E-Book, Deutsch, 250 Seiten
Sanne / Reinhardt Scheinwelt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96607-133-8
Verlag: NIBE Media
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Klartext zu Reality-tv & Influenzern
E-Book, Deutsch, 250 Seiten
ISBN: 978-3-96607-133-8
Verlag: NIBE Media
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Oliver Sanne Mister Germany und RTL-Bachelor, so wurde aus dem studierten Fitnessökonom und Unternehmer der (wie es heißt) schönste Mann und begehrteste Junggeselle Deutschlands in der Scheinwelt der Medien, irgendwo zwischen sichtlichem Erfolg und lauernden Abgründen.Der erklärte Familienmensch erzählt emotional und motivierend von seiner harten Jugend als gemobbtes Dickerchen, dem Wandel zur selbstbewussten, athletischen Persönlichkeit mit Vorbildfunktion sowie von einer existenzbedrohenden Verletzung mit heilsamer Wirkung und den spektakulären Stationen als mediengepushter Reality-TV-Star.Was von seinem Image als rebellischer Bad Guy zu halten ist und wer Oliver Sanne wirklich ist, darüber wird (selbst)kritisch zu reden sein. Gewohnt Klartext spricht er mit ironischer Zunge außerdem zum gegenwärtigen Hype um das Reality-TV und dem Phänomen des Social Media bzw. der Influencer.»Zum Schluss, sozusagen als letztes Wort, möchte ich gerne Folgendes zur Diskussion stellen: Wenn es um die diversen Ursachen für eine immer weiter um sich greifende Verrohung unserer Gesellschaft und den ausufernden Hass in den sozialen Netzwerken geht, liegt ein konsequenter Lösungsansatz nicht auch darin, eine Reihe von Reality-TV-Formaten als Teil des Problems auf den Prüfstand zu stellen? Müssten sich die entsprechenden TV-Sender aus ethischen Gründen nicht schon längst selber hinterfragen?«Die Lust auf TV-Shows hat er nicht verloren, wäre sehr gerne weiterhin dabei, nur nicht um jeden Preis.
Oliver Sanne Mister Germany und RTL-Bachelor, so wurde aus dem studierten Fitnessökonom und Unternehmer der (wie es heißt) schönste Mann und begehrteste Junggeselle Deutschlands in der Scheinwelt der Medien, irgendwo zwischen sichtlichem Erfolg und lauernden Abgründen.
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Die frühen Jahre – von Warnungen, Übergewicht und Vorbildern Ganz unspektakulär wurde ich in eine Handwerkerfamilie mit Malereibetrieb hineingeboren, wobei meine Mutter mehr den geschäftsführenden Part innehatte, mein Vater den des ausführenden Handwerkers. Als ich zur Welt kam, waren meine Eltern nicht mehr die Jüngsten, womit sich wohl auch erklären lässt, dass ich mehr „passiert“ bin als geplant war – der letzte Schuss, wenn man so will. Papa war auch Vater zweier weiterer Kinder aus einer früheren Ehe. Für meinen zehn Jahre älteren Bruder Alexander und mich war es ein Leben ohne spürbare Entbehrungen, jedenfalls empfanden wir es nie so. Es gab das angesagteste Spielzeug und keine abgetragenen Klamotten. Tatsache war allerdings auch, dass die Familie zwar von Monat zu Monat halbwegs gut über die Runden kam, ohne jedoch erwähnenswerte Ersparnisse aufbauen zu können. Sicherlich wurde da die eine oder andere D-Mark beziehungsweise der eine oder andere Euro mehr als einmal umgedreht, aber welcher Familie ging es hinter vorgehaltener Hand nicht genauso, zumal mit zwei oder mehr Kindern? Viel entscheidender war, dass in unserem Elternhaus zwar ein strenges väterliches Regiment vorherrschte, jedoch weder geschlagen noch Stubenarrest als Strafmaßnahme eingesetzt wurde. Überhaupt lag die Erziehung vor allem in den Händen der Mama. Sie war die Chefin in den eigenen vier Wänden. Papa beschränkte sich auf die Rolle des regelmäßigen Mahners, der sich mit Gesten, Blicken und Worten Respekt verschaffte. Aufbrausend war er bisweilen auch, schlug schon mal wütend auf den Tisch und erhob die Stimme. Das war dann aber auch das Äußerste. Diesen Charakterzug habe ich zweifelsohne von ihm geerbt. »Ihr müsst ums Verrecken die Schule vernünftig hinkriegen, damit euch alle Optionen im späteren Berufsleben offenstehen. Ich will, dass Ihr die Schule ernst nehmt. Ihr sollt nicht so arbeiten müssen wie ich, bis es euch körperlich kaputt macht«, pflegte er uns mit allem Nachdruck ins Gewissen zu reden. Kein Wunder also, dass auf unsere Erziehung und Schulbildung allergrößter Wert gelegt wurde. Mein Bruder Alex erfüllte die Anforderungen mehr oder weniger spielend, ging bei uns in Bonn auf eine angesehene Privatschule, wo er auch sein Abitur machte. Selbstredend sollte ich es ihm gleichtun, was daran scheiterte, dass ich schulisch gesehen zum Totalausfall tendierte. Die katholische Realschule stemmte ich noch gerade so – nach einer „Ehrenrunde“ in der 10. Klasse – aber für eine Empfehlung auf besagtes Gymnasium reichte es nicht. Meine Eltern entsandten mich dann zwar auf ein anderes, aber das war dasselbe, als würde man einen altersschwachen Esel einen steilen Bergpfad hinauftreiben. Meine Leistungen ließen immer mehr zu wünschen übrig, ich verkackte Prüfung um Prüfung, vor allem in den entscheidenden Fächern wie Mathematik, Deutsch und Physik. Was mein Selbstvertrauen darüber hinaus jeden Tag aufs Neue pulverisierte, war mein Übergewicht. Mit 15 Jahren brachte ich schon satte 100 Kilo auf die Waage, ein Jahr darauf stolze 110 Kilo, und als 18-Jähriger kratzte ich sogar die 120-Kilo-Marke – höchst ungünstig verteilter Speck noch dazu. Dabei habe ich immer leidenschaftlich und viel Sport getrieben, von Taekwondo über Basketball bis hin zur Sport-AG der Schule. Das Dilemma bestand darin, dass ich daneben auch ein leidenschaftlicher Esser mit unbändigem Appetit war – nicht aus irgendeinem Frust heraus, sondern wirklich aus Lust am Essen. Ein typischer Wochentag sah für mich so aus, dass ich nach der Schule zu einem Klassenkameraden ging, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen. Dort wurde dann auch warm zu Mittag gegessen. Danach ging es in die Innenstadt, wo nahezu zwanghaft McDonald's angesteuert wurde. Kam ich dann am frühen Abend nachhause, behauptete ich, noch nichts Warmes zu mir genommen zu haben und genoss auf die Art eine weitere deftige Speise. Mein wichtigstes Motto in dem Zusammenhang: Immer große Portionen und immer um Nachschlag bitten. – Meine Eltern hatten ihrerseits keinen Sinn für betont gesunde und vor allem maßvolle Ernährung. Sie entstammten noch einer Generation, deren Hauptaugenmerk darauf lag, dass alle in der Familie überreichlich zu Essen hatten, um im Umkehrschluss gut genährt und folglich gesund zu sein. Nichts anderes wurde mir vermittelt. Kurzum, die Sensibilität für wirklich gesunde Ernährung ging meinen Eltern vollständig ab. Wäre jemand meinem Vater – dem klassischen Handwerker – mit Fitness-Lifestyle, kalorienarmer oder gar Trennkost gekommen, hätte er womöglich Vertreter der städtischen Nervenheilanstalt zu Hilfe gerufen. Zumindest hätte er herzhaft über den vermeintlichen Witz gelacht. Für ihn war nun mal die gutbürgerlich deftige Küche meiner Mutter der einzig wahre Jakob. Ich erzähle das über meinen Vater ohne jeden Anklang von Verständnislosigkeit oder Ironie. Im Gegenteil, bis zum heutigen Tag empfinde ich tiefsten Respekt und Hochachtung vor der Lebensleistung meines Vaters. Als Kind musste er noch beim Bauern auf dem Feld Kartoffeln stibitzen gehen, um zu einer halbwegs gehaltvollen Suppe zu kommen und satt zu werden. Bereits mit 14 Jahren hat er begonnen, körperlich zu arbeiten. Im Beruf hat er dann zeitlebens gesundheitsschädliche Lacke eingeatmet, ist ohne Knieschutz auf den Böden herumgerutscht, hat ganze Gebäude entkernt und renoviert. Bis ins Rentenalter hinein hieß das auf Baustellen zu schuften und sich so die Gesundheit zu ruinieren, um der Familie das Bestmögliche bieten zu können. Das wollte er seinen Jungs, also meinem Bruder und mir unbedingt ersparen. Und weil er von meinem Lerneifer nach wie vor nicht überzeugt war, nahm er mich nach dem Schulabschluss zum Malochen mit auf den Bau. Drei Monate lang hat er mich gnadenlos Dreck fressen lassen, um mir vor Augen zu führen, dass ein Leben als Handwerker an vorderster Front keinesfalls erstrebenswert war und ich mit meinen zwei linken Händen ohnehin in kürzester Zeit verhungert wäre. Am Ende sprach er einen Satz, der sich mir tief eingebrannt hat: »Gut, dass du die Schule zu Ende gebracht hast, den Scheiß hier willst du nicht dein Leben lang machen müssen.« Mittlerweile in den Siebzigern, ist mein Vater ein körperliches Wrack mit einer Krankengeschichte, die sich liest wie das Who is Who der verschiedensten Leiden und Gebrechen, was seine vielen Mahnungen und Appelle an mich im Nachhinein nur umso wertvoller erscheinen lässt. An seiner Seite meine ebenso standhafte Mutter, die in traditioneller Rollenverteilung den Haushalt stets liebevoll organisiert und ihrem Ehemann über all die Jahre hinweg auf bewundernswerte Weise den Rücken freigehalten hat. Für sie waren mein Bruder und ich auch nie fett, sondern lediglich kräftig gewesen. Gerade fällt mir auf, dass ich zumindest die Einstellung meiner Mama zu gesunder Ernährung ein Stück weit revidieren muss. Tatsächlich hat sie das Thema Trennkost und sonstige angesagte Diäten wiederholt an uns Kindern ausprobiert, wenngleich mit überschaubarem Enthusiasmus. Da wurde etliches angefangen und angetestet, jedoch nichts davon konsequent durchgezogen. Soweit ich mich erinnere, verwechselte sie auch gerne Kohlenhydrate mit Fetten und Proteinen. Ja nun, es gab noch kein Google, dem man online auf die Schnelle verschiedene kulinarische und ernährungswissenschaftliche Geheimnisse hätte entlocken können. Zwar habe ich die Jahre meines massiven Übergewichtes gerade eher humorvoll beschrieben, aber es gab auch die andere Seite der Medaille, nämlich eine unterschwellige Form des Mobbings. In der Schule wurde ich selbst von Freunden so häufig mit „Qualle“, „Fetti“ oder „Dickerchen“ tituliert, als wären es meine regulären Namen. Immer machte ich gute Miene zum bösen Spiel, um nur nicht meine Position als akzeptiertes Gruppenmitglied zu gefährden. Wirklich böse meinten es die Wenigsten. Doch was wirklich in mir vorging, wusste auch niemand. Ich fraß den Frust still in mich hinein und kompensierte die Herabwürdigung, indem ich zum Klassenclown avancierte. Spöttische Kommentare und ironische Bemerkungen gegenüber Lehrern wurden zu meinem Markenzeichen, was regelmäßig für Lacher bei meinen Mitschülern sorgte. Es gefiel mir, ein applaudierendes Publikum zu haben und im Mittelpunkt zu stehen. Immer weiter markierte ich den Starken und Robusten. Irgendwann später verstand ich, dass ich nur ein trauriger und verletzter Clown war, der für Lacher sorgte, um die eigenen Tränen zu verbergen. Das Kuriose daran: Gerade diese harte Schule des Lebens schärfte meinen Sinn für Ironie und Sarkasmus, machte mich früh zu einem eloquenten Redner. Neben meinen bescheidenen Schulnoten und dem Übergewicht kam mit dem Wechsel auf das Gymnasium noch eine dritte Komponente hinzu, die mir arg zusetzte: Mädchen! Dazu muss man wissen, dass meine katholische Realschule eine reine Jungenschule gewesen war. Das hatte die Begegnung mit Mädchen auf wenige Tanzabende und Feiern reduziert, die mit der nahen Partnerschule – eine reine Mädchenschule, von uns Jungs augenzwinkernd das „Nonnenkloster“ genannt – organisiert worden waren. Auf dem Gymnasium gab es nun überall um mich herum Mädchen, und mir wurde schmerzhaft bewusst, dass meine Freunde und Kumpels bereits seit ihrem 14. Lebensjahr mehr oder weniger feste Freundinnen hatten, teilweise sogar schon über die ersten sexuellen Erfahrungen zu berichten wussten. Nur ich stand da wie die Unschuld vom Lande. Das wurmte mich. Woran das bloß lag? Dabei musste man kein Einstein sein, um zu begreifen, weshalb die Mädels in mir nie mehr als einen guten Kumpel sahen. Ich erkannte es in der Badewanne, vor dem Spiegel, immer wenn ich mich auszog. Gefragt waren athletisch anmutende Jungs, die...




