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E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Roeske / Schollmayer Kykladen

Von Delos bis Santorin - Unterwegs auf den Inseln der olympischen Götter
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96176-037-4
Verlag: Nünnerich-Asmus Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Von Delos bis Santorin - Unterwegs auf den Inseln der olympischen Götter

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-96176-037-4
Verlag: Nünnerich-Asmus Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



„Bin ihnen begegnet, den Göttern und Halbgöttern“, unter strahlend blauem Himmel, in zerklüfteter, unberührter Landschaft und mit atemberaubendem Blick auf das ägäische Meer. Dieses Bild senkt sich im Kopf, denkt man an die Inselgruppe der Kykladen vor der griechischen Küste.
Hier spielten sie eine tragende Rolle. Denn die Kykladen, mit ihren Mythen, sind die heiligen Inseln der olympischen Götter. Sie finden ihren Niederschlag in der Dichtung und Literatur eines Archilochos, Thukydides, Herodot und Ovid. Delos lud als Geburtsinsel des Gottes Apollon mit ausgefeilter Wohnkultur zu nächtlichem Gelage; einem Luxus der auf den Erträgen aus grausamem Sklavenhandel auf den Märkten der Insel gründete.
Naxos erzählt die Geschichte einer verratenen Liebe; Ariadne, verlassen vom treuelosen Theseus, gerettet von Dionysos, der auf Naxos in Yria ein bedeutendes Heiligtum besaß. Sein göttlicher Halbbruder Apollon sollte gar einen kolossalen Tempel erhalten, den man zwar nie fertigstellte, dessen Tor aber zum Wahrzeichen der Insel wurde.
Melos durch Obsidian-Vorkommen seit Urzeiten reich, ist Schauplatz eines vom Historiker Thukydides im 5. Jahrhundert v. Chr. in Szene gesetzten Dialogs, in dem es um Macht und Recht geht.
Wunder gibt es immer wieder! Das zeigt die Gottesverehrung auf Tenos. Einst war es Poseidon, auf den Verzweifelte und Kranke alle Hoffnung setzten und dabei nicht selten durch wundersame Heilungen belohnt wurden. Heute ist es die Gottesmutter Maria, deren wundertätiges Bildnis in einer Wallfahrtskirche verehrt wird.
Und dann ist da noch Thera / Santorin, deren unbeschreibliche Schönheit das Ergebnis einer der größten Naturkatastrophen aller Zeiten war – die uns aber gleichzeitig Momentaufnahmen des Lebens vor über 3.000 Jahren geschenkt hat.

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Weitere Infos & Material


ZUR EINSTIMMUNG


Abb.1 Blick in die Caldera von Santorin

Schauplätze – Die Kykladen im Wandel der Zeiten


Wer heute die Inselwelt der Kykladen bereist, befindet sich meist unbewusst auf der Suche nach der typischen Postkartenidylle, die längst zum Synonym für Griechenland schlechthin geworden ist: Strahlendweiße würfelförmige Häuser mit blauen Dächern, umgeben von der nicht minder tiefblauen Ägäis, eingetaucht in gleißendes Sonnenlicht (Abb.1); ein Szenario, das zum Träumen verführt und vor allem pure Erholung verspricht. Der besondere Ruf von Mykonos und Ios als freizügige Partyinseln lenkt dann in der Regel vollends den Blick auf die angenehmen Seiten des Lebens. Klassische Bildung scheint in diesem Klischee dagegen nicht unbedingt vorzukommen. Nur wenige der jungen Partybegeisterten, die im Hochsommer alljährlich in Scharen auf die ansonsten höchstens von 1500 Personen bevölkerte Insel Ios strömen, dürften wohl dorthin reisen, um Ausschau nach dem Grab Homers zu halten, der dort laut Pausanias (10, 24, 2), einem griechischen Reiseschriftsteller des 2. Jhs. n. Chr., aus Verbitterung darüber starb, dass er ein Rätsel nicht lösen konnte, das ihm die einheimischen Fischer gestellt hatten. Überhaupt gibt es kaum Ereignisse oder bekannte Persönlichkeiten, die im kulturellen Gedächtnis der Menschheit so fest mit den Kykladen verbunden sind, dass die Inseln deshalb prominente Erinnerungsorte wären, die es unbedingt aufzusuchen gilt. So braucht es auch Niemanden zu wundern, dass die Kykladen nicht unbedingt als erste Adresse für Bildungsreisende gelten. Wer die berühmtesten klassischen Schauplätze Griechenlands aufsuchen möchte, zählt in der Regel die Kykladen ganz anders als Athen, Delphi, Epidauros, Mykene und Olympia nicht zu seinen Topfavoriten.

Zum Auftakt – Museums- statt Meeresluft


Bevor wir jedoch die Reise beginnen können, sollten wir uns mit der Geschichte der Inselregion zumindest in den Grundzügen vertraut machen. Hierzu eignet sich insbesondere der Besuch zweier einschlägiger Museen in der griechischen Hauptstadt Athen, ist doch der dortige Flughafen wegen der vielen internationalen Verbindungen ohnehin meist die erste Station einer Kykladenreise, dies gilt in der Regel auch für diejenigen, die mit dem Zug, dem Bus oder dem eigenen Auto anreisen wollen. Denn man erreicht die Kykladen am bequemsten per Fähre von Athens Hafen Piräus aus. Es spricht folglich so einiges dafür, die Inselrundreise hier beginnen zu lassen.

Abb.2 Marmornes Kykladenidol, 3. Jt. v. Chr., Nationalmuseum Athen

Zeitlos schön – Die Kykladenidole und ihre Epoche


Ins Auge springen sogleich die unzähligen kleinen Marmoridole aus der Bronzezeit (Abb.2), die in geradezu modern-abstrakter Gestaltung menschliche Wesen beider Geschlechter zeigen. Die nach den Inseln benannte Kykladenkultur erreichte im 3. Jt. v. Chr. (2700–2250v.Chr.) ihren Höhepunkt. Damals lebten die Menschen in Familienverbänden in Dörfern, die über die Inseln verstreut waren. Es wurde Ackerbau betrieben, man pflanzte Weinreben sowie Olivenbäume und züchtete Schafe, Ziegen sowie Schweine. Es gab einen regen Handelsverkehr nach West und Ost. Marmor (Naxos und Paros), Obsidian (Melos), Bauxit und Kupfer (Naxos) wurden exportiert, Zinn aus dem Osten importiert. Zum Transport dienten Langschiffe ohne Segel, die mit bis zu 40 Ruderern bemannt waren. Nach Ausweis der Grabbeigaben gab es bereits eine elitäre Oberschicht. Im Lauf der Zeit wuchs die Bevölkerung, und je mehr Menschen sich um Haus und Hof kümmern konnten, umso mehr Männer widmeten sich der Seefahrt, dem Handel und der Piraterie, was wiederum dazu führte, dass man anfing, die Siedlungen durch Befestigungen vor Überfällen zu schützen.

Abb.3 Kykladenpfanne, 3. Jt. v. Chr., Archäologisches Museum Naxos

Eine farbenfrohe Epoche – Die Herrschaft des Minos


Im 2. Jt. v. Chr. kam die Ägäis unter den Einfluss der kretischen Minoer. Über die Gründe des Niedergangs der Kykladenkultur kann man nur spekulieren: Sickerten neue Bevölkerungsgruppen ein? Verringerten sich die Bodenerträge, sodass die Abhängigkeit von Importen wuchs? Brach der Handel zusammen, weil die von den Kretern entwickelten mit Segeln ausgerüsteten Schiffe denen der Kykladenbewohner überlegen waren? Gab es soziale Unruhen, Aufstände? Haben Erdbeben schwere Schäden angerichtet?

(1,4).

„Minos“ war kein Eigenname, sondern wahrscheinlich ein vererbbarer Titel des Königs. Von diesem Wort, das einer vorgriechischen Sprache angehört, ist der Name der Kultur abgeleitet, die alle Inseln der Ägäis geprägt hat. Wenn Thukydides davon spricht, dass die Minoer die Kykladen als Erste besiedelten, so meint er wohl, dass sich unter ihrer Herrschaft erstmals so etwas wie staatliche Strukturen herausbildeten. Heute weiß man, dass die Minoer die Kykladen nicht beherrschten, sondern dass sie vielmehr Handelsniederlassungen gründeten und dadurch eine starke, auch kulturelle Dominanz erlangten.

Abb.4 Schiffsfresko aus Akrotiri, Ende 17. Jh. v. Chr., Nationalmuseum Athen

Im ersten Stock des Athener Nationalmuseums kann man besonders farbenfrohe Erzeugnisse dieser bunten Epoche bewundern. Es handelt sich dabei um Wandmalereien, die auf der Kykladeninsel Santorin zum Schmuck von Häusern einer einst lebhaften, beim heutigen Ort Akrotiri gelegenen bronzezeitlichen Hafensiedlung dienten, die bei einem Vulkanausbruch wohl im 17. Jh. v. Chr. verschüttet wurde. Zu sehen sind reich gewandete junge Frauen (Göttinnen, Kultdienerinnen?), boxende Knaben, ein Fischer mit seinem reichen Fang und Tiere aller Arten, darunter die berühmten fliegenden Schwalben. Ein Fresko wirft besondere Fragen auf: Es schmückte die Wände des Zimmers 5 im oberen Stockwerk des Westhauses und zeigt ein großes Panorama mit einer Schiffsprozession auf dem Meer und menschlichen Siedlungen am Ufer (Abb.4). Über Soldaten auf einem Schiff sind „Eberzahnhelme“ aufgehängt, die man eigentlich erst aus der mykenischen Zeit kennt. Hatten die Theräer ebenfalls derartige Helme? Waren schon in so früher Zeit Mykener auf der Insel – als Herrscher oder als angeworbene Söldner?

Neue kriegerische Herren – Die goldreichen Mykener auf den Kykladen


Man geht davon aus, dass die kykladische Inselwelt um 1500v.Chr. von neuen, noch kriegerischeren Herren, als die minoischen Kreter es waren, erobert worden ist. Diese kamen diesmal von Westen, vom griechischen Festland her, auf dem sie sich ca. 2000v.Chr. festgesetzt hatten. Das Athener Nationalmuseum beherbergt die grandiosen Funde Heinrich Schliemanns aus Mykene und ermöglicht damit vor Ort einen einzigartigen Einblick in die materielle Kultur der nach diesem Hauptfundort benannten Mykener.

Ägyptische Quellen sprechen von „Seevölkern“. Über die Frage, wer sie waren, woher sie kamen und ob sie wirklich die Ursache der globalen Katastrophe gewesen sind, rätselt die Wissenschaft bis heute. Man nimmt an, dass es eine durch klimatische Veränderungen im Mittelmeerraum verursachte Dürreperiode mit entsprechendem Getreidemangel und nachfolgender Hungersnot gegeben haben könnte. Daraufhin dürften Unruhen und Aufstände ausgebrochen sein. Die Infrastruktur brach jedenfalls mit Sicherheit zusammen. Viele Menschen verließen ihre Heimat und suchten neue Siedlungsgebiete.

Bewegte Zeiten – Aristokraten geben den Ton an


Viele der Emigranten fanden auf den ägäischen Inseln und an der kleinasiatischen Westküste eine neue Heimat. Als um 1000v.Chr. die Dorer, von Norden kommend, in Griechenland einwanderten (Dorische Wanderung), machten sich erneut Menschen auf den Weg in den Osten. Die größte Gruppe unter ihnen bildeten die Ionier, die sich auf fast allen Kykladeninseln festsetzten (Ionische Wanderung). Ziele der Dorer waren Kreta, Rhodos, Melos und Thera, die Äoler wählten Lesbos als ihre neue Heimat.

Zwei Zeitzeugen der Extraklasse –...




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