Ryan | KOPFGELD (Extreme 3) | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 364 Seiten

Reihe: Extreme

Ryan KOPFGELD (Extreme 3)

Thriller
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-726-6
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 3, 364 Seiten

Reihe: Extreme

ISBN: 978-3-95835-726-6
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
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Kapitel 2


Bald zählte zwei von ihnen.

Sie kamen auf sechs Uhr von Hay aus gesehen in Sichtweite. Tauchten aus dem Lagerhaus auf und stürmten auf den Niva zu. Auch diese beiden trugen Fußball-Trainingsanzüge. Der Kerl auf der linken Seite trug die Farben der türkischen Nationalmannschaft: rot und weiß, mit dem orientalischen Halbmond auf dem Rücken. Er besaß einen kahlrasierten Kopf, der eine faltige Kopfhaut offenbarte, und die Art von Statur, die auf ernsthaften Steroidmissbrauch hindeutete. Der Kerl auf der rechten Seite trug die deutschen Nationalfarben und hatte ein Gesicht wie ein Sack Kies. Beide waren mit PP-200-Maschinenpistolen bewaffnet, die mit Laseroptiken und taktischen Lampen an den Picatinny-Schienen ausgerüstet waren. Sie sahen wie zwei ehemalige Soldaten aus, die gerade einen Textildiscounter ausraubten.

»Wer ist das?«, fragte Saakje. Sie kauerte zwischen den beiden vorderen Sitzreihen.

»Keinen verdammten Schimmer«, antwortete Bald. »Aber ich weiß, dass Hay gerade in eine Falle getappt ist.«

Saakje runzelte die Stirn. Irgendwo hinter ihrem Marihuana-getrübten Schleier dämmerte ihr, dass das nichts Gutes bedeutete.

Hay drehte sich zu den Angreifern um, die auf sechs Uhr auf ihn zustürmten. Er warf einen Blick zu Testikel zurück. Der Kasache zuckte mit den Schultern und grinste entschuldigend, Hay aber blieb wie angewurzelt stehen und sein Hippie-Gehirn versuchte verzweifelt zu verstehen, was sich hier gerade abspielte.

Das versuchte er auch noch, als die Türkei ihre PP-2000 auf seinen Oberkörper richtete.

Dann kapierte er es.

Und versuchte, sich aus dem Staub zu machen.

Er kam keine zwei Meter weit, bis eine Flammenzunge gierig aus der PP-2000 schlug, drei heiße 9x18-mm-Parabellum-Geschosse aus dem Lauf zischten und seinen Knöchel zertrümmerten. Er stürzte zu Boden und umklammerte seinen Knöchel, aus dem das Gelenk wie ein Holzsplitter herausragte. Sein ganzer Körper zitterte. Hinter sich konnte Bald Saakje wimmern hören. Brasilien stolzierte zu Hay hinüber. Bei dem Hippie angekommen blieb er stehen und blickte mit schief gelegtem Kopf neugierig auf ihn hinab. Hays Gesicht war schmerzverzerrt. Brasilien trat Hay auf die Brust und ließ die Mündung seiner Saiga-12 von dem zertrümmerten Knöchel bis zu dem Punkt zwischen seinen Augen wandern. Dann ließ er die Saiga wieder hinabwandern, bis zu seinen Eiern.

Und drückte ab.

Die Schrotflinte bellte. Hay zuckte zusammen. Ein großer, dunkelroter Fleck erschien auf seiner Jeans. Dort, wo sich seine Männlichkeit hätte befinden sollen, war nun ein unansehnliches, wertloses Loch. Eine braune Lache breitete sich rasch unter ihm aus. Brasilien lachte, weil Hay die Kontrolle über seinen Darm verloren hatte. Er tätschelte Hays Kopf und wuschelte ihm durch die Haare. Bald sah, wie sich Deutschland ebenfalls Hay näherte und seine PP-2000 sinken ließ. Er zielte auf seinen Kopf.

Aber Deutschland schoss nicht.

Stattdessen hob er die Waffe wieder und richtete sie auf einen Punkt südlich des Niva. Türkei folgte seinem Beispiel.

Ihre PP-2000 zielten direkt auf den Wohnwagen.

»Baby, was …?«

In Panik drückte Bald Saakjes Kopf zwischen ihre Beine und duckte sich neben ihr hinter das Armaturenbrett. Zwei Kugeln donnerten durch die Luft und schlugen in die Seite des Wohnmobils ein. Das kreischende Geräusch von Metall, das Metall zerfetzte, klingelte Bald in den Ohren. Die Kugeln prallten von dem Sperrholzfurnier im hinteren Teil des Wohnwagens ab, wo Saakje keine dreißig Sekunden zuvor noch gesessen war.

Bald hörte, wie sich zwei weitere Schüsse aus den PP-2000 lösten. Die Kugeln schlugen in die Windschutzscheibe ein und ließen das Wohnmobil erzittern. Dann hörte er, wie die Scheibe zersplitterte und als Kaskade aus Glasscherben auf seinen Hinterkopf hinabregnete.

Und dann, als wäre nichts gewesen, hörten die Schüsse auf. Bald spähte über das Armaturenbrett. Durch die zersplitterte Scheibe konnte er Deutschland und Türkei erkennen. Sie riefen Testikel und Brasilien etwas zu. Testikel befand sich zehn Meter zu ihrer Rechten. Er eilte zur Fahrerseite des Mazda und winkte seinen Kumpanen verzweifelt zu, ihm zu folgen. Erst viel zu spät realisierte Bald, dass die Tengir sich das Geld und das Opium unter den Nagel reißen wollten. Sie hatten gesehen, dass Hay ganz allein bei dem Treffen aufgetaucht war, hatten eins und eins zusammengezählt und natürlich geschlussfolgert, dass sie doppelt abkassieren konnten. An ihrer Stelle hätte Bald genauso gehandelt.

Er zog den Schlitten seiner TT zurück und suchte nach dem beruhigenden goldenen Schimmern einer 7.62x25-mm-Tokarev in der Kammer. Fand es. Lächelte und ließ den Schlitten zurückschnappen. Griff nach dem Acht-Schuss-Reservemagazin in der Mittelkonsole hinter dem Schalthebel. Sagte zu Saakje: »Sobald ich Kugeln in diese Wichser pumpe, lässt du den Motor an.«

Saakje versuchte, tief aus ihrer Kehle eine Antwort hervorzupressen.

»Hay, er …«

Bald ignorierte sie. Er hatte keine Zeit für diesen Scheiß. Er stieß die Tür auf, glitt aus dem Wohnmobil, schlug die Tür Saakje vor der Nase zu und ließ sich in einer knienden Schussposition hinter das rechte Vorderrad fallen. Sein Training hatte ihm beigebracht, dass der Radstand den besten Schutz vor heranfliegenden Kugeln bot. Er rutschte einen Schritt nach links, hielt die TT mit beiden Händen für eine bessere Stabilität umklammert, fokussierte die Kimme, während er das Korn leicht außerhalb des Fokus ließ und übte leichten Druck auf den Abzug aus. Bereit, den Tengir die frohe Kunde zu überbringen.

Dann plärrte eine Sirene, und Bald erstarrte.

Das Heulen war noch etwas entfernt, aber deutlich zu hören. Bald spähte zu der Überführung hinauf. Oben war nirgendwo Blaulicht zu sehen. Es musste als von irgendwo tief in den Eingeweiden der Überführung kommen, dachte er. Aber die Sirenen genügten, um den Tengir eine Heidenangst einzujagen. Deutschland und Türkei wirbelten herum, ließen Bald zurück und rasten zu Testikel und dem Mazda. Sie sprangen in das Auto, und der Motor heulte bereits auf, als der Wagen mitten in der Straße zurücksetzte, wendete und dann nach Norden davonpreschte, genau in die entgegengesetzte Richtung von Bald, Saakje und dem Wohnmobil. Weg von den Sirenen, die durch die kasachische Nacht heulten.

Die Sporttasche hatten sie zurückgelassen.

Bald sagte sich, dass ihm nur eine Chance zum Handeln bleiben würde, bevor die Cops eintrudelten. Er sprang hinter der Deckung des Wohnmobils hervor und hastete die Straße hinunter. In acht großen Schritten war er bei Hay. Hinter ihm schrie Saakje: »Hilf ihm, Baby! Hilf Hay!« Bald knirschte mit den Zähnen und wünschte sich, sie würde einfach die Klappe halten.

Hay war ziemlich im Arsch. Er lag auf dem Rücken. Seine Brust hob und senkte sich in flachen Atemzügen. Ein leises, flatterndes Geräusch drang aus seiner Lunge. Seine Leistengegend war nur noch ein roter Brei. Immer wieder verlor er das Bewusstsein. Hays Augen rollten nach oben und starrten Bald an. Sie waren blutunterlaufen und der Mann so gut wie hinüber. Aber dann tat er etwas Seltsames. Er grinste Bald an. Ein breites, albernes, von rotgefärbten Zähnen geschmücktes Grinsen.

Blödmann.

Bald umrundete Hay. Bahnte sich einen Weg zu dem Niva. Dann erreichte er den Beifahrersitz. Er schnappte sich die Tasche. Sie war überraschend leicht. Andererseits wog Geld auch nicht viel. Selbst eine Million Dollar konnte ziemlich leicht sein. Bald wusste so etwas, denn er dachte oft an Geld. Als er auf dem Rückweg an Hay vorbeirannte, war der beschissene Hippie schon so gut wie auf der dunklen Seite angekommen. Er ließ sich Zeit damit, aber das war Bald egal. Er sprintete zu dem Wohnwagen zurück. Sprang hinter das Lenkrad. Warf die Tasche in Saakjes Schoß. Drehte den Zündschlüssel herum. Der Motor heulte auf.

»Was ist mit Hay?«, fragte Saakje. »Wir können ihn nicht einfach zurücklassen.«

Bald schwieg und trat stattdessen aufs Gas. Die Sirenen waren näher gekommen. Sie mussten unbedingt etwas Abstand zwischen sich und dem Blutbad bringen, bevor die Cops auf der Party auftauchten.

»Wir müssen etwas tun.« Saakjes Augen klebten an Hay.

, dachte Bald. Seiner Meinung nach hatte Hay genau das bekommen, was er verdient hatte. Er wollte mit den großen Jungs spielen, das war seine Entscheidung gewesen. Aber wenn man ganz allein zu einem Drogendeal fuhr, unbewaffnet, um sich dort mit ein paar Typen zu treffen, die anderen Leuten nur zum Spaß auch schon mal die Zähne herausrissen, dann hatte man es verdammt noch mal nicht anders gewollt.

Sie rasten von der Straße weg. Bald trieb den VW so weit an, wie es sein Motor und sein Alter erlaubten. Als sie auf die Verkehrsadern der Hauptstraßen abbogen, die sich durch Almaty wanden, flackerten Blaulichter an der Überführung auf. Bald fuhr schweigend weiter. Saakje hatte sich mit von dem Schock leeren Augen in die von Kugeln durchsiebte Dunkelheit des Wohnbereichs zurückgezogen. Im Rückspiegel beobachtete Bald, wie sie sich einen weiteren Joint rollte. Dieses Mal schichtete sie das Gras großzügiger auf, sprenkelte ein paar Tabakblätter darüber, rollte den Joint zusammen, zündete ihn an und nahm einen langen Zug. Ein Schild am Straßenrand informierte Bald darüber, dass er drei Kilometer von der Überführung entfernt war. Hay und die Tengir waren längst Geschichte.

»Was ist da passiert?« Saakje rauchte den Joint hastig auf. »Rede mit mir, Baby.«

...



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