Sandow | Familie mit Herz 212 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 212, 64 Seiten

Reihe: Familie mit Herz

Sandow Familie mit Herz 212

Für uns bleibe ich stark
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8840-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Für uns bleibe ich stark

E-Book, Deutsch, Band 212, 64 Seiten

Reihe: Familie mit Herz

ISBN: 978-3-7517-8840-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Yvonnes Leben liegt in Scherben, seit sie ihr Haus in Potsdam verlassen musste - ausgerechnet für die neue, junge Geliebte ihres Mannes. Nun lebt sie mit ihren beiden Kindern, Josie und Tim, in Berlin und hofft insgeheim, dass Lambert zur Vernunft kommt und zu seiner Familie zurückkehrt. Doch der scheint ganz vernarrt in die erst einundzwanzigjährige Sina mit der Traumfigur und dem langen blonden Haar. Sogar Josie, gerade mal fünfzehn, findet ihre neue Stiefmutter ziemlich cool. Und selbst Yvonne fällt es schwer, der jungen Frau wirklich böse zu sein. Sina bemüht sich aufrichtig um Harmonie und kann schließlich nichts dafür, dass Lambert sich für sie und gegen Yvonne entschieden hat. Während Yvonne noch darum kämpft, sich mit der neuen Situation abzufinden, begeht Sina einen schlimmen Fehler, der Josie in große Gefahr bringt. Wird das die Familie endgültig zerreißen?

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Für uns bleibe ich stark


Yvonne kämpft für sich, ihre Kinder und ein neues Leben

Von Daniela Sandow

Yvonnes Leben liegt in Scherben, seit sie ihr Haus in Potsdam verlassen musste – ausgerechnet für die neue, junge Geliebte ihres Mannes. Nun lebt sie mit ihren beiden Kindern, Josie und Tim, in Berlin und hofft insgeheim, dass Lambert zur Vernunft kommt und zu seiner Familie zurückkehrt. Doch der scheint ganz vernarrt in die erst einundzwanzigjährige Sina mit der Traumfigur und dem langen blonden Haar.

Sogar Josie, gerade mal fünfzehn, findet ihre neue Stiefmutter ziemlich cool. Und selbst Yvonne fällt es schwer, der jungen Frau wirklich böse zu sein. Sina bemüht sich aufrichtig um Harmonie und kann schließlich nichts dafür, dass Lambert sich für sie und gegen Yvonne entschieden hat.

Während Yvonne noch darum kämpft, sich mit der neuen Situation abzufinden, begeht Sina einen schlimmen Fehler, der Josie in große Gefahr bringt. Wird das die Familie endgültig zerreißen?

Das Quietschen des Aufzugs erschreckte Yvonne. Obwohl sie schon seit drei Monaten hier lebte, hatte sie sich immer noch nicht daran gewöhnt. Sie konnte hören, wie sich die Aufzugstüren öffneten, vernahm Schritte auf dem Flur, die an ihrer eigenen Wohnungstür vorbeigingen.

Anfangs hatte sie jedes Mal gehofft, es wäre Lambert, der ihr sagte, dass er sich geirrt hatte. Dass es nicht Sina sei, die er liebte, sondern nur sie, Yvonne, und dass sie bitte sofort mit den Kindern nach Hause zurückkehren solle.

Inzwischen hatte sie sich damit abfinden müssen, dass das nicht passieren würde. Aber es tat immer noch weh, auch wenn sie irgendwann aufgehört hatte, darauf zu hoffen, dass die Schritte vor ihrer Tür stehen blieben.

Sie seufzte leise, dann begann sie, den Frühstückstisch abzuräumen. Das benutzte Geschirr stellte sie in die Spülmaschine, den Aufschnitt zurück in den Kühlschrank. Zum Schluss goss sie sich den restlichen Kaffee ein, trat ans Fenster und blickte hinaus.

Seit der Trennung von Lambert lebte sie mit den Kindern in einem der schönen Altbauten im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg – einer großzügigen Wohnung in einem Gründerzeithaus. Die Wohnung gehörte zwar Lambert, doch er überließ sie ihr und den Kindern mietfrei. Dazu überwies er jeden Monat großzügige Unterhaltszahlungen auf ihr Konto.

»Weil er ein schlechtes Gewissen hat«, murmelte Yvonne. »Und das mit Recht.«

Wann hatte sie eigentlich angefangen, mit sich selbst zu reden?

»Seit du dich so unsagbar einsam fühlst«, gab sie sich selbst die Antwort – und das nicht zum ersten Mal. Es geschah immer häufiger. Und in immer kürzeren Abständen.

Sie war fast erleichtert, als das Klingeln ihres Handys sie aus ihren Gedanken riss, bis sie auf das Display sah. Einen Moment lang zögerte sie, dann nahm sie das Gespräch an.

»Sina ... Was gibt es?«

»Toll, dass du da bist!« Sinas Stimme klang wie immer überschwänglich. »Ich wollte fragen, ob ich Josie zum Shoppen einladen darf.«

Yvonne runzelte die Stirn. »Du fragst doch sonst nie, ob du meine Tochter mitnehmen kannst.« Ihre Überraschung war echt. »Dabei weißt du genau, dass ich nicht gutheiße, wie sehr du sie mit teuren Geschenken überschüttest.«

Sinas Lachen klang verlegen. »Ich will dich wirklich nicht ärgern, Yvonne, ganz bestimmt nicht. Aber Josie freut sich immer so, und dann kann ich einfach nicht anders.«

Sina war die Frau, die ihr den Mann genommen hatte. Aber so sehr Yvonne es versuchte – sie konnte sie einfach nicht hassen. Sie war genau die Frau, die all das verkörperte, was den meisten Männern gefiel – jung, wunderschön, mit einem Traumkörper und taillenlangem, blondem Haar. Und gleichzeitig so natürlich und liebenswert, dass auch Frauen sie mochten.

»Du sagst ja gar nichts mehr«, sagte Sina zögernd. »Bist du jetzt böse auf mich?«

Ich wäre es gern, aber ich kann nicht, schoss es Yvonne durch den Kopf. Laut sagte sie nur: »Nein.«

»Dann bist du es hoffentlich auch nicht, wenn du erfährst, warum ich dich wirklich anrufe. Es geht nicht nur darum, dass ich Josie zum Shoppen einlade. Wir wollen in den neuen Fashionstore nach Mitte. DeliaStar tritt dort persönlich auf.«

»Wer ist DeliaStar?« Yvonne runzelte die Stirn.

Sina schnappte hörbar nach Luft. »Das ist DIE Fashion-Influencerin! Die musst du doch kennen! Josie verehrt sie. Ich übrigens auch.«

»Wahrscheinlich bin ich einfach zu alt, um solche Leute zu kennen«, erwiderte Yvonne trocken.

»Ja, das glaube ich auch«, sagte Sina arglos und ohne jede Spur von Boshaftigkeit. Trotzdem verschlug es Yvonne für einen Moment die Sprache. Sina hingegen redete einfach weiter.

»Es ist nämlich so, dass DeliaStar gegen elf Uhr auftritt und ...«

»... dann ist Josie noch in der Schule«, unterbrach Yvonne sie.

»Ja, ich weiß ...« Sina verstummte kurz. »Ich dachte, sie könnte heute die letzten beiden Stunden schwänzen.«

Auf keinen Fall! Nicht für so einen Unsinn!

Doch wieder sprach Yvonne ihre Gedanken nicht laut aus. Natürlich konnte sie es nicht erlauben, dass Josie die Schule schwänzte. Aber sie hatte es satt, ständig die Spielverderberin zu sein, während Josie ihren Vater und dessen Freundin inzwischen regelrecht auf ein Podest stellte.

Plötzlich kam ihr eine Idee, und ein breites Grinsen huschte über ihr Gesicht. Sie wusste genau, dass auch Lambert nicht begeistert davon wäre, wenn seine Tochter den Unterricht verpasste.

»Das entscheide ich nicht allein«, sagte sie betont gelassen. »Frag doch einfach Lambert, ob er damit einverstanden ist.«

»Ja, wenn das für dich okay ist, mache ich das.« Sina klang zufrieden mit der Lösung. »Aber du bist nicht böse, wenn Lambert zustimmt?«

»Nein, bin ich nicht«, versicherte Yvonne. Sie war sich sicher, dass Lambert ihrer gemeinsamen Tochter niemals erlauben würde, die Schule zu schwänzen.

???

Tims Schulweg war kurz, und er musste keine Straße überqueren. Trotzdem stand Yvonne jeden Mittag am Fenster und wartete, bis er am Ende der Straße um die Ecke bog. Erst dann atmete sie erleichtert auf. So auch heute.

In Potsdam war Tim ebenfalls allein zur Schule gegangen, doch Yvonne hatte sich dort nie so viele Sorgen gemacht wie jetzt in Berlin. Das lag zum Teil daran, dass sie selbst noch nicht mit der veränderten Situation zurechtkam – doch für Tim war es noch schwieriger. Der Junge war still geworden. Er beschwerte sich nicht, aber Yvonne spürte, wie unglücklich er war.

Als sie auf dem Weg zur Küche durch den Flur ging, sah sie sich selbst im Garderobenspiegel. Sie blieb stehen, betrachtete sich nachdenklich.

»Du könntest dich mal wieder schminken«, sagte sie zu ihrem Spiegelbild und seufzte leise.

Ihre roten Locken waren achtlos zu einem lockeren Knoten am Hinterkopf gebunden, ein paar Strähnen hatten sich bereits gelöst. Ihre grünen Augen wirkten matt, hatten den früheren Glanz verloren. Die dunklen Schatten unter ihren Augen erzählten von dem Schmerz, der immer noch irgendwo in ihr pochte. Von schlaflosen Nächten und der immer wiederkehrenden Frage, wie sie sich ihr zukünftiges Leben vorstellte.

Wollte sie wirklich Tag für Tag in dieser Wohnung verbringen und die Wartezeit auf die Kinder mit Hausarbeiten ausfüllen?

In Potsdam hatte sie stundenweise in dem Blumenladen ihrer Freundin gearbeitet. Nicht weil sie es nötig hatte, sondern weil es ihr Spaß bereitet hatte. Weil sie gerne mit Menschen zusammen war. Die Erinnerungen an diese Zeit waren kaum noch zu ertragen. Abrupt wandte sie sich ab und ging weiter in die Küche.

Die Bolognese köchelte noch auf dem Herd, die Spaghetti hatte sie bereits abgegossen. Als sie hörte, wie Tim die Wohnungstür aufschloss, rief sie: »Ich habe dein Lieblingsessen gekocht.«

»Hab keinen Hunger«, kam es mürrisch zurück. Kurz darauf fiel die Tür zu Tims Zimmer ins Schloss.

Yvonne folgte ihm.

Tims Schulranzen lag achtlos auf dem Boden. Er saß auf seinem Bett und starrte vor sich hin. Als sie das Zimmer betrat, schaute er nur widerwillig auf.

»Was ist passiert?«, fragte Yvonne.

»Nix!« Das war inzwischen seine Standardantwort.

»Und wieso hast du dann keinen Appetit? Du liebst doch Spaghetti mit Bolognese.«

Er zog die Stirn in Falten, um deutlich zu machen, dass sie ihn nervte. »Ich hab jetzt einfach keinen Hunger.«

»Na ja, wir müssen ja auch noch warten, bis Josie nach Hause kommt.« Yvonne setzte sich neben ihn und legte einen Arm um seine schmalen Schultern. Er versteifte sich kurz, aber er ließ es zu.

»Was ist denn los mit dir?«, fragte sie leise. »Ist die neue Schule so schlimm?«

Tim starrte lange auf seine Schuhspitzen, bevor er sie flehend ansah: »Können wir nicht wieder nach Hause?«

Yvonnes Herz zog sich schmerzhaft...



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