E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Ross Wieder im Paradies der Liebe
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7491-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7491-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie im Rausch genießt die berühmte Schauspielerin Lorelei die Nähe des erotischen Privatdetektivs Michael. Eigentlich soll er sie als Bodyguard ja vor einem irren Fan beschützen., doch die Leidenschaft lodert so heiß zwischen ihnen, dass sie bald jede Gefahr vergisst...
JoAnn Ross hat über 70 Romane geschrieben, die in 26 Ländern veröffentlich worden sind, einschließlich Russland, China, Frankreich und der Türkei. Zwei ihrer Titel sind in Auszügen im Cosmopolitan Magazin erschienen und ihre Bücher sind im Doubleday Buch Club und einem literarischen Führer veröffentlicht worden. Sie hat unzählige Preise erhalten, unter anderem den 'Lifetime Career Achievement Award'. JoAnn Ross lebt mit ihrem Ehemann in Tennessee wo sie immer wieder Inspiration in den neblig verhangenen Gebirgen vor ihrem Home - Office - Fenster gewinnt.
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1. KAPITEL
Michael O’Malley kannte keine schönere Frau als Lorelei Longstreet. Das lange Haar fiel wie Seide auf ihre nackten Schultern. Ein so hell leuchtendes Blond erzielte man normalerweise nur aus der Tube. Michael kannte Lorelei jedoch schon, seit sie Zahnspangen getragen hatte. Daher wusste er, dass ihre Haarfarbe echt war.
Ihre grauen Augen funkelten wie Silber im Kerzenschein, als sie geschmeidig wie eine Katze das Schlafzimmer betrat. „Weißt du, wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe?“, fragte sie mit einem sinnlichen Lächeln. „Schon seit einer Ewigkeit“, beantwortete sie selbst die Frage.
Genau wie früher bekam Michael Herzklopfen. Ihr Reiz wurde nicht dadurch gemildert, dass sie nur spielte. Sie sah ihm tief in die Augen, während sie herausfordernd langsam den schmalen Träger ihres Satinnachthemds von der Schulter schob. Er schluckte heftig, als der zweite Träger folgte und das Nachthemd, das sich wie eine zweite Haut um ihre weiblichen Kurven schmiegte, auf den Boden glitt.
Eigentlich war es unmöglich, aber plötzlich hielt sie eine Pistole in der Hand. „Tut mir leid, Schatz, das ist nicht gegen dich persönlich gerichtet. Geschäft ist Geschäft.“
Sie lächelte bedauernd, als sie den Abzug betätigte.
Der Bildschirm wurde schwarz.
„Verdammt.“ Michael starrte verdrossen auf den Fernseher. Was war denn mit ihm los? Bisher hatte er sich nicht für einen Masochisten gehalten, aber wenn es um Lorelei Longstreet ging, war er es eindeutig.
Vor einem Jahrzehnt hatte er sie zum letzten Mal persönlich getroffen. Noch länger war es her, dass er sie in den Armen gehalten und geküsst hatte. Trotzdem überlegte er jetzt beim Ansehen der Videokassette von „Hot Ice“, ihrem jüngsten Erfolg, was aus ihnen hätte werden können.
Hätten sie wirklich geheiratet, wie sie es sich ausgemalt hatte, wenn er damals mit ihr nach Los Angeles gegangen wäre? Und hätte sie von ihm ein Kind bekommen? Wäre sie trotzdem einer der größten Stars von Hollywood geworden? Und hätte sie ihn dann auch weiterhin geliebt … sofern sie ihn überhaupt jemals geliebt hatte?
Das war absolut kein angenehmer Gedanke. Er trank den letzten Schluck von dem Bier, das er zusammen mit der Pizza bestellt hatte.
Ja, sie hatte ihn geliebt – soweit ein junges Mädchen überhaupt imstande war zu lieben. Michael war schon oft vorgeworfen worden, dass er geradezu aufreizend selbstsicher war. Nur wenn es um Lorelei ging, fühlte er sich unsicher.
Bei der Trennung war er achtzehn und Lorelei erst siebzehn gewesen. Sie hatte die dritte und fünfte Klasse übersprungen und den Abschluss der Highschool vorzeitig geschafft. Weinend hatte sie ihn angefleht, das Baseball-Stipendium anzunehmen, damit er zusammen mit ihr in Los Angeles aufs College gehen konnte. Doch dann hätte seine Mutter sich allein mit seinen beiden jüngeren und problematischen Brüdern herumschlagen müssen.
Er hatte dieses unbeschreiblich schöne Mädchen geliebt. Und es hatte ihn geschmerzt, ihrem Flugzeug nachzublicken. Trotzdem war er in New Orleans geblieben. Er war der Mann in der Familie, weil sein Vater, ein preisgekrönter Fotoreporter, ständig in der Welt herumreiste.
Natürlich waren sie beide damals zu jung gewesen, sodass ihre Romanze ein Opfer der Entfernung und der Zeit wurde. Seither hatte er andere Frauen kennengelernt. Trotzdem blieb stets ein Platz in seinem Herzen für das erste Mädchen, das er jemals geliebt hatte, reserviert. Dieses Mädchen hatte sich in der Zwischenzeit zu einer kühlen, erotischen Blondine entwickelt, wie man sie in Hitchcock-Filmen fand.
Es hätte nicht geklappt, redete Michael sich ein, wie er das schon seit Jahren tat.
An der entgegengesetzten Küste des Kontinents fühlte sich das Objekt von Michaels Frust absolut nicht wie einer der meistgefeierten Stars des amerikanischen Films. Die Außenaufnahmen in Santa Monica gerieten immer mehr zum reinsten Albtraum.
Zuerst war es einem Fan trotz verstärkter Sicherheitsvorkehrungen gelungen, zu Lorelei vorzudringen und ihr ein zehnseitiges Liebesgedicht zu überreichen. Und das vor laufender Kamera, wodurch er die beste Aufnahme der aktuellen Szene verdorben hatte. Lorelei spielte eine menschenscheue Krimiautorin, deren Leben immer mehr einem ihrer Romane ähnelte. In dieser Szene musste sie vom Ende einer Landungsbrücke springen, um ihrem Verfolger zu entkommen. Darüber hinaus hatte ihr das verrückte Verhalten des Fans Angst gemacht.
Es war zwar schon August, aber das Meer war noch immer kalt. Bei der dritten Wiederholung hatte sie schon bereut, dass sie stets darauf bestand, alle Stunts selbst zu machen. Außerdem war der Regisseur Eric Taylor ein Perfektionist. Er beharrte auf dem Standpunkt, wenn eine Aufnahme gut war, dann waren zehn Aufnahmen noch besser.
„Schnitt!“, rief Taylor endlich. „Das Licht geht weg.“
„Schnitt!“, wiederholte der Regieassistent.
„Endlich“, murmelte Lorelei, während die Garderobiere mit einem Handtuch und einem Sweatshirt zu ihr eilte. Dankbar zog sie das Sweatshirt über das nasse Kleid, das sich verführerisch, aber wie ein Eispanzer um ihren Körper schmiegte, und lief zum Wohnwagen, um sich umzuziehen.
„Ich hätte nie gedacht“, sagte eine tiefe Stimme, „dass blaue Haut so attraktiv sein könnte.“
Sie warf dem Mann, der mit einem Laptop auf dem Schoß neben dem Wohnwagen saß, einen gespielt finsteren Blick zu. „Das ist alles deine Schuld. Du hättest dir eine andere Möglichkeit einfallen lassen können, wie sie ihrem Verfolger entkommt.“
„Natürlich“, bestätigte Brian Wilder, der Drehbuchautor. „Aber so war es am einfachsten, dich ins Wasser zu kriegen.“
„Und wir wollen doch unser männliches Publikum nicht enttäuschen, oder?“
„Das ist kein Drehbuch für einen Kinderfilm“, erwiderte er lachend. „Schatz, die Szene mit dir in dem nassen Kleid wird die Umsätze an den Kinokassen gleich am ersten Wochenende hochschnellen lassen.“
Lorelei lächelte, obwohl sie schrecklich fror. Brian gehörte zu Hollywoods Lieblingen. Gerade mal Anfang dreißig, gehörte er schon zu den gefragtesten Drehbuchautoren, und die Produzenten rissen sich um ihn. Er war bereits mehrfacher Millionär, besaß ein riesiges Haus in Bel Air, ein Strandhaus in Santa Barbara und eine Ranch im San Fernando Valley.
Darüber hinaus war er laut Cosmopolitan der begehrteste Junggeselle von Hollywood. Das war der vierte Film, in dem sie zusammenarbeiteten, und Lorelei hatte festgestellt, dass Brian Ruhm und Geld nicht zu Kopf gestiegen waren.
„Es ist wunderbar, wenn man dermaßen für seine Arbeit geschätzt wird“, scherzte sie. Ihre Zähne klapperten, sie hatte Gänsehaut, und sie kam nicht mehr rechtzeitig nach Hause, um ein heißes Bad zu nehmen und dann pünktlich zu ihrer Verabredung zum Abendessen zu erscheinen. Bei diesem Essen wollte sie dem Eigentümer eines bekannten Restaurants in Beverly Hills erklären, dass ihre nunmehr drei Monate dauernde Beziehung zu nichts führte.
„Du bist eine tolle Schauspielerin, Lorelei“, versicherte Brian ernsthaft. „Aber wie du selbst in ‚Hot Ice‘ sagst – Geschäft ist Geschäft. Darum dreht sich alles beim Film, meine Liebe. Du hast einen Körper wie die schaumgeborene Venus. Da kannst du nicht erwarten, dass die Leute dich als großartige Shakespearedarstellerin sehen wollen.“
Leider hatte er absolut recht. Lorelei hatte in „Hot Ice“ die rachsüchtige Einbrecherin sehr gut gespielt. Aber sie wünschte sich vergeblich, dass das für ihre Fans mehr zählte als ihr spärlich bekleideter Körper.
„Ich spiele mit dem Gedanken, das Handtuch zu werfen.“ Seit Monaten trug sie sich schon mit der Absicht, bereute die Worte jedoch im selben Moment.
„Das ist nicht dein Ernst!“
Jetzt konnte sie keinen Rückzieher machen. „Ich habe gesagt, dass ich mit dem Gedanken spiele. Noch ist nichts entschieden.“
„Was möchtest du denn sonst machen?“
„Ach, viel“, erwiderte sie ausweichend. Auf keinen Fall wollte sie verraten, dass sie seit fast einem Jahr an einem Drehbuch schrieb, einer Liebesgeschichte unter Jugendlichen. Die Handlung erinnerte deutlich an ihre eigene gescheiterte erste Liebe. „Jedenfalls würde ich nicht so schnell verhungern.“
Brian betrachtete sie eingehend. „Dir ist kalt, das ist alles. In der letzten Zeit hast du zu hart gearbeitet. Bei unserer Rückkehr von den Dreharbeiten in New Orleans möchte ich dem Studio eine für dich maßgeschneiderte Geschichte verkaufen. Darum sage ich nur ungern, dass du wirklich eine Pause brauchst.“
Als ob sie das nicht selbst wüsste! „Ich brauche trockene Sachen, bevor ich mir den Tod hole“, erwiderte sie lächelnd. „Ich sehe schon die Schlagzeilen. Schauspielerin zu Eisblock gefroren! Bekannter Drehbuchautor schuld an ihrem tragischen Ende!“
Es war ihr gelungen, Brian abzulenken. Er widmete sich wieder seinem Computer. Bestimmt warteten morgen früh in ihrer Garderobe wieder zahlreiche überarbeitete Textseiten auf sie.
In dem engen Wohnwagen zog sie die nassen Sachen aus und schlüpfte für die Heimfahrt in Jeans und T-Shirt. Wie hatte sie jemals glauben können, das Leben eines Filmstars wäre wundervoll?
Der Mann saß allein in dem dunklen Raum vor dem Fernsehschirm und beobachtete, wie Lorelei nach einer schnellen Dusche ein schlichtes Seidenkleid anzog. Es betonte die verlockenden Formen ihres Körpers und war in dem gleichen kühlen Hellgrün wie die Dekoration ihres Schlafzimmers gehalten. Der...




