Roth | Manifestation des Zorns | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3, 344 Seiten

Reihe: Galizina-Chroniken

Roth Manifestation des Zorns

Galizina-Chroniken Band 3
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-6545-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Galizina-Chroniken Band 3

E-Book, Deutsch, Band 3, 344 Seiten

Reihe: Galizina-Chroniken

ISBN: 978-3-6957-6545-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Höhepunkt der düsteren Fantasy-Saga über Verrat, Freundschaft und den Preis der Wahrheit. Statt heroischer Schlachten und strahlender Helden entfaltet sich eine Welt voller gezeichneter Seelen, brüchiger Loyalitäten und eines erbarmungslosen Kampfes um Herrschaft und Hoffnung. Paulina steht vor Gericht. Nach ihrer Gefangennahme durch das Westreich wird ihr von radikalen Elementen der Kirche des Einen Hochverrat vorgeworfen - ein Schauprozess in Westheim, der nicht nur über ihr Leben, sondern auch über die Zukunft des Reiches entscheiden könnte. Denn die Bedrohung durch die Manifestationen, arkanen Ungeheuern, wächst weiter. Immer deutlicher zeigen sich ihre Spuren an den Überlebenden - geheimnisvolle Zeichen, die niemand deuten kann. Auf der Suche nach Antworten stößt Paulina auf eine Wahrheit, die das Reich erschüttern wird. Währenddessen greift Kaiserin Alessia zu immer härteren Mitteln, um ihre Monarchie gegen die revolutionäre Republikanische Schar zu verteidigen. Überwachung, Repression und politische Intrigen lassen die Hauptstadt brodeln - und treiben einen Keil zwischen die einstigen Freundinnen. Als Paulina erfährt, dass Alessia eine ihrer Begleiterinnen ermorden lassen wollte, steht sie vor einer Entscheidung, die alles verändern könnte. Manifestation des Zorns ist der dritte Band der epischen Saga über Macht und Intrigen, Wahrheit und Verrat - und die Grenzen von Freundschaft und Vernunft.

Matthias Roth wurde 1995 in Süddeutschland geboren und entdeckte früh seine Faszination für die Geschichten, die in der Vergangenheit verborgen liegen. Diese Leidenschaft und die tiefgründige Erforschung vergangener Epochen prägen auch seine literarischen Werke. Sein Debütroman, der erste Band einer packenden Dark-Fantasy-Trilogie, führt die Leser:innen in die fiktive, frühneuzeitliche Welt von Galizina. In dieser komplexen, realistisch ausgearbeiteten Welt, verweben sich politische Intrigen, persönliche Schicksale und soziale Konflikte zu einem dichten Erzählteppich, der ohne klassische Gut-Böse-Trennungen auskommt. Mit seinen Romanen spricht Matthias Roth junge Erwachsene und Erwachsene an, die sich für tiefgründige Interaktionen verschiedener Charaktere und persönliche Dramen begeistern. Sie tauchen ein in eine Welt, in der Freundschaft, Machtspiele und Konflikte über verschiedene soziale Schichten, Altersgruppen und Geschlechter hinweg im Mittelpunkt stehen. Seine Werke sind geprägt von einer detailreichen, historischen Authentizität, die auf realen Ereignissen und Orten des mittel- und osteuropäischen Raums basiert. Neben dem Schreiben widmet sich Matthias Roth auch der Musik. Als Bassist in einer Alternative-Band und Betreiber eines kleinen Independent-Musiklabels bringt er seine kreative Energie und seinen Sinn für harmonische Komplexität in verschiedene künstlerische Ausdrucksformen ein.
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Kapitel I


Peiniger

Paulina Katja Nowgoroda der ostgalizinischen Handelsgilde war nicht ängstlich. Sie war zornig. Und sie spürte, dass es Zenon Grajev, Lieutnant der Goldhafener Stadtwachen, ähnlich erging. Das Gericht tagte in einem runden Kuppelgebäude, nahe des Woikowplatzes in Westheim. Paulina und Zenon standen in der abgesenkten Mitte des Gebäudes, der Boden zeigte ein kunstvolles Mosaik mit religiöser Symbolik. Kreisförmig um sie herum waren terrassierte Sitzplätze, die von schmalen Treppen unterbrochen wurden, auf denen Zeugen, Adelige, Militärs, Gerichtsdiener und andere, wichtige Persönlichkeiten des Westheimer Adels saßen. Die Sitzplätze gingen nur im Halbkreis um sie herum, in ihrem Rücken, dort wo es durch eine hohe, doppelflügelige Tür auf den Woikowplatz ging, saß niemand. Unmittelbar vor ihnen, erhöht, hatten der Richter und der Erzkonfessor der Westheimer Kathedrale des Einen an einem wuchtigen Tisch ihre Plätze und dahinter, sich mit der Hand die Schläfen massierend, König Alexandr Woikow, Herrscher über den Westteil von Galizina. Der Hauptankläger, Erzkonfessor Theodor Polyák, Berater des Königs in religiösen Fragen, saß zur Rechten des Richters, an einem separaten Tisch und blickte verächtlich auf sie hinab, während er in getragener, pathetischer Manier sprach. „Mein König, hoher Richter, die Sache ist ganz klar. Nowgoroda, Grajev, Dorn, Csorba und alle die sie begleitet hatten, haben sich gegen königlich-kaiserliches Recht verschworen. Sie paktierten mit dem Feind.“ Paulina, die normalerweise eine sehr friedliebende Person war, wünschte, der Mann, auf dessen Glatze sich die Lichter der Kronleuchter über ihren Köpfen spiegelten, würde erstochen werden. Zu tief saßen die Wunden, die er geschlagen hatte.

Die kalten Augen des Richters wanderten von Polyák zu Paulina. „Erklärt Euch.“

„Das habe ich bereits, hoher Richter.“ Paulina verschränkte die Arme vor der Brust. „Gemeinsam mit Zenon Grajev, Generalin Krystina Csorba, Apothecaria Maelle Dorn und einigen Soldaten der 6. Armee reiste ich nach Karenina um den dortigen… Geschehnissen nachzugehen.“ Sie mochte es nicht, den Grund ihrer Reise nicht offen ansprechen zu können, doch die arkanen Manifestationen, groteske Ungeheuer, die überall im Reich erschienen, waren das bestgehütetste Staatsgeheimnis des galizinischen Reiches. Sie musste vage bleiben. „Dort traf ich auf die Truppen unseres nördlichen Nachbarn, des Zarenreichs Levka. Sie waren aus demselben Grund in Karenina wie wir. Statt sie also offen anzugreifen und einen weiteren Krieg zu riskieren, arbeitete ich mit ihnen zusammen und gemeinsam… erledigten wir den Auftrag, den uns die Krone erteilt hatte. Unmittelbar danach wurden wir von Erzkonfessor Polyák überfallen.“ Paulina konnte nur mit Mühe den Hass in ihrer Stimme für den Mann zügeln, der ihre Freundin Maelle Dorn, die Generalin und all die anderen auf dem Gewissen hatte.

„Ihr gebt also zu mit levkischen Truppen paktiert zu haben?“, spie Polyák ihr vor die Füße. „Mit unserem Erzfeind? Den Menschen, die den Oblast Karenina annektieren wollen? Die, die so viele Galiziner im Sezessionskrieg getötet haben? Die…“

„Ich stelle die Fragen, Erzkonfessor“, blaffte der Richter und Polyáks Hassrede verstummte. Der Mann wandte sich wieder Paulina zu. „Beantwortet die Frage des Erzkonfessors.“

Paulina reckte trotzig das Kinn vor. „Ich bin eine kaiserliche Diplomatin, berufen von Kaiserin Alessia Loretta Vyrkov von Goldhafen. Ich war und bin dazu befugt mit levkischen Truppen auf galizinischem Reichsgebiet zu verhandeln. Und genau das habe ich getan. Ich handelte stets im Namen von Galizina und des Friedens und weise jegliche Anschuldigung zurück.“ Ein hörbares Raunen ging durch die Menge und Paulina hob die Stimme etwas. „Nicht nur führten wir den uns gegebenen Auftrag aus, wir verhinderten auch ein erneutes Aufflammen des Konflikts mit dem Zarenreich. Erzkonfessor Polyák eröffnete provokationslos das Feuer auf uns.“ Der Raum geriet in Aufruhr, mehrere der Anwesenden standen auf und riefen durcheinander. Paulina konnte aus der Masse nicht heraushören, ob sie gegen sie und Zenon oder gegen den Erzkonfessor skandierten. Sie musste schreien um sich gegen den Lärm verständlich zu machen. Wütend deutete sie auf den Ankläger. „Durch sein Handeln wurde nicht nur der Frieden mit Levka in Gefahr gebracht, es starben auch Apothecaria Maelle Dorn, Generalin Krystina Csorba und eine ganze Kompanie ostgalizinischer Soldaten. Er sollte vor Gericht stehen, nicht wir!“ Der Richter donnerte wild mit der Faust auf den Holztisch und Gerichtsdiener, die um das Rund verteilt standen, schlugen mit den Enden ihren hölzernen Gerichtsstäbe auf den, aus großen Marmorfliesen bestehenden Boden. Paulina atmete tief aus und ein. Die Nennung des Namens von Maelle hinterließ ein schmerzendes, ziehendes Gefühl in ihrer Brust. Sie versuchte das Gefühl auszublenden. Sie wollte Gerechtigkeit für sie, getrauert hatte sie während ihres Hausarrests schon wochenlang und sie würde es nach der Verhandlung weiter tun. Doch jetzt musste sie sich konzentrieren. Für Maelle, für Csorba, für Lev und Esther und all die anderen, die in Karenina durch die Verblendung von Polyák getötet worden waren.

„Ruhe! Ruhe!“, schrie der Richter. Während er versuchte Ordnung in sein Gericht zu bringen, versuchte Paulina einige Gesichtsregungen aufzunehmen. Sie war früher schon einmal in Westheim gewesen, doch kannte sie sich bei Hof nicht gut aus. Sie meinte jedoch einige Fraktionen in den Rängen zu erkennen. Da gab es die religiösen Fanatiker, die sie hasserfüllt anfunkelten, wild gestikulierend auf sie deuteten und ausnahmslos jeden Menschen aus dem säkularen Ostreich für einen gottlosen Ketzer hielten. Paulina erkannte auch einige Mitglieder der Inquisition, mit deren ostgalizinischem Pendant sie bisher wenig angenehme Erfahrungen gemacht hatte. Auch die Vertreter aus dem Westreich schienen diesen Eindruck zu bestätigen. Unter ihren dunklen Hüten musterten sie Paulina feindselig.

Doch Paulina meinte auch andere Strömungen wahrzunehmen. Große Teile der Adeligen sahen sie und Zenon mitleidvoll an und diskutierten laut mit ihren Sitznachbarn. Paulina wusste, dass Kaiserin Alessia aus dem Ostreich beim Volk in Westheim beliebt war. Die junge Kaiserin, die Friede und Aufbruch versprach, diejenige, die als Wiedervereinigerin der beiden Reichsteile gefeiert wurde. Sie waren auf Paulinas Seite, sie wussten um den Fanatismus einiger Vertreter der Kirche des Einen. Das hoffte Paulina zumindest. Die anwesenden Militärs konnte Paulina nicht einschätzen. Sie blickten mit versteinerter Miene vor sich hin, nur wenige ließen eine Gefühlsregung erkennen oder nahmen an dem allumfassenden Geschrei teil.

Und dann war da noch der König… Er hatte die Ellenbogen auf die wuchtigen Armlehnen seines thronähnlichen Stuhls gestützt und rieb sich mit den Fingern die Schläfen. Er wirkte genervt. Nicht von Paulina, wie sie hoffte, sondern davon, dass dieses Ereignis überhaupt stattgefunden hatte.

Nur langsam kehrte Ruhe ein und der Richter wirkte, wie der König, genervt, als er auf die vor ihm liegenden Dokumente sah. „Erzkonfessor Polyák, was brachte Euch zu der Annahme, dass Medame Nowgoroda, Lieutnant Grajev und die anderen Expeditionsteilnehmer Verrat begingen?“

Der Erzkonfessor stand auf. „Hoher Richter, das Zusammenarbeiten mit dem Feind. Sie haben mit Levka…“

Der Richter unterbrach ihn. „Wir befinden uns nicht mehr im Krieg mit dem Zarenreich. König Alexandr Woikow und Kaiserin Alessia Loretta Vyrkov haben in ihrer Weisheit beschlossen, dass es unerlässlich ist, die Spannungen zwischen unserem heiligen, vereinten Galizina und unserem nördlichen Nachbarn abzubauen. Wie mir der König sagte, wart ihr bei den Besprechungen, die vor Eurer und Medame Nowgorodas Entsendung nach Karenina stattfanden, anwesend.“

Erzkonfessor Polyák räusperte sich. „Das ist richtig, Hoher Richter Jokotun. Doch war das Überschreiten der levkischen Truppen der Grenze ein Kriegsakt. Das Operieren auf galizinischem Boden war eine ungeheure Provokation und…“

Erneut unterbrach ihn der Richter. Aus seinen kalten Augen funkelte er ihn an. „Und Ihr seid auf diese Provokation eingegangen? Diese Entscheidung stand Euch nicht zu, Erzkonfessor.“ Die Züge des Erzkonfessors entgleisten ihm fast, jedoch hielt er sich aufrecht. Er blieb stumm. „Ich möchte nun einige Stimmen hören, die gestern nicht mehr zu Wort gekommen sind“, fuhr Richter Jokotun fort und sah kurz auf das Blatt Papier, das vor ihm lag. „Inquisitor Zima Tyurin. Ihr habt das Wort.“ Paulina war überrascht, als sie einen sehr jungen Mann zwischen sich und Zenon und den Richter auf den Zeugenplatz treten sah. Er war bei Polyáks Überfall nicht dabei gewesen.

Selbstsicher begann er zu sprechen. „Hoher Richter, Erzkonfessor Polyák hat im Sinne des Westreiches und von uns...



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