E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Rudolf Dogs & Christmas
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-5186-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-6951-5186-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger in einer Kurstadt am Rande des Wiehengebirges. Bisher hat sie 8 weitere Weihnachtsbücher, mehrere Krimis und eine ganze Reihe Bücher mit Tiergeschichten veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
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Überraschung im Advent
Mit einem Blick zur Uhr stellte Vibeke fest: „Ach je, so spät schon. Hilft ja nichts, wir müssen trotzdem noch mal Gassi gehen.“
Ihr Mischling Yaris wedelte erfreut mit dem Schweif, er hatte offenbar genau verstanden, was sein Frauchen zu ihm gesagt hatte. Eigentlich passte das gar nicht mehr in Vibeke´s Zeitplan, aber natürlich war ihr klar, dass sie Yaris nicht vernachlässigen durfte. Er war so ein lieber kleiner Kerl, der ihr viel Freude machte, seitdem sie und Jonas ihn aus dem Tierheim zu sich geholt hatten. Vor einiger Zeit hatten sie erfahren, dass sie nie Eltern werden konnten; ein Hund war natürlich kein Ersatz für ein Baby, aber er tröstete sie ein wenig über diesen Kummer hinweg. Sie griff nach seiner Leine, und wenig später spazierten die beiden durch den kleinen Park in der Nähe ihres Hauses. Hier kannte Yaris sich bestens aus, deshalb ließ Vibeke ihn von der Leine, damit er sich ein wenig austoben konnte. Yaris rannte hierhin und dorthin, dann schnüffelte er an einigen Bäumen, um endlich an einem sein Beinchen zu heben. Erleichtert leinte Vibeke ihn wieder an.
„Jetzt aber schnell nach Hause. Herrchen kommt auch bald“, versprach sie, woraufhin Yaris erfreut bellte.
Unterwegs warf sie noch einen Blick in die weihnachtlich geschmückten Schaufenster. In drei Tagen war Heiligabend und sie suchte immer noch eine Kleinigkeit, mit der sie Jonas erfreuen konnte. Die Männer zu beschenken, ist gar nicht so einfach, schoss es ihr durch den Kopf. Dann klingelte ihr Handy. Jonas war dran und teilte ihr mit, dass er in etwa zwei Stunden zu Hause sein würde.
„Zumindest, wenn unterwegs kein Stau mehr ist“, hoffte er. „Ich freue mich auf Euch beide!“
„Wir freuen uns auch auf Dich, fahr vorsichtig“, bat sie.
Plötzlich begann Yaris wie wild an seiner Leine zu zerren. Das tat er doch sonst nie, wunderte sich Vibeke. Der kleine Hund zog sie zielstrebig zu einer der öffentlichen Telefonzellen. Dort bellte er, so laut er konnte. „Was hast Du denn?“, stöhnte Vibeke.
Neugierig trat sie näher, sah in die Zelle und stutzte. Im Innenraum stand eine richtige Babytragetasche. Oder war es eine Puppe, die darin lag? Vorsichtig öffnete Vibeke die Tür, um sich zu vergewissern. Himmel, darin schlief tatsächlich ein echtes Baby. Das konnte doch nicht wahr sein. Wer stellte denn sein Kind hier ab und vergaß es dann? Oder, war der Mutter womöglich etwas Schlimmes geschehen? Vibeke sah sich um, konnte aber niemanden entdecken. In der Telefonzelle war es zwar nicht so kalt wie draußen, aber dennoch viel zu kühl für ein Neugeborenes. Yaris hatte aufgehört zu bellen, nachdem er sein Frauchen dorthin geführt hatte, aber seine dunklen Augen verfolgten genau, was geschah. Vibeke beschloss, ein paar Minuten zu warten. Sicher würde die junge Mutter bald zurückkommen. Es konnte doch gar nicht anders sein, oder doch? Nachdem sie eine Weile dort gestanden hatte, zückte sie ihr Handy und rief Jonas an.
„Stell Dir vor, Yaris hat in einer Telefonzelle ein schlafendes Baby gefunden. Die Mutter scheint nicht in der Nähe zu sein. Denkst Du, es ist ausgesetzt worden?“, rief sie aufgeregt ins Telefon.
„Das kann ich mir nicht vorstellen“, versuchte Jonas, sie zu beruhigen.
„Ich habe schon über eine Viertelstunde gewartet, aber bis jetzt ist noch niemand erschienen.“
„Dann musst Du die Polizei anrufen. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht“, riet Jonas ihr.
Inzwischen fror Vibeke tüchtig, und auch Yaris tänzelte unruhig hin und her. Er wollte nach Hause. Es sah leider nicht so aus, als würde bald jemand kommen, um das Baby abzuholen, aber sie konnte es unmöglich allein und völlig schutzlos hier zurücklassen. Schließlich fasste Vibeke Mut und nahm die Tragetasche mit dem schlafenden Kind an sich. Dann eilte sie mit Yaris nach Hause. Die Polizei konnte sie auch von dort aus anrufen, fand sie. Immerhin war es dort warm. Sie fand es unverantwortlich, das Baby jetzt noch länger in der Kälte stehenzulassen. Daheim angekommen, stellte sie die Tragetasche erst einmal ab. Nachdem sie ihren Mantel und die Schuhe ausgezogen hatte, füllte sie schnell den Napf von Yaris. Normalerweise stürzte er sich gleich auf sein Futter, aber heute war das anders. Er begann vorsichtig an der Tragetasche zu schnüffeln und gab ein paar Töne von sich. Davon erwachte das Baby und schlug die Augen auf.
„Wer bist Du, und wo ist Deine Mutter?“, fragte sich Vibeke ratlos.
Dann nahm sie das Kind hoch. Dabei entdeckte sie in der Tragetasche einige frische Windeln und ein gefülltes Fläschchen, sowie eine Packung mit Babynahrung. Auch ein Brief lag darin. Mit dem Baby auf dem Arm ging sie in die Küche, um das Fläschchen anzuwärmen. Den Brief nahm sie mit und riss ihn auf, um ihn zu lesen.
Mehr stand nicht darin. Keine Unterschrift, gar nichts. Allerdings war dem Schreiben eine Geburtsurkunde beigefügt. Vermutlich hatte die Mutter erst vor wenigen Tagen im Krankenhaus anonym entbunden.
„Oh Yaris, da haben wir den Schlamassel.“
Dieses kleine Wesen tat Vibeke unendlich leid. Tränen traten ihr in die Augen. Warum konnte sie kein eigenes Baby haben, während eine andere Frau ihr Kind nicht behalten wollte?
Yaris schaute sie erneut an und jaulte leise. Sie musste die Polizei anrufen, aber das hatte Zeit. Erst einmal musste das Kind gefüttert werden. Außerdem wollte sie warten, bis Jonas bei ihr war, um sie zu unterstützen. Sie rief ihn noch einmal an, und er versicherte ihr, dass er bald zu Hause sein würde. Nachdem Vibeke das Baby gefüttert hatte, wechselte sie die Windel, wobei Yaris ihr neugierig zusah. Inzwischen hatte er seinen Napf geleert, aber er verfolgte weiterhin jeden ihrer Handgriffe. Als Vibeke sah, wie das Auto von Jonas auf den Hof bog, ging sie schnell zur Haustür, um ihm zu öffnen.
„Da bist Du ja“, rief sie erleichtert.
Jonas trat ein und nahm seine schluchzende Frau in die Arme.
„Dieses Baby, stell Dir vor, seine Mutter will es nicht haben! Denkst Du, wir könnten es zu uns nehmen?“
Er schaute sie überrascht an. Über eine mögliche Adoption hatten sie nie zuvor gesprochen. Aber war das nicht ein Wink des Himmels? Natürlich mussten sie zuerst die Behörden einschalten.
„Es ist ein kleines Mädchen“, erklärte Vibeke strahlend.
Die Kleine lag strampelnd auf einer Decke und gluckste fröhlich vor sich hin. Yaris saß daneben und ließ sie nicht aus den Augen. Ein reizendes Kind, dachte auch Jonas.
„Wir rufen erst mal die Polizei an, dann sehen wir weiter“, dämpfte er die überschwängliche Freude von Vibeke.
Er nahm das Telefonbuch zur Hand und suchte die Nummer der örtlichen Behörde heraus. Wenig später sprach er mit einem Beamten, dem er die Situation erklärte.
„Jetzt müssen wir auf die Polizei warten, und eventuell kommt auch gleich eine Dame vom Jugendamt mit“, informiert Jonas seine Frau anschließend.
Vibeke zitterte vor Aufregung.
„Glaubst Du, dass wir eine Chance haben werden, die Kleine zu behalten? Das wäre mein schönstes Weihnachtsgeschenk!“
„Das müssen wir abwarten“, mehr war Jonas in dem Augenblick nicht zu entlocken. Er nahm sich vor, lieber keine Hoffnungen bei ihr zu wecken, die sich womöglich nicht erfüllen ließen. Aber auch er konnte sich durchaus mit dem Gedanken anfreunden, dieses Baby großzuziehen. Die Kleine, mit den großen blauen Augen und dem zarten dunklen Flaum auf dem Köpfchen, berührte sein Herz ebenso wie das von Vibeke.
Etwa eine Stunde später klingelte es, und ein Polizist in Uniform stand vor der Tür. Er kam in Begleitung einer kleinen, etwas pummeligen jungen Dame, die er als Frau Zimmermann vom Jugendamt vorstellte. Die beiden bedankten sich zunächst einmal dafür, dass Vibeke die Kleine mitgenommen und sie benachrichtigt hatte.
„Normalerweise haben wir immer zwei Pflegestellen für die Babys, aber eine Pflegemutter ist schwer erkrankt, und die andere Familie ist im Weihnachtsurlaub. Könnten Sie sich eventuell vorstellen, das kleine Mädchen für ein paar Tage zu behalten?“, erkundigte sich die Dame.
„Natürlich, das traue ich mir problemlos zu. Meine Schwester wohnt in der Nähe. Sie hat zwei Kinder, das Jüngste ist jetzt anderthalb Jahre alt. Um die beiden haben wir uns schon häufiger gekümmert“, stimmte Vibeke eifrig zu. „Von ihr kann ich mir sicher alles Nötige leihen.“
„Sind Sie ebenfalls damit einverstanden?“, wurde Jonas gefragt.
Er nickte bestätigend.
„Sehr gut“, antwortete die Sozialarbeiterin sichtlich erleichtert. „Ich melde mich, sobald ich einen Pflegeplatz für die Kleine freihabe.“ „Wir würden sie am liebsten für immer behalten“, schaltete Jonas sich nun...




