Ryan | Nell Sweeney und der dunkle Verdacht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2

Reihe: Nell Sweeney-Reihe

Ryan Nell Sweeney und der dunkle Verdacht


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96087-756-1
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 2

Reihe: Nell Sweeney-Reihe

ISBN: 978-3-96087-756-1
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Gouvernante mit Herz und Detektivin aus Leidenschaft - Nell Sweeneys zweiter Fall
Spannender historischer Krimi für Fans von Annis Bell und Robert C. Marley

Boston, 1868: Die geborene Irin Nell Sweeney besitzt nicht viel in Boston - außer einem scharfen Verstand und einem mutigen Herz. Als Gouvernante der reichen Familie Hewitt gibt es genügend Momente, in denen ihr beides von großem Nutzen ist.
Als die armen Fallons zu Viola Hewitt kommen und sie verzweifelt um Hilfe bitten, ihre vermisste Tochter zu finden, beauftragt Viola ihre Gouvernante Nell, das Mädchen zu suchen. Zusammen mit Will, dem schwarzen Schaf der Familie Hewitt, entdeckt Nell ein Netz aus Intrigen, Gier und dunklem Verlangen, in das auch Wills Bruder Harry verstrickt ist. Und plötzlich schwebt Nell in tödlicher Gefahr ...

Erste Leserstimmen
'Durch die interessanten Handlungen, die gut beschriebenen Personen und Situationen hatte ich so viel Lesespaß, dass ich das Buch schnell ausgelesen hatte.'
'Ich sage voraus, dass man, wenn man einmal damit begonnen hat, Nell und Will wiedertreffen will ...'
'Endlich geht es weiter mit Nell Sweeney!'
'Das Buch hat mir inhaltlich sowie vom Schreibstil sehr gut gefallen.'
'Ich fand den ersten Band schon super, aber der zweite legt noch eine Schippe drauf!'

Weitere Titel dieser Reihe
Nell Sweeney und die Spur des Todes (ISBN: 9783960877554)
Nell Sweeney und die blutrote Wahrheit (ISBN: 9783960877578)



P.B. Ryan ist das Pseudonym von Patricia Ryan. Sie ist USA-Today-Bestsellerautorin von mehr als zwei Dutzend Krimis und Liebesromanen wie dem nationalen Nummer-1-Bestseller Dunkel wie die Spur des Todes. Ihre Werke wurden von den Kritikern hochgelobt und in über 20 Ländern veröffentlicht. Sie hat bereits den RITA Award gewonnen (für Verhängnis des Herzens) und wurde vier weitere Male nominiert. Außerdem erhielt sie drei Romantic Times Awards und wurde mit Nell Sweeney und der dunkle Verdacht - dem zweiten Teil ihrer berühmten Nell-Sweeney-Krimi-Reihe - für den Mary Higgins Clark Award nominiert.
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1. Kapitel



„Wir hatten letzten März einen Streit …“, sagte Nell Sweeney mit brummig tiefer Stimme, die angereichert war um einen im Wahnsinn erbebenden Unterton. Während sie mit einer Hand den riesigen Zylinder aus Pappmaschee festhielt, der ihr ständig vom Kopf rutschen wollte, fuhr sie fort: „… kurz bevor der da verrückt wurde. Da gab nämlich die Herzkönigin ein …“

„Zeigen! Zeigen!“ Gracie Hewitt sprang von ihrem goldenen Stühlchen am Kopf des niedrigen Teetisches auf. „Du musst mit deinem Löffel auf den Märzhasen zeigen!“

„Ach ja.“ Wie konnte Nell das nur vergessen, nachdem sie schon Dutzende Male Gracies Lieblingsstellen aus hatte vorlesen müssen – und seit Neuestem auch aufführen musste. Sie nahm den winzigen Silberlöffel, der neben der ebenso winzigen goldumrandeten Porzellantasse lag. „Wenn du dich hinsetzt wie eine richtige junge Dame, mache ich weiter.“

Das kleine Mädchen setzte sich wieder und bauschte seine weiße Schürze um sich her. Die Schürze war ganz genau der nachempfunden, die Alice auf den Illustrationen des Buches trug, und sie war Gracies erste eigene Näharbeit – ausgeführt mit den kleinen unbeholfenen Händen einer Vierjährigen unter der umsichtigen Anweisung Nells. Die Stiche waren krumm und schief, die Nähte hielten kaum zusammen, der Saum kräuselte sich. Aber Gracie trug sie in ihrer kindlichen Unschuld mit demselben Vergnügen wie ein Modell aus dem Hause Worth.

„Wir hatten letzten März einen Streit – kurz bevor der da verrückt wurde.“ Nell zeigte mit ihrem Teelöffel über den Tisch hinweg auf Albert, das liebevoll zerzauste ausgestopfte Kaninchen, das in der heutigen Morgenvorstellung den Märzhasen spielen durfte. Verstohlen schaute sie in das Buch, das aufgeschlagen vor ihr an der Teekanne lehnte. „Da gab nämlich die Herzkönigin ein Festkonzert, und ich musste das Lied vortragen …“, sie räusperte sich theatralisch, „… ,Husch, husch, kleine Fledermaus, warum fliegst du denn so kraus?’ Kennst du es vielleicht?“

„Es kommt mir bekannt vor.“ Gracie wusste den Text nicht nur auswendig, sie sprach ihn auch in einem bemerkenswert überzeugenden Tonfall britischer Oberschicht – eine getreue Nachahmung ihrer geliebten „Nana“ Viola Hewitt. Nell fühlte sich jedoch weniger an Viola erinnert als vielmehr an Violas ältesten Sohn William. Die Ähnlichkeit war schier unheimlich: dasselbe schwarze Haar, dieselben wachsamen Augen und das feine wissende Lächeln … Und wenn Gracie so sprach – ihr Akzent zwar weniger ausgeprägt als der von Will, der in England aufgewachsen und zur Schule gegangen war, aber doch sehr ähnlich –, lief es Nell heiß und kalt den Rücken hinab.

„Wir werden uns wiedersehen, Nell“, hatte er an jenem Tag auf dem Mount Auburn Cemetery zu ihr gesagt, bevor er in der bleichen Morgensonne davongegangen war. Das war nun fünf Monate her, und natürlich hatte sie ihn seitdem nicht mehr gesehen. Sehr außergewöhnliche Umstände hatten sie letzten Winter für wenige Wochen zusammengeführt, und sie konnte sich nicht vorstellen, auf welche Weise sich ihre Wege noch einmal kreuzen sollten. Dr. William Hewitt war trotz seines medizinischen Titels ein professioneller Spieler und den Drogen verfallen. Nell schien es, als habe er sich wie Opiumrauch in Luft aufgelöst, verschwunden in den engen Gassen Shanghais, und ward nie wieder gesehen.

Der Gedanke erfüllte sie mit einer wundersamen Mischung aus Verzweiflung und Erleichterung. Es sollte sie freuen, ihn los zu sein, hatte er es doch bestens verstanden, ihre längst begraben geglaubte Vergangenheit wieder aufzuwühlen. Sie sollte Gott danken, dass er fort war, und darum beten, dass er niemals zurückkehrte.

Ja, das sollte sie.

„Miss Sweeney!“ Gracie hopste auf ihrem Stuhl herum und schlug ungeduldig mit den Händen auf das Damasttischtuch. „Du musst das Lied zu Ende singen, damit ich meinen Satz sagen kann!“ Damit meinte sie ihre Lieblingsstelle. „Ich habe gesagt, ,Es kommt mir bekannt vor’, und du musst jetzt sagen …“

„Ja, ich weiß.“ Abermals mit der Stimme des Hutmachers sagte Nell: „Es geht, wie du weißt, so weiter: Kommst in einem hohen Bogen wie ein Teetablett geflogen …“

Ein lautes Klopfen an der Tür des Spielzimmers ließ sie beide zusammenfahren. Hart schlugen die Knöchel zweimal kurz hintereinander auf das Holz – – und hallten in der darauffolgenden Stille nach.

Gracie schnitt eine Grimasse. Auch sie kannte mittlerweile das unerbittliche Klopfen von Mrs Mott – der schon recht betagten Haushälterin, die aber immer noch ein despotisches Regiment im Stadthaus der Hewitts an der Tremont Street führte –, wenngleich deren Besuche im Kinderzimmer glücklicherweise recht selten waren.

Nell wollte gerade ihren Hutmacherzylinder absetzen, zögerte aber einen Moment und ließ ihn dann verwegen schief auf. Gracie jauchzte leise. Wie Mrs Mott wohl reagieren würde! Es war ein aberwitzig hoher Hut, den berühmten Illustrationen John Tenniels nachempfunden, mitsamt dem großen Preisschild. Nell und Gracie hatten ihn gemeinsam an einem glücklichen, verregneten Nachmittag gebastelt – aus Mehlkleister, Kaninchendraht und einem in kleine Stücke gerissenen – und ihn dann blau und gelb angemalt.

Schwungvoll öffnete Nell die Tür, eine Hand an der Krempe ihres Hutes, damit er ihr nicht vom Kopf fiel. „Mrs Mott, welch seltenes Vergnügen. Treten Sie ein.“

Ganz steif stand die Haushälterin in ihrem schwarzen Kleid da, ihre Lippen blass und schmal wie die Narbe einer alten Schnittwunde, als ihr Blick auf Nells Kopfbedeckung fiel. Mit betont regloser Miene sah sie beiseite. „Ihre Anwesenheit wird im Roten Salon erwünscht.“ statt wie – da war Nell sich sicher – ihre Dienstherrin es gewiss gesagt hatte.

„Ich komme gleich nach unten.“

„Sofort, wenn ich bitten darf.“

Die Worte ärgerten Nell, da Mrs Mott damit den Eindruck erweckte, sie hätte das Recht, Nell Befehle zu erteilen. Als Gracies Gouvernante – und eigentlich auch Violas Gesellschafterin – war Nell weder Dienerin noch Dame von Stand, sondern eine jener wenigen Frauen, die mit respektabler Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten. Sie unterstand nicht Mrs Mott, wie die Hausbediensteten, sondern Viola Hewitt, die ihr bei der Ausübung ihrer Pflichten erfreulich viele Freiheiten ließ.

Mrs Mott ließ ihren Blick durch das Kinderzimmer schweifen, wie sie es immer zu tun pflegte, wenn sie einen Raum betrat – wie ein Habicht, der nach etwas ausspähte, worauf er sich stürzen konnte. Es war ein geräumiges Zimmer, von Gracies großzügiger Nana so eingerichtet, dass es einem Salon in Versailles ähnelte, mit einer reich mit Stuck verzierten und mit pausbackigen Engeln geschmückten Decke, gravierten goldgerahmten Spiegeln und Unmengen geblümten Damaststoffes in schimmerndem Elfenbein, Muschelrosa und Meergrün. Nell konnte sich schon denken, was die grimmige alte Haushälterin sich dachte: All diese Pracht für das uneheliche Balg eines Zimmermädchens!

Als Viola Hewitt sich nach Gracies Geburt entschieden hatte, das Kind als ihr eigenes aufzuziehen, schlug ihr von allen Seiten Ablehnung entgegen. Niemand hatte diese Entscheidung jedoch so sehr missbilligt wie Evelyn Mott. Seit drei Generationen stand ihre Familie nun schon den Hewitts zu Diensten, und sie selbst kniete gläubig nieder vor dem Altar guter Erziehung – und der damit einhergehenden Tugend tadellosen Betragens. Bei den Bediensteten duldete sie keinerlei Verfehlungen, und schier hätte sie der Schlag getroffen, als sich herausstellte, dass Annie McIntyre ein Kind erwartete, denn besagtes Zimmermädchen war zwar verheiratet, doch ihr Gatte befand sich zum Zeitpunkt von Gracies Empfängnis im Krieg. Sehr zum Verdruss von Mrs Mott hatte Violas beherztes Eingreifen jedoch sowohl Annies Ruf als auch ihre Stellung zu retten vermocht – gemeinsam mit ihrem Mann arbeitete sie jetzt gar für die Astors in New York. Und Gracie hatte es davor bewahrt, im Armenhaus zu enden, wo sie – wie Nell leider nur allzu gut wusste – von Glück hätte sagen können, ihren ersten Geburtstag zu erleben.

Durch ihre winzige Brille musterte Mrs Mott das Mädchen, dessen Existenz ihrem straff und sorgsam geführten Haushalt Schande bereitete. Ob sie wusste, wer Gracies Vater war? Das Kind sah Will mit jedem Tag ähnlicher, zumal es nun auch anfing, in die Höhe zu schießen – schon jetzt war es so groß wie manche der Sechs- und Siebenjährigen, mit denen es jeden Nachmittag auf dem Common und im Public Garden spielte. Gewiss ahnte Mrs Mott, dass Viola das Kind auch deshalb adoptiert hatte, weil ihr ältester Sohn der Vater war. Ein Umstand, der die Abneigung der Haushälterin gegen den kleinen Eindringling keineswegs minderte – eher im Gegenteil.

„Sie sollten dem Kind beibringen, Erwachsene nicht so anzustarren“, bemerkte Mrs Mott. Bevor Nell sie unklugerweise daran erinnern konnte, dass Gracie sie nur deshalb anstarrte, weil sie von ihr angestarrt wurde, fuhr die Haushälterin auch schon fort: „Und Sie könnten ihr auch etwas Vorzeigbares anziehen, bevor Sie mit ihr runterkommen. Mrs Hewitt hat Besuch.“

Gracie runzelte verwirrt die Stirn und betrachtete verwundert ihre liebevoll genähte Schürze. Nell hoffte, dass sie die Bemerkung nicht verstanden hatte – und auch nicht um eine Erklärung bitten würde.

„Wer sind die Besucher?“, fragte Nell rasch.

„Ein Mann und eine Frau, ziemlich...



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