E-Book, Deutsch, 608 Seiten
Samuel Terrorwarnstufe Brandrot
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-99130-307-7
Verlag: novum premium Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, 608 Seiten
ISBN: 978-3-99130-307-7
Verlag: novum premium Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein verheerender Anschlag auf ein Luxushotel in Bali löst in Südostasien die Terrorwarnstufe Brandrot aus. Die amerikanische Spezialagentin Robin wird nach Singapur entsandt, um den Kampf gegen islamistische Terroristen in der Region zu leiten. Die abgebrühte und erfahrene Agentin setzt auf Tarnen und Täuschen bei der Infiltrierung der Terrorzellen, schreckt aber im Notfall auch vor gnadenlosen Liquidierungen nicht zurück. Im faszinierenden exotischen Ambiente von Indonesien, Malaysia und Singapur entbrennt ein erbittertes Ringen mit vielen dramatischen Wendungen, wobei die Agentin auch so manche böse Überraschung erlebt. Dass Robin in allen Lebenslagen weiß, wo's langgeht, zeigt sich nicht nur in ihrer Bekanntschaft mit dem jungen Franzosen Julien ...
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Kapitel 1
Die Poolbar provozierte die Dschihadisten über alle Maßen. Spärlich bekleidete Frauen, die alkoholische Getränke schlürften: Nirgendwo sonst im Ritz-Carlton verstieß man derart schamlos gegen die islamischen Glaubensregeln. Allein dieser Ort der Todsünden rechtfertigte in den Augen der Islamisten die unerbittliche Strafaktion gegen das Luxushotel am Jimbaran Beach.
Zehn Terroristen preschten in zwei schlammfarbenen Land Rovers heran. Mit kreischenden Bremsen und quietschenden Reifen kamen die Geländewagen vor dem Hotelportal zum Stehen. Die Männer in Kampfanzügen, die Gesichter mit schwarzen Tüchern bis auf schmale Sehschlitze vermummt, sprangen aus den Fahrzeugen und begannen sofort, aus ihren Kalaschnikows zu feuern. Noch bevor die beiden Sicherheitsbeauftragten des Hotels auch nur im Geringsten reagieren konnten, mähte sie schon der erste Kugelhagel nieder.
Damit blockierte niemand mehr den Weg in das weiträumige Atrium, das mehrere Etagen hoch emporragte und durch riesige Glasfronten den Blick auf die gepflegte Gartenanlage voll üppiger tropischer Flora eröffnete. Eigentlich entstand in dieser Lobby der Eindruck, sich an der Außenseite eines Palmenhauses mit Kokos- und Fächerpalmen, Bananenstauden, Ixora- und Hibiskussträuchern, Orchideen, Engelstrompeten und weiterer Prachtentfaltung der Natur Südostasiens zu befinden statt in der Empfangshalle eines Hotels. Drei Vermummte, unbeeindruckt von dieser grandiosen Kulisse, durcheilten die Lobby und schleuderten Handgranaten in die Rezeption, um das Schaltzentrum des Ritz-Carlton von Anfang an lahmzulegen. Den aparten, jungen Balinesinnen, die in ihren blumig gemusterten Batiksarongs hinter der auf Hochglanz polierten Teakholztheke standen, gefror das professionelle Willkommenslächeln im Gesicht. Sie wurden zu einem weiteren Kollateralschaden; selbst weibliche Anmut und Grazie konnten von den Islamisten keine Gnade erwirken.
Dann stießen die drei Bewaffneten auf eine Gruppe von zwölf französischen Touristen, die gerade in der Lobby auf den Transfer zum Flughafen von Denpasar warteten. Die Terroristen richteten ihre Gewehre auf die völlig verängstigten Reisenden und trieben diese überrumpelte Schar ins Direktionsbüro im Erdgeschoss des östlichen Seitentrakts. Dort wurden die zwölf Hotelgäste zusammen mit dem Geschäftsführer des Ritz-Carlton und seinem Sekretär in Geiselhaft genommen.
Die anderen Angreifer stürmten indessen mit dem Ruf „Allahu akbar!“ auf die Terrasse und umzingelten die Poolbar. Wie sie erwartet hatten, herrschte dort zur Happy Hour am späten Nachmittag Hochbetrieb. Sie fanden eine für sie unerträgliche Szenerie vor, mit Prosecco, Champagner und Cocktails überall auf den Tischen und mit halb nackten Frauen als Gipfel der Schändlichkeit. Es bereitete den islamistischen Attentätern daher ein besonderes Vergnügen, die Flaschen um Flaschen mit alkoholischen Getränken hinter dem langgestreckten Tresen durch Handgranaten zur Explosion zu bringen und in ein Flammenmeer zu verwandeln. Es verkörperte für die strenggläubigen Moslems wohl symbolisch das Höllenfeuer, welches die Ungläubigen zur Strafe für ihre Sünden bis in alle Ewigkeit versengen würde. Diese momentane Ablenkung erlaubte es manchen alerten Gästen, die sich gerade auf einen spektakulären Sonnenuntergang im Meer gefreut hatten, entlang des goldgelben Sandstrands zu fliehen. Die durch Alkoholexzesse bereits zu träge gewordenen Barbesucher erstarrten hingegen schockiert an ihren Tischen.
Plötzlich knallten Revolverschüsse, und einer der Attentäter schrie – offensichtlich getroffen – überrascht auf. Die Sturmgewehre antworteten wütend auf diese Attacke zweier Männer, die sich schützend vor einem dritten, der unter einem Tisch kauerte, geduckt hatten. Diese drei Hotelgäste standen jedoch letztendlich gegen das Trommelfeuer aus den Kalaschnikows auf verlorenem Posten und wurden in einem durch rasenden Vergeltungsdrang gesteigerten Blutrausch niedergestreckt. Die Terroristen vermuteten, dass der Beschützte eine prominente Persönlichkeit sein musste, und durchsiebten daher seinen Körper mit besonders zur Schau gestelltem Sadismus. Tatsächlich handelte es sich bei der Person um den australischen Konsul in Bali, der in diesem neu eröffneten Ritz-Carlton urlaubte, um ein demonstratives Zeichen zu setzen, dass dieses tropische Inselparadies für australische Touristen wieder sicher sei. Im Jahr 2002 waren ja bei den verheerenden Bombenattentaten auf Nachtclubs am Kuta Beach auf Bali mit über 200 Toten hauptsächlich Australier ums Leben gekommen.
Während dieses Schusswechsels gelang es weiteren Gästen, sich außer Gefahr zu bringen. Die vermummten Männer metzelten die etwa 20 verbliebenen Barbesucher erbarmungslos nieder, wobei sie auf Frauen in Bikinis eine regelrechte Treibjagd veranstalteten. Dann umstellten die Angreifer den Swimmingpool und peitschten Kugeln ins Wasser, bis sich dieses karmesinrot färbte und kein Schwimmer mehr lebend auftauchte.
Nach dieser Blutorgie durchkämmten die Terroristen das Erdgeschoss des riesigen Hotels nach weiteren westlichen Schlachtungsopfern, die man vermutlich in den verschiedenen Restaurants, der Lounge, im Wellnessbereich und im Fitnesscenter finden könnte. Als besonders ergiebig bei diesem Beutezug entpuppte sich das gekühlte Magazin für Lebensmittelvorräte, in das sich panisch verschreckte Gäste, Köche und Serviererinnen zurückgezogen hatten und das nun entfesselte Rambos in ein chaotisches Wirrwarr, ein Gruselkabinett aus Leichen, Obst- und Gemüsefetzen, aufgeplatzten Konservendosen, lecken Getränkekanistern und verschmierten Glasscherben verwandelten. Auf dem Boden verschmolzen Fruchtsäfte, Kompotte, Milch, Saucen, Marmelade, Blut und letzte Körperausscheidungen zu einem ekelerregenden, zähflüssigen Brei. Etwa zwei Dutzend Menschen ließen alleine in dieser Vorratskammer ihr Leben. Selbst die abgebrühtesten Kriminalbeamten, die das Attentat später untersuchten, waren über den grauenhaften Zustand dieser Leichen entsetzt.
Im Fitnesscenter machten sich die Vermummten ein Vergnügen daraus, eine Massenhinrichtung zu inszenieren. Die acht Männer und Frauen, die sie dort vorfanden, mussten zunächst ihre wenigen Hüllen abstreifen und sich nachher mit erhobenen Armen an eine Wand stellen. Dann wurden sie an den Füßen gefesselt und systematisch – beginnend von den Unterschenkeln bis zu den Köpfen – mit Kugeln durchlöchert. Das hysterische, aber natürlich vollkommen nutzlose Flehen der Opfer nach Gnade belustigte die Selbstjustiz übenden Scharfrichter zusätzlich. Als die Polizei die massakrierten Sporttreibenden später auffand, formten Schweißbäche, Angstpisse, Panikdurchfall und geronnenes Blut auf ihrer Haut ein makabres Styling wie für eine Halloweenparty.
Mittlerweile war es einem Hotelangestellten endlich gelungen, per Handy die Notrufzentrale in Jimbaran zu erreichen, die den Alarm an das Einsatzkommando in Denpasar weiterleitete. Der Schrei nach Hilfe erreichte den dort diensthabenden Offizier, den Polizeimajor Siloso, von Freunden und Kollegen auch Peng Peng genannt, da er immer einen großkalibrigen Revolver und zwei Schnellfeuerpistolen am Koppel trug. Wie die meisten Balinesen war er zierlich gebaut und wollte sich daher durch das Waffenarsenal an seinem Uniformgürtel Autorität verschaffen.
Major Siloso geriet durch den Notruf – der Beamte in Jimbaran sprach von angstgepeinigter und atemloser Panik in der Stimme des Hotelangestellten – in arge Bedrängnis, weil ihm nur wenige Männer seiner Spezialeinheit zur Verfügung standen. Da es auch Jahre nach den Anschlägen am Kuta Beach keine weiteren spektakulären terroristischen Aktionen auf Bali mehr gegeben hatte, zog man die Sonderkommandos der indonesischen Polizei allmählich von dort ab. Sie unterdrückten auf anderen Inseln des Archipels die Demonstrationen, die wegen der wachsenden Korruption im erdölreichen Land ständig ausbrachen. Seine kleine verbliebene Schar, die in Australien fachspezifisch und professionell ausgebildet worden war, musste Major Peng Peng daher notgedrungen mit regulären Polizisten ohne Erfahrung im Antiterrorkampf zur vollen Einsatzstärke aufstocken. Siloso begab sich mit seinem zusammengewürfelten Sonderkommando ohne große Zuversicht zum Brennpunkt Ritz-Carlton.
Auf der Fahrt rief der Major die Hoteldirektion an, und einer der Geiselnehmer hob ab, ohne sich jedoch zu melden. Der Polizeioffizier schrie in sein Mobiltelefon:
„Hier Major Siloso vom Einsatzkommando Denpasar. Wir sind auf dem Weg zu Ihnen. Wie ist die Lage im Hotel?“
„Für Moslems hervorragend und für Ungläubige höllisch“, antwortete der Terrorist zynisch. „Tatsächlich haben wir den Sündenpfuhl hier ziemlich gesäubert.“
„Wer sind Sie und was wollen Sie?“, knurrte Major Siloso brüsk, sofort die Situation einer Terrorattacke erkennend.
„Ich bin Jihadi 5 und wir sind hier 30 Gotteskrieger. Was wir wollen, ist ein Allah gefälliges Werk verrichten: Unser Land von den verhurten und versoffenen Ungläubigen befreien! Wenn Sie uns hier angreifen, erniedrigen Sie sich zu einem elendigen Gehilfen dieser Satansbrut. Überlegen Sie sich gut, was Sie tun, denn wir haben eine große Zahl von Geiseln genommen. Eine falsche Aktion von Ihnen und alle diese Leute werden hingerichtet!“
Damit knallte der Geiselnehmer den Hörer...




