E-Book, Deutsch, Band 19, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 19: Nachschubbasis Godapol
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5066-1
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 19, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5066-1
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Erbe der Marsianer bringt neue Gefahren. Ein unbekannter Hypersender aktiviert einen fernen Versorgungsplaneten, der die Erde mit technischen Gütern überschwemmt. Thor Konnat und Hannibal Utan von der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr' schleusen sich per Materietransmitter ein und stoßen auf einen direkten außerirdischen Einfluß. Wieder hängt das Schicksal der Menschheit von ihrer Entscheidung ab.
Autoren/Hrsg.
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6.
Wir waren vor einer Stunde auf dem Mond gelandet. Luna-Port, die Hauptniederlassung der ehemals »westlichen« Welt, hatte uns aufgenommen.
Wir hatten nicht mehr die Zeit, unsere Einsatzvorbereitungen nach jenem Muster zu gestalten, das wir vor dem Erscheinen der Deneber und der Hypnos für unerläßlich gehalten hatten.
Die Grundinformationen besaßen wir. Wochenlange Pausen, um die Restergebnisse noch abzuwarten, konnten wir uns nicht leisten.
Auf der Erde herrschte ein von der Genfer Zentralregierung mühevoll retuschierter Katastrophenzustand.
Der australische Kontinent war evakuiert. worden. Bei dem Transport in ungefährdete Landgebiete hatten die Menschen alles zurücklassen müssen, was sie sich jemals mühevoll erworben hatten. Australien war ein Gebiet des Todes. Die aus dem Weltraum ankommenden Gütermengen hätten alles Leben ersterben lassen, wenn wir nicht rechtzeitig alle Bedrohten in Sicherheit geschafft hätten.
Nun mußten viele in den verschiedensten Lagern leben. Fünfzig Prozent der Flüchtlinge waren überall auf dem Planeten entweder von Verwandten oder von völlig fremden, doch hilfsbereiten Familien aufgenommen worden.
Jeder Australienflüchtling hätte nach den statistischen Unterlagen ein neues Heim finden können, wenn sich nicht überraschend viele irdische Mitbürger geweigert hätten, wenigstens einem Katastrophenbetroffenen ein Quartier zu bieten. Das war eine bittere Lehre gewesen.
Die Menschheit erwartete von der Zentralregierung, in erster Linie aber von der geheimnisumwitterten GWA, daß der »Fall« in Ordnung gebracht würde.
Besonders in Nord- und Südamerika, in Europa und im neuen Wohlstandsrußland waren die hundertachtzig Millionen Flüchtlinge mit durchsichtigen Argumenten abgewiesen worden. Die Asiaten, unter ihnen vordringlich die Chinesen, hatten die meisten Obdachlosen aufgenommen. Nur Indien hatte die Aufnahme grundsätzlich abgelehnt. Immerhin war die dortige Regierung aufrichtig gewesen und hatte auf die sehr schlechte wirtschaftliche Situation des Landes hingewiesen. Man konnte kaum die einheimische Bevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgen, geschweige denn Millionen Australier, die an einen hohen Lebensstandard gewöhnt waren. Länder wie Japan und jene Südostasiens hatten selbst viel zu vielen Menschen eine Existenz zu bieten, um an eine echte Hilfe denken zu können. Als Ersatzleistung hatten diese Völker alle verfügbaren Luft- und Seetransporter zur Verfügung gestellt.
Es sah nicht gut aus auf unserer großen, weiten Erde. Jeder war sich erst einmal selbst der Nächste; daran war nicht zu rütteln. Die Gefahr aus den Tiefen des Alls wurde besonders von jenen unterschätzt, die immer genug besaßen, oder die sich auf Umwegen in den Klub der Wohlhabenden vorgearbeitet hatten.
Für Hannibal und mich war das eine bittere Erkenntnis. Wir waren auf dieser Welt die beiden einzigen GWA-Schatten, die mit einer gewissen Erfolgsaussicht in den Einsatz gehen konnten. Die Telepathin Kiny Edwards war für eine direkte Verwendung untauglich. Das junge Mädchen litt ohnehin unter tiefgreifenden Komplexen. Bei unverhofften Situationen hätte sie versagen können. Nachdem Hannibal das Schicksal der hundertachtzig Millionen Australien-Flüchtlinge nicht nur erkannt, sondern auch in voller Konsequenz verarbeitet hatte, war er zu mir gekommen und hatte mir stillschweigend die Hand hingehalten.
Früher hatte ich wegen seines Gebarens oft darum gebeten, ihn nicht als Mitarbeiter zu erhalten. Diesmal war es anders - ganz anders! Wir waren ein aufeinander eingespieltes Zweimann-Team, dem noch die Mutantin Kiny Edwards zur Seite stand.
Sie befand sich nach wie vor auf der Raumstation Terra I. denn von dort aus konnte sie uns jederzeit auf telepathischer Ebene ansprechen und Antworten erhalten. Der Robotbefehlshaber der marsianischen Nachschubbasis GODAPOL mußte ausgeschaltet werden, egal wie.
Unsere Maskenbildner, die bei der ersten Besprechung so zurückhaltend gewesen waren, standen nun Rede und Antwort.
Wir erhielten maßgerechte Kombinationen, die eher Arbeitsanzügen als Uniformen glichen. Die Rangabzeichen waren klein und bewußt unauffällig gehalten. Dafür besaßen die aus kräftigem Material bestehenden Kombis zahlreiche Außen- und Innentaschen zur Aufnahme von Werkzeugen und Meßgeräten.
Für unsere Ausrüstungsspezialisten war es nicht schwierig gewesen, die Mikro-Einsatzwaffen darin zu verstauen. Die Anzüge waren weit und unförmig genug. In ihnen konnte man wesentlich mehr unterbringen als in einer anliegenden Uniformkombi oder in zivilen Kleidungsstücken.
Die Gegenstände aus der irdischen Fabrikation sollten möglichst nicht gezeigt werden, die Waffen auf keinen Fall. Wenn Kontrollgeräte noch unbekannter Art terranische Werkzeuge beanstanden oder gar beargwöhnen sollten, so war dafür eine fundierte Erklärung zu finden.
Die Einsatzplanung war im Grunde einfach; einfach deshalb, weil uns keine andere Wahl blieb! Wir durften unsere Herkunft vom Planeten Erde auf keinen Fall bestreiten. Es war anzunehmen, daß der Befehlshaber GODAPOL mit Hilfe seiner sicherlich existierenden Überwachungseinheiten längst festgestellt hatte wie die Menschen und ihre Gehirnimpulse aussahen.
Wir hatten als Erben des Mars aufzutreten und vorzugeben, vom Befehlshaber »Mars« und dem Zentralrechner ZONTA abgestellt zu sein.
Unsere angebliche Aufgabe: Die defekter Schaltanlagen im Steuergerät des irdischen Großtransmitters reparieren. Dazu lag der offizielle Auftrag des Maisgehirns vor, das seinerseits ZONTA angewiesen hatte, uns auf der Erde einzuschleusen.
In dem Vorhaben steckten einige Gefahrenquellen. Wenn der GODAPOL-Roboter nicht wie errechnet nach organisch lebenden Ingenieuren gerufen hatte, mußten wir viel Glück haben, um nicht auf der Stelle getötet zu werden.
Selbst NEWTON und ZONTA waren über die Sicherheitseinrichtungen des Erdgehirns nicht informiert, vor allem nicht über seine militärischen Abwehrmöglichkeiten.
Wir konnten uns aber recht gut vorstellen daß sie nicht schlechter waren als jene auf dem Mars oder der Mondfestung.
Wir hatten nur einen echten Trumpf auszuspielen: Hannibals und meinen hohen Intelligenzquotienten, der sogar NEWTON zum Gehorsam bewogen hatte: unsere Neu-Orbton- Werte lagen noch über der geforderten Norm.
Wenn wir uns allerdings vorgestellt hatten, wir könnten infolge dieser Aufstockung in wenigen Wochen ein Wissensgut in uns aufnehmen, das unsere Spitzenwissenschaftler im Verlauf vieler Jahre erworben hatten, so hatten wir uns getäuscht. Ein Intelligenzquotient ist nicht identisch mit praktisch verwertbarem Wissen.
Immerhin gelang es uns viel leichter und schneller als anderen, gewiß nicht dummen Kollegen, neue Erkenntnisse zu speichern und sie zu verwerten. Vordringlich die Begriffe aus der marsianischen Hyperphysik und ihrer phantastischen Ultraenergie-Technik waren uns geläufig, allerdings auch nur so viel und so wenig, wie unsere Spezialisten herausgefunden hatten.
Wir schrieben den 22. Dezember 2009. Dieses Weihnachtsfest würde nicht sehr geruhsam werden. Die beiden Naturwissenschaftler Professor Scheuning und Teichburg fungierten als Chefberater. Sie konnten uns wertvolle Tips geben, denn auch sie hatten sich wie Josua Aich intensiv mit der Mars-Hinterlassenschaft beschäftigt. Aich stand leider nicht zur Verfügung. Er mußte auf dem Mars bleiben, um NEWTON Hilfeleistungen aller Art abzuringen.
Beide Wissenschaftler verfügten über ein eingespieltes Assistententeam von ausgesuchten Könnern aus allen Völkern der Erde. Wir hatten Tausende von Ratschlägen erhalten. Viele waren gut, andere klangen zu gewagt.
Wir waren bis zur Grenze unserer physischen und psychischen Aufnahmekapazität unterrichtet worden. Was man über das marsianische Erbe jemals erfahren hatte, war uns im Schnellverfahren gewissermaßen »eingetrichtert« worden.
Aich hatte dabei unschätzbare Hilfsdienste geleistet. Es gelang ihm immer wieder, dem zwischen seiner Grundprogrammierung und den neuzeitlichen Erfordernissen hin und her schwankenden NEWTON Geheimnisse abzuhandeln.
Vor zwei Tagen, wir waren noch auf der Erde gewesen, hatte Aich mit der 1418 marsianische Werkzeuge und Meßgeräte geschickt, die aus dem Geheimdepot des dortigen Robotbefehlshabers stammten.
Genaue Betriebsanleitungen hatte er beigefügt. Es war uns erstmals gelungen, marsianische Kabelverbindungen zu lösen und sie auch wieder zusammenzufügen.
Selbst MA-Metall konnten wir mit einem »Brenner« schneiden, der alles andere, nur keine Hitze entwickelte! Dazu waren uns Werkzeugbehälter überreicht worden, die so groß und so schwer waren, daß sie selbst ein Hüne wie Boris Petronko nicht anheben konnte.
Es hatte einige Zeit gedauert, bis wir die Funktion der eingebauten Antigravitationsanlage erfaßt hatten. Die überwiegend rechteckigen oder walzenförmigen Behälter sollten gar nicht getragen werden! Sie schwebte nach Aufhebung der auf sie einwirkenden Schwerekräfte, und man brauchte sie lediglich zu schieben. Eine Sonderschaltung, die allerdings auf die Individual-Körperfrequenz des betreffenden Ingenieurs abgestimmt sein mußte, ließ sie sogar wie anhängliche Hunde auf dem Fuße folgen.
Das war aber noch nicht alles, was uns Aich übermittelt hatte. Jeder Spezialist des Einsatzkommandos trug neuerdings einen marsianischen Kommando-Kodator, wie ich ihn bereits auf dem Mars für Verständigungszwecke mit NEWTON verwendet hatte.
Die neuen Geräte konnten ebenfalls senden und empfangen, aber sie fungierten gleichzeitig auch als Geber für einen marsianischen Justierungskode.
Wie der zu senden war; welche Symbole oder verschlüsselten Impulsgruppen...




