E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten, ePub
Reihe: Marcus Gladiator
Scarrow Marcus Gladiator - Straßenkämpfer (Band 2) (Marcus Gladiator 2)
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-7607-9043-5
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marcus Gladiator Bd. 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten, ePub
Reihe: Marcus Gladiator
ISBN: 978-3-7607-9043-5
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Action und Abenteuer im antiken Rom. Für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren
Ein spannendes Kinderbuch von Bestsellerautor Simon Scarrow entführt junge Leserinnen und Leser in die Römerzeit.
Spannend, actiongeladen und lehrreich: „Marcus Gladiator“ ist die perfekte Buchreihe für alle, die sich für die römische Antike und mitreißende Geschichten begeistern.
Zum Buch:
Rom, 61 v. Chr. Nach Monaten der harten Ausbildung zum Kämpfer ist Marcus endlich den Mauern der Gladiatorenschule entkommen – wenn auch nicht als freier Bürger. Nun dient er als Leibwächter und Sklave im Haushalt Caesars. Und es wartet viel Ärger auf ihn: Zwischen den Senatoren gibt es Streit – ein Streit, der bald auch die Straßen Roms erzittern lässt. Denn Straßenbanden bekriegen sich im Auftrag ihrer hohen Herren bis aufs Blut. Als Marcus zwischen die Fronten gerät und seinem Erzfeind Ferax gegenübersteht, beginnt ein unerbittlicher Kampf auf Leben und Tod. Hat Ferax etwa vergessen, dass Marcus einst sein Leben in der Arena verschonte …
- Atemlose Spannung: Mitreißende Lektüre für junge Abenteurer ab 10 Jahren
- So macht Geschichte Spaß: Historisches Wissen über die Römerzeit, fundiert recherchiert und aufregend wie ein Krimi erzählt
- Dramatische Abenteuer: Der Kampf des jüngsten Gladiators aller Zeiten
- Pures Lesevergnügen: Kurze Kapitel, überraschende Wendungen
- Extra-Motivation: Zu diesem Buch gibt es ein Quiz bei Antolin
Alle Bände der Reihe:
Band 1: Marcus Gladiator – Kampf für die Freiheit
Band 2: Marcus Gladiator – Straßenkämpfer
Band 3: Marcus Gladiator – Aufstand in Rom
Band 4: Marcus Gladiator – Zeit der Rache
Weitere Infos & Material
II
Sobald Caesar ihn entlassen hatte, machte sich Marcus auf den Weg zu den Wohnquartieren der Sklaven am hinteren Ende des Hauses. Bei seiner Ankunft hatte man Marcus zu Caesars Verwalter gebracht, der ihm die Regeln erklärte, die nun sein Leben bestimmen würden, und ihn dann zu der kleinen Zelle führte, die er mit zwei anderen jungen Sklaven zu teilen hatte. Der jüngere von beiden war etwa so alt wie Marcus und hieß Corvus. Er war groß und mager, hatte eine Hakennase und schaute stets finster und resigniert. Der andere Junge, Lupus, war beinahe sechzehn Jahre alt und besaß eine natürliche Begabung für Buchstaben und Zahlen. Er verrichtete gelegentlich Aushilfsarbeiten in der Küche und diente Caesar zusätzlich als Schreiber. In dieser Funktion war er dafür verantwortlich, Notizen für seinen Herrn zu machen, erklärte Lupus stolz. An den meisten Tagen begleitete er Caesar bei offiziellen Geschäften. Lupus war klein und zierlich, hatte säuberlich geschnittenes, dunkles Haar, war sehr viel fröhlicher als sein jüngerer Gefährte Corvus und hatte den Neuankömmling in dem gemeinsamen bescheidenen Wohnquartier herzlich willkommen geheißen. Die Zelle, die sie sich teilten, war kaum mehr als zehn Fuß lang und vier Fuß breit. Durch einen schmalen Fensterschlitz weit oben in der Wand drang von der Straße ein schwacher Lichtstrahl herein. Corvus und Lupus schliefen an dem am weitesten von der Tür entfernten Ende der Zelle, Seite an Seite auf zerlumpten Schlafsäcken. Man händigte Marcus einen ähnlich zerschlissenen Schlafsack aus und erklärte ihm, er hätte bei dem schmalen Eingang der Zelle zu schlafen.
Seither hatte man ihm unzählige kleine Arbeiten im Haushalt übertragen, bis ihn eines Morgens Festus zu sich gerufen hatte, der sich von seinen Fertigkeiten als Kämpfer überzeugen wollte. Nun, da er sich wieder auf den Weg ins Innere des Hauses und zu seinem jämmerlichen Wohnquartier gemacht hatte, verebbten die Geräusche der Subura – des Bezirks, in dem Caesars Haus lag – zu einem dumpfen Brummen im Hintergrund. Einer der älteren Sklaven hatte Marcus erklärt, dass die Subura einst ein sehr angesehenes Wohngebiet gewesen war, als Caesars Ahnen hier ihr Haus errichteten, dass es aber seither mit diesem Viertel bergab gegangen war. Nun ragten rings um die vornehmen Häuser viele baufällige Mietshäuser mit mehreren Stockwerken auf, in denen verarmte Bauernfamilien lebten, die gezwungen waren, sich in der Stadt Arbeit zu suchen. Ihnen waren Einwanderer aus allen Winkeln des Mittelmeerraums gefolgt: Griechen, Numider, Gallier und Juden. Nun lebten sie alle dicht gedrängt in der Subura, und die engen Straßen hallten vor Stimmen wider, die in vielen verschiedenen Sprachen riefen. Die unverwechselbaren Aromen der unterschiedlichen Küchen vermischten sich miteinander und waren so übermächtig, dass sie sogar den über allem liegenden Gestank der verwesenden Lebensmittel und der Abwässer überdeckten.
Obwohl sich Marcus nun schon beinahe zehn Tage in der Stadt aufhielt, hatte er sich noch nicht ganz an die stinkenden Straßen gewöhnt. Die farbenfrohe Mischung der verschiedenen Gewänder, der Krach und die Geschäftigkeit der Gegend faszinierten ihn. Er war auf einem abgelegenen Bauernhof auf einer kleinen griechischen Insel aufgewachsen und hatte nur die begrenzten Freuden der nahe gelegenen Marktstadt kennengelernt, wo sich dreimal im Monat mürrische Bauern zusammenfanden und miteinander Handel trieben. Die Erinnerung machte ihm das Herz schwer, als er daran dachte, wie er neben dem Mann, von dem er einmal angenommen hatte, er sei sein Vater, zum Markt gegangen war. Titus war hart und oft unnahbar und kalt gewesen – ein ehemaliger Soldat, der Marcus meist mit äußerster Strenge behandelte. Aber ab und zu schmolz diese ernste Fassade und Titus trug mit Marcus auf dem kleinen Hof des Bauernhauses verspielte Ringkämpfe aus oder erzählte ihm Geschichten von seinen Abenteuern als Soldat.
Marcus seufzte traurig, als er sich an seine frühe Kindheit erinnerte, war hin- und hergerissen zwischen lieb gewordenen Erinnerungen und dem Wissen, dass man ihn damals angelogen hatte. Titus war nicht sein Vater. Das hatte man ihm vor weniger als einem Monat enthüllt, als er die Gladiatorenschule verlassen hatte und auf dem Weg nach Rom war, um sich dort bei seinem neuen Herrn einzufinden.
Brixus, ein ehemaliger Gefolgsmann von Spartakus, war ihm damals gefolgt und hatte ihm die Wahrheit anvertraut. Marcus fasste sich mit der Hand über die Schulter und fuhr mit den Fingern unter den Halsausschnitt seiner Tunika, um den Umriss des Zeichens abzutasten, mit dem man ihn gebrandmarkt hatte, als er noch ein Kleinkind war. Es war der auf ein Schwert gespießte Kopf eines Wolfes, das Geheimzeichen, das auch Spartakus und seine engsten Gefolgsleute getragen hatten, einschließlich der Frau, die er geliebt hatte, und einschließlich ihres gemeinsamen Kindes Marcus. Brixus hatte ihm erklärt, es wäre sein Schicksal, die Aufgabe seines wahren Vaters zu übernehmen und den nächsten Sklavenaufstand anzuführen – den Aufstand, der endlich Rom besiegen und alle Sklaven befreien würde, die noch unter dem Joch ihrer grausamen römischen Herren lebten.
Marcus verzog wütend das Gesicht. Seine Welt war aus den Angeln gehoben worden. Alles, was er zu wissen glaubte, erwies sich als falsch, und in ihm tobte ein Sturm der Gefühle. Er liebte Titus, den zähen, stolzen Veteranen der römischen Legionen, immer noch. Und doch floss in Marcus’ Adern kein Tropfen römisches Blut. Sein wahres Erbe, das waren die unzähligen Millionen unterdrückter Sklaven, die aneinandergekettet in den Bergwerken ihr elendes Dasein fristeten oder starben, auf den Landgütern reicher Römer oder als Arbeitstiere in den feinen römischen Villen schufteten oder als Quelle blutiger Unterhaltung in den Gladiatorenspielen um ihr Leben kämpften. Dies war Marcus’ wahre Identität, das war er immer gewesen – ein Sklave, sonst nichts.
Dieses Wissen brannte ihm schmerzlich im Herzen. Er verspürte Bitterkeit wegen des Betrugs und konnte nicht glauben, dass seine Mutter ihm sein Leben lang die Wahrheit vorenthalten hatte. Auf seinen Zorn folgten sogleich unendliche Schuldgefühle. Seine Mutter war alles, was er auf der Welt liebte, und sein einziges Lebensziel war, sie zu finden und zu befreien.
Marcus hatte den Plan gefasst, General Pompeius, Titus’ ehemaligen Befehlshaber, zu finden und ihn um Hilfe für die Rettung seiner Mutter zu bitten. Diesen Gefallen würde ein römischer General einem seiner ehemaligen Offiziere vielleicht gewähren, aber gleichzeitig würde es für Marcus und seine Mutter Livia das Todesurteil bedeuten, wenn je herauskäme, dass Marcus tatsächlich der Sohn des meistgehassten und gefährlichsten Sklaven im ganzen Römischen Reich war. Genauso würde es ihnen ergehen, wenn sein neuer Herr, Caesar, je den Namen seines wahren Vaters herausfinden sollte. Spartakus war der Feind aller Römer.
Marcus seufzte wieder, diesmal über die scheinbar ausweglose Situation, die ihn zutiefst niedergeschlagen machte. Er musste herausfinden, wie er Livia helfen konnte, ohne seine wahre Identität preiszugeben. Und zwar schnell …
»Verfluchter Brixus!«, murmelte er wütend, als er in das innere Atrium des Hauses trat, wo ein kleiner, flacher Teich von einem Säulengang gesäumt war. Marcus starrte auf die Steinplatten hinunter und war tief in Gedanken versunken, während er um den Teich schritt.
»Brixus? Wer ist dieser Brixus, der meinen Retter und persönlichen Leibwächter so sehr aufbringt?«
Marcus blieb stehen und schaute sich erschrocken um – er hätte Brixus’ Namen nicht laut aussprechen dürfen –, als hinter einer der Säulen eine schlanke Gestalt hervortrat. Es war Caesars Nichte Portia. Das Mädchen war nur wenige Jahre älter als Marcus, trug das hellbraune Haar in einem einfachen Pferdeschwanz zusammengefasst und schaute aus den gleichen durchdringenden braunen Augen wie sein Onkel. Man hatte Marcus erzählt, dass Portias Mutter bei der Geburt gestorben war und ihr Vater derzeit bei den Legionen in Spanien diente, sodass sie zu ihrem Onkel nach Rom gezogen war.
Marcus verneigte sich. »Guten Tag, Herrin Portia.«
Ein leichtes Runzeln trat auf ihre hohe Stirn. »Herrin? Musst du so förmlich mit mir sprechen?« Sie deutete mit einer ausladenden Handbewegung auf das Atrium. »Wir sind allein. Du kannst frei mit mir reden. Es hört uns niemand.«
Marcus schaute sich nach den Eingängen des Atriums um und sah, dass sie die Wahrheit sprach. Trotzdem senkte er die Stimme, als er ihr antwortete.
»Ich könnte ausgepeitscht werden, wenn ich Euch respektlos anspreche.«
»Aber ich halte es nicht für respektlos«, erwiderte Portia in sanftem Ton. »Ich möchte mit dir wie mit einem Freund sprechen, Marcus. Nicht wie mit einem Sklaven meines Onkels.«
Er starrte sie schweigend an. Seit seiner Ankunft hatte er nur bei einigen wenigen Gelegenheiten mit Portia gesprochen, und immer waren andere Mitglieder des Haushalts dabei gewesen. Portia hatte ihn damals in der Gladiatorenschule besucht, als er sich von den Verletzungen erholte, die er sich bei ihrer Rettung vor den Wölfen in der Arena der Gladiatorenschule zugezogen hatte. Sie war voller Dankbarkeit gewesen und er hatte mit einem herzlichen Willkommen in Rom gerechnet. Aber seit er hier angekommen war, schien Portia ihn mit derselben Gleichgültigkeit zu behandeln wie all die anderen Sklaven im Haushalt. Ihr verändertes Verhalten, das so verächtlich wie ihre Dankbarkeit groß gewesen war, hatte ihn zunächst verwirrt und verletzt.
Dann hatte man ihm nicht lange nach seiner Ankunft befohlen, den Boden in...




