E-Book, Deutsch, 232 Seiten
Rosier Da kannst du sicher sein!
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-593-46185-4
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Strategien für deine krisenfeste Karriere in einer sich wandelnden Arbeitswelt
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
ISBN: 978-3-593-46185-4
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Juliane Rosier ist Wirtschaftspsychologin, Job- und Karrierecoach sowie Gründerin der Whycademy®. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte dabei, sich ein erfülltes und selbstbestimmtes Berufsleben mit Sinn und einer klaren Ausrichtung zu gestalten. Ihr Credo: Die Zukunft gehört den Mutigen - und Sicherheit entsteht nicht durch Abwarten, sondern durch Handeln.
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Einleitung: Eine Reise nach Bali
Es war 2015, als ich das erste Mal auf Bali war. Nachdem ich nach der Landung meinen Rucksack vom Gepäckband geholt hatte, lief ich zum Ausgang, um mich – wie gewohnt – am Taxischalter anzustellen und zu meiner Unterkunft zu gelangen. Noch bevor ich die Tür nach draußen durchschritt, spürte ich, wie mir die feuchtwarme Luft entgegenströmte. Es war, als würde ich gegen eine unsichtbare Wand aus Hitze laufen. Dazu der fremdartige Geruch: eine Mischung aus süßlichem Blütenduft, Gewürzen und Weihrauch. Letzterer stieg aus kleinen Opfergaben auf, die überall auf dem Boden standen – kunstvoll geflochtene Körbchen mit Blüten, Reis und Räucherstäbchen, die sanft vor sich hin glommen. Der würzige Rauch vermischte sich mit der feuchten Tropenluft und verbreitete ein Gefühl von Ruhe und Spiritualität.
Doch für besinnliche Momente blieb keine Zeit, denn plötzlich kamen zahlreiche Männer auf mich zu, lächelten freundlich und fragten immer wieder: »Taxi, Taxi?«, während sie anboten, mein Gepäck zu tragen. Im ersten Moment war ich überfordert, empfand die Menschen als aufdringlich und war unsicher, ob es sich um offizielle Taxifahrer handelte. Einige folgten mir und wiederholten beharrlich »Taxi, Taxi?«. Ich jedoch wollte erst einmal die offizielle Taxischlange finden, um mich in Ruhe zu orientieren. Doch da ich keine solche Schlange fand, erkannte ich nach einiger Zeit, dass die Dinge hier wohl anders liefen. Also entschied ich mich schließlich, einem der Männer den Zuschlag für die Fahrt zu geben.
Er nahm mir strahlend meinen Rucksack ab und ging, statt zur Taxischlange wie ich es erwartet hatte, ins Parkhaus. Wir schlängelten uns durch parkende Autos, bis wir an seinem Wagen ankamen, der alles andere, aber nicht wie ein offizielles Taxi wirkte. Uber kannte ich damals noch nicht, und so stieg mein Unsicherheitsgefühl weiter an. Trotz meines mulmigen Gefühls stieg ich ein – was hätte ich dem freundlichen Mann auch sagen sollen?
Der wilde Ritt begann
Kaum hatten wir das Flughafengelände verlassen, reihte sich mein Fahrer hupend in den chaotischen Verkehr ein. Tuk-Tuks, überladene Motorroller, Autos und Kleinbusse füllten die Straßen, und er wechselte in halsbrecherischer Geschwindigkeit von einer Spur zur nächsten.
Angespannt hielt ich mich an meinem Sitz fest, während ich ängstlich aus dem Fenster schaute und den chaotischen Straßenverkehr beobachtete. Motorroller dominierten den Verkehr – oft mit mehreren Personen oder sperrigen Waren beladen. Die Straßen waren schmal, veraltet, und ständig tauchten Straßenhunde, Baustellen oder Fußgänger*innen unvorhergesehen auf. Verkehrsregeln schienen hier nicht zu existieren. Stattdessen nutzte jeder jeden verfügbaren Zentimeter, einschließlich den Gehwegen und Seitenstreifen.
Als erfahrene Autofahrerin waren mir Verkehrsregeln durchaus vertraut, aber hier schien nichts, was ich je gelernt hatte, Anwendung zu finden. Ich war überfordert. Und nicht nur das: Nach dem 18-stündigen Flug war ich erschöpft, doch meine Anspannung hielt mich hellwach. Mein Herz klopfte, meine Atmung ging schneller, Schweißperlen rannen mir die Stirn herunter, und ich beobachtete kopfschüttelnd das Chaos um mich herum. Wie viele Verkehrstote es hier wohl gibt, fragte ich mich. Meine Gedanken malten eine Katastrophe nach der nächsten aus und meine Angst wuchs.
Doch im Laufe der Fahrt lehnte ich mich zurück, atmete tief durch und zwang mich, dem Fahrer zu vertrauen. »Er kennt die Regeln hier besser als du«, versuchte ich, mich selbst zu beruhigen. Und tatsächlich: Trotz aller Bedenken brachte er mich sicher ans Ziel, und mein Urlaub konnte beginnen.
Parallelen zur Arbeitswelt
Die heutige Arbeitswelt fühlt sich manchmal genauso an wie der chaotische Straßenverkehr auf Bali: voller Unsicherheiten, ständiger Veränderungen und unvorhersehbarer Wendungen. Die Globalisierung, Digitalisierung und Automatisierung sowie die anhaltenden Auswirkungen globaler Krisen haben die Arbeitswelt in eine nie dagewesene Dynamik versetzt. Was früher als stabil galt – ein unbefristeter Arbeitsvertrag, ein sicherer Arbeitsplatz –, scheint heute immer mehr zur Illusion zu werden.
Die Coronapandemie, geopolitische Spannungen und technologische Disruptionen zeigen, wie fragil selbst vermeintlich sichere Strukturen sind. Gleichzeitig präsentiert der Arbeitsmarkt ein widersprüchliches Bild: Einerseits wird der Fachkräftemangel immer größer und dringender, andererseits verkünden Unternehmen regelmäßig Stellenabbau in großem Stil – selbst bei Flaggschiffen der deutschen Wirtschaft wie Volkswagen, Bosch oder ThyssenKrupp. Arbeitnehmer*innen sind verunsichert. Viele fragen sich: Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Was passiert, wenn die Künstliche Intelligenz (KI) meinen Job übernimmt? Kann auch mich der Stellenabbau treffen? Und wie geht es dann für mich weiter?
Sicherheit: Ein universelles Bedürfnis
So verwundert es nicht, dass ich insbesondere in den vergangenen Jahren in meinen Job-Coachings und Karriereberatungen ein Wort immer und immer wieder höre: Sicherheit! Dieses Wort ist die Antwort auf die Frage, was meinen Klient*innen im Job wirklich wichtig ist, und erklärt auch, warum jemand in einer Position verharrt, obwohl die eigene Unzufriedenheit schon längst zur inneren Kündigung geführt hat. Aber die Trennung vom Arbeitgeber wirklich durchzuziehen, ist vielen dann doch zu heikel. Der Schritt scheint zu riskant, auch wenn Unzufriedenheit und Frustration den Alltag bestimmen.
Es ist ein Verhalten, das man auch aus Beziehungen kennt: Obwohl die Beziehung ihren Reiz schon längst verloren hat, man sich vielleicht nicht einmal mehr etwas zu sagen hat, bleibt man zusammen – aus Angst vor der Leere, die ein Ende mit sich bringen könnte. Eine schlechte Beziehung scheint für viele immer noch besser zu sein, als keine Beziehung. Und so wird auch an einem Job festgehalten, in dem man sich nicht mehr wohlfühlt, nur weil der Gedanke an den nächsten Schritt so beängstigend wirkt.
Bei Stellenabbauprogrammen großer Unternehmen zeigt sich ebenfalls dieser Mechanismus. Wenn Unternehmen Stellen abbauen, läuft das nicht überall gleich ab. In kleinen Unternehmen oder Start-ups gibt es meist eine klare Regelung: Wer gehen muss, bekommt die Kündigung, und das war’s. In Großkonzernen sieht das häufig anders aus. Dort gibt es sogenannte Beschäftigungs- oder Standortsicherungen, also Vereinbarungen, die verhindern, dass Mitarbeiter*innen einfach entlassen werden können. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ihre Jobs sicher sind oder ihre Stellen nicht trotzdem abgebaut werden können. Das können sie nämlich, zum Beispiel dann, wenn eine Position schlichtweg nicht mehr gebraucht wird. In diesem Fall haben die betroffenen Mitarbeiter*innen die Wahl: Entweder sie nehmen die angebotene Abfindung an und unterschreiben einen Aufhebungsvertrag, um sich außerhalb des Unternehmens beruflich neu zu orientieren. Oder sie bleiben, aber ohne eine echte Aufgabe zu haben, was bedeutet, weiterhin zwar Gehalt zu bekommen, aber offiziell freigestellt zu sein – man befindet sich in einer Art beruflichem Wartesaal, in dem man weder wirklich dabei noch ganz draußen ist. Das, was auf den ersten Blick Sicherheit verspricht, ist in Wirklichkeit eine höchst unsichere und auch unbefriedigende Situation. Denn eine sinnvolle Aufgabe hat man in diesem Schwebezustand nicht mehr, und das macht etwas mit einem. Jeder, der schon einmal arbeitslos war, weiß vermutlich, wie belastend dies für das eigene Wohlbefinden, die eigene Identität und das Selbstbewusstsein sein kann. In unserer Gesellschaft definiert man sich schließlich stark über den Beruf. Fällt dieser plötzlich weg, kann das viele negative Konsequenzen haben. Außerdem sinkt im Grunde mit jedem Monat, in dem man keine Arbeit hat, die eigene Beschäftigungsfähigkeit. Man verliert den Anschluss – sowohl fachlich, weil man nicht mehr am Puls der Entwicklungen ...




