Rommel | Schattenleben | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 336 Seiten

Reihe: Bielefelder KK11

Rommel Schattenleben

Kriminalroman aus Bielefeld
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-95441-634-9
Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman aus Bielefeld

E-Book, Deutsch, Band 6, 336 Seiten

Reihe: Bielefelder KK11

ISBN: 978-3-95441-634-9
Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Mit klopfendem Herzen näherte sie sich der Tür, die auf und zu schlug, dahinter war nichts als Dunkelheit. Die Axt lag schwer in ihrer Hand.' Im beschaulichen Kirchdornberg macht kurz vor Weihnachten die schockierende Nachricht vom Mord an dem 18-jährigen Arztsohn Jakob Heitbreder die Runde. Seine grausam zugerichtete Leiche wurde in der Nähe des Fernsehturms gefunden. Ein Eifersuchtsdrama unter Teenagern? Oder hatte sich Jakob mit den falschen Leuten eingelassen? Bei den Ermittlungen gerät das Bielefelder KK11-Team um Kommissar Dominik Domeyer zu-nehmend unter Druck, den Täter zu finden, denn ein Schatten scheint über Jakobs Familie zu liegen. Einbrüche, bei denen Familienfotos zerstört werden, ein zerkratztes Auto, bedrohliche Botschaften an der Wand und mehr legen einen furchtbaren Verdacht nahe: Hat es jemand auf die gesamte Familie Heitbreder abgesehen? Und steht der Täter der Familie womöglich näher als gedacht?

Heike Rommel, geb. 1962 in Olpe, hat Psychologie und Visuelle Kommunikation studiert und lebt seit über 40 Jahren in Bielefeld. Sie arbeitet seit über fünfundzwanzig Jahren in verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Ihre ersten Schreib-erfahrungen machte sie beim Verfassen eines Fantasy-Romans, bevor sie zum Krimi-Genre wechselte, das ihr als leidenschaftlicher Krimileserin und Tochter eines Kriminalbeamten und einer Polizeiangestellten naheliegt. »Schattenleben« ist bereits der sechste Kriminalroman um Kommissar Dominik Domeyer und sein Bielefelder Ermittlerteam.
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Sonntag, 15. Dezember 2013


. Erstaunlich, welches Stimmvolumen Sarahs ausgemergelter Körper entwickelte. Ihre Stimme hallte laut wie in einer Kirche, wehte das hellblaue Papierschirmchen seiner Piña Colada fort. Sie trat so dicht an ihn heran, dass ihre spitze Nase fast die seine berührte, und sah ihn aus ihren tiefliegenden Augen eindringlich an. Der Partylärm war verstummt, alle schauten jetzt zu Sarah. Eine tiefe Stimme, die nicht zu ihr zu gehören schien, dröhnte in seinen Ohren. Eine Schlange entschlüpfte ihrem Mund, und einer der Luftballons, die von der Decke hingen, platzte. Mit einem Schrei fuhr Jakob auf. Sein Herz hämmerte, sein Mund war trocken, und das Morgenlicht, das durch die halb heruntergefahrenen Rollläden schien, stach direkt in seinen Kopf. Mit dem Ärmel seines Schlafanzugs wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Was für eine Nacht!

Als er sich aufsetzte, wurde ihm übel. Vorsichtig, so als könnte bei einer unbedachten Bewegung sein Schädel platzen, tappte er ins Bad nebenan und wühlte im Spiegelschrank nach Aspirin. Er schluckte gleich zwei und trank das Wasser direkt aus dem Hahn. Nach einer heißen Dusche fühlte er sich etwas besser. Er zog sich an und verließ das Zimmer. Im Flur stolperte er über eine Bodenvase mit geschmücktem Tannengrün. Zwei goldene Weihnachtskugeln fielen auf den Teppich. Fluchend befestigte er die Kugeln wieder an den Zweigen. Die Vase hatte gestern noch nicht dort gestanden, wenn er sich recht erinnerte. Die Zahl der Deko-Objekte wuchs exponentiell, je näher Weihnachten rückte. Seine Mutter zelebrierte das regelrecht. Er versuchte, die Lichterkette wieder so zu drapieren, wie sie vorher um die Zweige geschlungen war, und gab dann gähnend auf. Erst mal einen Kaffee zum Wachwerden.

Unten rumorte Elisabeth Schröder, genannt Elsbeth, in der Küche. Klapperte das Geschirr heute besonders laut, oder lag es an seinen Kopfschmerzen? Als er die Küche betrat, rammte die Haushaltshilfe gerade die Spülmaschine mit Wucht zu. War Elsbeths Laune so schlecht, weil sie die Trümmer der Party, mit der er in seinen 18. Geburtstag reingefeiert hatte, beseitigen musste?

»Morgen, Elsbeth.«

Sie fuhr herum. »Mein Name ist Elisabeth! Na, auch schon auf?«

Das klang vorwurfvoll. Und er erinnerte sich dumpf, dass es eine Auseinandersetzung zwischen Elsbeth und seiner Mutter gegeben hatte. Da war irgendwas mit Elsbeths Mann, weshalb sie früher gehen wollte, was natürlich nicht ging wegen der Party. Er wusste, er sollte sie nach ihrem Mann fragen, aber er mochte nicht, weil Elsbeth dann nicht mehr aufhören würde, ihn mit Krankheitsgeschichten zuzutexten. Alte Leute waren nun mal so. Er war allerdings überrascht gewesen zu erfahren, dass Elsbeth im selben Alter wie sein Vater war. Sie wirkte so viel älter, und das nicht nur wegen der unmodischen Klamotten.

Jakob lief zum Kühlschrank, nahm eine Packung Orangensaft heraus und trank direkt aus der Tüte. Elsbeth klapperte mit Tellern, warf sie schon fast auf den Tisch. Sie kam nicht mal darauf, ihm zu seinem Geburtstag zu gratulieren. Oder dazu, dass er den Medizinstudienplatz in Heidelberg bekommen hatte. Seine Eltern waren sehr stolz gewesen, als die Nachricht pünktlich zum Tag seiner Party gekommen war. Schließlich hatten sie sich an der Uni Heidelberg kennengelernt, Familientradition sozusagen. Heidelberg … zum Sommersemester würde er dort hinziehen. Schon komisch, dass er Bielefeld, wo er sein gesamtes bisheriges Leben verbracht hatte, in wenigen Monaten verlassen würde. Vermutlich für immer.

Manches ließ er gerne hinter sich, aber Antonia würde er vermissen. Sie hatte einen Studienplatz in Hannover bekommen. Am besten, sie würde nach ein oder zwei Semestern nach Heidelberg wechseln. Er hoffte sehr, dass das möglich sein würde. Antonia war Heimat, egal wo. Er lächelte bei dem Gedanken an seine Freundin und setzte sich an den Esstisch. »Aber immerhin bin ich der Erste, der auf ist, oder, Elsbeth?«

»Tja, ich glaube, deine Eltern schlafen noch. Der arme Lucky hätte fast auf den Teppich gepinkelt, wenn ich nicht mit ihm rausgegangen wäre.« Auch das klang schnippisch, so als ob sie nicht genau dafür bezahlt würde.

»Kaffee und Toast … bitte«, fügte er hinzu. »Wo ist Lucky überhaupt?«

Kurz darauf ertönte das Geräusch von Krallen auf Fliesen. Der Golden Retriever hatte offenbar seinen Namen gehört und tappte schwanzwedelnd in die Küche, um sich von Jakob kraulen zu lassen, bevor das Tier es sich unter dem Tisch bequem machte. Elsbeth beugte sich über die Kaffeemaschine, die Härchen in ihrem fleischigen Nacken klebten vor Nässe, ihre helmartige Bobfrisur war in Auflösung begriffen. Die Frau schwitzte, wo sie ging und stand. Sie war genauso fett wie ihr Mann, der irgendeine Herzgeschichte hatte. Selbst schuld, dachte Jakob. Sie wandte sich um und goss ihm schwungvoll Kaffee ein, der über den Rand des Bechers schwappte. Dann legte sie ihm zwei getoastete Scheiben Weißbrot auf den Teller. Er massierte sich die Schläfen, trank Kaffee und knabberte mit wenig Appetit am trockenen Toast.

»Hast wohl ’nen Kater, was?« Elsbeth lächelte, als freute sie dieser Umstand. »Und – wie seid ihr deine Tante Sarah gestern Abend wieder losgeworden? Das ganz große Aufgebot?«

»Ja, die Polizei war da, ein Krankenwagen und der gesetzliche Betreuer. Tantchen ist jetzt wieder in Gilead IV.«

»Da wird sie sicher ’ne Weile bleiben. Hat ihre Medikamente wieder nicht genommen, wie?«

Jakob zuckte mit den Achseln.

»Und sonst – war die Party nach deinem Geschmack?« Ihr Blick aus den unnatürlich verkleinerten Augen hinter der dicken Brille hatte etwas Stechendes.

»Klar, nachdem Sarah weg war … super Nacht.« Er hob den Daumen. Er würde ihr ganz sicher nicht auf die Nase binden, was noch alles passiert war. Zum Glück hatten seine Eltern, die früh zu Bett gegangen waren, nichts davon mitbekommen. Und noch wichtiger: Nachdem sie Lukas endlich rausgeworfen hatten, zog sich seine Schwester Maja mit ihren kichernden Girlie-Freundinnen in ihr Dachzimmer zurück und merkte nicht, was später unten vor sich gegangen war. So war sie wenigstens eine Weile abgelenkt von ihrem Kummer.

Elsbeth schob ihm die aufgeschlagene Zeitung hin und tippte mit ihrem dicken Finger auf das Tageshoroskop. »Das solltest du besser lesen.«

Jakob seufzte. »Okay, okay.« Elsbeth mit ihrem Astrologie-Tick, sie ging nicht aus dem Haus, ohne vorher ihr Horoskop konsultiert zu haben. Er wusste, sie würde nicht lockerlassen, also griff er zur Zeitung. .

»Elsbeth, ist schon Nachmittag?«

» Den Vormittag hast du verschlafen. Es ist gleich halb zwei.«

»Oh nein! Ich habe noch eine Verabredung, und da muss ich erst mal hinkommen.« Diese unangenehme Geschichte hatte er schon halb verdrängt.

»Nimm doch den MINI, den du zum Geburtstag gekriegt hast.«

»Haha, wie witzig, meine Fahrprüfung ist in drei Wochen.« Er stand so schnell auf, dass ihm schwindelig wurde. Auch sein Magen rebellierte, dafür hatten die Kopfschmerzen nachgelassen.

Die Tür öffnete sich, seine Schwester kam herein und setzte sich schweigend an den Tisch. Die Augen in dem blassen Gesicht waren rot und geschwollen. Er lehnte sich hinüber zu ihr und drückte ihre Hand. »Maja, wir finden schon eine Lösung, versprochen.«

Elsbeth, die Maja gerade Orangensaft eingoss, sah auf. »Probleme?«

Das hättest du wohl gerne, dachte Jakob. »Alles bestens.« Er lächelte Maja zu und verließ die Küche. Auf dem Flur rief er ein Taxiunternehmen an, eilte danach die Treppe zum Arbeitszimmer seines Vaters hoch. Bevor er die Tür öffnete, hielt er inne. Die Schlafzimmertür seiner Eltern stand offen. Vorsichtshalber warf er einen Blick hinein. Die Decken waren zurückgeschlagen, seine Eltern mussten bereits aufgestanden sein. Als er wieder auf den Flur trat, hörte er ihre Stimmen von unten. Sie hielten sich offensichtlich im Erdgeschoss auf. Rasch schlüpfte er ins Arbeitszimmer, holte einige Bücher aus dem Eichenregal an der Wand und gab die Zahlenkombination des Tresors dahinter ein. Wie erwartet entdeckte er neben Schmuck und Uhren auch einen Umschlag mit Bargeld im Tresor. Er zählte die Hunderter,...



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