E-Book, Deutsch, 428 Seiten
Rudolf Aus der Feder geflossen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-5824-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 428 Seiten
ISBN: 978-3-7583-5824-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
57 Geschichten, teils wahre Geschichten aus dem Leben.
Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges. Zu den bisher veröffentlichten Büchern gehören Tiergeschichten, Schmunzel - Krimis, Geschichten aus dem Leben und Weihnachtsbücher
Autoren/Hrsg.
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Eine gute Idee…
Seitdem Petra kürzlich während ihrer Schicht bei der Telefonseelsorge ihren Nachbarn, Herrn Fink, an der Strippe gehabt hatte, ließ ihr der Gedanke an dieses Gespräch keine Ruhe. Es gab so viel Traurigkeit und menschliches Elend, sogar in ihrer unmittelbaren Nähe. Im Dienst nannte Petra sich Johanna, und zum Glück hatte Herr Fink ihre Stimme nicht erkannt, als er ihr sein Herz ausschüttete. Dass seine Frau vor einigen Wochen verstorben war, hatte höchstwahrscheinlich außer ihr bisher auch niemand der anderen Hausbewohner mitbekommen. In dem großen Mietshaus, in dem sie lebte, kannte man allenfalls seine Nachbarn auf der gleichen Etage, häufig noch nicht einmal das. So wusste sie selbst auch nicht, wer nach der alten Dame, die vor ein paar Monaten in ein Pflegeheim umsiedeln musste, dort eingezogen war. Bisher war ihr das auch sehr recht gewesen, aber das Gespräch mit Karl Fink hatte sie aufgewühlt, und der Gedanke eine Nachbarschaftsfete zu organisieren, damit sich bei der Gelegenheit alle einmal treffen und kennenlernen konnten, ließ sie seitdem nicht mehr los. Daher nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und klingelte an der Wohnungstür gegenüber. Krause, der Name stand auf dem neuen Klingelschild. Einen Moment später öffnete sich die Tür, und eine kleine, sehr ausgefallen und bunt gekleidete Dame mittleren Alters wurde sichtbar. „Ja, bitte?“, fragte sie zurückhaltend. Petra nannte ihren Namen und trug ihr Anliegen vor. „Ich denke, das wäre eine gute Idee, zu wissen mit wem man Tür an Tür wohnt“, erklärte sie Frau Krause abschließend. Die nickte wohlwollend. „Warum nicht, ich bin dabei!“, entschied sie kurzerhand. „Das ist schön! Sagen Sie, kennen Sie zufällig schon jemanden aus dem Haus?“, erkundigte Petra sich. „Nein, bisher nicht, aber ich lebe ja auch erst seit Februar hier“, antwortete Frau Krause. Zu der Zeit hatte Petra ihren Resturlaub genommen und war für einige Tage nach Ibiza geflogen. In die Sonne, um dem trüben Schmuddelwetter hier zu entgehen. Sie wollte für ihren vielseitigen Arbeitsalltag bei der Telefonseelsorge wieder neue Kraft schöpfen. Ibiza hatte ihr wahrhaft gutgetan – in jeder Hinsicht. In dieser Zeit musste die neue Nachbarin, von ihr unbemerkt, eingezogen sein. „Frau Krause, hätten Sie eventuell Zeit und Lust das Fest mit mir zu organisieren?“, machte Petra einen erneuten Vorstoß. Frau Krause überlegte einen Moment, bevor sie antwortete. „Ich bin selbstständig und arbeite von zuhause aus, als freie Illustratorin für Kinderbücher. Derzeit habe ich keinen eiligen Auftrag. Vielleicht tut mir zwischendurch sogar eine Beschäftigung mit etwas ganz anderem gut“, erklärte sie und fuhr fort: „Ich mache mir in den nächsten Tagen ein paar Gedanken und entwerfe ein Rundschreiben, das wir dann in jeden Briefkasten stecken können. Was halten Sie davon?“ „Oh ja, das wäre natürlich eine großartige Hilfe!“, bedankte sich Petra. Auf so ein fabelhaftes Angebot hatte sie überhaupt nicht zu hoffen gewagt. Ihre Sympathie für die neue Nachbarin stieg. „Ich dachte, wir könnten im Hof Tische und Stühle aufstellen, und möglicherweise haben auch einige Männer Spaß daran, ein paar Bratwürstchen zu grillen. Wenn jeder zu der Feier etwas beiträgt, dann wird das auch für keinen zu teuer.“ „Das ist eine gute Idee“, gab ihr Frau Krause recht. „Wie sieht es mit einem Termin aus? Den müssen wir auf jeden Fall festlegen, haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht?“ „Stimmt, das sollten wir“, antwortete Petra und bat Frau Krause um einen Augenblick Geduld, damit sie ihren Terminkalender holen konnte. „Oder möchten Sie auf einen Sprung mit zu mir kommen?“, lud sie ihre Nachbarin ein. „Warum nicht, gern!“, mit diesen Worten zog Frau Krause ihren Hausschlüssel aus der Tür und ging mit Petra hinüber zu deren Wohnung. „Hübsch haben Sie es hier“, stellte sie fest, nachdem Petra sie höflich ins Wohnzimmer gebeten hatte. „Danke, ich fühle mich hier auch sehr wohl“, entgegnete Petra. „Darf ich Ihnen eine Tasse Kaffee oder einen Tee anbieten?“, erkundigte sie sich. „Ich nehme gern eine Tasse Tee, vielen Dank“, antwortete ihre Besucherin. Wenig später saßen sich die beiden Damen bei Tee und Keksen gegenüber und beratschlagten, wie sie ihre Pläne am besten umsetzen könnten. „Wie sind Sie eigentlich auf diese Idee gekommen?“, fragte Frau Krause. Petra überlegte. Sie durfte ja niemandem von ihrem Gespräch mit Karl Fink erzählen. Also sagte sie nur: „In meinem Job bekomme ich viel von der Einsamkeit der Menschen untereinander mit, vor allem, wenn sie so anonym leben wie wir in diesem großen Haus.“ „Das stimmt; ich habe bis vor Kurzem in einem winzigen Dorf auf dem Land gelebt, bevor ich mich von meinem Partner getrennt habe. Dort kannte man alle anderen Bewohner des Ortes. Jeder wusste über jeden Bescheid, das war mir auf die Dauer einfach zu eng. Aber hier ist es auch nicht ideal, da haben Sie irgendwie schon recht.“ Zwei Stunden und eine weitere Kanne Tee später, hatten sie ein Anschreiben an die Bewohner des Hauses aufgesetzt, in dem sie alle zu einer großen Nachbarschaftsfete als „Kennenlernfest“ am Samstag in drei Wochen einluden. Es wurde darum gebeten, dass jeder Mieter einen kleinen Beitrag dazu leisten möge, der in Form einiger Getränke, eines Salates oder einfach aus mitgebrachten Knabbereien bestehen konnte. Außerdem wurde gefragt, ob jemand bereit sei, ein paar Würstchen auf den Grill zu werfen. Sehr willkommen waren auch Tische und Stühle, die unter der großen Linde im Hof für dieses Nachbarschaftsfest aufgestellt werden sollten. Auf dem unteren Teil der Einladung wurde um eine kurze Rückmeldung gebeten. Außerdem konnte man Vorschläge machen, was man gegebenenfalls mitbringen würde. Diese Antwortzettel sollten wahlweise bei Petra oder Frau Krause in den Briefkasten geworfen werden. „Ich tippe das nachher noch ab, drucke es aus, und morgen stecke ich es in die Postkästen“, schlug Frau Krause vor. „Danke, das wäre prima, weil ich gleich zur Arbeit muss“, freute sich Petra. „Kein Problem, geht klar!“, versprach ihre neue Nachbarin, bevor sie sich verabschiedete. Als Petra spätabends von ihrem Dienst zurückkehrte, schaute sie noch einmal nach Post. Zu ihrer freudigen Überraschung fand sie in ihrem Briefkasten bereits die fertige Einladung für das geplante Fest. Frau Krause hatte ganze Arbeit geleistet und sogar einige kleine Vignetten darauf gezeichnet. In der linken oberen Ecke des Blattes lachte dem Betrachter eine strahlende Sonne entgegen, auf der anderen Seite sah man einen Grill, auf dem einige Bratwürstchen brutzelten und mehrere gut gefüllte Salatschüsseln standen auch bereit. Alles war so liebevoll und detailgetreu gezeichnet, dass man die Würstchen fast riechen konnte. Wie gut, dass sie Frau Krause um Hilfe gebeten hatte! Als Karl Fink am nächsten Morgen diese Post in seinem Briefkasten entdeckte, stutzte er. Sonst fischte er in der Regel hauptsächlich Reklame oder ab und zu eine Rechnung daraus hervor. Auf beides war er nicht sonderlich erpicht. Umständlich suchte er seine Lesebrille hervor, putzte sie gründlich und setzte sich an den Küchentisch, um sich diesen Brief genauer anzusehen. Einladung, schon das Wort klang verheißungsvoll, fand er. Dann las er weiter und war begeistert; natürlich würde er an diesem Abend teilnehmen! Das war keine Frage für ihn, wie schade, dass seine Elfriede das nicht mehr erleben konnte. Bei diesem Gedanken wischte er sich verstohlen eine kleine Träne aus dem Auge. Aber gleich darauf rief er sich zur Ordnung, sie hätte nicht gewollt, dass er traurig war, im Gegenteil, darum hatte sie ihn oft genug gebeten. Sofort füllte er den Anmeldezettel aus und bot an seine Balkonmöbel zur Verfügung zu stellen, sofern ihm jemand helfen würde, sie in den Hof zu tragen. Außerdem wollte er seinerseits gern einen kleinen Geldbetrag spenden, das sei das Einfachste für ihn. Den Schein fügte er seiner Antwort gleich bei. Ich freue mich! Diesen Satz hatte er noch schnell an den Rand geschrieben, bevor er den Umschlag mit seiner Antwort verschloss und ihn in Petra´s Briefkasten warf. Als sie diese Zeilen las, war sie sehr gerührt. Nur wenige Tage später hatten insgesamt zehn der zwölf Parteien zugesagt. Nur Herr Falke und Frau Schmöller konnten leider nicht teilnehmen, weil sie, zu ihrem größten Bedauern, an dem Tag bereits andere, wichtige Verpflichtungen hatten. Beide fanden diese Idee dennoch prima und hofften auf eine Wiederholung, damit sie beim nächsten Mal mit dabei sein konnten. Alle anderen Bewohner des Hauses Nr. 17 freuten sich, hatten Vorschläge gemacht wo man die Grills aufstellen konnte, und einige hatten auch ihre tatkräftige Hilfe versprochen. Mit so...




