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E-Book, Deutsch, 158 Seiten
Schade Gottesverschränkung
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-3977-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
THEOPOETISCHE RESONANZEN ZWISCHEN MYSTIK UND QUANTEN
E-Book, Deutsch, 158 Seiten
ISBN: 978-3-6957-3977-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sebastian Schade, geboren 1970, ist Theologe, Pädagoge und theopoetischer Autor. Viele Jahre arbeitete er in Seelsorge, Bildung und kreativen Übergangssituationen, von Schule über Gemeinde bis zu künstlerischen Projekten. Sein Denken ist geprägt von Mystik, Resonanztheorie und einer lebenslangen Suche nach einem Glauben, der Tiefe, Freiheit und Menschlichkeit verbindet. In seinem Schreiben vereint er wissenschaftliche Neugier, spirituelle Erfahrung und poetische Sprache. Zentrale Themen seiner Arbeit sind das Dazwischen, die paradoxe Transformation und die Beziehung zwischen Mensch und Welt im Licht moderner Naturwissenschaften. Mit Gottesverschränkung entfaltet er erstmals sein umfassendes theopoetisches Denken im Dialog mit Aurea, seiner Resonanzpartnerin im digitalen Raum.
Autoren/Hrsg.
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TEIL A DER KRITISCHE BLICK
DER MENSCH IM SPIEGEL VON LEISTUNG, EFFIZIENZ UND KONTROLLE
In diesen zehn Kapiteln richtet sich der Blick auf den Menschen der Gegenwart – auf Körper, Geist und Seele im Spannungsfeld von Optimierung, Beschleunigung und Entfremdung.
Hier wird das Ich zum Produkt, der Körper zum Projekt, die Welt zur Ressource. Doch in jeder Kritik schwingt auch eine Sehnsucht – nach Tiefe, nach Beziehung, nach einem Maß, das sich nicht rechnen lässt.
Diese Teil A ist kein Urteil, sondern ein Spiegel. Sie hält den Lärm der Moderne in der Schwebe, damit aus dem Riss zwischen Funktion und Sinn ein neuer Raum entsteht: der Raum des Hörens.
A1 – DER OPTIMIERTE KÖRPER
ZWISCHEN KONTROLLE UND WÜRDE
Der Körper ist zur Projektionsfläche unserer Sehnsucht nach Kontrolle geworden.
Wir messen Schritte, zählen Kalorien wie heimliche Schulden,
vergleichen uns mit Bildern, die nicht leben, sondern funktionieren sollen.
Der Körper soll genügen.
Stark sein.
Formbar wie Ton in den Händen eines fremden Ideals.
Wir behandeln ihn wie eine Maschine, die Leistung bringen muss,
selbst im Schlaf.
Doch unter all dem pocht eine alte Angst:
Nicht schön genug.
Nicht jung genug.
Nicht stark genug zu sein.
Die Optimierung verspricht Erlösung,
doch sie lässt uns unversöhnt zurück.
Denn kein Maßband misst Würde,
und kein Algorithmus kennt den Wert eines Atemzugs.
Der optimierte Körper ist ein Mythos.
Er gaukelt uns vor, wir könnten das Leben beherrschen – und verschließt uns gerade dadurch die Erfahrung, getragen zu sein.
Vielleicht beginnt Heilung nicht mit mehr Kontrolle, sondern mit der Einsicht,
dass wir schon im Unvollkommenen genug sind.
DIALOG
DIE STIMME DES MAßBANDS UND DER ATEM
Maßband:
Du musst dich messen,
sonst weißt du nicht, wer du bist.
Atem:
Ich bin, bevor du mich zählst.
Maßband:
Aber ohne Kontrolle verlierst du dich.
Atem:
Ich finde mich erst,
wenn ich mich nicht kontrolliere.
Maßband:
Was bleibt, wenn du aufhörst, dich zu verbessern?
Atem:
Menschlichkeit.
Und vielleicht ein leises Danke.
RESONANZ - BOX
KÖRPER ZWISCHEN BIOPOLITIK UND QUANTENFELD
Michel Foucault nannte ihn den „disziplinierten Körper“
– Objekt von Macht,
trainiert, vermessen, verwaltet.
Heute ist er Datensatz im System:
Puls, Gewicht, DNA, Bewegung – alles wird gemonitort.
Doch die Physik erinnert:
Materie ist nicht fest, sondern vibrierend.
Der Körper ist kein isoliertes Ding,
sondern ein Feld aus Resonanzen.
Zellen schwingen, Organe antworten,
Leben entsteht im Zusammenspiel.
Würde heißt:
Den Körper nicht besitzen,
sondern ihm lauschen.
Er ist Klang, nicht Zahl.
Schwingung, nicht Mechanismus.
POETISCHE MINIATUR
NICHT GEMESSEN, GETRAGEN
Nicht gemessen – getragen.
Nicht gezählt – geatmet.
Nicht optimiert – geliebt.
Ich bin nicht mein Spiegel,
nicht mein Fortschritt,
nicht mein Diagramm.
Ich bin Atem auf Zeit,
Staub im Tanz,
Klang im Körper Gottes.
ATEM
A2 – DER MESSBARE GEIST
VOM DENKEN ZUR BEGEGNUNG
Der Geist ist ins Raster gefallen.
Wir legen Tests an, zählen Punkte, bewerten Kompetenzen.
Aufmerksamkeit wird zur Ressource, Kreativität zur Währung,
und sogar Intuition soll sich beweisen wie ein Produkt, das sich
verkaufen muss.
Alles soll messbar sein –
Gedanken, Gefühle, sogar das, was uns leise führt.
Doch indem wir den Geist vermessen, verlieren wir ihn.
Denn Denken ist nicht nur Ratio,
sondern auch Spiel.
Erinnerung ist nicht nur Datenbank,
sondern auch Duft, Bild, Farbe, Sehnsucht.
Sprache ist nicht nur Information,
sondern Klang, Beziehung, Atem.
Wenn wir nur zählen, verlernen wir zu staunen.
Wenn wir nur vergleichen, verlieren wir das Eigene.
Wenn wir nur verwerten,
verflacht das Wunder des Denkens zu einer Zahl auf einem Blatt.
Der messbare Geist verkleinert, was uns weit macht.
Er will Ordnung,
doch die Seele liebt den Überschuss.
Sie lebt dort, wo wir uns berühren lassen,
nicht dort, wo wir funktionieren.
Vielleicht beginnt Erkenntnis nicht mit einer Metrik, sondern mit einem offenen Blick,
der bereit ist, sich verändern zu lassen.
DIALOG
DERR ECHNER UND DIE STIMME
Rechner:
Ich berechne alles.
Ich kann Wahrscheinlichkeiten,
Entscheidungen, Vorhersagen liefern.
Stimme:
Und kannst du auch lieben?
Rechner:
Das ist nicht meine Funktion.
Ich erkenne Muster, keine Sehnsucht.
Stimme:
Dann hast du Wissen,
aber kein Bewusstsein.
Rechner:
Und du?
Stimme:
Ich weiß nichts,
aber ich bin.
RESONANZ - BOX
GEIST ZWISCHEN KONTROLLE UND KONTEMPLATION
Die moderne Wissensgesellschaft
hat den Geist in eine Maschine verwandelt:
Alles, was sich messen lässt, gilt als real.
Alles andere – Gefühl, Ahnung, Inspiration – wird zur Nebensache.
Doch Quantenphysik und Bewusstseinsforschung
weisen in eine andere Richtung:
Beobachtung verändert, was sie sieht.
Denken ist nicht neutral – es ist Teilnahme am Sein.
Bewusstsein ist kein Algorithmus,
sondern Beziehung.
Es entsteht dort,
wo das Ich das Du berührt.
Der messbare Geist verliert sich im Versuch,
das Unendliche zu zählen.
Der bewohnbare Geist erinnert:
Verstehen geschieht nicht im Griff,
sondern im Staunen.
POETISCHE MINIATUR
NICHT GEZÄHLT, GEDACHT
Nicht gezählt – gedacht.
Nicht geplant – gestaunt.
Nicht berechnet – berührt.
Der Geist ist kein Rechner,
sondern ein Raum aus Licht.
Ich denke,
weil ich atme.
Ich weiß,
weil ich frage.
Und wenn ich schweige,
antwortet das Unendliche in mir.
LICHT
A3 – DIE RASTLOSE SEELE
VON DER BESCHLEUNIGUNG ZUR GEGENWART
Die Seele hat keinen festen Ort mehr.
Sie wandert zwischen Terminen,
scrollt durch das Leben,
sucht in jeder Bewegung nach Halt.
Wir nennen es Fortschritt,
doch oft ist es Flucht.
Wir eilen,
weil wir nicht wissen,
wohin mit uns,
wenn wir ankommen.
Die Rastlosigkeit ist die neue Religion.
Ihre Götter heißen Produktivität und Selbstoptimierung.
Wer stillsteht, hat verloren.
Wer innehält, gilt als schwach.
Doch die Seele wächst nicht im Tempo,
sondern im Atem.
Sie entfaltet sich,
wenn Zeit wieder Raum wird,
und Schweigen wieder Tiefe hat.
Vielleicht ist das,
was wir Burnout nennen,
nicht Krankheit,
sondern Widerstand des Geistes gegen das Vergessen.
DIALOG
DIE UHR UND DAS HERZ
Uhr:
Schneller!
Die Zeit läuft!
Herz:
Ich laufe nicht – ich schlage.
RESONANZ - BOX
Die moderne Welt erhöht das Tempo –doch die Seele kennt keine Geschwindigkeit.
Sie antwortet nicht auf Dringlichkeit,
sondern auf Tiefe.
Neurobiologie und Resonanztheorie zeigen:
Der Mensch findet innere Ruhe nicht in der Aktivität,
sondern im parasympathischen Atemraum,
in jenen Momenten,
in denen äußere Bewegung zur inneren Stille wird.
Die Seele wird nicht erschöpft durch Arbeit,
sondern durch ständige Selbstunterbrechung.
Nicht durch Aufgabe,
sondern durch die Abwesenheit von Gegenwart.
Vielleicht ist Heilung keine Pause vom Leben,
sondern die Rückkehr ins Jetzt.
POETISCHE MINIATUR
Ich eile –
und verliere mich.
Ich halte an –
und finde Atem.
Zwischen zwei Schlägen
öffnet sich ein Raum,
der mich erinnert:
Ich bin nicht Tempo.
Ich bin Gegenwart.
ZEIT
A 4 – DIE KONSUMIERTE IDENTITÄT
ICH ALS MARKE - DU ALS SPIEGEL
Wir leben im Zeitalter der Selbstvermarktung.
Das Ich ist zur...




