E-Book, Deutsch, Band 2, 450 Seiten
Reihe: Forged in Curses
Rostowski Forged in Greed
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-598-4
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 450 Seiten
Reihe: Forged in Curses
ISBN: 978-3-98718-598-4
Verlag: VAJONA
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KAPITEL 1
Ihr Tod ist mein
Sloan
Regungslos sah ich den Jäger gegenüber von mir an. Tränen und Rotze liefen Jonahs erbleichtes Gesicht hinab. Sein Körper zitterte, während er mit leerem Blick auf den Boden starrte.
In mir regte sich nicht der kleinste Funken Mitleid. Auch keine Trauer oder Angst. All das sperrte ich hinter die Mauer, die mich vor meinen eigenen Gefühlen beschützte. Nur der brennende Zorn ließ sich nicht zurückhalten. Er brüllte unablässig in meinem Kopf, entzündete mein Blut, sodass es wie Lavaströme durch meine Venen floss.
Jonahs Schultern verkrampften sich unter meinem starren Blick, den ich nicht eine Sekunde von ihm nahm. Als wüsste er, dass nur sein Tod mich wieder besänftigen würde. Seiner und der von all den anderen Jägern, die mich angespannt im Auge behielten, als würde ich jeden Moment die Kettenglieder der Handschellen sprengen.
Ich saß mit hinter dem Rücken gefesselten Händen unbequem auf der Rückbank eines großen Autos, das ruckelnd durch Chicago fuhr.
Fort von dem Loft. Fort von Hesters und Diegos Leichen. Und auch fort von Lyssa, von der ich nicht wusste, ob sie bereits tot war oder noch immer gegen ihren Bruder kämpfte.
Bei dem Gedanken an die drei verkrampfte sich mein Inneres. Ich drängte die entsetzliche, schmerzende Trauer zurück, genau wie Sorge und das heiße Gefühl von Verrat. Mit alldem würde ich mich beschäftigen, wenn die toten Leiber der Jäger den Boden bedeckten.
Neben mir winselte Henry leise und kurz schlängelte sich Erleichterung durch meinen Zorn, weil sie ihn nicht einfach seinem Schicksal überlassen hatten.
»Ich wollte das nicht«, wimmerte Jonah leise. Nicht zum ersten Mal. Es nervte.
Natürlich hatte er nicht gewollt, dass Hester und Diego starben, dass ihr Blut Flecken auf dem Laminat hinterließ. Meine Nägel gruben sich in meine Handflächen.
Aber er hatte gewollt, dass der Orden mich mitnahm. Daher trug er auch die Schuld an ihrem Tod. Egal ob gewollt oder nicht.
Zögernd hob er den Kopf und sah zu mir auf, kämpfte sichtlich damit, meinem Blick standzuhalten. Die braunen Augen schimmerten feucht und seine Cap saß schief auf seinem Kopf.
»Es tut mir so leid.«
Ich starrte ihn weiter an. Meine einzige Regung bestand darin, dass ich mit der Zunge das getrocknete Blut von meiner Oberlippe leckte.
Jonah schluckte schwer und sah eilig wieder auf den Boden.
Sogar den Schmerz in meiner gebrochenen Nase und der ausgekugelten Schulter überdeckte der Zorn gewissenhaft. Der Schmerz war nichts weiter als ein dumpfes Pochen im Hintergrund. Bedeutungslos.
»Du solltest froh sein, dass du nicht neben deinen Leuten liegst«, murmelte die Frau neben mir.
»Ihr hattet kein Recht dazu, Faye«, zischte Jonah sie an.
Faye?
Ich drehte den Kopf zu ihr und musterte sie. Schwarze, leicht gelockte Haare, die sie im Nacken zusammengebunden hatte, und dunkelbraune, beinahe schwarze Augen. Sie war leicht gebräunt und dünn. Ich hatte mir die berüchtigte Jägerin eindrucksvoller vorgestellt. Schließlich führte sie neben Rosie die an. Eine Gruppe von Jägern, die selbst Lyssa nervös machte.
»Verrat, Jonah.« Sie verschränkte die Arme und starrte ihn wütend an. »Ihr habt einen Schmied versteckt. Für eure Zwecke ausgenutzt.«
»Wir haben ihn nicht –«
»Ihr habt den Orden verraten«, unterbrach sie ihn forsch. »Dafür musste es Konsequenzen geben. Du lebst nur noch, weil du deinen Fehler eingesehen hast.«
»Aber ihr hättet sie doch nicht direkt um–« Er verschluckte sich an dem letzten Wort.
»Nolan wird die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen haben.«
Jonah stieß einen verzweifelten Laut aus, schwieg jedoch. Dass er sich noch immer dem Orden unterordnete und wie ein geschlagener Hund hier saß, zerriss mir vor Hass beinahe die Brust. Ich dehnte meinen Nacken, um die Emotion in den Griff zu bekommen. Doch mein Puls hetzte weiter ungehalten durch meine Venen. Ich presste die Zähne zusammen, bis mein Kiefer schmerzte. Aber das Bild, wie ich mein Schwert in seine Brust trieb, flackerte unbeirrt in meinem Kopf.
Fayes Blick traf meinen, und als ich nicht wegsah, zog sie die Augenbrauen zusammen.
»Was guckst du so?«
Ich antwortete nicht, starrte sie einfach weiter an. Einige Sekunden lieferten wir uns ein stummes Blickduell, das erst durch ein Hupen, gefolgt von einer scharfen Bremsung unterbrochen wurde. Henry rutschte von der Sitzbank und ich hielt nur mit Mühe das Gleichgewicht. Schmerz flammte in meiner Schulter auf, bevor er sich wieder in den Hintergrund zurückzog.
»Idiot!«, fluchte der Fahrer und kämpfte sich wieder durch den dichten Verkehr der Stadt.
Faye schnappte sich den kleinen Hund vom Boden. Die Art und Weise, wie sie den kleinen Kerl vor ihr Gesicht hielt, als wäre er ein noch unerforschtes Objekt, störte mich so sehr, dass ich ihr in Gedanken mit bloßen Händen die Kehle zerfetzte.
Henry zitterte, was er jedoch immer tat, und blinzelte nervös mit seinen feuchten Glubschaugen.
»Lass den Hund in Ruhe.«
»Das ist kein .« Faye verzog das Gesicht, während sie Henry weiter musterte. »Das ist eine Ratte.«
Ich ballte die Hände hinter meinem Rücken zu Fäusten. »Lass. Den. Hund. Los.« Meine Stimme war leise, trotzdem klang die Drohung deutlich in den Worten mit.
Die Jägerin schenkte mir ein überhebliches Grinsen.
»Sonst was?«
»Sonst«, ich beugte mich leicht zu ihr, »werde ich dir jeden einzelnen Finger von der Hand reißen, dir Zahn für Zahn aus deinem Kiefer brechen und Fußnagel für Fußnagel aus deinem Fleisch ziehen.«
Sie hob eine Augenbraue und stieß ein belustigtes Schnauben aus. »Was für eine blühende Fantasie. Aber so schnell wirst du niemanden foltern, Schmied.«
Ich schenkte ihr ihr raubtierhaftes Grinsen, während der Gedanke an ihre Schreie ein erregendes Prickeln in mir entfachte. Die Magie meines Schwertes, das mit den anderen im Kofferraum lag, reckte sich nach dem Gefühl, verstärkte es. »Ich bin gut im Warten.«
Das selbstsichere Lächeln verrutschte für einen Moment und ihre Augen weiteten sich, bevor sie sich wieder fing und beiläufig Henry auf den Sitz zwischen uns setzte.
Dieser drängte sich sofort gegen mich.
Die Muskeln in meinem Körper verhärteten sich vor Anspannung. Das Schwert wisperte in meinem Kopf, doch ich war nicht in der Lage, mir Fayes Blut zu holen. Nicht solange ich gefesselt war, und erst recht nicht mit den Schmerzen in meiner Schulter und der Erschöpfung in meinen Gliedmaßen.
Es würde sich eine Chance bieten. Die Jäger wussten nicht, dass das Schwert mit der beschädigten Parierstange ihr Tod sein würde.
Jonah hatte herausgefunden, dass Lyssa es im Vorratsraum versteckt hatte. Denn er war es gewesen, der den Jägern im Loft mein Schwert gereicht hatte, mit dem Hinweis, es nicht in meine Nähe zu lassen.
Das Berserker-Schwert. Laut Lyssa stand es kurz vor der Vollendung.
Lyssa …
Meine Brust verengte sich bei dem Gedanken an ihre zierliche, blasse Gestalt. Ihre bunten Haare. Das arrogante Lächeln auf den weichen Lippen. Ihr Geruch nach süßer Kirsche.
Ich schüttelte innerlich den Kopf.
Diese verfickte Hexe!
Sie hatte mich dazu verleitet, das Schwert fleißig mit meinem Blut und dem von Hexen zu füttern. Hatte mich dazu ermutigt, damit sie es am Ende gegen Zain einsetzen konnte.
Ich biss die Zähne erneut zusammen. Scheiße, sie hatte mich eiskalt ausgenutzt. Mich angelogen. Gesagt, dass sie mich und meine Gier nach Rache verstand. Mich dazu getrieben, weiterzumachen, und dabei nur an sich und ihre eigene Rache gedacht.
Das Schlimmste daran war, dass mich die Wahrheit nicht gestört hätte. Sie hätte nichts daran geändert. Ich hätte ihr bereitwillig geholfen, das Schwert zu füttern und Zain zu töten.
Doch stattdessen hatte sie mich angelogen. Die gesamte Zeit. Und wenn ich eins nicht ausstehen konnte, dann war es, benutzt zu werden.
Fuck, damit war Lyssa nicht anders als all die anderen Hexen. Der Gedanke tat weh. Er tat so entsetzlich weh, dass der Schmerz unablässig durch die Risse meiner Mauer sickerte und ich kaum noch Luft bekam.
Ich hatte die Warnung ignoriert. Doch das würde mir nicht wieder passieren.
Hoffentlich tötete Zain seine Schwester nicht, denn das war etwas, das ich mit Freude selbst erledigen wollte.
Nach einiger Zeit hielt der Wagen an und ich wurde von dem Fahrer, einem jungen, grimmig dreinblickenden Jäger mit akkurat nach hinten gekämmten dunkelblonden Haaren, aus dem Wagen gezerrt.
Schmerz jagte durch meine Schulter und helle Blitze zuckten vor meinen Augen. Ich wankte gefährlich und nur der feste Griff des Jägers hielt mich davon ab, umzufallen.
Wir befanden uns auf einer breiten Auffahrt vor einem vierstöckigen altweißen Gebäude. Es sah eindrucksvoll aus mit den beiden breiten, geschwungen Treppenaufgängen.
Eine riesige Statue in Form eines Falken thronte davor und gab den einzigen Hinweis darauf, wo wir uns befanden. Die Chicagoer Basis des Nachtfalken-Ordens.
Ordentliche Beete zierten das Gebäude links und rechts und hohe Tannen standen daneben. Ringsherum war das Grundstück parkähnlich angelegt und einige Meter entfernt verlief eine...




