E-Book, Deutsch, Band 2, 250 Seiten
Reihe: Decoded
Röttger Yucatán: Decoded
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-5103-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das verschollene Amulett der Maya
E-Book, Deutsch, Band 2, 250 Seiten
Reihe: Decoded
ISBN: 978-3-7578-5103-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Jahr nach ihrer aufsehenerregenden Entdeckung des Römerschatzes in Trier sind die Geschwister Jessica, Alex, Lisa und Lars wieder fest zurück in ihrem Alltag und erinnern sich mit Freude an ihr letztes Sommerabenteuer. Als sie jedoch eines Tages alte, kuriose Besitzgegenstände von Herrn Schwarz, ihrem ehemaligen Verfolger, finden, werden sie von der Neugier gepackt. Sie machen sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung und stoßen dabei auf Hinweise, die sie nach Yucatán, einer Halbinsel in Mexiko, führen. Ist das Abenteuer des letzten Jahres doch noch nicht beendet? Gibt es ein weiteres Geheimnis, dass die vier Geschwister lüften müssen?
Jessica Dilara Röttger, am 27.10.2006 in Trier geboren und aufgewachsen, besuchte bei der Fertigstellung des Romans ein Gymnasium in der Stadt Trier. Zur Zeit der Veröffentlichung belegte sie in der Oberstufe die Leistungskurse Deutsch, Mathematik und Latein. Es ist der zweite Band der Decoded-Reihe und er entstand innerhalb von zwei Jahren. Sein Vorgänger, Trier: Decoded, erschien, als die Autorin 14 Jahre alt wurde.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 5 Mission Spind Es war zwei Uhr nachts, als sie durch das Öffnen ihrer Zimmertür aufwachte. Ihre Augen ließ sie zu, um den Schein aufrecht zu erhalten, dass sie schliefe. Lisa fühlte sich unwohl dabei, der Krankenschwester Brigitte nichts erzählen zu dürfen, da sie sie wirklich gut behandelte und von sehr freundlicher und verständnisvoller Natur war. Das jedoch waren die Regeln bei ihrer Mission. Als die Frau das Zimmer wieder verließ, gähnte Lisa einmal herzhaft und rieb sich die Augen. Langsam schob sie die Decke von sich und stand auf. Sie hätte früher schlafen gehen sollen! Das ließ sich jetzt aber nicht mehr ändern. Darauf bedacht, sich an keinem Möbelstück zu stoßen, schlich sie, ihre Hände schützend vor sich haltend, zu der anderen Seite des Raumes. Als sie den Tisch erreichte, versuchte sie, ihr Handy, das sie am vorherigen Abend dort platziert hatte, zu ertasten. Wo war es denn bloß? Ihre Hände wanderten auf der glatten Oberfläche umher. Da! Sie erfasste das kühle Gerät und steckte es in ihre Hosentasche. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit, sodass sie die Tür zum Flur schnell fand. Leise und vorsichtig öffnete sie diese und verließ ihr Zimmer. Dann stöhnte sie auf und hielt sich die Hände vor die Augen. Sie wurde von der plötzlichen Helligkeit stark geblendet. Brigitte hatte das Licht angelassen! Schnell schaltete sie es aus. Das nun leuchtende Notlicht war gedämmt und definitiv besser zu ertragen. Der Boden unter ihren Füßen war angenehm kühl. Neben ihren leisen, tapsenden Schritten war nur ein andauerndes Brummen zu hören. Als sie bei der Tür des Arztzimmers ankam und ihre Hand sich um den Türgriff schloss, fluchte sie innerlich bei ihrer plötzlichen Erkenntnis. Natürlich war das Arztzimmer nicht offen zugänglich, sondern abgeschlossen. Wie sollte sie denn jetzt hineingelangen? Auf einmal hörte sie Schritte, die gleichmäßig vom Boden widerhallten. Sie zuckte zusammen, als das Klicken von Absätzen immer lauter wurde. Oh nein, das war‘s. Sie würde erwischt werden und das alles würde Konsequenzen mit sich bringen! Lisa versuchte ruhig zu bleiben und klar zu denken. Nein, es musste alles gut ausgehen! Sie brauchte ein Versteck. Davon schien es hier leider nur wenige zu geben. Sie blickte den Flur entlang und sah die Abzweigung in einen Nebengang. Ohne noch einen weiteren Moment zu zögern, stürzte sie los und presste sich an die Wand. Das geschah keine Sekunde zu früh. Das Mädchen nahm angespannt wahr, wie die Tür sich klickend öffnete und die Schritte nur noch wenige Meter von ihr entfernt waren. Sie drückte sich noch fester an die Wand und hielt den Atem an. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie befürchtete, man könnte es hören. Schließlich sah sie eine Frau in Arbeitskleidung den Hauptflur entlanglaufen. Sie hielt ein Klemmbrett mit Dokumenten in der Hand, auf die sie sich zu Lisas Vorteil fokussierte. So schnell wie die Krankenschwester aufgetaucht war, so schnell verschwand sie erneut aus Lisas Blickfeld. Doch diese wenigen Sekunden kamen dem Mädchen vor wie eine Ewigkeit. Lisa wollte schon erleichtert aufatmen, als das blanke Entsetzen sie erneut packte: Ihr Handy vibrierte zwei Mal. Der Bildschirm stellte sich automatisch an und eine Nachricht war zu sehen: zu hoher Blutzucker. Das Geräusch wirkte unheimlich laut in dieser ummantelnden Stille, die sonst nur von den klackernden Schuhen der Krankenschwester durchbrochen wurde. Die Schritte verstummten schlagartig. Lisas Herz klopfte wie verrückt und ihre Kopfschmerzen meldeten sich erneut. Sie schloss die Augen in der kindlichen Hoffnung, dem Problem so entgehen zu können, und wartete. Einige Sekunden später setzte sich die Frau in alter Manier wieder in Gang. Lisa wartete in ihrem Versteck, bis die leiser werdenden Schritte gänzlich verklungen waren. Erst dann traute sie sich, auszuatmen. Ihre Gedanken wurden wieder klar und sie erinnerte sich an ihre Aufgabe. Wie konnte sie bloß in das Arztzimmer gelangen? Sie spielte mit der Idee, wieder in ihr Zimmer zurückzukehren und sich dort weiter Gedanken zu machen. Dann bemerkte sie, dass sie schwitzte. Die Aufregung hatte ihr die Hitze in den Kopf steigen lassen. Wie gerne sie jetzt draußen auf ihrem Balkon stehen würde, um sich abzukühlen! Dann kam ihr ein unmittelbarer Geistesblitz. Der Balkon! Das war ihre Möglichkeit! Sie erinnerte sich dabei an das Medikamentenzimmer, das sie immer fürs Spritzen besucht hatte, und den Balkon, den sie dort beim Hinausschauen gesehen hatte. Dieser Balkon sollte genau zu dem Arztzimmer führen, zu dem sie nun gelangen musste! Außerdem hatte ihr Vater ihr einmal erzählt, dass das Medikamentenzimmer nie abgeschlossen wurde. Auf einmal hörte sie ein Quietschen aus der Richtung, in die die Krankenschwester verschwunden war. Das musste die große Tür in Richtung der Patientenzimmer sein! Lisa nutzte die Gelegenheit und rannte los, bevor sie sich wieder schloss. Dann nahm sie den Gang nach links und schlich bis zum vierten Raum, der sich an ihrer Linken befand. Sie vergewisserte sich, dass sie niemand gesehen hatte, und betrat den Raum. In der Dunkelheit waren der Kühlschrank, die Kücheninsel und die Apothekenschränke nichts weiter als schwarze Schatten. Das Fenster, das ihr direkt gegenüber war, ließ das Mondlicht hinein, welches den vor dem Fenster stehenden Stuhl wie ein Scheinwerfer zu beleuchten schien. Sie lief hinüber, öffnete das Fenster möglichst leise und stieg auf den Stuhl. Ihr wehte eine kühle Brise entgegen und sie seufzte wohlig. Flink kletterte sie auf den Fenstersims und sprang hinüber auf den Balkon. Triumphierend nahm sie zur Kenntnis, dass er einen direkten Zugang zu dem Arztzimmer ermöglichte. Links neben ihr befanden sich nur das Fenster und die Glasschiebetür des Raumes, der das Medikamentenzimmer von dem Arztzimmer trennte. Zu ihrem Glück brannte dort jedoch kein Licht. Sie schaute sich ein letztes Mal um, um sicher zu sein, dass sie nicht beobachtet wurde, und lief dann in einem Satz an dem Fenster und der Tür vorbei. Der Mond gab ihr die nötige Helligkeit, um alles sehen zu können, doch sie bemerkte, wie sich ihm schnell eine dunkle Wolkendecke näherte. Sie durfte keine Zeit mehr verlieren. In dem Arztzimmer war es auch dunkel, was ihr das Finden des Eingangs erschwerte. Deshalb suchte sie die sich vor ihr befindende Wand des Arztzimmers mit ihrer Handytaschenlampe nach einer Möglichkeit zum Hineindringen ab. Als sie das Licht nach links schwenken wollte, erstarrte sie in der Bewegung und unterdrückte einen freudigen Schrei. Neben den großen Fenstern befand sich eine weitere gläserne Schiebetür, die, wie ihr Vater schon gesagt hatte, nicht ganz geschlossen war. Der kleine Spalt reichte aus, um ihre Finger durchzustecken und die Tür zur Seite zu schieben. Vorsichtig drückte sie dagegen und öffnete die Tür nur so weit, dass sie hindurchpasste. Mit ihrem Handylicht sah sie sich um: Sie erkannte eine Reihe an Computern auf Schreibtischen an der einen Wandseite, ein Bett und einen hohen Schrank. Dann erinnerte sie sich an die Erklärungen ihrer Schwester und lief auf die Tür zu. Der Spind, den sie suchte, sollte im Vorraum sein. So leise wie es ihr möglich war, drückte sie die Klinke hinunter und öffnete die Tür. Sie näherte sich immer weiter dem Flur und wollte vermeiden, dass jemand, der dort vorbeilief, etwas bemerkte. Sie schwenkte ihr Handy an den Spinden entlang, bis der Schein auf den Namen fiel: J.Schwarz. Ehrfürchtig hielt sie für einen Moment die Luft an. Dieser Name ließ sie auch noch heute erschauern. Etwas zögerlich legte sie ihre Hand an den Griff und zog das Spindtürchen mit leichtem Druck auf. Angewidert nahm sie Notiz von dem Kaugummi, der sich weit ausdehnte , bis er sich schließlich doch von der sich öffnenden Seite löste. Sie nahm den gesamten Inhalt aus dem Spind heraus, inspizierte ihn und warf die Kleidung wieder hinein. Dann schulterte Lisa die Tasche und sperrte das Türchen schnell wieder zu. Mit einem Lächeln auf den Lippen ging sie auf die Tür zum Flur zu. Sie hatte ihre Mission erfüllt. Bevor sie die Tür öffnete, hörte sie jedoch noch eine Weile den Flur nach Geräuschen ab. Jetzt aufzufliegen wäre eine Schande. Als sie sich vergewissert hatte, dass sich dort niemand befand, öffnete sie die Tür leise und schlich zurück in ihr Zimmer. Ihre Angst war überwältigend, doch sie musste sich beherrschen und ruhig bleiben. Bei jedem Geräusch, das sie hörte, verharrte sie und stellte dann erleichtert fest, dass es nur ein Rascheln war, welches sie selbst zu verschulden hatte. Endlich in ihrem Zimmer angekommen, schloss sie die Tür, warf die Tasche unter ihr Bett, spritzte sich eine Insulineinheit gegen den hohen Blutzucker und legte sich schlafen, ohne ihrer Neugier, die Tasche zu durchsuchen, zu erliegen. Dieses kleine Chaos der Emotionen in den vergangenen Minuten war genug für diese Nacht gewesen. Und um...




