E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: Soulfire
Rowe Küssen auf eigene Gefahr
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-939239-92-5
Verlag: U-Line UG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Soulfire Band 1
E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: Soulfire
ISBN: 978-3-939239-92-5
Verlag: U-Line UG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vier mal war Stephanie Rowe bereits für den RITA® Award nominiert, den Golden Heart® Award hat die Bestsellerautorin bereits gewonnen. In den USA ist sie eine feste Größe in den Verkaufscharts mit mehr als zwanzig Veröffentlichungen. Stephanie Rowe lebt in Neuengland und wollte ursprünglich einmal Rechtsanwältin werden. Doch sie trägt nur ungern Kostüme und die trockenen Gesetzestexte vertrugen sich wenig mit ihrer Vorliebe für Vampire, Werwölfe und andere übersinnliche Kreaturen.
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Kapitel 1
Als der eingebrannte Totenschädel auf seinem linken Brustmuskel zu qualmen begann, wusste Alexander Blaine Underhill III, dass er heute Abend wohl keine Gelegenheit mehr zum Sticken bekommen würde. Seine Flucht aus der Höhle der Weiblichen Tugenden, diesem Höllenloch, in dem er seit einhundertfünfzig Jahren von einer schwarzen Hexe gefangen gehalten wurde, fing gerade an, kompliziert zu werden. «Jungs, zeigt euch von eurer besten Seite. Das ist unser Auftritt.»
«Ich habe mich vor zwei Tagen rasiert. Reicht das?» Nigel Aquarius spurtete neben Blaine. Seine Kampfstiefel stampften dumpf auf dem rostfreien Stahlboden des Sticksaals. Er trug lediglich schwarze Lederhosen und hatte eine blassrosa tätowierte Rose auf seiner linken Wange. Seine Handflächen waren nur noch schwarze Kohlen. Glühende Stückchen lösten sich von ihnen und rieselten zu Boden. «Allerdings hab ich das Aftershave vergessen. Passiert mir aber auch jedes Mal, dass ich nach einer Party mit ausgehungerten Piranhas vergesse, mich ordentlich frisch zu machen.» Er hielt seinen kleinen Finger hoch, den er allerdings erst zur Hälfte wieder hatte nachwachsen lassen. «Ich hasse Fisch.»
Blaine sprang über eine Vipern-Brutgrube. «Spinnen sind schlimmer.»
Nigel verzog das Gesicht. «Die Hexe kennt sich bestimmt ziemlich gut mit Spinnen aus.»
An diese Hölle wollte Blaine sich nicht zurückerinnern. «Hat mich nur härter gemacht. War unterhaltsam.»
Nigel warf ihm einen vielsagenden Blick zu. «Oh ja, das war es mit Sicherheit.»
Wenn man einmal hundertfünfzig Jahre der nicht vorhandenen Gnade von Angelica, der Großmutter des Todes, ausgeliefert war, bekam das Wort «Hölle» eine ganz neue Bedeutung. Die schwarze Hexe verfolgte ihr Ziel, die mächtigste Zauberin aller Zeiten zu werden, mit diabolischer Bestimmtheit, und was ihre kleinen Experimente betraf, so ging sie nicht gerade zimperlich zur Sache. Skrupelloses, bösartiges Miststück direkt aus der Hölle war eine recht treffende Beschreibung für sie. Blaine und die anderen Jungs hatten ein Jahrhundert lang an ihrem Fluchtplan gefeilt und heute hieß es endlich hasta la vista!
Blaine schickte ein Grinsen in Richtung der Überwachungskamera, die er vor wenigen Augenblicken deaktiviert hatte. «Hoffentlich vermisst du uns.» Er hätte einiges dafür gegeben, sie unter vier Augen in die Finger zu kriegen und sie für alles, was sie getan hatte, büßen zu lassen. Aber seinem Gehirn hatte sie wenigstens keinen Schaden zufügen können und darum machte er sich jetzt lieber aus dem Staub, anstatt sich in eine Schlacht zu stürzen, die er niemals gewinnen konnte. Dass es eine einzelne Frau schaffte, vier knallharten Kriegern so dermaßen den Hintern zu versohlen, war schon verdammt peinlich. Wenn er hier raus wäre, würde er das in seinem Online-Dating-Profil lieber nicht erwähnen.
Grüne und rosafarbene Diskolichter begannen zu blinken und die Schreie von gefolterten Männern erfüllten den Raum.
«Feueralarm? Jungs, also wirklich. Könnt ihr nicht mal für fünf Minuten den Dampf in euren Hosen halten?» Jarvis Swain schloss zu den beiden auf. Ein kariertes Band hielt sein hellbraunes Haar im Zaum, und er war schweiß- und blutüberströmt, beides Überbleibsel des Kampfes, den er mit Sicherheit gewonnen hätte, hätte Blaine nicht zur Flucht geblasen. Für Jarvis war eine Trainingsstunde immer erst dann zu Ende, wenn sein Gegner blutend und halb tot am Boden lag. In seiner Faust hielt er sein Katana.
«Tolle Hosen», meinte Nigel und wies mit einem Nicken auf die gestickte gelbe Tulpe im Hüftbereich von Jarvis coolem Kampfanzug. Er hob eine Braue und fragte Blaine: «Ist das etwa ein Werk von deiner zarten Hand, Trio?»
Blaine ignorierte Nigels sarkastische Anspielung auf seine Abstammung. Wenn es nach ihm ging, so konnten alle seine Verwandten getrost zur Hölle fahren. Er hoffte sogar darauf, dass das schon längst geschehen war.
Er blickte über seine Schulter zurück, um nachzusehen, wo Christian Slayer blieb, das wichtigste Mitglied ihrer Gruppe. Doch der Sticksaal war leer. «Wo ist denn unser Romeo?»
«Als wir beim Blumenstecken durchkamen, ist er wieder umgekehrt. Wegen seiner Freundin.» Jarvis warf sein Schwert nach einem kleinen schwarzen Kästchen, das an der fünf Meter hohen Decke angebracht war. «Er hat ihren Duft gerochen und gemeint, sie müsse in der Nähe sein. Dann ist er los, um sie zu holen.» Die Klinge traf präzise, Funken flogen und der Alarm verstummte.
Blaine sprang im Lauf hoch und schnappte sich das Schwert. «Wir stecken hier mitten in der waghalsigen Flucht aus unserer ganz persönlichen Folterkammer und er hält sich damit auf, ein Mädchen zu retten?»
«Zumindest hat er das behauptet», erwiderte Nigel. «Und ich nehme es ihm ab, denn er ist ein wirklich beschissener Lügner.»
Sie rannten so schnell sie konnten auf die Tür am Ende des Ganges zu. Weniger als fünf Meter bis zur Freiheit. «Na, verdammt noch mal», fluchte Blaine und warf das Schwert mit dem Griff voran nach Jarvis Herz, «das ist wirklich süß von ihm.»
Jarvis fing das Schwert mühelos ab, seine Finger fanden ohne Zögern den Griff. «Findest du?»
«Klar. Nicht jeder Mann würde, bloß um ein Mädchen zu retten, sein Team in einem Kriegsgebiet auflaufen lassen.» Blaine hetzte weiter und zog im Laufen aus einem Beutel, den er um seine Hüften gebunden hatte, einige blaue Kugeln. «Ich respektiere seine Entscheidung. Aber selbstverständlich werde ich ihm dafür noch den Arsch aufreißen müssen – und bei zukünftigen Missionen ist er auf keinen Fall mehr dabei.»
Die drei Männer, die er für die Flucht handverlesen hatte, waren die einzigen Bewohner der Höhle der Weiblichen Tugenden, denen er auch sein Leben anvertraut hätte. Loyalität war für ihn, wie auch die anderen in seiner Gruppe, eine ernste Sache. Christians Abstecher zeigte, dass Ehre eine weitere wichtige Verpflichtung war, und Blaine war bereit, das zu akzeptieren. Egal, welche Konsequenzen es auch bedeuten mochte, er würde sich hinter jeden Mann stellen, der sich weigerte, jemanden zurückzulassen.
Plötzlich hörte er hinter ihnen das gedämpfte Trappeln kleiner Füßchen, die um eine Kurve geschlittert kamen. Er warf sich herum und drehte dabei die blauen Kugeln in seiner Hand. Die andere Hand wanderte instinktiv zu der langen Röhre hinab, die er an seinem Gürtel festgebunden hatte, um zu kontrollieren, ob das einzige Stickprojekt, das er mitnehmen wollte, noch in Sicherheit war.
Das war es.
«Meiner Meinung nach hat er etwas den Überblick verloren.» Nigel baute sich neben Blaines rechter Schulter auf und erhob seine glimmenden Hände in Richtung ihrer Verfolger. «Gevögelt zu werden beeinträchtigt seine Fähigkeit zum klaren Denken doch erheblich. Für mich ist da das Zölibat die bessere Lösung. Seid ihr dabei, Jungs?»
Blaine schnaubte. «Sex kann gut fürs Gehirn sein. Kommt ganz auf die Situation an.» Blaine schwenkte die blauen Bälle in seiner Hand. Sie begannen zu brennen. Er wollte nichts lieber, als diese Schätzchen nach den Dreckskerlen zu schleudern, die hinter ihnen her waren. Doch wenn Christian in deren Nähe war, würde er ihn mit in die Luft jagen. Wo blieb der Faulenzer bloß?
«Was weißt du denn darüber, dass einem Mann beim Vögeln das Hirn weggebrutzelt wird?», fragte Jarvis. «Wann hast du denn zum letzten Mal eine gehabt, Trio?»
«Ein richtiger Mann spricht nicht über seine Eroberungen.» Blaine hatte plötzlich den Geruch von Trockenfutter in der Nase und erstarrte. Er hoffte inständig, dass sich seine Vermutung über ihre Verfolger als falsch erweisen würde. Klar, eine anständige Schlacht war immer klasse für den Seelenfrieden – aber es gab Dinge, die waren einfach nur Stoff für Alpträume.
Jarvis lachte bellend. «Ein richtiger Mann führt darüber Buch und liest es hinterher seinen sexuell benachteiligten Kumpels vor. Zum letzten Mal durften wir ran, als Nigel mit Zahnpasta Strichmännchen an die Badezimmerwand geschmiert hat.»
Sie alle waren schon vor langer Zeit übereingekommen, dass die Intimitäten, zu denen Angelica sie zwang, nicht als Sex zählten. Manche Dinge waren einfach unantastbar.
Nigel warf Jarvis einen missmutigen Blick zu. «Lästere nicht über mein künstlerisches Talent. Du bist bloß neidisch, weil du dich nicht aus der Wochenendfolter bei der Hexe herausstricken kannst.»
«Ich habe mich bewusst dazu entschieden, mies zu stricken. Ihre Experimente stählen mich mehr.» Jarvis begann, das Schwert über seinem Kopf kreisen zu lassen. Die Energie, die er dabei erzeugte, elektrisierte die Luft. «Du bist ein Weichei. Du malst ihr einfach ein paar hübsche Bilder, damit sie mit dir zufrieden ist und dich die Folter schwänzen lässt.»
«Ich male gerne.» Nigels ungerührte Erwiderung spiegelte eine Erkenntnis wider, die sie alle teilten. Wenn es etwas gab, das sie tun konnten, um eine weitere Stunde, einen weiteren Tag unter der Herrschaft der blonden Despotin zu überstehen, war das jedes Mal ein kleiner Sieg. Nigel hatte Glück, dass sie für ihn die Malerei ausgesucht hatte, denn dem Schlaffi machte das tatsächlich Spaß.
Für Blaines gequälten...




