E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten
Reihe: Die Niewinter-Saga
Salvatore Niewinter 1
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-07501-9
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gauntlgrym
E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten
Reihe: Die Niewinter-Saga
ISBN: 978-3-641-07501-9
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das uralte Zwergenreich Gauntlgrym war lange verlassen und verschollen. Bis eine Gruppe Abenteurer es wiederentdeckt und unbeabsichtigt eine riesige Feuerkreatur freisetzt, die beinahe ganz Niewinter in Schutt und Asche legt. Als der Dunkelelf Drizzt Do’Urden davon erfährt, brechen er und der Zwerg Bruenor sofort auf, um die Bestie zu stoppen. Um Erfolg zu haben, bleibt ihnen keine andere Wahl, als sich mit ihrem Erzfeind Jarlaxle zu verbünden. Doch können sie ihrem alten Widersacher wirklich ihr Leben anvertrauen?
R. A. Salvatore wurde 1959 in Massachusetts geboren, wo er auch heute noch lebt. Bereits sein erster Roman »Der gesprungene Kristall« machte ihn bekannt und legte den Grundstein zu seiner weltweit beliebten Romanserie um den Dunkelelf Drizzt Do´Urden. Die Fans lieben Salvatores Bücher vor allem wegen seiner plastischen Schilderungen von Kampfhandlungen.
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Prolog
Das Jahr der wahren Vorzeichen (1409 DR)
Über König Bruenor Heldenhammer von Mithril-Halle ließe sich viel berichten. Man konnte ihn mit Fug und Recht als Kämpfer, Diplomat, Abenteurer und Anführer von Zwergen, Menschen und sogar Elfen bezeichnen. Bruenor hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass die Silbermarken zu einer der friedlichsten und wohlhabendsten Regionen von Faerûn wurden. Sein Waffenstillstand mit dem Ork-König Obould Todespfeil war eine geradezu visionäre Leistung gewesen, die kaum ein anderer Zwerg zustande gebracht hätte. Zumal dieser Burgfrieden nach Oboulds Tod auch von dessen Sohn und Nachfolger Urlgen, Obould dem Zweiten, eingehalten wurde.
Dieser wahrhaft bemerkenswerte Erfolg hatte Bruenor seinen Platz in den Legenden der Zwerge gesichert, auch wenn viele Zwerge aus Mithril-Halle noch immer murrten, weil man mit den Orks nun anders umgehen musste als früher. Sogar König Bruenor selbst zog seine Entscheidung weiterhin Jahr für Jahr in Zweifel, doch letztlich stand fest, dass er mit seiner unerschrockenen Sippe nicht nur Mithril-Halle zurückerobert, sondern durch seine Weisheit auch den ganzen Norden verändert hatte.
Aber von all den Titeln, die Bruenor Heldenhammer also für sich beanspruchen konnte, hatten nur zwei stets nahtlos auf seine kräftigen Schultern gepasst: Er war Vater und Freund. Als Freund konnte es niemand mit ihm aufnehmen. Wer Bruenor seinen Freund nannte, wusste ohne jeden Zweifel, dass der Zwergenkönig sich inmitten eines Pfeilhagels oder angesichts eines angreifenden Erdkolosses jederzeit vor ihn werfen würde, ohne es zu bereuen, nur aus Freundschaft. Doch was den Vater anging …
Bruenor hatte nie geheiratet und nie eigene Kinder gezeugt. Stattdessen hatte er zwei Menschen an Kindes statt angenommen.
Zwei Kinder, die er inzwischen verloren hatte.
»Ich habe mein Bestes gegeben«, sagte der Zwerg zu Drizzt Do’Urden, dem Dunkelelfen, dessen Stimme für den Thron von Mithril-Halle erstaunlicherweise am meisten galt – zumindest wenn der Drow tatsächlich einmal dort weilte. »Ich habe sie alles gelehrt, was mein Vater mich gelehrt hat.«
»Das steht ganz außer Frage«, versicherte ihm Drizzt.
Der Drow hatte es sich in dem kleinen Nebenzimmer von Bruenors Gemächern in einem Sessel am Kamin bequem gemacht und warf nun einen prüfenden Blick auf seinen ältesten Freund. Bruenors dichter Bart wirkte weniger rot, sogar weniger orange, denn in die feurigen Locken mischte sich immer mehr Grau. Und seine zottelige Haarpracht begann sich ein wenig zu lichten. Normalerweise funkelten seine grauen Augen jedoch so eindringlich wie damals an den Hängen von Kelvins Steinhügel im Eiswindtal.
Nur nicht heute, und das war verständlich.
Den Bewegungen des Zwergs war die Melancholie, die so deutlich in seinen Augen geschrieben stand, jedoch nicht anzumerken. Er schaukelte energisch mit seinem Stuhl, sprang zwischendurch auf, um nach einem Holzscheit zu greifen, und warf diesen gut gezielt ins Feuer. Das Scheit knisterte und rauchte, ging aber nicht in Flammen auf.
»Das Holz ist verdammt feucht«, knurrte der Zwerg, stampfte auf den eingebauten Blasebalg und ließ einen langen, gleichmäßigen Luftstrom über die Kohlen und das heruntergebrannte Holz streichen. Eine ganze Weile beschäftigte er sich fachmännisch mit dem Feuer, schichtete die Scheite um und pumpte Luft hinein. Für Drizzt war dieses Verhalten ganz typisch für seinen Freund. Denn genauso gründlich kümmerte sich Bruenor um alles andere, vom wackligen Frieden mit den Orks bis hin zur Erhaltung der harmonischen Handlungsfähigkeit seines eigenen Clans. Alles musste genau richtig sein, so wie dieses Feuer es schließlich auch war, als Bruenor sich wieder setzte und nach seinem Krug Met griff.
Der König schüttelte den Kopf. Auf seinem Gesicht zeichnete sich Reue ab. »Ich hätte den stinkenden Ork umbringen sollen.«
Dieses Lied, das Bruenor seit der Unterzeichnung des Vertrags von Garumns Schlucht immer wieder anstimmte, kannte Drizzt nur zu gut.
»Nein«, widersprach der Drow wenig überzeugend.
Bruenor verzog hämisch das Gesicht. »Du hast doch auch geschworen, ihn umzubringen, Elf. Und trotzdem hast du ihn an Altersschwäche sterben lassen.«
»Immer langsam, Bruenor.«
»Immerhin hat er deinen Elfenfreund zerstückelt. Und seine Speerwerfer haben deine niedliche Elfenfreundin mit ihrem geflügelten Pferd vom Himmel geholt.«
In Drizzts Blick waren Schmerz und brodelnder Zorn zu sehen. Bruenor hatte schon zu viel gesagt.
»Aber du hast ihn am Leben gelassen!«, fluchte der Zwerg und schlug mit der Faust auf die Armlehne.
»Ja, und du hast das Abkommen unterschrieben«, erinnerte ihn Drizzt mit ruhiger, beherrschter Stimme. Er wusste, dass er nicht brüllen musste, damit seine Worte ihre vernichtende Wirkung entfalteten.
Bruenor seufzte und stützte sein Gesicht in eine Hand.
Drizzt ließ ihn ein Weilchen schmoren, doch schließlich hielt er nicht länger an sich. »Du bist nicht der Einzige, der sich darüber ärgert, dass Obould so lange in Frieden gelebt hat«, sagte er. »Keiner hätte seinen Tod lieber gesehen als ich.«
»Aber wir haben es nicht getan.«
»Wir haben das Richtige getan.«
»Wirklich, Elf?«, fragte Bruenor ernst. »Jetzt ist er tot, und sie wollen weitermachen, aber ist es ihnen wirklich ernst? Wie lange wird der Frieden halten? Wann verwandeln die Orks sich wieder in Orks und zetteln den nächsten Krieg an?«
Drizzt zuckte mit den Schultern, denn auf diese Frage hatte er keine Antwort.
»Genau das ist es, Elf!«, kommentierte Bruenor seine Geste. »Du weißt es nicht, und ich weiß es nicht, aber du hast mir geraten, den verdammten Vertrag zu unterschreiben, und ich habe den verdammten Vertrag unterschrieben, und … wir wissen es nicht!«
»Aber wir wissen, dass viele Menschen und Elfen und, ja, Bruenor, auch Zwerge in Frieden und Wohlstand leben können, weil du den Mut hattest, den verdammten Vertrag zu unterschreiben. Weil du beschlossen hast, auf den nächsten Krieg zu verzichten.«
»Pah!«, schnaubte der Zwerg und riss die Hände hoch. »Und daran kaue ich nach wie vor herum. Verdammter stinkender Ork! Inzwischen treiben die Handel mit Silbrigmond und Sundabar und den verdammten Feiglingen von Nesmé! Wir hätten ihnen damals in der Schlacht den Garaus machen sollen, bei Clangeddin!«
Drizzt nickte, denn gefühlsmäßig stimmte er Bruenor durchaus zu. Doch sein Kopf wusste es besser. Nachdem Obould einen Waffenstillstand angeboten hatte, hätte Bruenors Sippe allein gegen Zehntausende gestanden. Diesen Kampf hätten sie nie gewinnen können. Nur wenn Oboulds Nachfolger beschloss, den Vertrag zu brechen, würde der daraus resultierende Krieg alle aufrechten Königreiche der Silbermarken gegen die Orks vereinen.
Auf dem Gesicht des Drow zeigte sich ein verschlagenes Grinsen, das allerdings zur Grimasse wurde, als ihm die vielen Orks einfielen, die er inzwischen beinahe zu seinen Freunden zählte. Währte dieser Friede wirklich schon fast vierzig Jahre?
»Du hast das Richtige getan, Bruenor«, erklärte er. »Weil du es gewagt hast, dieses Pergament zu unterzeichnen, hast du Zehntausende davor bewahrt, in einem blutigen Krieg viel zu früh ihr Leben zu lassen.«
»Noch einmal könnte ich das nicht«, erwiderte Bruenor kopfschüttelnd. »Ich bin verbraucht, Elf. Habe alles getan, was ich vermochte, und kann es nicht wiederholen.«
Er tauchte seinen Krug in das offene Fass zwischen den Sesseln und nahm einen großen Schluck.
»Glaubst du, er ist noch da draußen?«, fragte Bruenor mit Schaum am Bart. »Im kalten Schnee?«
»Wenn er noch lebt«, antwortete Drizzt, »dann ist Wulfgar jedenfalls da, wo er sein möchte.«
»Und ich wette, seine alten Knochen protestieren bei jedem Schritt gegen seinen Dickschädel!« Mit dieser Bemerkung sorgte Bruenor für das bisschen Leichtigkeit, das die beiden heute brauchten.
Drizzt lächelte, als der Zwerg kichern musste, doch ein Wort aus Bruenors Seitenhieb machte ihn nachdenklich. Alt. Er selbst war als langlebiger Drow in den letzten Jahren körperlich kaum gealtert. Falls Wulfgar dort draußen in der Tundra des Eiswindtals noch am Leben war, musste der Barbar auf die siebzig zusteuern.
Diese Erkenntnis traf Drizzt bis ins Mark.
»Würdest du sie noch lieben, Elf?«, fragte Bruenor. Er war zu seinem zweiten, verlorenen Kind gesprungen.
Drizzt sah ihn an, als hätte er ihm eine Ohrfeige verpasst. Ein nur zu vertrauter Anflug von Ärger legte sich über seine einst so ausgeglichenen Züge. »Ich liebe sie immer noch.«
»Wenn meine Kleine noch bei uns wäre, meine ich«, sagte Bruenor. »Sie wäre jetzt so alt wie Wulfgar, und viele würden behaupten, sie wäre hässlich.«
»Das hat von dir auch manch einer behauptet, sogar, als du noch jung warst«, entgegnete der Drow, um dieses absurde Gespräch zu beenden. Natürlich würde auch Catti-brie jetzt siebzig werden, wenn sie nicht vor vierundzwanzig Jahren der Zauberpest zum Opfer gefallen wäre. Für einen Menschen war das alt, genau wie bei Wulfgar, aber hässlich? So etwas hätte Drizzt von seiner geliebten Catti-brie niemals denken können, denn in den hundertzwölf Jahren seines Lebens hatte der Drow nie jemand oder etwas Schöneres gesehen als seine Frau. In seinen Augen hätte sie nie etwas anderes sein können als perfekt, ganz gleich, welche Spuren die Zeit auf ihrem menschlichen Antlitz hinterließ, welche Narben sie aus...




