Scheer | ZBV 14: Diagnose negativ | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 14, 200 Seiten

Reihe: ZBV

Scheer ZBV 14: Diagnose negativ


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5061-6
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 14, 200 Seiten

Reihe: ZBV

ISBN: 978-3-8328-5061-6
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Roboterarmeen und riesige Kampfraumschiffe greifen die Erde an. Unter größten Gefahren nimmt Oberstleutnant Thor Konnat von der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr' marsianische Materietransmitter in Betrieb, um den Gegner aufzuspüren. In einer uralten Marsianer-Festung unter dem Eis der Antarktis kommt es zum entscheidenden Kampf.

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5.


Mich traf bald der Schlag, als ich die ersten russischen Uniformen im gehüteten Heiligtum der GWA entdeckte.

Im »Zentrum« unseres riesenhaften, »bombensicheren« Hauptquartiers tief unter den Felsmassen des Allegheny-Gebirges schien es von östlichen Offizieren aller Waffengattungen zu wimmeln.

Als dann noch die Vertreter des Großasiatischen-Staatenbundes auftauchten, neigte ich zu Resignation. Der Alte mußte ja wissen, was er mit diesen reichlich eigenartigen Maßnahmen bezweckte.

Wir, die so harmlos aussehenden Zivilisten, wurden überhaupt nicht beachtet. Die einzige Aufmerksamkeit schenkte man Kolibri, dem man mehr oder weniger unwillig aus dem Wege ging. Anstelle eines Grußes hörten wir immer wieder die beinahe stereotype Redewendung: »Halten Sie nur das Kalb fest!«

Der Hund trottete zähnefletschend zwischen dem Kleinen und mir.

Nachdem wir erhebliche Schwierigkeiten gehabt hatten, ihn durch die automatischen Eingangssperren zu bringen, wurde seine Anwesenheit zum Problem.

In der schallschnellen Vakuum-Rohrbahn, der einzigen Verbindung zwischen dem Oberflächen- Hauptquartier und dem weitentfernten »Zentrum« hatte sich der Schwarzweiße noch einigermaßen friedlich verhalten.

Vor der Säuresperre des Endbahnhofes waren wir gewissenhaft kontrolliert worden. Sogar der Hund hatte eine strahlende Leuchtmarke erhalten. Unsere mußten wir an den linken Rockaufschlägen tragen. Fluoreszierende Symbole stellten Rang und Kodebezeichnung dar.

Auch die Gäste aus dem fernen Osten hatten solche Abzeichen. Nur leuchteten sie dort in grüner Farbe. Sie sahen fast so aus wie unsere unnachahmlichen Legitimationsmarken.

Im großen Verbindungsgang hinter den Säuregeschützen der letzten Sicherheitsschleuse wurden wir von einem GWA-Leutnant erwartet. Er trug die Uniform des Wachkommandos. Ein prüfender Blick auf unsere Leuchtmarken genügte ihm. Es war direkt verwunderlich, daß er auf eine nochmalige Kontrolle verzichtete. Dagegen schien er genaue Anweisungen erhalten zu haben.

»Zwanzig Uhr zweiunddreißig, Sir«, sagte er mit einem vorwurfsvollen Blick. »Der Chef wartet. Darf ich bitten!«

Wir bestiegen einen Elektrowagen. Der Mann fuhr so rasant durch die Gänge, daß mir der Schweiß auf die Stirn trat. Wir erreichten Teile des unterirdischen Systems, die wir vorher noch nie gesehen hatten.

An den großen Flügeltüren gab es außer deutlich erkennbaren Nummern keine anderen Bezeichnungen. Ein Summen lag in der dumpfen, nur mäßig bewegten Luft. Erst einige Hinweise klärten mich darüber auf, daß wir uns im eigentlichen Heiligtum befanden.

Immer wieder mußten wir Kontrollen passieren, die fast alle auf elektronischer oder gar positronischer Basis erfolgten.

Hier residierte das »Gedächtnis«, das größte und leistungsfähigste Positrongehirn der Welt. Niemand wußte genau, welche Grundfläche die wahrhaft gigantischen Schaltanlagen einnahmen. Fest stand nur, daß in dem »Gedächtnis« alle Daten gespeichert waren, die der GWA und anderen Polizeiorganisationen jemals bekannt geworden waren.

In den Speicherbänken wurden außerdem sämtliche Entwicklungen und Erfindungen registriert. Das mechanische Ungeheuer verfügte infolgedessen über ein Wissen, wie es kein Mensch auf dieser Erde haben konnte. Nur so waren die unwahrscheinlich genauen Rechenergebnisse des Robots erklärbar. Er konnte auf Milliarden verschiedenartiger Daten zurückgreifen.

Als ich die sagenhaften Qualitäten des Robotgehirns überdachte, begannen meine Handflächen zu jucken. Warum wurden wir in dieses Labyrinth gebracht? Der Offizier erteilte keine Auskünfte.

»Ich habe Sie im Sektor >14-3/QW< abzuliefern!« hatte er stoisch erklärt.

Was »14-3/QW« war, hatte er verschwiegen. Mir wurde daher klar, daß auch die GWA-Schatten längst nicht alles wußten. Bei unseren Sicherheitsmaßnahmen wäre das auch verwunderlich gewesen. Was wir bisher vom »Gedächtnis« gesehen hatten, war praktisch nur die Hauptschaltstation mit einigen Bildschirmen und Lautsprechern. Das war natürlich nicht alles. Ich konnte mir gut vorstellen, wie die einzelnen Schaltelemente aussahen und wie viel Platz sie beanspruchten.

Vor einer Starkstromsperre wurde uns endgültig Halt geboten. Die kleine Halle war kahl. Sie wurde nur von einigen Deckenlampen erhellt. Das war nicht der Raum, in dem wir normalerweise unsere Einsatzbefehle erhielten.

Rechts und links führten Türen ins Ungewisse. Außer uns war kein Mensch zu sehen. Das änderte sich aber sehr schnell!

Unser Begleitoffizier trat hochaufgerichtet vor eine der Türen. Laut und hallend erklärte er, die GWA-Agenten HC-9 und MA-23 wären in Begleitung des avisierten Hundes mit einiger Verspätung eingetroffen.

Er sprach praktisch gegen die leere Betonmauer. Dennoch wußte ich, daß irgendwo mitgehört wurde. Eine grüne Lampe blinkte auf. Die Tür öffnete sich. Hannibal stellte stirnrunzelnd fest, daß sie aus etwa zehn Zentimeter starkem Stahl bestand. Dahinter lag ein Schleusenraum.

»Gedulden Sie sich einige Augenblicke«, sagte der Leutnant. »Die durch Ihre Körperwärme verursachten Temperaturschwankungen müssen ausgeglichen werden. Es geht um die Bruchteile eines Grades. Ihre Körperfeuchtigkeit stört ebenfalls. Ich darf mich verabschieden.«

Hannibal rief ihm einen »sehr freundlichen« Gruß nach. Der Zwerg reagierte eben gern aggressiv, wenn man ihn aufregte.

»Ruhe!« wies ich ihn zurecht. »Eine hochwertige Positronik ist bekanntlich äußerst empfindlich. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit müssen genauestens eingehalten werden.«

»Wenn einer den Schnupfen hat, fliegt das Ding wohl in die Luft, eh?« empörte er sich. »Was ist, wenn ich hier niesen muß? Was passiert dann?«

Um ihn nicht noch mehr zu reizen, hüllte ich mich in Schweigen.

Ich fühlte mich von tausend Augen beobachtet. Hinter der nächsten Stahltür summten Maschinen. Offenbar wurden wir vom Gehirn einkalkuliert.

Es dauerte drei Minuten, bis endlich die Lautsprecherstimme aufklang. Zu meiner Erleichterung sprach ein Mensch. Die mechanische Stimme des Robots brachte mich immer wieder zum Frösteln. »Treten Sie näher. Halten Sie den Hund fest. Er darf unter keinen Umständen frei herumlaufen.« Das war der Alte. Das markante Organ war unverkennbar. Das Innenschott des Schleusenraumes schob sich in die Wand. Vor uns tauchte eine technifizierte Wildnis auf.

Ich umfaßte Kolibris Halsband fester. Als er die blinkenden Schalttische, Instrumente und bläulich leuchtenden Diagrammschirme bemerkte, sträubten sich seine Nackenhaare. Er knurrte drohend. Ich ahnte, was in dem Hund vorging. Offenbar besaß er einen hervorragenden Instinkt für unbekannte Gefahren.

Wir betraten einen kleinen, kreisförmigen Raum mit abgeschrägten Seitenflächen. Das zarte Summen umfing uns. Als sich die Tore hinter uns schlössen, wußte ich, daß wir uns inmitten der Robot- Eingeweide befanden. Dies war eine Station, die normalerweise nur von hochqualifizierten Technikern und Wissenschaftlern betreten wurde.

Das halbe Rund des Saales wurde von einer hervortretenden Metallkuppel eingenommen. Mit einiger Phantasie hätte man sich darunter einen monströsen Insektenkopf mit tausend verschiedenartigen Augen vorstellen können.

»Warten Sie. Wir kommen durch die hintere Thermoschleuse«, klang wieder die Stimme des unsichtbaren Sprechers auf.

Hannibal fuhr sich mit der Hand über den Kopf. Der Kleine befand sich in instinktiver Abwehrbereitschaft.

Die Männer betraten den Raum. General Reling bildete die Spitze. Hinter ihm folgten drei Zivilisten und anschließend einige Leute in den typischen Kunststoffkombinationen unserer beamteten GWA- Wissenschaftler.

Ich kannte sie alle; Grund genug, um meinen ohnehin harten Herzschlag noch zu steigern. Besonders Professor Horam, der unumstrittene Meister der Lobotomie, wirkte auf mich wie ein Keulenschlag. Ich bemerkte Hannibals impulsive Abwehrbewegung. Dabei war Professor Horam ein durchaus zivilisierter Mann mit freundlichen Augen und einem angenehmen Wesen.

Nur konnten wir eben niemals jene Stunden vergessen, die Horam für den schwerwiegenden Gehirneingriff benötigt hatte. Seine genialen Hände hatten meinen und Hannibals Schädel geöffnet. An die Operation dachte ich nur noch mit stillem Grausen zurück. Wir hatten an der Schwelle zum Wahnsinn gestanden.

Professor Dr. Gregory Horam galt auf dem Gebiet der Gehirnchirurgie als Kapazität Nummer eins. Dennoch hatten wir es nur glücklichen Umständen zu verdanken, daß wir die Durchtrennung der winzigen, aber wichtigen Nervenfaser heil überstanden hatten.

Damals war der Eingriff eine dienstliche Notwendigkeit gewesen. Man hatte Männer gebraucht, die gegen hypnotische, suggestive und anderweitige Verhörmethoden völlig unempfindlich waren. Durch den Eingriff hatten Hannibal und ich diese Immunität erworben. Selbst stärkste Drogen, die unter totaler Ausschaltung des Willenszentrums einen psychisch gesunden Mann zum plappernden Kind machten, hatten in unseren Fällen versagt.

Der Neurochirurg nickte mir zu. Sein Lächeln war wieder so still und versöhnlich wie damals, kurz nach der Operation. Natürlich war es unsinnig, den Wissenschaftler als Gefahrenherd anzusehen. Schließlich hatten wir uns freiwillig zu dem Eingriff gemeldet. Nur - Gefühle lassen sich schlecht vom logischen Denken verdrängen.

Die Männer nahmen nach einem Gruß ihre Plätze ein. Gegenüber der metallischen Wandausbuchtung gab es einige drehbare Sessel. Der Raum erinnerte in etwa an den großen Vorführsaal des Gehirns, nur schien es hier noch wesentlich bessere Einrichtungen zu geben. »Setzen Sie sich«, sagte...



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