Sands | Liebe auf den zweiten Blick | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 380 Seiten

Sands Liebe auf den zweiten Blick


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8025-9055-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 380 Seiten

ISBN: 978-3-8025-9055-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Genauso charmant, genauso prickelnd, genauso unterhaltsam wie die Argeneaus - Lynsay Sands ist unschlagbar! Ohne ihre Brille ist Clarissa Crambray so gut wie blind. Dennoch verbietet die Stiefmutter ihr, eine zu tragen, aus Angst, sie könnte sonst keinen Ehemann finden. Durch ihre Tollpatschigkeit hat Clarissa schon viele Männer in die Flucht geschlagen. Nur der Draufgänger Adrian Montfort, Earl of Mowbray, scheint sich daran nicht zu stören ...



Die kanadische Autorin Lynsay Sands hat Psychologie studiert und liest gern Horror- und Liebesromane. Ihre Vampirserie um die Familie Argeneau brachte ihr den internationalen Durchbruch. Darüber hinaus hat sie auch mit historischen Liebesromanen eine große Leserschaft gewonnen.

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2

»Mowbray, lange nicht gesehen, altes Haus. Was führt dich denn in die Stadt?«

Lord Adrian Montfort, der Earl of Mowbray, richtete seinen Blick von den tanzenden Paaren auf seinen Cousin, der neben ihn getreten war: Reginald Greville war hochgewachsen, blond und ungemein gut aussehend. Er und Greville waren früher die allerbesten Freunde gewesen, doch zeitliche und räumliche Distanz hatten das Band der Freundschaft ein wenig gelockert – und nicht zuletzt auch der Krieg mit Frankreich, sinnierte Adrian bitter.

Anstelle einer Antwort bedachte er seinen Cousin mit einem verhaltenen Grinsen, ehe er den Blick abermals den eleganten Paaren auf der Tanzfläche zuwandte. »Und, genießt du die Ballsaison, Greville?«, meinte er schließlich.

»Aber sicher. Frisches Blut. Neue Gesichter.«

»Neue Opfer«, versetzte Mowbray trocken, worauf Reginald lachte.

»Das auch.« Reginald war bekannt dafür, dass er mit Vorliebe unschuldige junge Mädchen verführte. Einzig sein Titel und sein Vermögen bewahrten ihn davor, aus der Stadt verbannt zu werden.

Adrians Lippen verzogen sich erneut zu einem knappen Grinsen. »Verblüffend, dass du die Jagd anscheinend nie satt bekommst, Reg. Für mich sehen die jungen Dinger alle gleich aus. Ich könnte schwören, es sind dieselben Debütantinnen wie in der letzten Saison und in der davor … und so weiter.«

Sein Cousin schüttelte milde schmunzelnd den Kopf. »Es ist zehn Jahre her, seit du das letzte Mal in London warst. Die Debütantinnen von damals sind entweder verheiratet und haben Kinder, oder sie sind auf dem besten Weg, alte Jungfern zu werden.«

»Die Gesichter mögen sich ändern, aber die Spatzenhirne der Damen bleiben die gleichen«, meinte Adrian schulterzuckend.

»Du schlimmer Zyniker«, schimpfte Reg. »Du klingst ja wie ein alter Mann.«

»Älter«, korrigierte Adrian. »Älter und weiser.«

»Nein, bloß alt«, beteuerte Reg lachend, dabei glitt sein Blick über die anwesenden Gäste. »Im Übrigen sind dieses Jahr ein paar überaus reizende Geschöpfe mit im Rennen. Die Blonde da zum Beispiel, oder die Brünette, die neben Chalmsly steht.«

»Hmmm.« Adrian blickte zu den beiden Frauen. »Korrigier mich, wenn ich falsch liege, aber ich möchte wetten, dass die Brünette keinen Funken Grips im Hirn hat. Genau wie Lady Penelope, die du verführt hast, als ich das letzte Mal hier war.«

Bei der Feststellung weiteten sich Regs Augen vor Verblüffung.

»Und was die Blonde angeht«, fuhr Adrian fort, während er die besagte Dame taxierte und ihren berechnenden Blick auffing, »die kommt aus einem betuchten Elternhaus, hat Geld wie Heu und sucht einen Ehemann mit einem hochkarätigen Titel. So ähnlich wie Lily Ainsley. Auch eine von deinen Eroberungen.«

»Eiskalt erwischt«, räumte Reginald leicht ertappt ein. Sein Blick ging abermals zwischen den beiden Damen hin und her, dann lachte er grob. »Jetzt hast du mir komplett den Spaß verdorben. Eigentlich wollte ich einer oder beiden den Hof machen. Aber du hast mir die ganze Sache vermiest.« Er zog nachdenklich die Stirn in Falten. »Hey, ich kenne da eine Frau, die sich garantiert nicht in irgendeine Schublade stecken lässt.«

Seine Miene hellte sich auf. Er packte Adrian am Arm und zog ihn auf die andere Saalseite.

»Da«, sagte er auftrumpfend. »Das Mädchen in dem mimosengelben Batistkleid. Das ist Lady Clarissa Crambray. Ich wette, die hast du noch nie gesehen.«

Adrians Blick heftete sich auf das fragliche Mädchen. Sie war zierlich, hübsch und bezaubernd wie eine frisch erblühte Rosenknospe, mit dichten kastanienbraunen Haaren, einem herzförmigen Gesicht, großen Samtaugen und sinnlich vollen Lippen … und sie schien sich kreuzunglücklich zu fühlen. Er schob das auf die ältere Dame, die neben dem Mädchen stand.

Er musterte die Anstandsdame an ihrer Seite. Üppige Rundungen, dunkles Haar, nicht mehr ganz jung, aber noch recht schön; das heißt, sie wäre schön gewesen, wenn sie nicht mit dermaßen verkniffener Miene die Aktivitäten im Ballsaal verfolgt hätte.

Adrian spähte abermals zu dem jungen Mädchen. »Erste Saison?«, hakte er mit erwachender Neugier nach.

»Ja«, antwortete Reg, seine Miene belustigt.

»Wieso tanzt keiner mit ihr?« Die Frage war berechtigt, denn eine Schönheit wie dieses Mädchen hatte für gewöhnlich eine proppenvolle Tanzkarte.

»Weil sich keiner traut, sie aufzufordern – du auch nicht, wenn dir deine Füße lieb sind.«

Adrian zog die Brauen hoch. Widerwillig löste er seinen Blick von der jungen Frau und schaute fragend seinen Cousin an.

»Sie ist blind wie ein Maulwurf und eine Katastrophe für jeden Tänzer«, erklärte Reg und nickte zur Bekräftigung, als Adrian ihn verständnislos anstarrte. »Ganz ohne Quatsch, Sportsfreund, die Kleine kann keinen Schritt tanzen, ohne dir auf die Füße zu treten oder zu stolpern. Sie kann nicht mal laufen, ohne dauernd irgendwo anzuecken.« Er seufzte über Adrians skeptische Miene. »Ich sehe, du glaubst mir nicht. Ich wollte es auch nicht glauben, das war ein großer Fehler.«

Reginald heftete seinen Blick auf das Mädchen und fuhr fort: »Ich hab sämtliche Warnungen in den Wind geschlagen und das Mädel zu einem Dinner eingeladen.« Er blickte erneut zu Adrian. »An dem Abend trug ich eine dunkelbraune Hose. Das war mein Pech. Das blinde Huhn hielt meine angewinkelten Beine fälschlicherweise für einen Tisch und stellte die Teetasse darauf ab … oder sagen wir besser, sie versuchte es. Die Tasse kippte um und …« Bei der Erinnerung rollte Reg unbehaglich mit den Schultern. »Verdammt, sie hätte mir fast meinen Lümmel verbrüht.«

Der sonst so ernste Adrian brach in schallendes Gelächter aus.

Reginald kämpfte mit seiner Verärgerung und grinste schmallippig. »Du hast gut lachen. Aber wenn ich nicht mehr zeugungsfähig sein sollte, hab ich das einzig und allein Lady Clarissa Crambray zu verdanken.«

Adrian schüttelte sich vor Lachen, und es war unglaublich befreiend. Er hatte sich seit Jahren nicht mehr so köstlich amüsiert. Die Vorstellung, dass die hübsche kleine Lady dort drüben auf der anderen Seite des Ballsaals Regs Schoß mit einem Tisch verwechselt und ihre Teetasse darauf abgestellt hatte, war einfach zu komisch.

»Was hast du dann gemacht?«, brachte er schließlich glucksend heraus.

Reg zuckte missmutig mit den Schultern. »Dumme Frage. Ich hab natürlich so getan, als wäre nichts passiert. Ich bin sitzen geblieben und hab die Zähne zusammengebissen. Mann, ich hätte schreien können vor Schmerz. ›Ein Gentleman sieht stets über die Fehler hinweg, die einer Dame in der Öffentlichkeit passieren‹«, dozierte er trocken, ehe er seufzend wieder zu Clarissa sah. »Ehrlich gesagt glaube ich nicht mal, dass sie überhaupt was davon mitgekriegt hat. Es wird gemunkelt, dass sie mit Brille hervorragend sehen könnte, aber zu eitel ist, um eine aufzusetzen.«

Seine Miene aufgeräumt, folgte Adrians Blick dem seines Cousins. Er betrachtete das Mädchen in dem dezenten Kleid, dann schüttelte er den Kopf. »Nein. Sie ist bestimmt nicht eitel.«

Er beobachtete, wie die ältere Dame Clarissa etwas zuraunte. Kurz entschlossen kehrte er seinem Cousin den Rücken und entfernte sich in Richtung der beiden Damen.

»Also, wenn du mich fragst …«, begann Reg und verstummte, als er merkte, dass Adrian ihm nicht mehr zuhörte, sondern bereits zu dem Mädchen strebte. Kopfschüttelnd murmelte er: »Ich hab dich gewarnt.«

***

»Clarissa, hör auf zu blinzeln, bitte.«

Trotz des Wörtchens »bitte« war es keine höfliche Aufforderung, sondern der übliche Befehl, und Clarissa hatte die Nase allmählich gestrichen voll. Wenn ihre Stiefmutter ihr bloß erlauben würde, ihre Brille zu tragen, müsste sie nicht ständig blinzeln. Und sie würde auch nicht mehr dauernd irgendwo gegenlaufen oder mit irgendwelchen Leuten zusammenstoßen. Aber nein, sie durfte natürlich keine Brille tragen. Denn das hätte laut Lydia mögliche Verehrer und Ehekandidaten abgeschreckt.

Als wenn meine Ungeschicklichkeit das nicht genauso täte, dachte Clarissa, tief zerknirscht über einige Missgeschicke, die ihr seit ihrer Ankunft in London passiert waren. Mal abgesehen davon, dass sie versehentlich Teetischchen umstieß oder ihren Teller neben statt auf dem Tisch abstellte, war sie vor Kurzem auf einem Ball der Länge nach die Treppe hinuntergefallen, zum Glück hatte sie sich nichts gebrochen, sondern nur ein paar blaue Flecke davongetragen. Kurze Zeit später war ihr das kleine Malheur passiert, dass sie vor eine fahrende Kutsche gestürzt war, ach ja, und neulich hatte sie Lord Prudhommes Perücke angekokelt.

Clarissa seufzte zum Steinerweichen. Nach dem letzten Vorfall hatte Lydia ihr eine schlimme Standpauke gehalten. Da Clarissa ohne ihre Brille extrem kurzsichtig und unbeholfen war, hatte ihre Stiefmutter beschlossen, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie entschied, dass das Mädchen in Gegenwart anderer nur noch brav und untätig herumsitzen solle. Sie durfte weder Kerzen noch Teller oder Tassen anfassen – kurzum, gar nichts mehr. Sie durfte nicht mehr in Gesellschaft essen, sondern musste stets beteuern, dass sie keinen Hunger hätte, auch wenn das gar nicht stimmte. Für Getränke in der Öffentlichkeit galt das Gleiche. Spaziergänge wurden allenfalls in Begleitung einer Zofe gebilligt.

Clarissa war ihr mehrmals mit dem Argument ins Wort gefallen: »Aber wenn du erlauben würdest, dass ich meine Brille trage...


Sands, Lynsay
Die kanadische Autorin Lynsay Sands hat Psychologie studiert und liest gern Horror- und Liebesromane. Ihre Vampirserie um die Familie Argeneau brachte ihr den internationalen Durchbruch. Darüber hinaus hat sie auch mit historischen Liebesromanen eine große Leserschaft gewonnen.

Die kanadische Autorin Lynsay Sands hat Psychologie studiert und liest gern Horror- und Liebesromane. Ihre Vampirserie um die Familie Argeneau brachte ihr den internationalen Durchbruch. Darüber hinaus hat sie auch mit historischen Liebesromanen eine große Leserschaft gewonnen.



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