E-Book, Deutsch, Band 50, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 50: Hyperkode Wüstenfuchs
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5098-2
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 50, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5098-2
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach dem Zerschlagen der verbrecherischen Machtgruppen, die mit Hilfe des marsianischen Erbes die Weltherrschaft zu erringen trachteten, herrscht wieder Ruhe auf der Erde. Für Thor Konnat und Hannibal Utan, die Staragenten der GWA, gilt diese Ruhe jedoch nicht. Ende des Jahres 2011 müssen sie zum Mond. Die beiden Telepathen sollen ominöse Vorfälle in den lunaren Straflagern aufklären. Alles deutet auf eine Intervention von Seiten Außerirdischer hin.
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8.
Die Gleisstrecke der Einschienenbahn führte in weitem Bogen um die horizontfüllende Aufwölbung des Riesenmeteors herum.
Wir rasten mit Überschallgeschwindigkeit, jedoch völlig lautlos an den steilen Kraterwandungen entlang, passierten Baustellen und Vortriebe der Oberflächenerzgewinnung und erreichten unser Ziel in der Zeit von nur drei Minuten.
Als der Zug bremste, wurde ich hart in die Sicherheitsgurte gepreßt. Da fühlte ich, weshalb sie unter allen Umständen anzulegen waren.
Die lange Wagenschlange war luftleer. Druckschleusen wären zu aufwendig und beim Ein- oder Ausstieg auch hinderlich gewesen. Die Gefahr eines Druckverlusts während der Fahrt war immer gegeben, und deshalb mußten Raumanzüge getragen werden.
Die Station 18 bestand aus einer noch unfertigen Rampe aus taubem, aufgeschüttetem Gestein, das kaum durch ein-gebrachte Armierungen befestigt war.
Wir durchschritten die aufgleitenden Türen, sammelten uns auf der Rampe und warteten die Kommandos des Wachpersonals ab. Die Verständigung erfolgte selbstverständlich über Sprechfunk. »Alle Neulinge herhören«, ertönte eine Stimme aus meinen Helmlautsprechern. »Die Schicht beginnt normalerweise Punkt sechs Uhr vor Ort. Heute werden Sie etwas später eintreffen, da wir verpflichtet sind, unerfahrene Ankömmlinge einzuweisen. Die Häftlinge Polland, Allison und Nishimura werden vor Ort abgesondert und mit ihren Aufgaben vertraut gemacht. Anschließend unterstehen Sie dem Diensthabenden der Frühschicht, der Sie nochmals informieren wird. Die bereits erfahrenen Wissenschaftler der internen Schichtleitung nehmen Sie dann unter ihre Obhut, es sei denn, die Lagerleitung gibt besondere Anweisungen. Ist das verstanden worden?«
»Verstanden«, antwortete ich kurz angebunden. »Können Sie mir Serpo Redanic zur Einweisung beiordnen?«
Der Stationsoffizier zögerte.
»Wir halten nichts von Gewalttätigkeiten, Professor! Die Vorstellung Ihres Mitarbeiters, Dr. Allison, war gerade keine Augenweide.«
»Es wird nicht wieder vorkommen. Ich brauche Toterlay-Schüler wie Redanic, um umgehend entscheiden zu können, welche Geräte und Maschinen zum Zweck eines schnellen und rationellen Abbaus von mir in Betrieb genommen werden können. Ich denke zum Beispiel an marsianische Thermofräsen mit molekularer Gasverflammung tauber Materie und gleichzeitiger Zweiwegisolierung verwertbarer Erze. Die erwünschten Grundstoffe werden als Suchprogramm eingegeben. Tauchen sie im Hochenergiekompressionsfeld auf, werden sie abgezweigt, von letzten artfremden Verunreinigungen befreit und im Druckfeldverfahren zu beliebig großen Blöcken verdichtet. Der Reinheitsgehalt beträgt in der Regel neunhundertneunundneunzigkommaneunundneunzig zu tausend. Redanic könnte mir sofort sagen, ob die von Ihnen herbeigeschafften Marsgeräte der gesuchten Art entsprechen. Gibt es sie vor Ort noch nicht, wäre die Lagerleitung gut beraten, mich auf die Suche gehen zu lassen. Wissenschaftler meiner Art läßt man nicht wie einen Bergmann des fünfzehnten Jahrhunderts mit primitivsten Werkzeugen arbeiten. Wenn ich will, werde ich Ihre riesigen und kostspieligen Verhüttungsanlagen mit nur drei Thermo-Isotransfräsen null und nichtig machen. Nach Ihrer Technologie gewinnt man doch keine chemisch reinen Grundstoffe mehr. Was halten Sie davon?«
»Ich übernehme«, klang die Stimme von TS-19 auf. »Hören Sie mich, Mr. Polland?«
»Ausgezeichnet. Sie liegen wohl auf jeder Frequenz, wie?«
»In Ihrem Fall allemal.«
»Dann wird mir auch klar, weshalb Sie uns im gleichen Wohnraum untergebracht haben. Ihre Mikrowanzen werden jedoch kein unbedachtes Wort an Ihre Empfänger weiterleiten.«
Jedermann vernahm ein leises Auflachen, aber niemand ahnte, warum der Kollege erheitert war. Ich hatte es für richtig gehalten, TS-19 einen Tip zu geben. Vielleicht war damit schon plausibel erklärt, warum wir nicht getrennt worden waren.
»Ich bin weder ein Horcher an der Wand noch ein Anarchist, Mr. Polland. Natürlich mußten Sie auf diesen Gedanken kommen. Zu Ihrer Aufklärung folgendes: Ich gehöre zu jenen Menschen, die wegen der beängstigenden Rohstoffverknappung tief besorgt sind. Ich habe Sie und Ihre Mitarbeiter zusammengelegt, weil ich hoffe, damit Ihr seelisches Gleichgewicht zu erhalten. Deshalb habe ich Ihnen auch Dr. Ghodra zugeteilt. Das bringt häufig gute Ergebnisse. Kurzum - ich möchte, daß Sie sich in Ihr Schicksal ergeben, gute Arbeit leisten und Maschinen in Betrieb nehmen, die unsere Förderleistung vielleicht ums Dreifache steigern. Vergessen Sie also die sogenannten Abhörgeräte! Es sind keine eingebaut worden.«
»Dreifache Förderleistung«, warf Allison verächtlich ein. »Sie Dilettant! Ich bringe Ihnen mit einer TTF die zehntausendfache Kapazität.«
»Ich weigere mich«, hörte ich Hannibal schreien. Seine Orgelpfeifenstimme war unverkennbar. »Man wird mich umbringen, Sir.«
Mit der Aussage gab er mir endlich Gelegenheit, zu erklären, warum ich Allison im Speiseraum zurückgerufen hatte.
»Das liegt nicht in meiner Absicht, Serpo; wenigstens nicht eher, als bis du dein ZONTA-Programm beendet hast. Wären einige Sektoren des Großgehirns nicht auf deine Individualschwingungen abgestimmt, hätte ich Mittel und Wege gefunden, deine Verhaftung zu verhindern. Ich war nämlich in der Nähe, mein Bester. Da staunst du, wie? Ich hätte dich vernichten können, wozu allerdings die Zerstörung wichtiger Anlagen erforderlich gewesen wäre. Selbst dein Verrat hätte meine Flucht aus Süd-Violett nicht verhindern können, wenn nicht die Tücke des Objekts mitgespielt hätte. Vergiß also deine Sorgen. Allison werde ich zähmen. Und nun wieder zu Ihnen, Colonel Vanerhan. Kann ich nach geeigneten Maschinen suchen oder nicht?«
»Wenn sie im Bereich des Bolloni-Sperrgebiets zu finden sind, selbstverständlich!« erklärte TS-19 unüberhörbar amüsiert. »Oder glauben Sie ernsthaft, ich ließe Sie in der Albara-Senke oder gar in Zonta-City herumstöbern? In dem Fall brauchten Sie über die Problematik Ihrer angekündigten Flucht nicht länger nachzudenken. Suchen Sie also im Bereich des Kraters. Wir werden Sie mit allen Kräften unterstützen, aber teure Sonderrationen erhalten Sie trotzdem nicht. Das möchte ich besonders Dr. Allison mitteilen.«
Ich schwieg. Allison fluchte im besten australischen Marinejargon, und Hannibal lachte so mißtönend, daß ich mich unwillkürlich schüttelte.
»Das Wachkommando vor Ort erhält Sonderbefehle«, beendete TS-19 die Ansprache. »Wenden Sie sich an den diensthabenden Offizier und die anwesenden GWA-Wissenschaftler. Die begonnene Wolframschürfung läßt mich über meinen eigenen Schatten springen. Ich werde es verantworten können. Der Häftling Serpo Redanic wird Ihnen zugeordnet.«
»Das ist gegen die Absprache«, tobte Hannibal. »Da mache ich nicht mit. Sie kennen Big Rody nicht! Er macht mich schneller fertig, als Sie Ihre Schweißfüße beschnuppern können. Ich will nicht.«
»Meine Anweisung ist durchzuführen. Ende. Übernehmen Sie wieder, WO-Rampe.«
WO hieß wohl Wachoffizier. Ich schaute mich um, soweit es die Helmverglasung und die vorschnellenden Filter zuließen. Das Licht der aufgegangenen Sonne war erbarmungslos grell. »Abmarsch!« wurde angeordnet. »Die Aufzüge liegen hinter ... ach was, folgen Sie einfach den Eingeweihten. Tempo, meine Herren!«
Ich überprüfte nochmals das Lebenserhaltungssystem meines Raumanzugs und marschierte hinter den Männern her. Hannibal hielt sich weit hinter uns. Ruger und Ghodra führten.
Ein Erztransporter fuhr lautlos an uns vorbei. Im Geist hörte ich die meterhohen Riesenpneus durch Mondstaub und Abraumgeröll dröhnen. In Wirklichkeit war das knapp fünfzig Meter lange, schlangenähnliche Monstrum nur durch die von ihm verursachten Bodenerschütterungen auszumachen. Der letzte Verbundwagen rollte vorbei. Aufgewirbelte Gesteinsmassen spritzten gegen meinen Schutzanzug.
»Ungemütlich, was?« meldete sich Hannibal auf Psi-Ebene. »Deine Erklärungen waren gut. Nun weiß man, warum du mich nicht hart bestrafen darfst. Soll ich bei dem Märchen von der Individualprogrammierung eines ZON-TA-Sektors bleiben?«
»Unbedingt! Ruger wird wohl noch diesbezügliche Fragen haben.«
»Hüte dich vor ihm! Er ist hier wirklich der Boß. Hoffentlich nimmt er Vanerhans Psychoerklärung wegen Eurer Zusammenlegung im gleichen Wohntrakt für bare Münze. Wieso hat sich eigentlich Dr. Ghodra bemüht, in deine Nähe zu kommen? Wie soll ein Neurologe vor Ort nutzbringend sein?«
»Das wird TS-19 geklärt haben. Empfindliche Gehirne wie unsere müssen behütet werden. Hast du vom Chef schon nähere Informationen über die Goldene erhalten?«
»Nur dürftige. Die Experten unseres Vereins fragen sich, weshalb Ghodra unbedingt etwas über ihren Intelligenzquotienten erfahren wollte. Hast du eine Vermutung?«
»Nicht die Spur. Deshalb frage ich ja. Was hat Reling übermitteln lassen?«
,,lhre Herkunft ist absolut rätselhaft. Gregor Gorsskij hat seinen Kopf auf den Schultern und sogar sein Amt behalten dürfen. Der Alte hat in seiner Eigenschaft als Erster Sekretär der Internationalen Abwehrkoalition mit den neuen Kreml-Machthabern ein ernstes Wort gesprochen. Gorsskij ist dankbar. Er gibt an, die Goldene sei auf seinen persönlichen Befehl hin aus den Klauen der Abschußarmee befreit und in Moskau vor ein ordentliches Gericht gestellt worden. Sie bekam zweimal lebenslänglich und wurde ins Bolloni-Straflager eingewiesen. Da ist aber noch etwas, was General Reling äußerst stutzig macht.«
»Rede schon! Meine Konzentrationsstarre könnte auffallen.«
»Okay, also ganz kurz....




