht auf seine, oder zu seiner.

So waren wir nun geschieden, von Tisch und Bett, nicht wie sonst nur von Tisch und von Tage. O Jammer! Ich fühlte mich wie dem Monde vermählt, mit dem leuchtenden Vollmond — und nun war er verschwunden, unsichtbar am Himmel und auf Erden! aber in seiner Finsterniß lebte er, ach, und rang nach mir, O, wie war mir, als ich die Sichel des Mondes wieder am Himmel erschienen und schimmernd sah! Ach, es war nicht Er! Er blieb mir in nächtlicher Ferne verschwunden!

Aber da kam nun andre Sorge! Ich fühlte mit Ehren mich Mutter. Die Tage und Monde erfüllten sich, ich ward mit Thränen Mutter. Mein böfer Bruder war lange nicht im Hause gewesen — diese Nacht muß er wiederkommen! Er hörte mit Verdruß ein Kind schreien. Mit Schrecken … . in meinem Zimmer!— Einmal freilich mußte der Ausbruch, der Anfall seines Grimmes über die Heimlichkeit und den Betrug meines Herzens überstanden werden! Aber warum heut!

Er tritt ein. Er bleibt stehn. Er sieht. Endlich spricht er mit klappernden Zähnen und wehmuthvoller und leisegrimmiger Stimme: „Damoiselle de Sassenage —“

Die Sprache versagt ihm. Mein Bruder Armand ist herbeigeeilt, lacht gezwungen und verbessert Rolands Wort: „Nein, nicht Damoselle … . sondern die Sultanin des Sultan Dschem! — höre mich recht: die Sultanin des Sultan Dschem!“

„Ich höre das unchristliche Unrecht!“ entgegnet Roland, und er muß einen Blick in die Urkunde der Ehe thun. Nun ist er erst wie gebannt. „Uns sprechen wir noch, Bruder Armand!“ spricht Roland.

Das Kind ist gewickelt, er ergreift es in seinem Bettchen — und ich habe mein Kind, meines armen Dschems Kind nicht wiedergesehn!

Darauf verging wiederum lange, schwere, schmähliche Zeit. Dschem hätte meinen bösen Bruder mit der Keule erschlagen, wenn er nur einen seiner verächtlichen, höhnischen, ehrfurchtsvollen Blicke auf mich — sein Weib, gesehen! oder eine Kniebeugung vor mir! Da wieder nach lange kam mein guter Armand eines Abends zu mir und sprach: „Nimm deinen Mantel und komm!“

Ich gehorchte. Wir stiegen zu Pferde. Wir ritten im klarsten Mondschein über Feld und Wiesen, weiter und weit bis zu einer Hütte. „Steige ab,“ sprach er, „und gehe hinein!“ Er blieb zu Pferde und nahm den Zügel des meinen.

Ich gehorche und trete in das Haus, in das kleine Zimmer. Ich bekenne mich nicht darin … ich weiß nicht, was da am Fenster im Mondlicht so Sonderbares, Weißes steht oder liegt. Ich trete näher … . es ist ein kleiner Sarg! Mir schlagen die Adern am Halse, das Herz will mir zerspringen. Ich sehe ein Kind! Hilf Himmel! gewiß nur mein Kind! — Ich habe seinen Namen nicht gehört — ich kann es nicht nennen, nicht rufen; ich beuge mich über … . meine Thränen stürzen auf sein blasses Gesichtchen, ich ruhe mit den Lippen auf seinen zugedrückten Augen, auf seinem kaum zu merkenden Munde. So bleibe ich lange. Endlich kniee ich bei ihm, um nicht hinzusinken. Ich rede lange tausend zärtliche Worte mit ihm, indem ich es bei den Händchen fasse, ihm die Härchen streichle. Das Mutterherz, die Mutterliebe und die Mutterfreude will alle tausend süßen Worte und Schmeichelnden nachholen, alle auf einmal ausschütten, nachrufen in die verschwiegene und doch sichtbare Tiefe des Todes, worauf auch das todte Kind, wie eine Wasserblume auf dem Spiegel des Wassers schwamm. Aber alle Worte versagen mir! Ich ersticke bald. Ich weine mich aus. Endlich zum Abschied fühle ich das weiße Kleidchen des Kindes an — o mein Gott! wie grob ist die Leinewand! Keine Blume im Sarge! Keine Todtenkrone! Keine Andeutung einer Krone! Noch ein Abschied, ich reiße mich los — ich höre vom Bett ein weibliches Wchn nur leise mir nachseufzen — die arme Pflegemutter! Noch ein Blick über die im Mondschein blühende Erscheinung des mein gewesenen Engels, und ich stürze hinaus. Ich kann das Pferd nicht besteigen. Mein Bruder reitet voraus, mein Pferd führend. Ich wanke hinterdrein. Er sieht sich um. ob ich folge. Meine Füße gingen ohne mein Wissen und Willen mechanisch. Ich stehe und frage: War es ein Mädchen? oder ein Knäbchen? Nicht das einmal weiß ich.

Es war!“ spricht Armand, und schweigend gelangen wir heim.

Mein Schmerz war nun voll Recht und Gerechtigkeit der Natur, und er stärkte mich, er gab mir auch Kraft für meine andere Lage, meinen Stand, mein Leben in der Welt. Denn war ich auch in dem sonderbarsten Verhältniß eines Weibes gewesen, war auch nicht Alles für unbilligeMenschen ganz tadellos — jetzt war ich gerechtfertigt, gereinigt, ich möchte sagen: verklärt! Ich war nun das wirklich, was ich mir selber nur so wie im Traume geschienen! Der schöne Traum meines reizenden Schicksals war der helle Tag geworden — die wahre Sonne schien darein vom Himmel und sah meine wahren Toränen, dieMutterthränen, die Weibesthränen! Ich glaubte nun an mein Schicksal! Die Wahrheit meines Glaubens war süßer und mächtiger, als das Schicksal bitter und haltlos. Mit der sichern Bemächtigung der Gegenwart hatte ich auch eine Zukunft! Hoffnung! Drang, mich zu regen! ein hülfreiches Weib zu sein! War Dschem befreit, so war Alles gut, reizend, bezaubernd! Und nun lernt’ ich wieder träumen! Die Hoffnung allein ist kein Traum, das Hoffen ist kein Träumen — sie lehrt es nur. Ich war fest entschlossen, Alles, alles Mögliche zu Dschems Befreiung zu thun. Denn was war noch zu wagen? zu verlieren? Es geschehen ungeheure Dinge, die tollkühn erscheinen, und von Seiten des Unternehmers und Ausführers doch kein Wagniß sind, denn der Elende wagt nichts mehr, als sein Elend! Höchstens blieb dem Gefangenen die Qual. . und mir seine und meine! „Sicherheit. Vorsicht!“ war nur mein Merkwort.

Nun also gesinnt, entteckte ich, daß Dschelalbeg sich nur krank gestellt, oder richtig zu sagen: nicht genesen, da er schon lange gesund war, und über Nacht, mit brennenden Mitteln, die über Tage heilenden Mittel des Arztes zu Schanden machte, In solcher langen Zeit, mit solchem Eifer für meine künftige Bestimmung, hatte ich mich der türkischen Sprache bemächtigt. Ich verstand einen heimlichen Boten aus dem Thurm, als er sich mit Dschelalbeg besprach. Sie weinten beide.

„Was ist geschehen?“ fragte ich erschrocken.

„Eben wieder nichts!“ antwortete Dschelalbeg. „ Aber der Bote gab mir einen Brief von meinem Dschem und sprach: „Das neue Unglück betrifft nicht den Sultan, ach, den armen Saadi!“ Durch den...



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