Scarrow | Die Jagd des Adlers | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 592 Seiten

Reihe: Rom-Serie

Scarrow Die Jagd des Adlers

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11345-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 7, 592 Seiten

Reihe: Rom-Serie

ISBN: 978-3-641-11345-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zu den Waffen, Söhne Roms!

Syrien, die östliche Grenze des Römischen Reichs, wird von Unruhen erschüttert. Doch die römischen Truppen sind untergraben von Korruption und Disziplinlosigkeit. Die Centurionen Macro und Cato sollen die Schlagkraft der Kohorten wiederherstellen. Unterdessen sät der Stammesführer Bannus den Hass gegen Rom. Die Revolten nehmen immer bedrohlichere Ausmaße an. Gelingt es Macro und Cato nicht, die römischen Truppen gegen den Feind zu stärken, wird Rom seine östlichen Provinzen verlieren – und sie ihr Leben ...

Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.
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KAPITEL 2

Herzen und Köpfe?« Centurio Florianus lachte, als er den Neuankömmlingen Wasser einschenkte, das mit einem Hauch Zitronensaft versetzt war, und die Becher über den Marmortisch in seinem Büro schob. Sein Quartier befand sich in einem der Türme, die zu der massiven Festung namens Antonia gehörten, welche von Herodes dem Großen errichtet und nach dessen Förderer Marcus Antonius benannt worden war. Im Augenblick lagen hier die römischen Truppen in Garnison, die in Jerusalem für Sicherheit und Ordnung sorgen sollten. Von dem kleinen Balkon aus, der sich an das Büro anschloss, hatte man eine gute Aussicht über den Tempel und die Altstadt dahinter. Kurz zuvor hatten die entsetzten Schreie der Menge Florianus aufgeschreckt, und er war Zeuge des verzweifelten Scharmützels geworden, das sich Macro und Cato mit den Sikariern geliefert hatten.

»Herzen und Köpfe«, wiederholte er jetzt. »Hat der Prokurator das wirklich gesagt?«

»Allerdings.« Macro nickte. »Und sogar noch mehr. Er hat eine richtige Rede darüber gehalten, wie wichtig es ist, für ein gutes Verhältnis zu den Judäern zu sorgen.«

»Ein gutes Verhältnis?« Florianus schüttelte den Kopf. »Das ist lächerlich. Man kann kein gutes Verhältnis zu Menschen haben, die einen zutiefst hassen. Sie würden jedem von uns ein Messer in den Leib rammen, sollten wir so verrückt sein, ihnen den Rücken zuzuwenden. Diese verdammte Provinz ist eine einzige Katastrophe, und das war sie schon immer. Sogar als wir Herodes und seinen Nachfolgern die Führung überlassen hatten.«

»Wirklich?« Cato legte den Kopf auf die Seite. »In Rom hört man da etwas anderes. Nach allem, was ich weiß, spricht man davon, dass sich die Situation in der Provinz nach und nach verbessert. Zumindest war das die offizielle Linie.«

»Aber sicher. Genau das wird den Leuten erzählt.« Florianus lachte bitter. »Die Wahrheit ist, dass wir außer den großen Städten und Siedlungen keinen Teil des Landes kontrollieren. Auf allen Verbindungsstraßen treiben Räuber und Briganten ihr Unwesen. Und selbst in den größeren Ansiedlungen gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen politischen und religiösen Gruppen, die um möglichst viel Einfluss bei ihren Leuten kämpfen. Und noch etwas anderes ist auch nicht besonders hilfreich: Es gibt so viele Dialekte, dass Griechisch die einzige gemeinsame Sprache ist; aber nur wenige hier beherrschen sie. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass es zu irgendwelchen Problemen zwischen Idumäern, Samaritern oder wem auch immer kommt. Die Dinge geraten außer Kontrolle. Die Männer, gegen die ihr im Außenhof des Tempels gekämpft habt, gehören zu einer der vielen Banden, die sich von den verschiedenen politischen Gruppen anheuern lassen. Diese Gruppen benutzen die Sikarier, um Konkurrenten zu beseitigen oder eine politische Aussage zu machen – wie bei der Demonstration heute Morgen.«

»Das war eine Demonstration?« Macro schüttelte verwirrt den Kopf. »Es ging nur darum, eine politische Aussage zu machen? Wenn das so ist, dann möchte ich wirklich nicht dabei sein, wenn diese Bastarde einen richtigen Aufstand anzetteln.«

Florianus lächelte knapp, bevor er fortfuhr: »Natürlich sieht ein Prokurator in Caesarea nur selten diese Seite unserer Sache hier. Ein Prokurator sitzt bequem auf seinem Arsch und schickt den Offizieren, die im Feld stehen – wie mir zum Beispiel –, seine Anweisungen, um sicherzustellen, dass die Steuern bezahlt werden. Und wenn ich ihm darüber berichte, wie beschissen die Lage ist, schreibt er nach Rom, dass große Fortschritte dabei gemacht wurden, die Verhältnisse in der sonnigen kleinen Provinz Judäa zu verbessern.« Er schüttelte den Kopf. »Vermutlich kann ich ihm das nicht einmal vorwerfen. Sollte er die Wahrheit schreiben, würde es so aussehen, als glitte ihm die Provinz aus den Händen. Der Kaiser würde ihn sofort ersetzen. Also könnt ihr vergessen, was man euch in Rom erzählt hat. Ehrlich gesagt, ich bezweifle, dass wir diese Judäer jemals zähmen können. Jeder Versuch, sie zu romanisieren, perlt schneller von ihnen ab als Wasser von einer Ente.

Cato zog einen Schmollmund. »Aber der neue Prokurator Tiberius Julius Alexander ist Judäer, und gleichzeitig wirkt er römischer als die meisten Römer, denen ich je begegnet bin.«

»Natürlich wirkt er so.« Florianus lächelte. »Er stammt aus einer reichen Familie. So reich, dass er von griechischen Lehrern in teuren römischen Schulen erzogen wurde. Danach hat jemand großzügig dafür gesorgt, dass er in Alexandria eine glänzende Handelskarriere machen konnte. Und am Ende – welch Überraschung! – ist er selbst ein reicher Mann. Reich genug, um ein Freund des Kaisers und seiner Freigelassenen zu werden.« Florianus schnaubte. »Wisst ihr, ich habe mehr Zeit in diesem Land verbracht als er. Daran könnt ihr ermessen, wie tief seine Verbindung zu seiner alten Heimat ist. Gut möglich, dass er Prokurator Claudius und seinem kaiserlichen Sekretär Narcissus Sand in die Augen gestreut hat, aber die Leute hier vor Ort riechen es, wenn etwas faul ist. Das war schon immer das Problem. Schon von Anfang an, als wir Herodes den Großen zu ihrem König gemacht haben. Es ist keineswegs verwunderlich, dass unserem diplomatischen Vorgehen immer wieder ein und dasselbe Muster zugrunde liegt. Nur weil es uns in anderen Ländern gelungen ist, einen König und eine herrschende Klasse einzusetzen, haben wir angenommen, dass dasselbe auch hier funktioniert. Nun, es funktioniert nicht.«

»Warum nicht?«, unterbrach ihn Macro. »Was ist so Besonderes an Judäa?«

»Frag sie selbst!« Florianus deutete mit der Hand in Richtung Balkon. »Ich bin nun schon seit acht Jahren hier stationiert, und es gibt kaum einen Menschen unter ihnen, den ich einen Freund nennen würde.« Er hielt inne, um einen großen Schluck Wasser zu nehmen, und setzte seinen Becher dann mit einem scharfen Knall ab. »Die Vorstellung, ihre Herzen und Köpfe zu gewinnen, könnt ihr vergessen. Es wird nicht geschehen. Sie hassen die Kittim, wie sie uns nennen. Das Beste, was wir tun können, ist, sie bei den Eiern zu packen und so lange nicht mehr loszulassen, bis sie alle Steuern ausgehustet haben, zu denen sie verpflichtet sind.«

»Welch anschauliches Bild.« Macro zuckte mit den Schultern. »Es erinnert mich an diesen Bastard Gaius Caligula. Was hat er immer gesagt, Cato?«

»Sollen sie nur hassen, solange sie mich fürchten …«

»Genau!« Macro schlug sich mit der Hand auf den Schenkel. »Ein verdammt guter Rat, auch wenn Caligula vollkommen wahnsinnig war. Es hört sich so an, als sei das die beste Art, diesen Leuten gegenüberzutreten, wenn sie wirklich so schwierig sind, wie du sagst.«

»Glaubt mir«, erwiderte Florianus mit ernster Miene. »Sie sind genauso schwierig, wie ich sage. Wenn nicht schlimmer. Meiner Meinung nach ist ihre selbstgerechte Religion dafür verantwortlich. Wenn sie der Ansicht sind, dass ihr Glaube auch nur die geringste Kränkung erfahren hat, stürmen sie auf die Straßen und zetteln Unruhen an. Vor ein paar Jahren schob einer unserer Männer während des Passah-Fests seinen Arsch über die Brüstung und furzte in die Menge. Ihr haltet das vielleicht für einen etwas derben Soldatenscherz, doch diese Judäer fanden das ganz und gar nicht. Dutzende von Toten später mussten wir ihnen den Soldaten zur Hinrichtung überlassen. Dasselbe geschah mit einem Optio irgendwo in der Nähe von Capernaum, der in einem Dorf ihre heiligen Bücher verbrennen ließ, um ihnen eine Lektion zu erteilen. Das hätte fast zu einem Aufstand geführt. Wir hatten keine andere Wahl, als ihnen schlussendlich den Optio zu übergeben; die Menge riss ihn in Stücke. Es war die einzige Möglichkeit, die Ordnung wiederherzustellen. Ich warne euch. Die Judäer sind nicht bereit, sich auch nur in den kleinsten Einzelheiten ihrer Religion auf einen Kompromiss einzulassen. Deshalb haben unsere Kohorten keine Standarten, und es gibt keine Bilder des Kaisers. Die Judäer blicken abschätzig auf den Rest der Welt herab und sind felsenfest von der Vorstellung überzeugt, dass sie für eine höhere Bestimmung auserwählt wurden.« Florianus lachte. »Ich meine, seht euch hier doch mal um. Es ist ein staubiges Rattenloch. Wirkt es auf euch etwa wie das Land eines erwählten Volkes?«

Macro warf Cato einen kurzen Blick zu und sagte: »Eher nicht.«

Florianus schenkte sich Wasser nach, nippte an seinem Becher und musterte seine Gäste nachdenklich.

»Du fragst dich, warum wir hier sind.« Cato lächelte.

Florianus zuckte mit den Schultern. »Das ist mir tatsächlich schon durch den Kopf gegangen. Denn ich bezweifle, dass das Reich es sich leisten kann, die Dienste zweier Centurionen zu verschwenden, indem man ihnen befiehlt, eine Einheit Rekruten zu ihrer neuen Garnison zu begleiten. Wenn ihr also nichts gegen ein offenes Wort einzuwenden habt – warum seid ihr hier?«

»Nicht, um dich abzulösen«, sagte Macro und lächelte. »Tut mir leid, alter Soldat, aber das sehen unsere Befehle nicht vor.«

»Verdammt.«

Cato räusperte sich. »Anscheinend ist man im Kaiserpalast doch nicht so uninformiert über die Lage in Judäa, wie du glaubst.«

Florianus hob die Augenbrauen. »Oh?«

»Der kaiserliche Sekretär hat von seinen Agenten einige besorgniserregende Berichte aus diesem Teil des Reichs erhalten.«

»Tatsächlich?« Florianus musterte Cato mit ruhigem Blick. Sein Gesicht war völlig ausdruckslos.

»Mehr als genug, um die Erklärungen, die der Prokurator verfasst hat, in Zweifel zu ziehen. Deshalb hat...


Scarrow, Simon
Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, bevor er mit dem Schreiben begann. Mittlerweile zählt er zu den wichtigsten Autoren historischer Romane. Mit seiner großen Rom-Serie und der vierbändigen Napoleon-Saga feiert Scarrow internationale Bestsellererfolge.Besuchen Sie Simon Scarrow im Internet unter www.scarrow.co.uk



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