E-Book, Deutsch, Band 140, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Extra
Rothberg Ohne Eltern - ohne Heimat
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-247-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust Extra 140 - Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 140, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Extra
ISBN: 978-3-98986-247-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Name Gert Rothberg steht für Spitzenqualität im Bereich des guten Unterhaltungsromans. Die Schriftstellerin Gert Rothberg hat dem Liebes- und dem Schicksalsroman ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Sie schildert zu Herzen gehende, dramatische Handlungspassagen meisterhaft und zieht ihre Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Die Lektüre ihrer Romane ist ein einzigartiges Erlebnis. Nach zahlreichen Verwicklungen versteht es Gert Rothberg, ein brillantes, überzeugendes Happy End zu gestalten.
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Entzückt betrachtete Marianne Garde die leibliche Gegend. Sie war jetzt sehr froh, dass sie von der Autobahn abgebogen war, um ein Stück auf der Landstraße zu fahren. So lernte man die Gegend besser kennen und konnte sich auch ein besseres Bild von der Bevölkerung machen. Die kleinen Orte, durch die sie jetzt fuhr, machten einen gemütlichen und sehr sauberen Eindruck.
Der Raum Württemberg war ihr bisher ziemlich fremd gewesen.
Ihr Leben hatte sich fast ausschließlich im Norden von Deutschland abgespielt.
Nur im Urlaub war sie ein paarmal in den Süden und Westen gefahren.
Diesmal handelte es sich nicht um eine Urlaubsfahrt. Sie war in Stuttgart gewesen, um dort höchstpersönlich ihr Bild »Knabe am Teich« bei seinem neuen Besitzer abzuliefern. Das Bild hatte auf einer Ausstellung in München Beachtung gefunden, und sie war sehr froh gewesen, dass sie es hatte so gut verkaufen können. Als der Käufer dann auch noch eine Einladung für sie übers Wochenende ausgesprochen hatte, hatte sie gern zugesagt. Die Tage, die sie in einem Vorort von Stuttgart bei dem Käufer, Herrn Dr. Clausen, und dessen Familie verlebt hatte, waren dann auch sehr harmonisch und angenehm verlaufen. Mit einem Scheck in der Handtasche befand sie sich nun auf der Heimfahrt nach Hamburg.
Marianne Garde war im Augenblick mit sich und der Welt sehr zufrieden, und sie hatte auch allen Grund dazu. Mit ihrem Bild »Knabe am Teich« schien ihr nun endgültig der Durchbruch gelungen zu sein. Man kannte sie jetzt, und ihre Bilder fanden Käufer. Vor ihr lag noch ein langes Leben. Ein Leben, in dem sie malen konnte. Es gab ja so vieles, was sie entzückte und was sich lohnte, festgehalten zu werden. Sie war jung und hübsch. Es gab Menschen, die sie sogar für eine kleine Schönheit hielten. Warum also sollte sie nicht glücklich sein?
Unwillkürlich verlangsamte Marianne bei diesem Gedanken ihre Fahrt. Es kam ihr plötzlich zu Bewusstsein, dass sie sich davor fürchtete, nach Hause zu kommen. Seit dem Tod ihrer Eltern hatte sie schon öfter dieses Gefühl der Leere und die Angst vor der Stille ihrer Wohnung gehabt. Sie vermisste ihre Eltern noch immer sehr. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb sie sich wieder etwas mehr an ihren Jugendfreund Hartwig Brenner angeschlossen hatte, obwohl sie beide gar nicht zueinander passten. Aber es war schwer, Hartwig das beizubringen. Er konnte sehr stur sein und hatte es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, sie zu heiraten, obwohl seine Mutter davon gar nicht erbaut war. Sie hatte sich für ihren einzigen Sohn eine andere Frau erträumt. Eine Frau mit Vermögen und guten Verbindungen und keine Malerin.
Marianne gab etwas Gas, musste aber schon nach wenigen Metern mit der Geschwindigkeit heruntergehen. »Wildmoos« hieß der Ort, wie das Straßenschild ankündigte, durch den sie jetzt fuhr. Es war ein sehr idyllischer kleiner Ort mit hübschen Häuschen und sehr sauberen Straßen. Er war umgeben von Wäldern und sanften Hügeln. Mariannes Malerauge nahm das alles bewundernd auf. Ruhig und friedlich schien hier alles zu sein, als wäre die hektische laute Zeit noch nicht bis hierher vorgedrungen.
Auf dem kleinen Marktplatz gab es ein Gasthaus, das geradezu zum Verweilen einzuladen schien. Vor dem Eingang standen zwei mächtige alte Linden, die Marianne an ihre Kindheit erinnerten, an die Sommerferien bei ihren Großeltern im Mecklenburgischen. Auch die blühenden Blumen hinter den Fensterscheiben und die blütenweißen Gardinen riefen Erinnerungen an das alte Bauernhaus der Großeltern wach.
Kurz entschlossen brachte Marianne ihren Wagen vor dem Gasthaus zum Stehen. Warum sollte sie hier nicht einkehren? Was hielt sie davon ab, in dieser hübschen Gegend ein paar Tage Urlaub zu machen? Zu Hause wartete ja niemand auf sie.
Das Gasthaus hieß zum »Grünen Krug«, und ein Schild neben der Tür verkündete, dass hier die Wirtin selbst kochte und dass noch Zimmer frei waren.
Befriedigt stieg Marianne aus ihrem Sportwagen aus und reckte und streckte sich ein wenig. Tobsy, die kleine Hündin, die bis jetzt fest auf dem Rücksitz geschlafen hatte, hob den Kopf und blinzelte.
Tobsy war nicht reinrassig, aber sie war hübsch. Ihr schwarzes Haar glänzte wie Seide, ihre Ohren waren lang. Sie war gut gebaut und hatte kluge bernsteinfarbene Augen.
»Schlafmütze«, sagte Marianne lachend. »Wie wäre es mit frischem Wasser und leckerem Hundekuchen?«
Das Wort Hundekuchen verstand Tobsy sehr genau. Sie setzte sich auf und sah sich interessiert um. Die Gegend schien auch ihr zu behagen. Mit einem Satz war sie draußen, wo sie sich sofort für die dortigen neuen Gerüche zu interessieren begann.
Das Gasthaus war auch innen so nett und gemütlich, wie man es von ihm nach dem hübschen Äußeren erwartete. Durch einen kleinen Flur gelangte Marianne in den Gastraum, wo sie sehr freundlich von dem Wirt und der Wirtin begrüßt wurde. Alles war sehr geschmackvoll und dabei urgemütlich.
Marianne hatte Glück. Es war noch ein Zimmer frei. Es war ja noch keine Hauptsaison, die Schulferien hatten noch nicht begonnen. Auch gegen Tobsy hatten die Wirtsleute nichts einzuwenden. Sie hatten selbst zwei Hunde und waren ausgesprochen hundefreundlich eingestellt.
Das Zimmer lag im ersten Stock des Hauses. Es war groß und geräumig und hatte zwei Fenster, durch die man einen herrlichen Blick über Wiesen, Wälder und Felder hatte. Die Landschaft war leicht hügelig und bekam dadurch einen lieblichen Ausdruck.
Marianne beschloss, am nächsten Morgen mit ihrem Skizzenblock auf Motivsuche zu gehen. Ihre Stärke und Liebe gehörte eigentlich dem Porträt, aber sie hatte auch schon sehr gelungene Landschaftsbilder zustande gebracht. Am liebsten kombinierte sie beides. Vielleicht würde sie ein paar lohnende Motive, die sie später einmal verwenden konnte, finden. Ihren Skizzenblock und einige Malutensilien hatte sie stets bei sich.
Fast liebevoll nahm Marianne diese Dinge aus ihrer großen Tasche heraus und legte alles auf den Tisch am Fenster. Auch die anderen Sachen waren bald geordnet. Den kleinen Koffer, der einige elegante Kleider enthielt, die sie für die Einladung hatte mitnehmen müssen, ließ sie unausgepackt. Hier würde sie mit ihren geliebten Jeans und den einfachen Pullis auskommen, Hartwig würde zwar die Nase rümpfen, und auch seine Mutter, die Frau Oberstudienrätin Alice Brenner, würde ganz bestimmt ein paar spitze Bemerkungen darüber machen, dass die Frau, die ihr Sohn durchaus zu heiraten gedachte, in so saloppen Sachen herumlief.
Bei dem Gedanken an Hartwigs Mutter schüttelte sich Marianne ein bisschen und schnitt ihrem Spiegelbild eine kleine Grimasse. Sie beschloss, mit Hartwig ein sehr ernstes Wort zu reden und ihm noch einmal klipp und klar zu sagen, dass sie nie und nimmer seine Frau werden könne. Leider würde Hartwig nicht begreifen, warum und wieso sie ihn ausschlug. Nach seiner und seiner Mutter Meinung war er der Mann, den einfach jede Frau begehren musste. Er sah gut aus, hatte eine ausgezeichnete Stellung in einer großen Fabrik als Prokurist, und er war korrekt und vertrauenswürdig, solide, strebsam und sparsam. Leider besaß er aber keinen Funken von Humor, und er war dabei auch noch ganz ungewöhnlich ichbezogen und verwöhnt. Und Hunde mochte er auch nicht. Tobsy gegenüber hegte er geradezu lächerliche Eifersucht.
Nun, Tobsy erwiderte die Antipathie, und meistens beachtete sie ihn gar nicht, sondern tat so, als sei er für sie Luft. Marianne fand das ausgesprochen klug von der Hündin.
Während Marianne das dachte, stand sie vor dem Spiegel des kleinen Toilettentisches. Sie hatte eine Bürste in der einen und einen Seifenlappen in der anderen Hand. Sehr nachdenklich betrachtete sie noch einmal ihr Gesicht. Hässlich war sie ganz gewiss nicht. Ihr Gesicht war sehr apart. Es war schmal und wurde von den großen Augen beherrscht, die goldbraun waren und kleine leuchtende Pünktchen hatten. Sie standen weit auseinander und wurden von sehr dunklen und dichten Wimpern umrandet. Ihr Haar war dunkel und lockig. Es war kurz geschnitten, weil Marianne sich nicht gern damit abgab, stundenlang das Haar zu bürsten und aufzudrehen. Der kurze Haarschnitt war so wundervoll bequem.
Tobsy saß auf der Decke, die Marianne in einer Ecke für ihn ausgebreitet hatte, und verfolgte jede ihrer Bewegungen genau. Nachdem sie das Zimmer gründlich auf Gerüche untersucht hatte, machte sie einen gelangweilten Eindruck. Ihr Blick war ausgesprochen vorwurfsvoll und schien sagen zu wollen: Warum bist du nicht mit mir nach Hause gefahren? Im Kühlschrank hätte sich bestimmt etwas Gutes für mich gefunden. Als Marianne jetzt die Leine nahm, sprang die Hündin sofort auf und lief zur Tür. Erwartungsvoll sah sie zu ihrer Herrin auf und wedelte mit dem Schwanz.
»Wenn mich nicht alles täuscht, dann ziehen sehr verlockende Düfte durch das Haus. Ob wir leichtsinnig sind und uns ein gutes Schnitzel leisten? Oder lieber ein Kotelett? Des Knochens wegen, verstehst du?«
Tobsy schien verstanden zu haben. Das Wort Knochen kannte sie sehr gut. Für einen Augenblick leckte sie sich im Vorgeschmack der angekündigten Genüsse die kleine Schnauze.
Marianne hatte sich nicht getäuscht. Die Wirtin war in der Küche dabei, ein gutes Abendessen zuzubereiten. Marianne konnte ein Kotelett bestellen. Dazu gab es einen großen Salatteller und für Tobsy noch einen Knochen extra. Der Landwein, den die Wirtin ihr empfahl, schmeckte vorzüglich, und Marianne fühlte sich nach der Mahlzeit so richtig wohl und zufrieden. Es war wirklich ein guter Entschluss gewesen, hier anzuhalten, um sich in dem netten Gasthaus einzuquartieren.
Nach dem Essen machte Marianne mit Tobsy noch einen ausgedehnten Spaziergang,...




