E-Book, Deutsch, Band 54, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
Roberts Skull-Ranch 54
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1368-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Chet Quade, ich will dich sterben sehen
E-Book, Deutsch, Band 54, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
ISBN: 978-3-7517-1368-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In den Goldgräberstädten und Minencamps herrscht ein wildes Leben. Mit den Diggern strömen unzählige Glücksritter und Banditen ins Land.
Zu ihnen gehört auch Milt Atkins. Seit er sich in Hotdog City als Salooner niedergelassen hat, ist dort der Teufel los. Mit brutaler Gewalt und schmutzigen Tricks schwingt er sich zum skrupellosen Herrscher über die kleine Goldgräberstadt auf. In seiner grenzenlosen Gier nach Gold schreckt er vor nichts zurück.
Da stellt sich ihm ein Mann in den Weg, dem er einst tödliche Rache geschworen hat: Chet Quade!
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Chet Quade,
ich will dich sterben sehen
von Dan Roberts
In den Goldgräberstädten und Minencamps herrscht ein wildes Leben. Mit den Diggern strömen unzählige Glücksritter und Banditen ins Land. Zu ihnen gehört auch Milt Atkins. Seit er sich in Hotdog City als Salooner niedergelassen hat, ist dort der Teufel los. Mit brutaler Gewalt und schmutzigen Tricks schwingt er sich zum skrupellosen Herrscher über die kleine Goldgräberstadt auf. In seiner grenzenlosen Gier nach Gold schreckt er vor nichts zurück.
Da stellt sich ihm ein Mann in den Weg, dem er einst tödliche Rache geschworen hat: Chet Quade!
Chet schnalzt mit der Zunge. Der Rappe geht schneller, trabt an dem Fleischwagen vorbei und schnaubt, als ihn der schlanke Reiter neben den Deichselpferden zügelt.
Quade beugt sich hinab, packt das Zaumzeug eines Tieres und reißt hart daran.
Es geht steil bergauf, und die vier Zugpferde müssen mächtig arbeiten, um den Wagen in Bewegung zu halten.
Etwa neunhundert Pfund Rindfleisch liegen auf der Ladefläche, und dieses Fleisch ist für die hungrigen Goldsucher in Hotdog City bestimmt.
Die Siedlung liegt nordwestlich des Bluegrass Valleys am Rande des Grand-Mesa-Landes.
Und Hotdog City ist eine böse, wilde Stadt, in der sich ein Mann für harte Dollar oder Gold fast alles kaufen kann, was er nur wünscht.
Aber wichtig ist vor allem das Essen, und die meisten der Digger machen sich nicht die Mühe, dem Wild nachzustellen.
John Morgan, der vor einiger Zeit das Bluegrass Valley in Besitz nahm, hat das richtig erkannt und versorgt die umliegenden Camps und Towns mit Rindfleisch.
»Weiter, ihr müden Böcke, zieht, zieht endlich richtig!«, schreit Jimmy Twodance, der auf dem Kutschbock sitzt.
Der junge Reiter lässt die Peitsche knallen, und die zerfaserten Lederschnüre fahren scharf zwischen die Ohren der Deichselpferde.
Jimmy fährt mit Chet nach Hotdog City.
Eigentlich lässt sich Doc Smoky es nicht nehmen, diese Ladungen zu ihren Zielorten zu bringen.
Aber Hotdog City, nein, da passte der alte Koch. Bei seinem letzten Besuch hat man ihm in dem rauen Nest beim Pokern den letzten Dollar abgenommen.
Die Kartenhaie hatten ihn beinahe bis aufs Hemd ausgezogen, und der Alte weiß bis heute noch nicht, wie sie es schafften, ihn so reinzulegen.
Als John Morgan vorschlug, er solle die Lieferung nach Hotdog City fahren, hatte der Oldtimer sich hartnäckig geweigert: »Ich bin doch nicht verrückt, Boss! Nie wieder fahre ich dorthin! In der Stadt wird man ja ausgeraubt!«
Und so kam es, dass Jimmy Twodance und der Vormann die Ladung wegbringen.
Chet muss grinsen, wenn er an Doc Smoky denkt.
Die Steigung wird etwas sanfter, aber noch immer greifen die Zugpferde mächtig aus.
Sie legen sich mit all ihrer Kraft ins Geschirr und zerren den Wagen auf den höchsten Punkt.
Der Weg verläuft ab hier flach, denn Hotdog City liegt vor dem Grand-Mesa-Land, der gigantischen Hochebene nordöstlich des Bluegrass Valleys.
Chet lässt das Zaumzeug los, schaut sich nach Jimmy um, der sich erleichtert zurücklehnt und stößt sich den Hut in den Nacken.
»Das Schlimmste ist geschafft, Chet!«, ruft der junge Cowboy.
Quade nickt und mustert aus zusammengekniffenen Lidern die zerklüfteten Felswände rings umher.
Nur vereinzelt wachsen Bergkräuter in kleinen Höhlungen, in die Wind und Wasser Erde gespült haben.
Ab und zu reckt ein Wacholderbusch seine Zweige gegen den tiefblauen Himmel.
Ansonsten kriechen nur Moose und Steingewächse in dieser Höhe über den Granit.
Doch in den Taleinschnitten wächst Gras, wachsen Coloradozedern, denn in den Schluchten und Canyons gibt es genügend Wasser.
Und noch etwas ist dort zu finden: Gold!
Das gelbe Metall, das die Gehirne so vieler Menschen durcheinanderbringt, ein gieriges Funkeln in den Augen aufglimmen lässt, ist hier in den Felsen verborgen.
Und die Abenteurer, Digger und Spieler werden wie magisch von der Kunde eines Goldfundes angezogen.
Alle hoffen, endlich eine Bonanza zu finden und ausgesorgt zu haben. Aber die meisten finden gerade so viel, dass sie nicht verhungern müssen, mehr auch nicht.
Sie verlassen nach Monaten oder gar Jahren die Goldfelder, reisen in zerlumpten Kleidern wieder nach Hause und nehmen unterwegs jeden Job an, um weiterzukommen, und stehen mit leeren Händen vor ihren Frauen und Kindern.
Aber die Bitterkeit ihrer Angehörigen hält diese Menschen nicht davon ab, dem nächsten Ruf nach Gold wieder zu folgen.
Chet hat nur ein kaltes Lächeln für das gelbe Metall übrig.
Der ehemalige Revolvermann hat im Einsatz für die Skull-Ranch, deren Vormann er geworden ist, einen neuen Lebenssinn entdeckt. Daran ist nicht zuletzt die hübsche Rancherstochter Mary-Lou schuld.
Chet ist die Stütze der Ranch, und gemeinsam mit Doc Smoky, General Carrington, Brazos, Shorty und dem Raubwildjäger Leroy Spade bewahrte Chet die Ranch manches Mal vor Tod und Untergang.
Der schwerbeladene Wagen läuft leichter dahin.
Quade sieht bereits einige der Zelte, in denen die Digger hausen. Inzwischen haben sich die Sägen der Holzfäller in den Wald hineingefressen, und viele Gebäude Hotdog Citys sind von geschickten Handwerkern aufgebaut worden.
Aber noch immer leben die meisten Digger in Zelten, Erdlöchern und Lehmhütten an ihren Claims.
Die Häuser sind nur für die aalglatten Kerle, die Kartenhaie und Barkeeper und für die Flittergirls, die auch hier nicht fehlen.
Denn wenn ein Mann vierzehn Stunden am Tag wie ein Maulwurf in der Erde herumgewühlt hat, braucht er Abwechslung.
Und so trägt er den kargen Gewinn, den er machte, zu den Mädchen, in die Pokerhallen und in die Saloons.
Und diese Menschen, die den Diggern die letzten Cents aus den Taschen ziehen, sind die eigentlichen Gewinner dieses großen Spieles um Gold.
»Bald haben wir es geschafft!«, ruft Jimmy Twodance fröhlich.
Der junge Cowboy freut sich auf Hotdog City. Zwar hat die Stadt einen bösen Ruf, sie bietet auch etwas Abwechslung vom Cowboyalltag.
»Wir bleiben über Nacht«, antwortet Chet, der zum Wagen geritten ist.
Der Vormann wirkt plötzlich ziemlich angespannt. Sein Gesicht ist verschlossen, lässt keine Regung erkennen, und nur die dunklen Augen zeigen Leben.
Chet spürt mit dem Instinkt des Kämpfers, dass etwas auf sie wartet, etwas, was er noch nicht erkennen oder gar deuten kann.
Aber er kann sich auf seine Gefühle verlassen und beschließt, mächtig vorsichtig zu sein.
Die eisenbereiften Räder des Wagens sinken tief ein, als die vier Zugtiere ihn durch die sogenannte Mainstreet ziehen.
Im Herbst und im Frühjahr ist diese Straße mit einem halben Yard Schlamm bedeckt. Aber jetzt, im Sommer, liegt der Staub fußhoch, und die Räder mahlen schwer hindurch.
Es ist später Nachmittag, und eigentlich müssten die Digger noch wie die Verrückten in ihren Löchern wühlen, aber irgendetwas ist geschehen.
Denn eine Menge Männer marschieren über die hochgelegenen Stepwalks, stapfen durch den Staub der Mainstreet und scheinen alle ein Ziel zu haben: den Hotdog-City-Saloon.
Und neben diesem Saloon liegt der Store, der alles kauft und verkauft, was sich nur handeln lässt.
Chet hält sich dicht neben dem Kutschbock.
»Die Burschen sind aufgeregt«, meinte Jimmy Twodance. »Vielleicht hat jemand richtiges Glück gehabt und ein Pfund Nuggets gefunden.«
Chet blickt den jungen Cowboy schnell von der Seite her an.
Sollte auch Jimmy den Lockungen des Goldes erlegen sein?
Nein, der junge Bursche verzieht sein Gesicht, das von einigen Sommersprossen geziert wird, zu einem Grinsen.
Vier ältere Männer, mit schmutzigen Hemden, zerschlissenen Hosen und grauen, filzig wirkenden Bärten marschieren aus einer Seitengasse heraus, die nach kaum dreißig Yards zwischen Pfählen und Leinen mündet.
Dort beginnen bereits die Claims.
Die Bärtigen sehen Chet und Jimmy und nicken den beiden freundlich zu. Die Digger kennen die Männer der Skull-Ranch, die etwa alle sechs Wochen eine mächtige Ladung Fleisch bringen und auch Goldstaub als Bezahlung akzeptieren.
Und Chet weiß, wer diese vier Oldtimer sind.
Sie gehören dem Komitee an, das alle Streitigkeiten regelt, das Claimansprüche überprüft und gewissermaßen das Gesetz in diesem wilden Land und der Stadt vertritt.
Die Graubärte wirken irgendwie unsicher, bedrückt. Es scheint, als sei etwas nicht so gelaufen, wie es hätte laufen sollen.
Chet kümmert sich nicht um die Schwierigkeiten der Digger. Er hat einen ganz bestimmten Auftrag, und der betrifft nur das Fleisch.
Jimmy Twodance zügelt die Wagenpferde vor dem Store.
Elmer Jones, der Besitzer des Geschäftes kommt heraus, grinst über das ganze fette Gesicht und reibt sich ungeniert die Hände.
Er weiß, dass diese Fleischladung ihm einen riesigen Profit bringen wird.
Und vielleicht schafft er es diesmal, die Kerle von der Skull-Ranch übers Ohr zu schlagen.
Aber er hat Pech.
Chet kann verdammt gut rechnen und lässt sich nicht...




