Ryan | Nell Sweeney und die Spur des Todes | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Nell Sweeney-Reihe

Ryan Nell Sweeney und die Spur des Todes


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96087-755-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Nell Sweeney-Reihe

ISBN: 978-3-96087-755-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Gouvernante mit Herz und Detektivin aus Leidenschaft - Nell Sweeneys erster Fall
Spannender historischer Krimi für Fans von Annis Bell und Robert C. Marley

Boston, 1868: In düstere Armut hineingeboren, besitzt die junge Nell Sweeney kaum mehr als ihren Scharfsinn. Doch ihr Schicksal wandelt sich, als sie die Stelle als Gouvernante der unglaublich reichen Familie Hewitt antritt. Aber schnell begreift sie, dass unter einer vergoldeten Oberfläche auch hässliche Geheimnisse lauern können ...
Als die Hewitts erfahren, dass ihr ältester Sohn William, früherer Militärarzt und schwarzes Schaf der Familie, gar nicht tot ist, währt die Freude nur kurz. Denn William sitzt im Gefängnis, weil er im Opium-Rausch einen Mann getötet hat. Von der Schuld seines Sohnes überzeugt, verbietet August Hewitt seiner Frau, Will zu helfen. In ihrer Verzweiflung bittet sie Nell, William zu entlasten. Dafür muss Nell erneut in die dunkle und heimtückische Unterwelt eintauchen, der sie entflohen war. Wird sie es schaffen, die Wahrheit aufzudecken bevor sich des Henkers Strick um William Hewitts Hals legt?

Erste Leserstimmen
'Die Geschichte hat mich sehr positiv überrascht.'
'Nell Sweeney ist eine sehr sympathische und kluge junge Frau, die ich gleich ins Herz schließen konnte.'
'Es hat mir Freude gemacht, Nell bei ihren Ermittlungen zu begleiten.'
'Bis zum Schluss konnte ich das Ende nicht vorhersehen.'
'Die Geschichte lässt sich gut und flüssig lesen, außerdem hat mir der historische Hintergrund gut gefallen.'

Weitere Titel dieser Reihe
Nell Sweeney und der dunkle Verdacht (ISBN: 9783960877561)
Nell Sweeney und die blutrote Wahrheit (ISBN: 9783960877578)



P.B. Ryan ist das Pseudonym von Patricia Ryan. Sie ist USA Today Bestseller Autorin von mehr als zwei Dutzend Krimis und Liebesromanen, unter anderem der nationale Nummer 1 Bestseller Dunkel wie die Spur des Todes. Ihre Werke wurden von den Kritikern hochgelobt und in über 20 Ländern veröffentlicht. Sie hat bereits den RITA Award gewonnen (für Verhängnis des Herzens) und wurde vier weitere Male nominiert. Außerdem erhielt sie drei Romantic Times Awards und wurde mit Mord in der Spinnerei für den Mary Higgins Clark Award nominiert, dem zweiten Teil ihrer berühmten Nell Sweeney Krimi-Reihe.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Nell Sweeney und die Spur des Todes


Ein schlechtes Gewissen ist ein nagender Wurm,

der niemals endet.

Nicholas Ling,

Prolog


„Das wird schlimm …“ Dr Greaves sagte es so leise, dass Nell, die ihm im schwarzen Brougham der Hewitts gegenübersaß, ihn fast nicht gehört hätte. Mit ihrem Schal wischte sie über das beschlagene Kutschenfenster. Draußen peitschte der Wind die Bäume vor einem violetten Himmel, Regen schlug gegen die Scheibe. „Das Gewitter?“, fragte sie. „Oder …“ Ihr Blick fiel auf die Holzschatulle mit chirurgischen Instrumenten, die neben ihm lag, auf die Arzttasche zu seinen Füßen.

„Die Geburt“, sagte er. „ das Gewitter.“ Im grellen Licht eines Blitzes schien ihr sein Gesicht auf einmal alt, was ihr bislang nie aufgefallen war, wenngleich er fast doppelt so viele Jahre zählte wie sie. Cyril Greaves war rank und schlank, das Haar kaum ergraut. Und dann waren da seine gütigen Augen, das freundliche Lächeln.

An diesem Abend lächelte er indes nicht.

„Es muss schlimm stehen, wenn sie jemanden nach East Falmouth geschickt haben, um mich hinzuzuziehen. Familien wie die Hewitts stellen ihren Zimmermädchen keine Ärzte. Hilfe wird erst im allerletzten Moment geholt, doch dann ist es meist zu spät.“

Schweigend blickte er hinaus, und sie tat es ihm nach. Ein gleißender Blitz fuhr vom finsteren Himmel herab, grollender Donner ließ die Kutsche erbeben. Wenn sie morgen nicht zu erschöpft war, wollte sie die sturmgepeitschte Landschaft im Bild festhalten. Auf Dr Greaves’ bestem Papier, mit kräftig hingetuschten Strichen – schwarz die Bäume, grau laviert der Himmel.

Brady, der Kutscher der Hewitts, hielt vor einem hohen schmiedeeisernen Tor, das von zwei Männern in langen Pelerinen geöffnet wurde. Am holzverschindelten Pförtnerhaus vorbei fuhren sie eine lange, gewundene Auffahrt hinauf, an deren Ende im Gewitterschein ein selbst aus der Ferne imposant wirkendes Haus zu erkennen war, mit einer Vielzahl kleiner Türme und steiler Giebeldächer.

„Das ist Falconwood“, sagte Dr Greaves mit feinem Lächeln, als er ihren ungläubigen Blick bemerkte. „Die Familie verbringt jeden Sommer sechs Wochen hier, meist von Mitte Juli bis Ende August. Komisch eigentlich, dass sie nicht längst abgereist sind.“

„ Dieses … für gerade mal sechs Wochen?“

„Die Hewitts nennen es ihr Sommer-Cottage. Es hat zwanzig Zimmer, die hinteren mit Blick auf die Waquoit Bay.“

Nell dachte an die armselige Behausung, in der sie aufgewachsen war, an die zwei winzigen Zimmer, die sie sich während der ersten elf Jahre ihres Lebens mit ihrer ganzen Familie hatte teilen müssen.

Ihre Gedanken mussten ihr anzusehen gewesen sein. „Nell“, meinte Dr Greaves leise. „Gerade du solltest wissen, dass es im Leben nicht immer gerecht zugeht. Und doch machst du deinen Weg. Die meisten Menschen folgen der einmal festgelegten Bahn, wohin sie auch führen mag. Manche hingegen schlagen sich einen neuen Pfad durchs Dickicht des Lebens und gelangen so hinauf zu lichten Höhen. Du gehörst zu Letzteren.“

Das Hufgeklapper lenkte ihre Aufmerksamkeit zurück zum Haus, dem sie sich in weitem Bogen näherten. Wie das Pförtnerhäuschen war es mit silbrig grau verwitterten Holzschindeln verkleidet.

„Seit zwanzig Jahren verbringen die Hewitts den Sommer am Cape.“ Dr Greaves suchte Arzttasche und Instrumentenkasten zusammen. „Wahrscheinlich mögen sie die ruhige Abgeschiedenheit, denn fashionabel ist die Gegend nicht gerade. Ihr Haus in Boston hingegen liegt an der Colonnade Row.“

„Colonnade Row?“

„Der eleganteste Abschnitt der Tremont Street, mit prächtigen Stadtvillen, die Falconwood wie ein Gartenhaus aussehen lassen.“ Dr Greaves ging auf all ihre Fragen ein, ohne sich jemals über ihre Unwissenheit lustig zu machen. In den vier Jahren, die Nell schon bei ihm war, hatte sie mehr gelernt als in all der Zeit zuvor. „August Hewitt ist ein typischer Vertreter der Bostoner Oberschicht, vielleicht noch etwas bigotter als in diesen Kreisen üblich. Seine Frau ist Engländerin, sie haben mehrere Söhne, aber bis auf den jüngsten, den ich jeden Sonntag mit seinem Vater in der Kirche sehe, waren sie während der letzten Sommer nicht mehr mit von der Partie. Wahrscheinlich sind sie im Krieg.“

Die Kutsche hielt hinter dem Haus, vor einem Anbau mit gläserner Kuppel. Brady sprang vom Bock, spannte einen großen schwarzen Schirm auf und half Nell aus dem Brougham. „Ich lass Sie durch den Wintergarten rein“, rief er über das Prasseln des Regens hinweg. Sein breiter irischer Akzent war ihr schon vorhin aufgefallen. „Vor dem Haus ist alles überschwemmt. Hoppla – passen Sie auf, Miss, dass Sie nicht in die Pfütze treten.“

Mit einer Laterne ging er ihnen voraus in den dunkel daliegenden Wintergarten, in dem Nell exotische Pflanzen vermutet hätte, doch stattdessen sah sie …

Staunend folgte sie dem Kutscher zwischen den auf Staffeleien stehenden Leinwänden hindurch. Einige Seestücke zeigten die Waquoit Bay, ein oder zwei Stillleben waren zu erkennen, aber auf den meisten Bildern waren Porträts – keine formalen Porträts, sondern natürliche Darstellungen elegant gekleideter Menschen in opulentem Ambiente. Juwelen funkelten, Seide schimmerte, wenn diese erhabenen Geschöpfe im Licht von Bradys Laterne kurz Gestalt annahmen, ehe sie sich wieder im Dunkel verloren.

Am faszinierendsten fand Nell indes die Bildnisse dreier junger Männer, die immer wieder auftauchten, wahre Lichtgestalten mit ihrem goldblonden Haar, ihren strahlenden Gesichtern voll sorgloser Zuversicht, ihrer lässigen Eleganz. Zweifelsohne die Söhne des Hauses.

Auf einem Tisch lagen eine mit getrockneten Ölfarben verkrustete Palette und zerknäuelte Lappen, daneben stand ein Glas mit Pinseln. Skizzenblätter waren an die Querstrebe einer Staffelei geheftet. Ein schwacher Hauch von Leinöl und Terpentin hing in der Luft.

„Hier“, sagte Dr Greaves zu Nell und zeigte auf eines der Bilder. „Den sehe ich öfter in der Kirche.“

„Aye, der junge Master Martin – ein ganz Frommer.“ Brady zwinkerte Nell zu, als er ihr durch eine hohe Kassettentür den Vortritt ließ. „Für einen Episkopalen.“

Nell zwinkerte zurück. Wenngleich sie nicht fand, dass sie besonders irisch aussah, hatte sie sich längst daran gewöhnt, von ihren alten Landsleuten stets erkannt zu werden.

„Ich soll Sie zu Mrs Mott bringen“, sagte Brady und führte sie in die große, nur spärlich beleuchtete Küche. „Das ist die Haushälterin.“ Er zog am Klingelzug und zeigte auf den hell erleuchteten Flur hinaus. „Sie haben Annie nach nebenan ins Zimmer der Köchin gebracht. Annie MacIntyre – die Kleine, die das Kind bekommt. Normalerweise schläft sie oben bei den anderen Mädchen, aber als es so weit war, dachte Mrs Hewitt wohl, dass sie hier unten mehr Ruhe hat.“

Wie aus dem Nichts tauchte eine ältere Frau auf, die so hart und farblos wirkte wie eine Bleistiftskizze. Sie hatte ein blasses, bebrilltes Gesicht, graues, straff zurückgebundenes Haar und hielt die bleichen, knochigen Hände vor dem Bauch verschränkt. Ein schweres Schlüsselbund hing am Gürtel ihres schmucklosen schwarzen Kleides.

„’n Abend, Mrs Mott“, brummte Brady. „Ich geh mal Pater Donnelly holen. Wenn ich Sie nachher zurückfahren soll, Doc, sagen Sie Bescheid.“

„Machen wir. Danke, Brady.“

„Hier entlang.“ Mrs Mott drehte sich um und führte sie den Flur hinab, an dessen Ende ein junges Mädchen auf einem Schemel hockte. Unter ihrer weißen Haube stahlen sich ein paar rote Strähnen hervor. Missmutig kaute sie an ihrem Daumennagel.

„Mary Agnes“, fuhr Mrs Mott sie an und blieb vor einer verschlossenen Tür stehen. „Solltest du nicht oben sein und die Betten aufdecken?“

„Mrs Bouchard will mich hier haben. Für alle Fälle.“

„Du unterstehst aber nicht Mrs Bouchard, sondern mir. Und hör gefälligst auf …“

„Oh Gott.“ Hinter der Tür erklang das Stöhnen einer Frau. Ihrer Stimme nach zu urteilen, war sie sehr jung. Die Stimme einer weiteren Frau ließ sich vernehmen, doch ihre Worte wurden von einem gellenden Schrei übertönt. Entsetzt wich Mrs Mott zurück. Mary Agnes starrte an die Decke und kaute weiter an ihrem Daumennagel.

Dr Greaves klopfte. „Hier ist Cyril Greaves, der Arzt. Dürfte ich …“

Die Tür wurde aufgerissen. „Gott sei Dank.“ Eine kräftige Negerin mit rundem Gesicht und grauem, wie Raureif wirkendem Haar trat zur Seite, um sie hereinzulassen. „Ich bin Mrs Bouchard, Mrs Hewitts Krankenschwester. Sie hat mich um Hilfe gebeten.“

Falls der Doktor Nells Neugierde teilte, weshalb Mrs Hewitt eine Krankenschwester brauchte, so ließ er es sich nicht anmerken. Er dankte Mrs Bouchard und trat an das schmale Bett. Ehe Nell die Tür hinter ihnen schloss, sah sie Mrs Mott so lautlos wie ein Gespenst den Flur hinabhuschen.

Dr Greaves beugte sich über die blonde junge Frau, die ihn mit weit aufgerissenen Augen ansah, und fühlte ihr die Stirn. „Und, wie läuft es, Annie?“

„N…nicht so gut“, keuchte sie. „Irgendwas stimmt da nicht.“

„Das Kleine liegt quer, Doktor“, sagte Mrs Bouchard. „Vor vierzehn Stunden haben die Wehen eingesetzt, aber es rührt sich nicht.“

Dr Greaves zog sich den Rock aus und reichte ihn Nell, die ihn zusammen mit ihrer Haube und ihrem Umhang auf einen Stuhl in der Ecke des kleinen,...



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