Buch, Deutsch, 189 Seiten, PB, Format (B × H): 118 mm x 200 mm, Gewicht: 236 g
Reihe: Edition TRI
Essays, Reflexionen und Polemiken
Buch, Deutsch, 189 Seiten, PB, Format (B × H): 118 mm x 200 mm, Gewicht: 236 g
Reihe: Edition TRI
ISBN: 978-3-85435-777-3
Verlag: Drava Verlag
Mit den 26 Essays, Reflexionen und Polemiken dieses Bandes legt Mladen Savic eine Bar-Mizwa für Ungläubige, ein Bardenlied im Krach der Ideen, ein Backup gegen den Mainstream vor.
Das Buch verweigert sich der Unart seiner Zeit, aus ihren Signalen keine Signifikanz abzuleiten und aus einem Elefanten ständig eine Mücke machen zu wollen. Was literarisch dahinter steht, ist ein Bedürfnis nach Klärung, welche Art von Menschsein man als Person im Leben und als Gesellschaft in der Geschichte vertreten möchte. Die vielen kleinen Fehler können, zusammen genommen, niemals das große Richtige ergeben.
Durch den Essayband verläuft ein roter Faden, quer zu isolierter Information und Rechthaberei. Immer wieder wird der gängige Maßstab von Urteilen neu aufgerollt, Implizites explizit gemacht, Denkgewohnheiten aufgebrochen und aus dem kognitiven Schlummer geweckt. Zudem ist das Buch, obschon Zeitzeuge, ein eigenwilliges und seiner Zeit fremdes Kompendium zu philosophischen, historischen und politischen Themen. Es liest sich wie ein aus unzähligen Mosaiksteinchen bestehendes Plädoyer für die Hebung des Verstandes, der, wie Montaigne gesagt hat, überall zu brauchen ist und in alles hineinredet.
Mücken und Elefanten ist eine Art Anthologie für Zeitreisende und Zeitlose. Und doch versteht sie sich nicht als der Weisheit letzter Schluss. Kurzum, wer keiner Frage mit dem nötigen Ernst begegnet, ist ebenso fürchterlich wie jemand, der sich selbst allzu ernst nimmt. Beim Lächerlichen darf man nämlich das Lächeln nicht vergessen. Sonst findet sich kein Weg heraus aus der kulturellen Pantomime: miteinander zu sprechen, aber sich nichts zu sagen.
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Die Frage der Notwendigkeit radikaler Kritik stellt sich immer lauter, je leiser und unverständlicher die Worte der Wahrheit werden. Wo die Macht grölt, flüstert der Verstand. In der Geschichte der Völker ist das der entscheidende Erfahrungsstand. Jedermann weiß es zweifelsfrei: Die Strukturen der Macht sind heute hegemonialer denn je. Und die Bereitschaft, die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen, um ihnen Einhalt zu gebieten, in erster Linie zum Selbstschutz und zweitens auf organisierte Art und Weise, ist noch nie so schwindend klein gewesen. Die allgemeine Angst, allseits bestritten und allfällig präsent, vor der Möglichkeit eines neuen Weltkriegs oder eines ökologischen Kollapses kursiert.
Die meiste Kritik kratzt konterkarierend an der Oberfläche. Sie will nichts mehr kurieren, sondern bestenfalls reparieren, und oft nicht einmal das. Die materiellen Grundlagen der Macht, Urgrund aller Propaganda, bleiben von ihr völlig verschont. Die Unwahrheit triumphiert nicht bloß – sie lässt sich regelrecht aus! Die Fratze der Willkür lächelt selbstzufrieden in die Kameras, wenn nicht gerade der ernste Blick wieder einmal das Schlimmste ankündigt. Die Undurchsichtigkeit des Offensichtlichen, bedingt durch eine Etablierung der politischen Pathologie als soziale Normalität, bringt also die falschen Kritiker in Verruf und die wahren auf den Plan. Es hat sich gezeigt, dass die Ausgeblichenheit der aufklärerischen Wahrheitsforderung leider keine konzentrischen Kreise gezogen und sich als Gemeinplatz nicht auf die Massen ausgebreitet hat. Die Intellektuellen sind zu stillen Kollaborateuren geworden, die bestenfalls die Massen in ihrer freiwilligen Dehumanisierung zusätzlich verwirren. Die Intelligenz, an sich inkulant, hat sich verkauft.




