Saltzman | Die Zehntausend Dinge | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Saltzman Die Zehntausend Dinge


2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7504-7226-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-7504-7226-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das wichtigste Vokabel der Zehntausend Dinge ist "ich selbst". Was bin ich? Was kann ich über mich wissen? Laut Robert Saltzman ist es herzlich wenig und doch haben sich sehr viele von uns festgelegt, verloren in konventioneller Indoktrinierung und spiritueller Trance. Unsere Eltern sagen, "Robert, sieh mal, das bist du!", wenn wir uns im Spiegel erblicken. Hier wird der Schaden angerichtet. Wir beginnen das Ich als die von außen beobachtbare Form anzunehmen und sie mit dem innen erlebten Fluss von Gedanken und Gefühlen zu verwechseln. Wir nehmen an, dass die Persönlichkeit Gedanken erlebt, nicht dass wir Gedanken sind. Viele bleiben, ohne es zu bemerken, ein Leben lang mit diesem auf einem sozialen Konsens basierenden Irrtum identifiziert. Einige gehen sogar noch einen Schritt weiter und verfallen dem Glauben, mithilfe von spiritueller oder religiöser Praxis, die illusionäre Form namens Ich selbst weiterentwickeln und reparieren zu können, was Saltzman als die "Trance des Werdens" bezeichnet. Doch in diesem Prozess werden wir der einzigen Freiheit beraubt, die wir tatsächlich besitzen: In diesem Moment zu sein, was wir sind, zu sehen, was wir sehen, auszudrücken, was in uns steckt ist, ohne all dies verändern oder bekritteln zu wollen. Wir Menschen müssen mit einem großen Abgrund in unserer Wahrnehmung leben. Wir wissen nicht, was wir sind, wohin wir gehen und wozu wir überhaupt leben. Die Zehntausend Dinge beschreiben präzise und in wundersamer Poetik, die Ansichten eines Menschen, der lebt ohne diesen Abgrund mit Vermutungen zu füllen. Daraus resultiert psychologische Freiheit - es kann sich als plötzliches Erwachen äußern, das niemals enden wird. Im Nicht-Wissen-Können und -Dürfen ist große Erleichterung enthalten. Aber der Schmerz, den spirituell Suchende und religiös Überzeugte durch Rahmenerzählungen zu übertünchen versuchen, geht vom Wesen der Existenz selbst aus. Alle Dinge sind flüchtig und vergänglich. Nicht nur das Leben allgemein, selbst dieser Augenblick zerrinnt, bevor wir ihn begreifen können. Diesen Aspekt wird man niemals besiegen, lediglich die auslaugenden Gegenmaßnahmen ablegen können. Das Werk richtet sich an die vielen tausenden durch Aberglauben und Spiritualität geprägten Menschen, die bereits einen Instinkt für die Vergeblichkeit ihres Unterfangens freigelegt haben.

Der Autor wurde ursprünglich in den USA als Fotograf bekannt, etablierte sich später in Mexiko als Psychotherapeut und legte mit den Zehntausend Dingen sein erstes Werk vor, das inhaltlich von seinen Professionen losgelöst ist. Roberts Schreibstil über so schwierig greifbare Themen wie Gewahrsein und Bewusstsein ist ehrlich, prägnant und zutreffend. Seine Fähigkeit, seine Erfahrungen des Lebens in einer Realität zu beschreiben, die sich von konventionellen Denkweisen deutlich unterscheidet, ist auf brillante Weise ungewöhnlich.
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Ein Unbeschriebenes Blatt


F: Für viele von uns kann der Wahrheit ins Auge zu sehen beängstigend sein. Der scheinbare Verlust des Gespürs für die Grenzen meines persönlichen Selbst, meines Selbst, fühlt sich wie das ultimative Opfer an. Das kann uns ganz schön erschrecken, aber wenn wir offen für die Wahrheit sein wollen, müssen wir uns dem stellen. Konditioniertes Denken käme aus der Mode, wenn man Wahrheit finden würde, denn Erwachen bedeutet, konditioniertes Denken und konditionierte Weisen abzulehnen.

Im Wesentlichen ist der Mensch theoretisch offen für die unbegrenzte Wahrheit. In dieser Phase ist sich an die gehegten Konditionierungen zu halten zu schmerzhaft und da ist die Hilfe eines Freundes wie Robert unschätzbar wertvoll. Zum Zeitpunkt an dem ich dieses Opfer akzeptiere, spreche ich mit niemandem mehr darüber und ich bin sicher, dass alle recht glücklich darüber sind, dass ich die Klappe halte! Danke, Robert.

A: Sehr gerne geschehen. Ist doch schön, kein Besserwisser mehr zu sein, oder? Deine Dankbarkeit erinnert mich an die Wertschätzung, die ich für meinen verstorbenen Mentor Walter Chappell empfunden habe. Eine solche Person im Leben zu treffen, ist ein echtes Geschenk, obwohl es, wie eine schöne Rose, eine Art dorniges Geschenk ist.

F2: Shen Hui hat gesagt: "Es gibt einen Unterschied zwischen Erwachen und Befreiung. Das Erwachen ist plötzlich, aber die Befreiung kommt danach allmählich." Würdest du das bitte kommentieren?

A: Shen Hui hat das gut formuliert. Bevor man aus der erwacht, praktiziert man Meditation oder was auch immer, in der Hoffnung, etwas Erwünschtes zu erreichen. Mit dieser Erwerbseinstellung ist "Praxis" eine , das eines Rituals, das Leute ohne Praxis nicht haben. Man könnte etwa sagen, "Meine Praxis ist es, mindestens dreißig Minuten am Morgen zu meditieren und dreißig vor dem Schlafengehen." In der alltäglichen Welt des Überlebens und des Lebensunterhalts sind solche Bemühungen vielleicht notwendig und werden belohnt, doch auf dem Gebiet, von dem Shen Hui spricht, wird nichts durch Anstrengung gewonnen oder verloren. In jedem Moment sind die Dinge einfach so, sie sind, egal ob "ich" es mag oder nicht.

Dieses Verständnis ist nichts, was in einer imaginären zukünftigen Zeit nach ausreichender "Praxis" "realisiert" werden könnte. Es ist die einfache Erkenntnis der mysteriösen und unbeschreiblichen Soheit Moments. In dieser Erkenntnis gibt es keinen an Meditation, keine der Meditation und weder einen Meditierenden noch einen Macher von sonst irgendetwas. Die gesamte Erfahrung, diese bestimmte Sichtweise zu sein, von der man gelernt hat, sie als "Ich selbst" zu bezeichnen, fühlt sich unendlich mysteriös, nicht erwählt und unergründlich an. Was genau willst du angesichts dessen ?

Einer meiner Freunde ist ein ehemaliger Zen-Mönch, der nach dem Hochschulabschluss den Großteil seiner Zwanziger damit verbrachte, zehn Stunden am Tag mit dem Gesicht zur Wand zu sitzen. Fast zehn Jahre lang, zehn Stunden am Tag, in einem Raum mit anderen Mönchen sitzen, still und voneinander abgewandt und auf die Wände starren. Ich fragte ihn, was er aus dieser extremen Praxis gelernt hat. Mein Freund hat Sinn für Humor und seine Antwort war scherzhaft, wenngleich auch ein wenig trocken und ironisch: "Oh, ich bin ziemlich gut im auf Wände starren geworden."

Vor Jahren lernte ich eine weltberühmte buddhistische Lehrerin kennen, deren Bücher Bestseller sind und die Hörsäle und Kurszentren füllt. Innerhalb weniger Augenblicke, nachdem sie Hallo gesagt hatte und ohne jegliche Einleitung, fragte sie mich: "Also, was ist deine ?". Da wir uns gerade erst getroffen hatten, wirkte die Frage anmaßend und unter Druck setzend. Ihre Strategie der Identifikation mit der nannte Chögyam Trungpa "spirituellen Materialismus", welcher auf der Idee beruht, dass es etwas zu erreichen und dass man es durch Anstrengung erreicht.

"Ich?" antwortete ich, "ich habe keine ." Ihr war im Voraus gesagt worden, dass ich "etwas wüsste", aber als ich sagte, dass ich keine Praxis hätte, schwand ihr Interesse.

Wie Shen Hui sagte, ist Erwachen nicht allmählich, sondern unmittelbar und plötzlich. Es geht nicht um Praxis. Auf einmal siehst du, dass nichts . Nichts . Nichts . Außer in der Fantasie gibt es kein wählendes/entscheidendes "Ich selbst". Diese Fantasie verblasst und hinterlässt keinen vor dem unvermeidlichen, unaufhörlichen Strom des Bewusstseins. Die alten Geschichten gelten nicht mehr. In jedem Moment sind die Dinge so, sie sind und können nicht anders sein, ob es gefällt oder nicht.

Was immer du fühlst, denkst und siehst, bist du. Es gibt keine Wahl in der Sache, keine Flucht vor . Das ist es, was ich mit dem Wort "Erwachen" meine – ein plötzliches Bewusstsein, ganz unbestreitbar, dass alles, was du siehst, fühlst und denkst, bist.

Die Grenze zwischen dem Selbst und dem anderen löst sich auf. Das scheinbare "Andere" befindet sich nicht irgendwo "da draußen", sondern wird aus Wahrnehmungen, Gefühlen, Gedanken konstruiert. Du siehst, was siehst. Das ist , was du siehst. Und dieses Sehen bist .

Du vielleicht an einen kosmischen Plan, doch wenn du das tust, ist dieser Glaube und sagt nichts darüber aus, ob es wirklich einen solchen Plan gibt. Wie könnte ein Mensch wissen, ob es diesen Plan gibt oder nicht? Aufgrund welcher Beweise? Mit welcher Befugnis? Trotzdem sind sich unzählige Menschen eines solchen Planes und viele behaupten sogar zu wissen, was dieser Plan ihnen abverlangt.

Vielleicht glaubst du an einen Gott oder Götter, doch sagt das nichts über eine tatsächliche Gottheit aus. Wenn du darauf vertraust, dass "Gott" über dich wacht, deine Gebete hört und deine Taten beurteilt, dann ist das dein an die Existenz eines solchen Gottes. Es wäre möglich, dass weder diese Gottheit, noch irgendeine andere Art von höherem bewussten Wesen existiert (Ich sage nicht, dass es so ist; ich spreche nicht von Atheismus hier).

Der Gottesglaube wurde dir in den Geist injiziert, mindestens durch willkürliche kulturelle Osmose, oder, noch wahrscheinlicher, durch Osmose absichtliche Einprägung durch Bezugspersonen, die vor dem Alter der Vernunft begann. Dieser Glaube wurde demnach in dein Denken – in all unser Denken –, was nicht deine Schuld ist. ist deine Schuld. Du hast weder diesen Glauben noch sonst irgendetwas anderes je . Keine Wahl, keine Schuld.

Sobald das Glaubenssystem eines kosmischen Plans oder eines höheren Wesens in den Geist eingespeist wurde und dort Wurzeln schlägt, widersteht es jeder sukzessiven Entwurzelung. Die inneren Strukturen spiritueller Überzeugungen bieten einen standhaften Widerstand gegen die bewusste und reflektierte Eliminierung, inklusive der Punkte:

  1. Angst vor göttlicher Bestrafung oder nicht gerettet zu werden.
  2. "Beweise", wie die Aussagen von Zeugen angeblicher Wunder, oder die Bezeugungen angeblich heiliger Menschen oder Schriften.
  3. Vordergründig logische Argumente wie zum Beispiel, "Wenn es keinen Gott gibt, wie ist das alles hier entstanden?"
  4. Angst vor sozialer Verurteilung, wenn bemerkt wird, dass man nicht an Stammeszeremonien teilnehmen will.

Dieser Widerstand gegen die Entwurzelung des Glaubens ist das, worauf Shen Hui hindeutete. Gewissheiten, insbesondere solche, die früh im Leben installiert wurden, fühlen sich möglicherweise wie unentbehrliche Teile des emotionalen "Unterstützungssystems" an. Wie mir eine aus der Korrespondenz bekannte Freundin kürzlich sagte: "Ohne meinen Glauben an Jesus wäre ich ganz auf mich allein gestellt, um mit meinem Schmerz fertig zu werden."

Ideen wie diese schlagen Wurzeln durch absichtliche Pflege, allmähliche Konditionierung und forcierte Indoktrination, die ihrem Wesen nach unkritische Akzeptanz lehrt – du sollst solche Überzeugungen über den "Glauben" schlucken – und so ist es in der Folge unwahrscheinlich, dass die Vernunft allein, wenn sie später angewendet wird, sie wieder auflöst. Wie die Jesuiten sagen, "Gib mir ein Kind, bis es sieben Jahre alt ist und ich gebe dir den Mann." Wenn sie einmal so tief eingebettet sind, kann nur ein plötzlicher Blitz des Verständnisses solche Überzeugungen als die Fabrikationen entlarven, die sie sind. Wie wenn du das Licht in einem abgedunkelten Raum einschaltest, du plötzlich und dieses Sehen wirkt sofort. In der Frage, die Shen Hui "Erwachen" nennt, gibt es kein Erwachen. Du kriegst, was du kriegst, sobald du es kriegst – hundertprozentig oder gar nicht.

Alles, was du weißt, ist, dass "mein Selbst", der scheinbare...



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