E-Book, Deutsch, 350 Seiten
Rylee Bring mich ans Licht
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7396-7734-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, 350 Seiten
ISBN: 978-3-7396-7734-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In einem Keller an die Wand gekettet, dem Tode näher als dem Leben - so findet die Polizei die 25-jährige Marianna Lowe. Der Fall gibt Polizeihauptkommissar Francis Held Rätsel auf. Warum hatten die Entführer es auf eine einfache Büroangestellte abgesehen? Gegen seinen Willen stellt sein Chef ihm die Psychologin Dr. Vera Simms zur Seite - ein Gespann wie Katz und Maus, der in sich Gekehrte trifft auf die Extrovertierte. Ihre Ermittlungen führen sie auf die Spuren eines rumänischen Clans. Stückweise findet Held heraus, dass seine neue Partnerin nicht nur Informationen zurückhält, sondern auch noch einen eigenen Plan verfolgt ...
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Reifenwechsel
2. Januar - Hamburg Marianna erwachte, als der Wecker sie mit ihrem Lieblingssong Wrong von Depeche Mode aus dem Schlaf holte. Sie reckte sich und gähnte erst einmal. Ein kalter Windzug überraschte sie, sodass sie kurz die Decke über die Nase zog. »Wieso ist es so kalt?« Sie überlegte, ob sie das mollig warme Bett verlassen sollte. Nach kurzer Zeit entschied sie, den inneren Schweinehund zu überwinden und doch Joggen zu gehen. Die vergangenen Feiertage mit der Familie, verwöhnt von der Mutter mit dem vielen guten Essen, waren zu viel gewesen, da musste das Hüftgold wieder verschwinden. Da Marianna sehr schlank war und eine sportliche Figur hatte, fand sie, dass die zwei gewonnenen Kilos sofort wieder abtrainiert werden mussten. Entschlossen schlug sie die Decke zur Seite, doch sofort begann sie zu frösteln. Es war Januar und zu dieser frühen Stunde noch dunkel. Doch in wenigen Minuten würde die Dämmerung einsetzen und das Leben in der Stadt erwachen. Die ersten Schneeflocken waren über Nacht gefallen, die Wege noch nicht geräumt. Ihr Blick schweifte über eine wunderschöne Schneelandschaft. Sie legte ihre Hand auf die Heizung. Sofort zog sie die Hand zurück, als sie den eiskalten Heizkörper spürte. Sie war verärgert. »Das hat mir gerade noch gefehlt. Draußen haben wir Schnee und drinnen ist die Heizung kaputt. Jetzt muss ich auch noch den Hausmeister anrufen«, murrte sie. Sie beschloss, den Anruf zu verschieben, bis sie vom Joggen zurückkam. Vorher würde der Hausmeister sowieso nicht zu erreichen sein. Sie schlüpfte in ihre warme Unterwäsche, zog sich ein T-Shirt, einen Pullover und ihre Jogginghose über und überlegte, welche Laufschuhe diesem Wetter angemessen waren. Nachdem sie ihre Wahl getroffen hatte, holte sie ihren MP3-Player und verstaute die beiden Wohnungsschlüssel in der Armmanschette. Sie zog Mütze, Jacke und Schal an, band sich die Armmanschette um und sprintete die zwei Stockwerke herunter, immer zwei Stufen auf einmal. Damit begann sie ihr Aufwärmtraining. Vor der Tür atmete sie einmal tief durch, dehnte kurz ihre Beine und lief auf die andere Straßenseite, um ihre tägliche Tour durch den Park zu absolvieren. Der Schneefall ließ bereits nach, und die letzten Schneeflocken bahnten sich gerade ihren Weg zum Boden. Noch unberührt lag die Schneedecke da, ihre Schritte knirschten im Schnee. Sie erreichte die andere Straßenseite mit dem Eingang zum Stadtpark und begann ihren Parcours. Bei diesem Wetter sah sie nicht so viele Jogger wie sonst. Sie überlegte, ob sie Musik hören sollte, doch jetzt war ihr gerade nicht danach, und so genoss sie die reine Luft und beobachtete beim Laufen ihren Atem. Nur der ältere Herr mit seinem Pudel auf frühmorgendliche Gassi-Tour begegnete ihr. Sie nickte kurz beim Vorbeilaufen, und er grüßte sie mit einer knappen Handbewegung zurück, bevor er seine Arme wieder um den Körper schlang, um sich zu wärmen. Man kannte sich vom Sehen, doch nie wurde ein Wort gewechselt. Mariianna schaute auf die Uhr. Trotz des Schnees lag sie gut in ihrer Zeit. Normalerweise traf sie sich vor der Hundewiese im Park mit Sybille. Die beiden joggten dann ein Stück des Weges gemeinsam, bis zum nächsten Parkeingang, wo sie sich verabschiedeten. Sybille lief dann noch ein Stück weiter, während sich Marianna auf den Weg nach Hause machte. Heute war Sybille nicht gekommen. Marianna überlegte noch, ob sie einige Minuten warten und auf der Stelle laufen sollte. Ihr Blick ging erneut zur Uhr, die ihr signalisierte weiterzulaufen. Die Abenteuerlust überkam sie, und sie entschied, heute mal einen anderen Weg zu nehmen. Vielleicht traf sie ja noch auf ihre Joggingbegleitung. Doch heute schien sie kein Glück zu haben. Als sie den Park verließ, um auf dem Gehweg nach Hause zu laufen, entdeckte sie einige Meter vor sich einen weißen Lieferwagen. Ein hochgewachsener Mann schien gerade damit fertig geworden zu sein, ein Rad zu wechseln. Jetzt packte er seine Sachen zusammen. Nur noch das defekte Rad lag auf dem schmalen Gehweg; sie musste wohl darum herumlaufen. Sie bedauerte ihn … bei diesem Wetter eine Reifenpanne! Als Marianna an ihm vorbeilief, griff plötzlich eine Hand nach ihrem Arm und packte sie. Sie begann zu taumeln, rutschte aus und stürzte dem Mann ungewollt in die Arme. »Können Sie nicht auf ...« Weiter kam sie nicht. Der Mann schlang seine Arme um sie und drückte ihr seine Hand, die in einem dicken Lederhandschuh verpackt war, fest über den Mund. Marianna wehrte sich, trat und schlug um sich, versuchte zu schreien, doch die riesig wirkende Hand ließ kaum einen Laut durch. Plötzlich tauchte ein weiterer Mann vor ihr auf und sie spürte einen Stich im Hals. Ihre Sinne begannen zu schwinden. Gleichzeitig gaben die Beine unter ihr nach, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Unsanft wurde sie in den Lieferwagen gehievt. Das Letzte, was sie hörte, bevor eine Schwärze sie umfing, war der Knall einer zugeschobenen Wagentür. *** Marianna schlug blinzelnd die Augen auf und blickte in ein maskiertes Gesicht. Noch war alles leicht verschwommen und ihr war übel. So übel, dass sie sich übergeben musste. Der Maskierte sprang zur Seite. »Verdammt. Blöde Kuh, was soll das?« »Was ist da drüben los?« Eine weitere Stimme, doch sie konnte keine Person ausmachen. »Sie hätte mir fast auf die Schuhe gekotzt. Du hast zu viel von diesem Zeugs in die Spritze getan, du Idiot!« »Selber Idiot! Warum stellst du dich auch neben sie, wenn sie aufwacht. Das ist bei jeder anders. Das kann man nicht abmessen.« »Komm her! Und bring Eimer und Wasser mit, damit du den Dreck wegmachen kannst.« Sie fiel zurück ins Bett und wollte sich den Mund abwischen, als sie bemerkte, dass sie ihre linke Hand nicht bewegen konnte. Wenigstens war ihre Rechte frei, die langsam zu ihrer Stirn wanderte. Während sie versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen musste sie blinzeln. Vorsichtig wandte sie ihren Kopf, bis ihr Blick auf etwas silbernes über ihrem Kopf haften blieb. Um ihre linke Hand hatten sie einen silbernen Metallring gelegt. Daran war eine zehn Zentimeter lange Kette befestigt, die an einem weiteren Metallring angebracht war. Man hatte sie mit Handschellen an das Kopfbrett gekettet. Sie legte die Stirn in Falten, doch sofort meldete sich der stechende Schmerz zurück. Mühevoll tastete ihr Blick die Umgebung ab. Sie befand sich in einem Raum, der alles andere als gemütlich wirkte. Kahle hellgraue Wände. Eine einsame Leuchtstoffröhre an der Decke sorgte dafür, dass der Raum kalte Atmosphäre ausstrahlte. Das Licht blendete sie, sodass sie den Kopf zur Seite drehen musste: ein Stuhl, ein kleiner quadratischer Holztisch und das Eisenbett an der Wand, in dem sie lag – das war alles. Auf der gegenüberliegenden Seite entdeckte sie eine schwere Tür, die offen stand. Zudem roch es muffig, wie in einem Keller. Der zweite Entführer – leicht untersetzt und ebenfalls maskiert – trat ein, brachte einen Eimer mit Wasser und reinigte den Fußboden und das Bett. Er würdigte sie keines Blickes. Marianna zog an der Fessel, die ein schrilles Geräusch von sich gab, als Metall über Metall schrammte. Der Ton fuhr durch ihren Kopf, als hätte sie ein Blitz getroffen, und sie ließ sofort davon ab. »Was wollen Sie von mir? Wo bin ich hier?« Ihre Stimme war nur ein Krächzen, und sie brauchte dringend etwas Wasser, um sich den ekelhaften Geschmack aus dem Mund zu spülen. Keiner der Männer sprach mit ihr. »Bitte. Bekomme ich etwas Wasser?« Der Kleinere von beiden schaute sie an, nickte dem Großen zu, unterbrach die Säuberungsaktion und kam kurz darauf mit einer kleinen Plastikflasche Wasser zurück. Sie trank und war froh, den ätzenden Geschmack aus der Kehle spülen zu können. »Danke«, flüsterte sie schüchtern. Misstrauisch blickte sie die Männer an. Beide trugen dunkle Arbeiterhosen und dunkle Wollpullover. Ihre Gesichter verbargen sie unter Motorradmützen, die nur die Augen freiließen. Der eine von ihnen war hochgewachsen, ein Hüne von athletischer Figur. Sie erkannte ihn als denjenigen, der sie überwältigt hatte. Kein Wunder, dass sie keine Chance gegen ihn gehabt hatte, jetzt wo sie ihn in voller Größe vor sich stehen sah. Der andere war viel kleiner. Nur knapp einen Meter siebzig groß und leicht untersetzt. Aber was wollten sie von ihr? Sie war eine einfache Angestellte mit durchschnittlichem Gehalt. Ihre Eltern waren geschieden, und ihr verstorbener Stiefvater hatte ihrer Mutter ebenfalls nichts hinterlassen. Von ihrem leiblichen Vater hatte sie nichts mehr gehört, seit sie sieben Jahre alt war. Sie wusste noch nicht einmal, ob er überhaupt noch lebte. Ihre Mutter hatte nie darüber gesprochen, nachdem er einfach so verschwunden war. Der Kleinere verschwand schließlich mit dem Putzzeug. Sie setzte sich auf. Ihr war schummrig, sodass sie auf den grauen Fußboden starrte. Außer ihren Socken hatte sie nichts an den Füßen. Wenigstens hatte man ihr die Jogginghose und das Sweatshirt...




