E-Book, Deutsch, Band 25, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 25: Sonderplanung Mini-Mond
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5072-2
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 25, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5072-2
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der geniale Wissenschaftler, der die ganze Erde in ein Chaos stürzt, ist noch nicht gefaßt. Die Spezialagenten der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr', Thor Konnat und Hannibal Utan, müssen die Station finden, von der aus der Todesimpuls kommen kann. So halten sie sich unerkannt in der Nähe des Verbrechers auf, um im richtigen Augenblick einzugreifen. Auf sich allein gestellt, müssen sie den Verzweiflungskampf im Weltraum fortführen und kommen so in höchste Gefahr.
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5.
Hannibal hatte mich während des Landevorganges auf Alec-Hood Bridgemans Gehirnschwingungsmuster eingepeilt.
Auch dieser Mensch war nicht wahnsinnig im eigentlichen Sinne, aber er unterlag einem ungeheuren Geltungstrieb. Seine Eitelkeit war kaum zu überbieten.
Er war entschlossen, seinem »Alten« Respekt beizubringen, vorerst allerdings in zurückhaltender Form, denn Alec wollte unter allen Umständen mit Hilfe einer marsianischen Lehrmaschine eine Intelligenzaufstockung erreichen.
Die letzten Geräte dieser Art hatten Hannibal und ich im Tiefseestützpunkt Crutcolatia vernichtet. Sogar Horatio Bridgeman, der anscheinend über unerschöpfliche Hilfsmittel und marsianische Geheimdepots verfügte, war bisher nicht in der Lage gewesen, den Wünschen seines Sohnes nachzukommen, dessen brennendstes Verlangen es war, zu den wenigen Auserwählten mit mehr als fünfzig Neu-Orbton zu gehören.
Auf seinen beiden wissenschaftlichen Fachgebieten schien er überdurchschnittliche Leistungen zu bringen, bei weitem aber nicht das Weltklassekönnen seines Vaters. Horatio hatte nämlich den Nobelpreis noch vor seiner Aufstockung erhalten -und das wollte etwas heißen!
All diese Dinge waren seinem Sohn bekannt. Er beneidete seinen Vater nicht nur um dessen frühere wissenschaftliche und gesellschaftliche Anerkennung, sondern darüber hinaus um seinen enormen Intelligenzquotienten von 55,34 Neu-Orbton.
Es war Alecs heißester Wunsch, diesen Wert noch zu übertreffen, zumal er Logiker genug war, um zu erkennen, daß er ohne Aufstockung mit der marsianischen Hinterlassenschaft so gut wie nichts anfangen konnte.
Kein Kommandogehirn, nicht einmal eine portable Kampfmaschine, würde sich ihm jemals unterordnen, wenn er nicht die Grundforderung von mindestens fünfzig NOQ erfüllte.
Sein Vater hatte keine Ahnung, daß er nur aus diesem Grunde noch geduldet wurde. Alec hätte ihn längst entmachtet oder gar beseitigt, wenn er die tatsächliche Gewalt hätte ausüben können.
Mit seinem jetzigen Quotienten, der wohl bei einem überdurchschnittlich guten Wert von achtzehn NO lag, konnte er nichts unternehmen. Lediglich Dinge, die sein Vater beschafft, eingeschaltet, justiert oder in einer anderen Form betriebsbereit gemacht hatte, unterstanden seiner Kontrolle. Niemals aber konnte er Zugang zum Venusdepot finden.
Wenn er den verrückten Gedanken gehabt hätte, seinem Vater den Kodator, das zum »Himmelreich« führende Kommandogerät, zu entwenden, wäre es bei der ersten unbefugten Benutzung in seinen Händen explodiert.
Auch das wußte er! Er befand sich also in einer Zwangslage, die ihm sein Handeln vorschrieb. War er unhöflich oder aufsässig, mußte er seinen Vater anschließend um Entschuldigung bitten und beteuern, sein überströmendes Temperament sei wieder mit ihm durchgegangen. Alec-Hood hatte dafür einen Begriff geprägt, der mir ein Schmunzeln entlockte.
Als die WONDERFUL POWER mit gespreizten Landebeinen auf dem phantastischen Raumhafen aufsetzte und von Antischwerkraftfeldern zum nächsten Hangarlift transportiert wurde, hatte er Bridgeman nochmals angerufen.
Seine Entschuldigung wegen des groben Empfangs beendete er mit den Worten: »Weißt du, Vater, die Wünsche galoppieren und der Verstand geht zu Fuß!«
Das hatte mir irgendwie imponiert. Alec war in jedem Falle mit größter Vorsicht zu behandeln. Ich hatte mich mit einer Entschuldigung in unsere kleine Gemeinschaftskabine zurückgezogen. Bridgeman hatte nur genickt, als ich von Schmerzen sprach und meine linke Hüfte betastete. Daß dies ein Fehler war, bemerkte ich, als ich die Zentrale verließ. Auch Hannibal machte mir Vorhaltungen.
Da der Bildschirm an der einen Kabinenwand in Betrieb war, konnten wir wieder einmal miterleben, wie marsianische Festungsbauer ihre Raumschiffe in Sicherheit gebracht hatten.
Abgesehen vom Mars hatte man sie niemals auf der Oberfläche stehen lassen. Dort wären sie denebischen Angriffen ungeschützt ausgesetzt gewesen.
Man hatte, wo immer möglich, die Hangars tief unter der Oberfläche eines Himmelskörpers angelegt. In Topthar auf Mars gab es Tiefbunker, die fast viertausend Meter unter den roten Sandhügeln lagen. Da man das Geheimnis der Schwerkraftaufhebung beherrschte, war es kein Problem, auch Giganten aus der neunhundert Meter durchmessenden PORCUPA-Klasse sanft hinabschweben zu lassen.
Ähnliches geschah nun mit der wesentlich kleineren WONDERFUL POWER. Wir wußten längst, daß sie das einzige Marsschiff war, welches Bridgeman in seinen Besitz bringen konnte. Er hatte es tatsächlich in einem Depot der Antarktis gefunden und mit Hilfe der dortigen Wartungsroboter wieder raumflugfähig machen können.
Das war aber in unserer augenblicklichen Situation uninteressant. »Ein krasser Fehler!« empfing mich Hannibal wütend. »Wie kannst du nur auf der Nierenwunde herumreiten! Der Kerl kommt glatt auf die Idee, dich von einem seiner Ärzte transplantationstechnisch behandeln zu lassen, oder gar von mir, dem ,Spezialisten' auf diesem Gebiet, zu verlangen, dir eine neue Niere einzupflanzen. Wenn das passiert, sind wir reif.«
Ich winkte ab. Er hatte recht und unrecht zugleich.
»Darauf kommt es nicht mehr an, Kleiner. Ich denke nicht daran, länger als unbedingt nötig zu warten. Hier -und nur hier -kann der 5-D-Sender stehen. Die Erde ist in spätestens acht Tagen wieder sichtbar. Zur Zeit steht sie hinter der Sonne. Kannst du dir vorstellen, was passiert, wenn unser blauer Planet wieder angepeilt werden kann? Dann drückt Alec auf den Knopf.«
»Vorausgesetzt, die Beeinflussungsanfälligkeit der Menschheit ist weit genug fortgeschritten.«
»Ich nehme das mal als Tatsache an. Man hat es geschafft! Acht Milliarden Menschen, oder wenigstens fünfundneunzig Prozent davon, dürften ,impulsreif' sein. Wir haben keine Zeit zu verlieren.«
Der Kleine humpelte zur Schiebetür der Kabine und starrte sie durchdringend an. Er sondierte die davorliegenden Gänge und Nebenräume.
Okay, sauber. Es sind hier tatsächlich keine Abhöranlagen installiert. Bist du sicher, daß es hier außer der WONDERFUL POWER keine anderen, wenigstens einfach lichtschnellen Raumschiffe gibt? Dieser große Satellit sollte davon wimmeln.«
»Nein, ich habe Ramon ausgehorcht. Er war schon zweimal hier. Die Nachschubfrage an allen möglichen Bedarfsgütern ist ein Problem. Es gibt hier nicht einmal Wasser. Der kleine Kreuzer muß ständig unterwegs gewesen sein.«
»Und das sollen wir nicht bemerkt haben?« Ich zuckte mit den Schultern.
»Offenbar nicht. Die Frischwasserversorgung hat man sicher anderweitig gelöst. Auf den großen Jupitermonden gibt es Wasservorkommen. Man wird also nicht ständig bis zur Erde geflogen sein. Die Lebensmittel hat man sicherlich in dehydrierter Form angeliefert. Es gibt auf der Erde genug Firmen, die alle nur denkbaren Nahrungsmittel in Trockenform ausliefern. Unsere Raumfahrt verlangt danach. Dadurch spart man bis zu fünfundneunzig Prozent an Masse, Gewicht und Umfang. Wenn man das zur Normalisierung notwendige Wasser von den großen Jupitermonden holen kann, waren die Nachschubflüge relativ ungefährlich und auch nicht so zahlreich, wie ich ursprünglich angenommen hatte.«
»Wie gehen wir vor?« lautete seine Frage. Ich schaute ihm starr in die tiefliegenden Augen. Die Peroni-Maske war absolut naturgetreu.
»Kleiner, wir müssen vordringlich dafür sorgen, daß man uns nicht über den Haufen schießt. Ist dir das klar?«
Er ließ sich auf das Pneumobett fallen und fluchte, weil er sich das Knie angestoßen hatte.
»Nur wegen meiner Bemerkung Armand und Radokowsky gegenüber? Verdammt, Alec ist hoffentlich schlau genug, sie zu vergessen. Leute wie wir werden gebraucht.«
»Hoffentlich so dringend, daß man sie nicht opfert wie Versuchskaninchen«, lachte ich humorlos. Ab und zu öffnete ich meine Parasinne, um die Umgebung abzusuchen.
Wir waren aber doch unter uns. Die wenigen Männer der Besatzung befanden sich in der Zentrale. »Ich habe eine Idee, Kleiner.«
Er stützte sich auf die Ellenbogen und starrte mich an. Der Funken der Verzweiflung in seinen Augen entging mir nicht. Ich hütete mich auch, in sein Bewußtsein einzudringen. Er hatte Angst -genau wie ich!
Es war aber keine normale Angst, sondern ein tief verankertes, panikartiges Furchtempfinden, das sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzte.
Einmal war es die Angst um unser Leben, zugegeben! Normalerweise ist die Todesangst die größte und schrecklichste, die ein Mensch überhaupt empfinden kann.
In unserem Falle kamen jedoch noch andere Faktoren hinzu. Da war die ferne Menschheit auf unserem blauen Planeten. Wir wußten, daß ein Verbrecher wie Alec-Hood Bridgeman keinen Augenblick zögern würde, seinen teuflischen Plan in die Tat umzusetzen.
Sein Vater schien den Moment immer wieder hinausgezögert zu haben. Wahrscheinlich hätte er schon von der Anden-Station aus den Impuls des Wahnsinns geben können. Warum er es nicht getan hatte, konnte ich nur ahnen.
Wahrscheinlich hatte er mit sich gekämpft; mit all dem Anständigen, das er noch in sich trug. Bei seinem Sohn war damit nicht zu rechnen. Also stand unser Vorgehen fest. »Du hattest eine Idee?« erinnerte mich Hannibal. Ich nickte zögernd.
»Wenn es weitere Schiffe gäbe, kleine Beiboote vielleicht, könnten wir schleunigst unsere Bomben legen, verschwinden und sie zünden. Das ist leider unmöglich.«
»Klar. Weiter!«
»Wir müssen also versuchen, mindestens sechs bis acht Tage lang am Leben zu bleiben. Dann erscheint die Erde wieder im Zielpunkt. Wenn wir bis dahin keinen Weg gefunden haben, der uns in...




