E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Saxx My Christmas Wish
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95762-299-0
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gefühlvoller Weihnachtsroman mit herzerwärmender Botschaft
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-95762-299-0
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ihre Liebe zu romantischen Romanen brachte Sarah Saxx vor Jahren zum Schreiben. Seither hat die 1982 geborene Tagträumerin erfolgreich eine Vielzahl an Geschichten veröffentlicht, die tief im Herzen berühren und dieses gewisse Kribbeln auslösen. Sarah schreibt, liebt und lebt in Oberösterreich und verbringt ihre freie Zeit am liebsten mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und Labrador Buddy.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1 - Lydia
»Setzt euch! Wir können gleich mit dem Essen anfangen.« Mom eilte mit der letzten Schüssel aus der Küche, an den Bildern vorbei, die sie extra für Thanksgiving aufgehängt hatte. Tim und ich hatten sie im Laufe der Jahre in der Schule gebastelt, und Mom dekorierte mit ihnen seitdem einmal im Jahr unser Zuhause. Noch heute musste ich schmunzeln, wenn ich die Handabdrücke sah, die wir zu Truthähnen umgestaltet hatten, und die gepressten bunten Blätter, die in Folien verschweißt als Mobiles von der Decke baumelten und mich an lustige Schulstunden erinnerten.
»Schon wieder gerösteten Rosenkohl?« Mein kleiner Bruder rümpfte die Nase, als sie das Gemüse vor uns abstellte.
»Heute ist Thanksgiving, Timothy. Deine Mutter ist für dieses Essen stundenlang in der Küche gestanden. Zudem verbiete ich mir Beschwerden über die Speisen, für die wir am heutigen Tag dankbar sind.« Dad schaute ihn streng an.
»Ich bin ja auch dankbar – für den Truthahn mit Preiselbeersoße und für den Kürbiskuchen. Aber Rosenkohl müsste eigentlich vom Speiseplan verbannt werden. Sorry, Mom.«
Sie hob eine Augenbraue. »Du wirst ihn trotzdem essen.« Damit war die Diskussion beendet, das wusste er so gut wie ich.
Ich goss Rotwein in drei Gläser, während Tim leise vor sich hin brummte und uns Wasser einschenkte.
Dad griff nach dem Tranchiermesser und begann damit, den Truthahn aufzuschneiden, als wir schon mal unsere Teller mit den Beilagen beluden. Keine Ahnung, wer das alles essen sollte. Ich sah mich bereits mit mehreren Reste-Portionen das Haus verlassen, was keineswegs von Nachteil war, da ich in den nächsten beiden Tagen kaum Zeit haben würde, mir was zu kochen, geschweige denn einzukaufen. Morgen und übermorgen würde ich im Spielzeugladen arbeiten müssen – und das war am Black-Friday-Wochenende jedes Jahr die Hölle.
»Lydia, möchtest du heute als Erste sagen, wofür du dankbar bist?« Mom schaute mich abwartend an, nachdem wir unsere Teller gefüllt hatten – Timothy hatte den vollsten, wenn auch nur mit einer Kugel Rosenkohl. Er wusste schon, wie er alle austricksen konnte. Ich hatte ihn bereits öfter dabei ertappt, wie er das Gemüse wieder unbemerkt in die Schüssel zurückwandern ließ, und ich war gespannt, wann es heute so weit sein würde.
Mein Blick huschte zu Dad, der normalerweise immer die ersten Dankesworte sprach. Doch er schmunzelte nur und nickte mir ermutigend zu.
»Okay, gut. Also … ich bin dankbar, dass ich heute hier sein kann, obwohl ich morgen arbeiten muss.«
Timothy schnaubte auf, als würde er sich ein Lachen verkneifen.
Idiot. Der sollte erst mal die Highschool beenden und dann schauen, wie er neben einem Studium Geld verdiente und alles unter einen Hut brachte.
»Und ich bin dankbar, dass wir alle gesund sind und es Tante Carol wieder besser geht«, fuhr ich fort. Sie wurde vor wenigen Tagen an der Bandscheibe operiert und befand sich zum Glück auf dem Weg der Besserung.
Mom nickte mir lächelnd zu und wandte sich an Timothy.
»Ich bin dankbar, dass ich es dieses Jahr ins Basketballteam geschafft habe. Und dass ich beim letzten Englischtest nicht der Schlechteste in der Klasse war.«
»Das ist nichts, wofür man dankbar sein muss. Das hast du wie immer selbst in der Hand«, brachte sich Dad mit mahnendem Blick ein, doch mein Bruder ließ sich davon nicht beeindrucken. »Oh, und ich bin froh, dass das neue Assassin’s Creed schon am Erscheinungstag angekommen ist. Alfie musste ganze zwei Wochen länger warten.«
Mom runzelte die Stirn, ging aber nicht näher darauf ein. »Ich bin dankbar, dass ihr alle hier seid. Dass wir letztes Jahr Weihnachten noch gemeinsam mit Grandma feiern konnten und dass wir alle gesund sind.«
»Das hat Lydia schon gesagt«, warf Tim ein.
Dad schüttelte den Kopf. »Deshalb darf deine Mutter doch auch dafür dankbar sein.«
»Ich dachte, man muss sich immer was Neues ausdenken …«, brummte mein Bruder frustriert. Als ob er irgendwas von dem, was ich gesagt hätte, ebenfalls hätte ansprechen wollen.
»Man soll sich nichts ausdenken, sondern sich darauf besinnen, was einem wichtig ist und war. Aber das scheinst du mit deinen sechzehn Jahren immer noch nicht verstanden zu haben«, stichelte ich.
»Kinder, nicht streiten. Nicht heute«, bat Mom streng. »John, du bist dran.«
Dad schaute uns der Reihe nach an. »Ich bin dankbar, dass ich mit euch heute dieses Fest feiern kann.«
»Wieso? Hatten Mom und du Streit? Hat sie dich rausgeschmissen und wir wissen noch nichts davon?«
»Halt die Klappe, du Idiot«, zischte ich in Tims Richtung und trat unter dem Tisch mit dem Fuß gegen sein Schienbein.
»Nein, aber wie du dich vielleicht erinnern kannst, hat meine Firma in diesem Jahr mehrere Arbeitsplätze abgebaut. Meine Stelle war ebenfalls im Gespräch und es hat einige im Einkauf getroffen. Aber ich hatte Glück und darf weiterhin für Meyer’s & Co. arbeiten.«
Tim senkte betreten den Blick. »Ah ja, da war was …«
Viele von Dads ehemaligen Kollegen aus dem Chemiekonzern hatten Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden, und einige waren heute noch auf Arbeitssuche oder mussten einen gewaltigen finanziellen Rückschritt machen.
»Ich bin dankbar, dass du mich nach fast dreißig Jahren immer noch liebst«, fuhr Dad fort und schenkte Mom ein zärtliches Lächeln, das sie erwiderte. »Und ich bin dankbar, dass Misses Coles dieses Jahr auf ihre penetrante Weihnachtsbeleuchtung vor Thanksgiving verzichtet.«
Als hätte unsere Nachbarin diese Worte gehört, gingen genau in diesem Moment im Nachbarsgarten unzählige Lichter an und hüllten das Haus in einen hellen Schein. Ein riesiger Weihnachtsmann mit seinem Schlitten stand auf dem Dach, Frosty winkte fröhlich im Garten und jeder Strauch, jeder Baum, ja gefühlt sogar jede einzelne Zaunlatte hatte ihre eigene Lichterkette bekommen und machte die Nacht zum Tag.
Dad stieß einen überraschten Laut aus und stand auf, während Timothy lautstark zu lachen anfing. Auch Mom und ich konnten uns nicht länger zurückhalten und prusteten los, als mein Vater zum Fenster ging, weil er nicht fassen konnte, dass das wirklich passiert war.
»Wie habt ihr das gemacht? Timothy, hast du Misses Coles das Kommando dafür gegeben? Wo ist dein Handy?«
»Ehrlich, Dad, ich bin ausnahmsweise unschuldig«, brachte er atemlos hervor, während er sich Lachtränen von den Wangen wischte.
»Das muss wirklich ein unglaublicher Zufall sein, Schatz. Ignoriere es einfach. Soll ich die Vorhänge zumachen?« Mom stand bereits auf und wollte den Stoff vorziehen, doch mein Vater hielt sie grummelnd davon ab. »Lass es. Ich werde es schon überleben.«
»Setzt euch, ich hab Hunger und das Essen wird kalt!« Timothys Wangen glühten, als er sich, ohne auf unsere Eltern zu warten, ein großes Stück Süßkartoffel in den Mund schob.
Mom küsste Dad auf die Wange, dann setzten sie sich wieder zu uns und wir machten uns endlich über das wirklich leckere Essen her. Moms Mühen hatten sich wirklich gelohnt.
Zweieinhalb Stunden später lümmelten wir alle gemütlich im Wohnzimmer. Mom und ich hatten es uns auf der Couch bequem gemacht, während Dad und Tim auf den Sesseln uns gegenüber saßen. Auf dem Tisch vor uns stand ausgebreitet ein nicht zu Ende gespieltes Monopoly, das Tim abgebrochen hatte, weil er davon überzeugt gewesen war, ich würde schummeln. Er war ein schlechter Verlierer, immer schon gewesen.
»Bevor ich es vergesse: Ich will wie immer am Sonntag alles weihnachtlich dekorieren. Timothy, du bleibst bitte zu Hause und hilfst deinem Dad draußen mit der Beleuchtung.«
Er grummelte, doch Mom ließ sich dadurch nicht beirren. »Und du kommst hoffentlich auch, Lydia?«
»Natürlich! Darauf freue ich mich seit Wochen!«
»Solange du nicht schon vor Wochen damit angefangen hast, ist das völlig legitim«, meinte Dad und schenkte sich von der zweiten Weinflasche etwas nach.
Timothy kicherte grunzend. »Nicht alle sind wie Misses Coles.«
»Ich verstehe nicht, wieso manche Leute es gar nicht erwarten können, alles zu dekorieren. Ich meine, es dauert schließlich noch mehrere Wochen bis Weihnachten. Es bleibt genug Zeit, um sich darauf zu freuen und alles festlich zu gestalten.«
»Ärgere dich nicht, Schatz.« Mom hielt ihm ihr Glas hin, in das er ebenfalls nachgoss. »Du auch, Lydia?«
Ich warf einen kurzen Blick auf das Display meines Smartphones. »Nein, danke. Ich muss jetzt dann los, sonst verpasse ich meinen Bus.«
»Ach, warte, ich packe dir noch Essen ein.« Mom sprang auf und ich folgte ihr in die Küche. Wie erwartet war viel zu viel übrig geblieben. Es war völlig egal, ob Tante Carol mit ihrem Mann Henry zu Besuch war oder ob meine Eltern an Thanksgiving ihre Freunde eingeladen hatten, sie kochte immer zu viel.
Ich half ihr, drei Boxen zu befüllen, die ich mit einem Deckel verschloss und anschließend in die Tragetasche packte, die sie mir dafür reichte.
»Thanksgiving ist seltsam ohne Grandma. Sie fehlt«, stellte ich leise fest. Auch ihr hatte Mom immer die Reste eingepackt, bevor sie ihre Mutter am Tag danach zurück nach Hause gefahren hatte.
Grandpa war schon vor Jahren gestorben und an die Eltern meines Dads konnte ich mich kaum erinnern. Nun jedoch gar keine Großeltern mehr zu haben schmerzte.
»Sehr. Aber … in gewisser Weise war sie heute trotzdem dabei. Mit dem Wein, auf den sie jedes Mal bestanden hatte. Mit dem Rezept der Preiselbeersoße und mit der Honigmarinade, die sonst immer sie auf den Truthahn gepinselt hat.«
Mir wurde schwer ums Herz bei den Erinnerungen an meine Großmutter. Sie war letztes...




