E-Book, Deutsch, Band 47, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 47: Regelschaltung Jungbrunnen
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5095-1
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 47, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5095-1
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Einsatz 'Festungsklause Saghon' gelang es HC-9 und MA-23, den beiden offiziell als tot geltenden Telepathen der GWA, einen großen Teil der Geheimnisse der Wissenschaftspriester von Calthurion zu enträtseln. Mit dem Kommando-Kodator konnten die GWA-Schatten in die altmarsianische Andenzentrale eindringen. Dort fanden sie einwandfreie Beweise für die Existenz des neuen Menschentyps, des Homo tyrannus. Er entstand mit Hilfe des alten Marserbes und strebt nun nach der Weltherrschaft. Um diesen Plan zu vereiteln, müssen Thor Konnat und Hannibal Utan aufs Ganze gehen.
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5.
Warnungen aller Art waren in den letzten Tagen häufig ausgesprochen worden. Kiny entschuldigte sich deswegen, der Alte nahm weniger Rücksichten, und Anne Burner schien nur noch die Luft anzuhalten. Hannibal und ich waren klar zum Einsatz. Die Zeit der Vorbereitungen und des nervenzermürbenden Wartens war vorüber.
Ob unsere Mikrowaffen mitsamt den Kampfanzügen der beiden Calthurs in der fünften Dimension Verschollen waren, blieb uns unbekannt. Wir konnten es auch nicht riskieren, einen Testfall zu simulieren. Wenn wir die Telepathiezünder der winzigen Hochdruckampullen angesprochen hätten, wäre das Virus lunaris ausgeströmt. Der gewünschte Effekt wäre auf jeden Fall verlorengegangen. So blieb uns keinerlei Kontrollmöglichkeit.
Entsprechend hatten unsere Mikrotechniker vorgesorgt. Hannibals Biopolplastbuckel - er war der natürlichen Rückgratverwachsung des echten Quasimodo exakt nachgebildet - enthielt neben den üblichen Einsatzwaffen in Kleinstformat auch einige Druckampullen. Im Hauptquartier der GWA in Luna-Port lagen die rettenden Gegenmedikamente bereit. Sie waren mit der schnellen 1418 zum Mond befördert und dort unter größter Geheimhaltung ausgeladen worden.
Der zweite Bildsprechkontakt mit den Neo-Calthurs war nutzbringend gewesen, wenigstens nahmen wir das an. Die Groß-Koordinatorin hatte mich als Professor Toterlay anerkannt und betont, die Auswertung der Situation und der von meinem Doppelgänger ausgesprochenen Anschuldigungen hätte nun doch den Wahrheitsgehalt meiner Gegendarstellung ans Tageslicht gebracht.
Ich glaubte ihr kein Wort! Diese Frau hatte ganz andere Absichten, die zu durchkreuzen unsere Aufgabe war.
Der KLAUSENWÄCHTER hatte durch drei Roboter einen ein Meter langen und im Durchmesser fünfundzwanzig Zentimeter betragenden Metallzylinder aus violett strahlendem, anscheinend speziell legiertem MA-Metall überbringen lassen.
Einer der Roboter war eine uns bislang unbekannte Konstruktion ohne jede Bewaffnung gewesen. Er war so alt wie die Festung selbst, und der von ihm überbrachte Zylinder war es ebenfalls. Mir war versichert worden, der Inhalt der »Schläferkammer«, so lautete die offizielle Bezeichnung, sei ' absolut einwandfrei und als lebendfrisch einzustufen.
Der Zylinder wurde von einem hauchdünnen Energiefeld umflutet. Es war durchsichtig und ungefährlich. Man konnte hindurchgreifen, verspürte aber ein heftiges Prickeln. Mir war mitgeteilt worden, fremde Mikroben würden dadurch sofort abgetötet werden. Außerdem bewirkte das Schutzfeld die Erhaltung einer Gravitationskonstante, die für den »gesunden Tiefschlaf« der aus dem galaktischen Zentrum stammenden Bakterien unerläßlich sei.
Mehr hatte der KLAUSENWÄCHTER nicht tun können. Die beiden Begleitroboter, schwerbewaffnete, auf Energieprallkissen laufende Kampfmaschinen der letzten und modernsten Flotten-Typklasse, hatten meinen zögernden Zugriff geduldet.
Diesen Robotertyp hatte ich anderswo noch nie gesehen. Allison vermutete, daß die Saghonsche Andenfestung wohl als einzige Marsniederlassung noch im letzten Augenblick mit den seinerzeit neuesten Entwicklungen der marsianischen Rüstungsindustrie ausgestattet worden wäre. Das entsprach wahrscheinlich den Tatsachen.
Nun warteten wir auf die nächste Nachricht der Neo-Calthurs. Selbstverständlich hatten wir in Zonta- City zu erscheinen!
Ich hatte mich nach Toterlays Art dagegen gewehrt, schließlich aber »knurrig« nachgegeben. Wir mußten hin. Es blieb uns keine andere Wahl.
Meine Sicherheitsvorkehrungen hatte ich massiv und mit plausiblen Begründungen kundgegeben. Moroina hatte sie lächelnd zur Kenntnis genommen und gemeint, niemand hätte die Absicht, Toterlay zu betrügen. Der in seiner Person realisierte Machtfaktor sei auch für sie lebensnotwendig.
Auf meinen Kommandokodator war sie mit keinem Wort eingegangen. Die Frage nach dem »Warum- Nicht« quälte mich jetzt noch.
Hatte sie bereits ein zweites Gerät gefunden, oder wollte sie mich nur nicht verschrecken? Rechnete sie damit, daß ich den Kodator mitbringen würde? Professor Toterlay durfte man nicht provozieren, das war ihr sicherlich klar. Also hatte sie es vorgezogen, besser kein Wort darüber zu verlieren,. Die Psychologin Dr. Anne Burner hatte darüber ihre eigenen Ansichten, aber sie waren so kompliziert, daß ich es vorzog, mich allein auf meinen gesunden Menschenverstand zu verlassen. Alles in allem sah die Situation an diesem 29. Juli 2011 gar nicht rosig aus. Wir waren zum Spielball einer fremden Macht geworden; einer Macht, von der die Menschheit des Planeten Erde wegen der strikten Geheimhaltung noch nichts ahnte.
General Reling war jedoch vorbereitet, den Befehlshabern der anderen Geheimdienste blitzschnell reinen Wein einzuschenken, falls es die Situation erfordern sollte. Konnten wir es allein schaffen, war die Unterrichtung der Regierungen im Nachhinein geplant. Das war notwendig, da die GWA- Führung unseren Einsatz mit dem besten Willen nicht vorzeitig enttarnen konnte. Ausgenommen davon war unser Versagen. Dann konnte nur noch die Vereinte Menschheit gemeinsam versuchen, den Homo tyrannus auszuschalten.
Wie man das notfalls bewerkstelligen wollte, war mir rätselhaft. Wir wären schon nach der Entdeckung der unglaublichen Gefahr nicht mehr fähig gewesen, sie mit konventionellen Mitteln erfolgreich zu bekämpfen. Hätten wir uns dazu hinreißen lassen, wäre die Apokalypse bereits über die Erdteile hereingebrochen.
Ich war glücklich, daß es uns bisher gelungen war, unseren Planeten vor einem Verzweiflungsangriff der Neos mit all seinen unabsehbaren und unberechenbaren Folgen zu bewahren.
Hannibal hatte Kontakt mit Kiny aufgenommen. Ich war so in Gedanken versunken, daß mich Dr. Kulot an den Schultern rütteln mußte, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
»Treten Sie nicht wieder geistig ab«, beschwor er mich. »Worüber grübeln Sie denn? Sie brauchen Ihren klaren Verstand. Hannibal hat Psi-Kontakt. Hören Sie besser mit. Kiny ruft Sie persönlich. «
Ich richtete mich auf der Liege auf und konzentrierte mich. Kinys telepathische Stimme kam augenblicklich durch.
»Ah, willkommen im Zirkel, Sir«, vernahm ich sie. »Ich habe noch eine Auswertung unserer Biologen und Genetiker durchzugeben, Sir. «
»O Gott, auch das noch. «
»Es ist harmlos und gut verständlich, weil sie selbst nicht volle Klarheit erlangen konnten«, beschwichtigte sie uns. »Es geht um die Anwendung der marsianischen Todesschläfer-Bazillen. Sie sollten darüber etwas wissen. Wenigstens die denkbaren Grundbegriffe. « »Okay, wir hören«, antwortete Hannibal. »Erzähle uns aber keine Schauergeschichten mit tausend Fachausdrücken. Das können wir im Moment nicht mehr verkraften. «
»Der Bericht ist allgemeinverständlich. Unsere Experten sind der Auffassung, diese seltsamen Erreger, die für menschliche Lebewesen nicht als solche zu bewerten sind, wären von den marsianischen Wissenschaftlern als Gen-Modulatoren oder Gen-Programmierer vorgesehen worden. Man meint, die Todesschläfer übernähmen die Aufgabe unserer irdischen Phagen, die durch Befall geeigneter Mikroorganismen, zum Beispiel des Kolibakteriums, eine gesteuerte Veränderung der Erb-DNS herbeiführen können. Gleichzeitig denkt man an eine neue Art von Restriktionsenzym, mit der Aufgabe, die verworrenen Molekülketten zu entflechten und das gewünschte Gen hervorzuheben. All das kann aber nur bedingt richtig sein, denn die Saghonsche Planung, genannt ‹Regelschaltung Jungbrunnen) kann langwierige und sorgsam gesteuerte Laboratoriumsmaßnahmen niemals vorgesehen haben. Die Todesschläfer wurden auf die Erde abgeregnet. Demnach hätten sie laut Saghonplan jeden Menschen befallen und ihn allmählich verändern können. Die Zielrichtung lag und liegt in der Steigerung der natürlich vorhandenen Intelligenz, wahrscheinlich auch in der gutartigen Aufforstung der rein körperlichen Fähigkeiten wie Muskelbildung, Widerstandsfähigkeit gegen seinerzeit übliche Infektionskrankheiten aller Art und was der Dinge mehr sind. Kommen Sie noch mit? «
»Bis jetzt - ja. Das sind altbekannte genbiologische Tatsachen. «
»Fein, Sir, das freut mich. Ich hatte einige Mühe mit dem Stoff. Unsere Wissenschaftler sind auf Grund Ihrer letzten Berichte auf die Idee gekommen, der Vorgang müsse an sich viel einfacher sein als angenommen. Es genügt, einem Menschen die Todesschläfer in geringster Dosis zu injizieren oder sie in die Atemwege zu bringen. Die Aufforstung nehmen sie dann selbst vor. Es handelt sich natürlich in jedem Fall um eine genprogrammierte Änderung der DNS, die bei erwachsenen Menschen auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen wird. Unsere Experten nehmen aber an, daß die Saghonsche Planung ‹Regelschaltung Jungbrunnen vordringlich für Neugeborene oder noch nicht geborene Menschen gedacht war. In diesen noch anpassungsfähigen Organismen müßte die angestrebte Wirkung besser zu erzielen sein. Es wird allerdings vermutet, daß die heutigen Neo- Calthurs noch nicht vor der Geburt oder im Säuglingsstadium behandelt wurden. Damit ist der komplizierte Vorgang aber noch nicht abgeschlossen. «
»Großer Jupiter, was gehört denn sonst noch dazu? « wollte Hannibal wissen. Er war schlichtweg überfordert.
»Nur eine Kleinigkeit, Hannibal, aber eine eminent wichtige. Das dürfte der Grund sein, weshalb man Sie und HC-9 dringend...




